Dienstag, 27. August 2013

Standpunkt 739 - Nachrichten-Ticker, 26.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Marc Faber – Deutsche Maschinenbauer schwach – Schweden vs. Banken – Finanzmärkte robust? – Weidmann zur Krise in Europa – US-Ökonom kritisiert Banken und Politik – USA in Rezession


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Marc Faber warnt: Banken sind nicht sicher – Gold kann konfisziert werden
(finanzen100.de) Dr. Marc Faber hält die Finanzkrise noch bei weitem nicht für ausgestanden. Stattdessen sieht der Börsenexperte heute neue Risiken, die die Anleger demnächst viel Geld kosten können. Mehr...

Kommentar: Wie üblich bezieht Marc Faber klar Position. In diesem Beitrag erinnert er erneut an die Umstände der Zypern-Hilfe und ihre Folgen: "In Banken sei das Geld der Sparer nicht mehr sicher." Außerdem hält er ein "Goldverbot" für möglich. Ein kleiner Vorgeschmack auf unser angekündigtes Update zum Thema Enteignung. 


Maschinenbauer müssen Exporte drosseln
(manager-magazin.de) Ohne seine Maschinenbauer wäre Deutschland kaum Exportweltmeister. Doch die schwache Weltkonjunktur setzt der Vorzeigebranche zu: Im ersten Halbjahr sank die Ausfuhr von Maschinen und Anlagen um 3,2 Prozent. Im zweiten Halbjahr soll die Nachfrage aber wieder steigen. Mehr...

Kommentar: Es macht sich halt doch bemerkbar, wenn sich die ganze Welt in einer Rezession befindet, mittlerweile sind auch die Schwellenländer dazu gestoßen. Einkaufsmanagerindex und Ifo-Geschäftsklimaindex können diese Tatsache nur bedingt kompensieren. 


Schweden will Banken strenger regulieren
(derstandard.at) Die Schweden sind auf dem besten Weg, ihren Banken eine härtere Gangart angedeihen zu lassen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, soll Finanzmarktminister Peter Norman neue Maßnahmen zur Stärkung der schwedischen Bankindustrie vorgeschlagen haben. Demnach soll die Aufsichtsbehörde mehr Befugnisse erhalten. Mehr...

Kommentar: Einmal mehr sind die Schweden der EU voraus. Genauso bei der Abschaffung des Bargeldes. Während sonst nur hinter vorgehaltener Hand über dieses Thema diskutiert wird, bevorzugt innerhalb der EZB, macht Schweden Nägel mit Köpfen (hier). 


Finanzmärkte sind jetzt deutlich robuster
(derstandard.at) Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln bescheinigt in einer Bilanz den Regulierern Erfolge, sieht aber auch noch Baustellen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Das ist ein Fake, ein Angriff auf die Intelligenz, eine glatte Lüge, was das IW Köln gerade verbreitet. Und, wie die Meldung zeigt, auch so verbreitet wird. Die neue Eigenkapitalrichtlinie gegenüber der Öffentlichkeit als Regulierung zu verkaufen, ist der blanke Hohn. Die Behauptung von IW-Direktor Michael Hüther"durch die neuen Regeln ist das Geld der Steuerzahler bei Bankenkrisen besser geschützt als bisher", ist reine Propaganda. Hüther verspottet alle, die demnächst vollkommen wehrlos für die jahrelangen Fehler der Politik büßen müssen. Die Krise in Europa steht immer noch am Anfang, das Ende ist noch lange nicht in Sicht. Alle Maßnahmen, die bisher ergriffen worden sind um die Krise angeblich zu beenden, verschärfen sie nur und verlängern das Leiden. Die kommenden Wochen und Monate werden unsere Aussage belegen. Wer will, der findet hier die Pressemitteilung aus Köln.

Der FOCUS kommt zu einer anderen Einschätzung. Er titelt zum gleichen Thema "Lasche Vorschriften, Aufsichts-Chaos - Fünf Jahre nach Lehman hat sich kaum etwas geändert" und schreibt im Vorspann: "Vor rund fünf Jahren eskalierte die Finanzkrise mit der Lehman-Pleite. Haben Politik und Aufsichtsbehörden daraus gelernt oder könnte das Desaster sich wiederholen? Das Institut der deutschen Wirtschaft kommt zu teils beunruhigenden Ergebnissen." Mehr hier. Der FOCUS hat die Studie offensichtlich gründlicher gelesen als der österreichische STANDARD. Und hat eine Stelle gefunden und zitiert, die den Lügen des IW Köln die Krone aufsetzt: "Die Finanzmärkte in Europa seien bereits 'kräftig umgekrempelt und weitere Maßnahmen eingeleitet worden'." 


"Die Krise ist nicht vorbei"
(handelsblatt.com) Griechenland und den anderen Krisenstaaten dürfen aus Sicht des Bundesbank-Chefs keine Schulden mehr erlassen werden. Jens Weidmann plädiert für ein anderes Krisenkonzept. Griechenland geht seinen eigenen Weg. Mehr...

Kommentar: Weidmanns Erkenntnis ist uns an sich keine Erwähnung wert. Darauf, dass die Krise nicht vorbei ist, weisen wir sowieso immer hin. Uns hat sein "anderes Krisenkonzept" interessiert. Nichts davon haben wir in dem Beitrag gefunden. Die Forderung nach Reformen in Griechenland ist nicht neu und so lange nutzlos, wie sich dahinter nur, nicht erfüllbare Spardiktate verbergen. Die haben die Wirtschaftsleistung in den Keller und die Staatsschulden nach oben gedrückt. Eine logische Folge wenn man bedenkt, dass die vielen Milliardenhilfen durch das Land hindurch geflossen sind, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Wir haben diese Tatsache vor einiger Zeit mit Hilfe der folgenden Karikatur begreiflich gemacht:


Quelle: crisiscartoon


Jens Weidmann findet, "Banken ohne tragfähiges Geschäftsmodell sollten nicht mit öffentlichem Geld am Leben gehalten werden". Er möchte diese Institute abwickeln. Schon nicht mehr neu, wie an dem Modell der zyprischen Banken-Rettung abzulesen ist. Ein schlüssiges Konzept hat er nicht zu bieten, lieber gibt er den Greenspan und versteckt sich hinter Floskeln, wo klare Aussagen dringend nötig wären. Macherqualitäten sind nicht sein Ding. Ginge es ihm wirklich um "Banken ohne tragfähiges Geschäftsmodell", dann könnte er direkt vor der Haustür der Bundesbank in Frankfurt sehr schnell fündig werden. Oder bei den Landesbanken. Oder bei der HRE, entstanden als Bad Bank der früheren HypoVereinsbank, deren nutzloser Rettung er tatenlos zugesehen hat. Damals nicht als Bundesbankpräsident, aber in unmittelbarer Nähe der Kanzlerin, als Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Finanzpolitik im Bundeskanzleramt. Die Bundesbank sieht sich als oberster Sachwalter der Interessen deutscher Banken. Deshalb geht es ihm zuallererst darum, für den Schaden aus deren verpfuschten Geschäftsmodellen in den europäischen Krisenstaaten andere verantwortlich zu machen. Was das heißt, ist längst klar: Zugriff auf die Sparguthaben in Zypern, demnächst in Griechenland, Spanien, Italien, usw. In Irland, Portugal und Frankreich haben die Menschen schon mit Teilen ihrer Pensionsansprüche dafür bezahlt. Irgendwann ist bei den Nachbarn nichts mehr zu holen, dann sind die Deutschen dran. Garantiert. Das ist das Weidmann'sche Konzept. 


US-Ökonom: "Banken und Politik tragen Schuld"
(diepresse.com) Der US-Ökonom Jeffrey D. Sachs über die neue Armut, die mangelnde Weitsicht von Politikern und seine Enttäuschung über Barack Obama. Mehr...

Kommentar: Ein lesenswertes Interview. Sachs redet auf den Punkt. Das gefällt uns. 


The Recession That Never Ended: 2008 -2013 (And Counting)
(zerohedge.com) The reality is that the recession never ended for 95% of U.S. households, and by many metrics the recession has deepened. Read more...

Kommentar: Der Beitrag lebt von seinen Grafiken. Die sind eindrucksvoll und leicht verständlich. Die Geldpolitik der Fed bleibt wirkungslos. Trotzdem glauben wir nicht an ein schnelles Ende. Irgendwie muss die US-Notenbank weitermachen. Zusätzlich zu ihrer anstehenden Aufgabe, demnächst die chinesischen Banken retten zu müssen. 


Quelle: toonpool.com



"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.