Samstag, 31. August 2013

Standpunkt 742 - Nachrichten-Ticker, 29.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Deutschland-Krise – Wohlfahrtsstaat Deutschland – Finanzmarktregulierung


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Deutschland spart sich kaputt
(wsj.com) Deutschlands Unternehmen investieren immer weniger. Seit einem Jahr fahren sie ihre Investitionen in Anlagen und Ausrüstungen nun schon zurück. Ökonomen führen das unter anderem auf die Unsicherheit über die Zukunft der Eurozone und die hohe preisliche Wettbewerbsfähigkeit zurück. Unterlagert wird diese kurzfristige Schwäche zusätzlich von einem langfristigen Trend, in dem die Investitionen relativ zur Wirtschaftsleistung sinken. Ein Grund ist, dass viele Unternehmen zunehmend im Ausland investieren. Mehr...

Kommentar: Im vorletzten Standpunkt haben wir uns im Zusammenhang mit der Pleite von Detroit ausgiebig mit den maroden, finanziellen Verhältnissen der deutschen Kommunen befasst (hier). Deren Folgen sind für die deutschen Steuerzahler heute noch gar nicht abschätzbar. 

Bereits im Juni hat sich das WALL STREET JOURNAL sehr ausführlich damit beschäftigt, dass deutsche Unternehmen seit einem Jahr immer weniger investieren. Dadurch werden sich die Schwierigkeiten für die deutschen Kommunen in absehbarer Zeit noch verschärfen. 

Die Analyse kommt zu ernüchternden Ergebnissen. So wird beispielsweise Marcel Fratzscher vom DIW in Berlin zitiert: "Die deutsche Wirtschaft steht längst nicht so gut da, wie viele derzeit denken. Seit 1999 hat Deutschland einen Investitionsrückstand von rund 1 Billion Euro aufgebaut und dadurch erhebliche Wachstumschancen verpasst". Die Unternehmen investieren mittlerweile lieber im Ausland. Dazu der KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner: „Die deutschen Unternehmen haben früh die Vorteile der Internationalisierung erkannt und insbesondere in Zulieferindustrien im benachbarten Ausland investiert", sagt er. Vorzugsweise in den osteuropäischen Billiglohnländern. Zeuner weiter: „Außerdem hat die Lohnentwicklung des letzten Jahrzehnts weniger Rationalisierungsinvestitionen nötig gemacht." Klar, weil Deutschland sich in diesem Bereich stetig zum Lohnminusmeister entwickelt hat. Das Ergebnis lässt sich an den folgenden beiden Grafiken ablesen.

Ungleiche Einkommensverteilung in der Eurozone: 


Ungleiche Vermögensverteilung in der Eurozone: 


Diese Entwicklungen nähren natürlich das Gefühl der Deutschen, der Euro und die Krisenländer in Südeuropa seien Schuld an dieser Misere. Schuld daran ist die Hetze des heimischen Mainstreams, dem das "BILD"-ungsbürgertum nur zu gerne auf den Leim geht. Es ist eben leichter die Fehler bei den Anderen zu suchen, statt sich an die eigene Nase zu fassen. Viel Verantwortung an dieser Situation tragen auch die Gewerkschaften, die schon seit Jahren Politik und Wirtschaft tatkräftig dabei unterstützen, die Einkommen und Vermögen in Deutschland zu schleifen. 

Es lohnt sich auch, diesen Links im Beitrag zu folgen: "KfW-Chefvolkswirt Zeuner: Die Schuldenbremse nicht übererfüllen" (hier) und "Deutschlands Exportsucht zerstört die Euro-Zone" (hier), ein Beitrag des US-Ökonomen Adam Posen. Außerdem noch "Deutschland verlangt den Krisenländern zu viel ab" (hier). 


Wie geht's, Deutschland?
(manager-magazin.de) Eine Analyse der Boston Consulting Group bewertet die Lebensqualität in 150 Ländern. Deutschland schneidet überraschend gut ab - die Bundesrepublik gehört zu den Ländern mit dem höchsten Wohlfahrtsniveau weltweit. Mehr...

Kommentar: Der Beitrag liefert wenige Wochen vor der Bundestagswahl den Beweis für das deutsche Märchen von einer schönen heilen Welt. Natürlich erst geschaffen und verteidigt von Angela Merkel, der Eisernen Lady Kanzlerin der Deutschen und Kaiserin von Europa (dazu unser Beitrag "Angie I. - Kaiserin von Europa", hier). Wie lange lässt sich dieses Märchen noch aufrechterhalten? Auf jeden Fall bis nach dem 22. September. 


Quelle: presseurop.eu


Deutschland und die Finanzmarktregulierung fünf Jahre nach der Krise
(oekonomenstimme.de) Auch fünf Jahre nach der Finanzkrise ist bei der Restrukturierung des deutschen Banksystems und bei der Bankenregulierung kaum etwas geschehen. Die öffentlichen Diskussionen drehen derweil immer noch im Empörungsmodus über Boni und Abzocker. Mehr...

Kommentar: In diesem Bereich ist die Leistung der Kanzlerin gleich Null. Diese Untätigkeit wird ihre Wähler viel Geld kosten, ein regelrechtes Blutbad anrichten. Gut möglich, dass es Angela Merkel bis dahin gerade noch schafft, sich aufs politische Altenteil zurückzuziehen, um sich so aus der Schusslinie zu nehmen. Bis dahin helfen ihr noch ein paar Bankenrettungen und Schuldenschnitte über die Runden. Wetten?


Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.