Montag, 30. September 2013

Standpunkt 773 - Nachrichten-Ticker, 29.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Schuldenbremse in Deutschland (2 Beiträge) – Österreich-Wahl (3) – Marc Faber


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"

Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier  für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Ökonom sieht deutsche Schuldenbremse in Gefahr
(welt.de) Lüder Gerken warnt vor den Folgen einer großen Koalition. Dieses Bündnis könnte den deutschen Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Griechenland ist für den Europa-Experten ein hoffnungsloser Fall. Mehr...

Kommentar: Lüder Gerken leitet das Centrum für Europäische Politik (CEP), stramme Verfechter neoliberaler Lehren, die nachdrücklich in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden sollen. Im Kuratorium des CEP treiben Ex-Bundespräsident Roman Herzog und Ex-Bundesbanker Hans Tietmeyer ihr Unwesen. Leider sind diese Leute kaum in der Lage, auf die Krise in Europa die richtige Antwort zu finden. Die Ideen von Hayek und Konsorten, ideologische Basis dieses Think Tanks,  taugen dazu definitiv nicht. Sie sind viel zu dogmatisch. Die Autorin des Beitrags, Dorothea Siems, neoliberale Hardlinerin, findet an Gerken's Aussagen natürlich Gefallen. Wir nicht. Für uns beispielsweise sorgt die Schuldenbremse dafür, dass immer weniger Länder und Kommunen die ihnen zufallenden öffentlichen Aufgaben wahrnehmen können.  


"Betonkrebs" zerfrisst die deutschen Brücken
(welt.de) Der Zustand der Verkehrswege in Deutschland ist alarmierend. Das gilt nicht nur für Straßen, sondern auch für kommunale Brücken – mehr als 30.000 sind marode und ein guter Teil nicht mehr reparierbar. Mehr...

Kommentar: Deutschland spart seine Infrastruktur kaputt. So kommt es, dass inoffizielle Schätzungen von 1 Billion Euro Investitionsrückstau hierzulande ausgehen, statt der offiziellen 100 Milliarden Euro-Schätzung der KfW. Der Beitrag gibt ein gutes Beispiel für die Versäumnisse. Und verdeutlicht den Quatsch hinter der Schuldenbremse. 


Wahl in Österreich: Alles gleich und doch ganz anders
(sueddeutsche.de) Wahlsieger in Österreich, man kann das mögen oder nicht, sind die Rechtspopulisten: Das rechte Lager in der Zweiten Republik hat knapp 30 Prozent der Stimmen ergattert. Zehntausende Protestwähler haben sich von den Traditionsparteien abgewendet und ihr Heil in den rechten Kritikern der "Systemparteien" gesucht. Was für ein schauriger Triumph. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Schade, dass die Österreicher gleich so übertreiben bei dem, was das HANDELSBLATT scheinheilig so interpretiert: "Der Rechtsruck als Weckruf". Sie schreibt: "Die Stärke der Populisten in Österreich hat eine europäische Dimension. In vielen Ländern wächst der Zuspruch am rechten Rand – auch weil sich vermeintliche Volksparteien vor allem durchwursteln. Das muss ein Ende haben." Mehr hier. Die ZEIT findet "Nationalratswahl in Österreich: Trauriger Europarekord" und fasst im Vorspann zusammen: "EU-feindliche Parteien erreichten zusammen über 30 Prozent der Stimmen – und werden künftig im Parlament gegen Eurokraten wettern. Gefährliche Aussichten." Mehr hier. Wir sind gespannt, wie die Österreicher selbst das Ergebnis ihrer Wahl in den kommenden Tagen bewerten...


Marc Faber Warns "We Have Reached The Endgame Of Monetary Policy"
(zerohedge.com) "One day this whole credit bubble will be deflated very badly - you are going to experience a complete implosion of all asset prices and the credit system..." Read more...

Kommentar: "Dr. Doom" Faber ist davon überzeugt: "Wir haben es erreicht, das  Endspiel der Geldpolitik". Dieser Beitrag nennt seine Gründe.   

Sonntag, 29. September 2013

Standpunkt 772 - Nachrichten-Ticker, 28.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

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Tagesthemen: Gewerkschaften für Große Koalition – Triple A für Österreich – Japan


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier  für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Gewerkschaften wünschen sich große Koalition
(faz.net) Die Vorsitzenden der großen Gewerkschaften meiden zwar offene Ratschläge an die SPD – ihre Erwartungen aber sind klar: Sie erwarten und wollen eine große Koalition. Mehr...

Kommentar: Die Haltung der Gewerkschaftsbosse ist keine wirkliche Überraschung. Längst haben die sich geschmeidig dem Mainstream in Deutschland angepasst und dafür ihre politische Heimat in der SPD weitgehend aufgegeben. Für diese Entwicklung steht in unseren Augen der DGB-Vorsitzende Michael Sommer, einerseits pflichtschuldig Mitglied der SPD, andererseits ein großer Verehrer der Bundeskanzlerin. Auf diese Weise helfen die Gewerkschaften der Regierung wieder einmal dabei, ihren Mitgliedern das Fell über die Ohren zu ziehen. 


Fitch bestätigt Triple A für Österreich
(wirtschaftsblatt.at)  Die Bestätigung unseres Triple A mit stabilem Ausblick durch die Ratingagentur Fitch erfreut auch Finanzministerin Maria Fekter. Sie führt die Bewertung nicht zuletzt auf "Budgetdisziplin, Strukturreformen und Offensivmaßnahmen in den Zukunftsbereichen" zurück. „Der eingeschlagene Reformpfad muss auch weiterhin konsequent in Richtung Nulldefizit 2016 verfolgt werden", betont Fekter. Allerdings sieht die US-Ratingagentur Fitch in einer neuen Analyse der österreichischen Banken weiterhin große Unsicherheiten im heimischen Finanzsektor. Die Sparprogramme sollten helfen, die schwache Erlössituation in vielen ihrer CEE-Tochterbanken und die Steuern auf den Finanzsektor abzufangen."Der Ausblick ist noch immer fragil", heißt es in dem heute Freitagnachmittag veröffentlichten Papier. Die Asset-Qualitäten müssten noch stabilisiert werden und das Kreditwachstum sowohl am Heimmarkt als auch in den zentralen osteuropäischen Märkten sei noch immer verhalten. Mehr...

Kommentar: Fitch liefert für die österreichische Öffentlichkeit eine tolle Show und versucht mit allen Mitteln der Beschönigung, das Land so lange wie möglich bei bester Gesundheit zu halten. Wir sind anderer Ansicht. Unsere regelmäßigen LeserInnen wissen das. Die absehbare Entwicklung in Osteuropa wird den Banken in Österreich mächtig zusetzen. Mehr jedenfalls, als Fitch bereit ist zuzugeben.


Sechs Halbwahrheiten über Japan
(fuw.ch) Dieses Jahr erwartet man für Japan unerhörte 3,5% Wachstum. Doch über den Erfolg des Landes kursieren viele Halbwahrheiten. Mehr...

Kommentar: In den deutschsprachigen Leitmedien wird die neue japanische Finanz- und Wirtschaftspolitik als Erfolg gefeiert. Aktuell in dem Beitrag "Japan bekämpft Deflation erfolgreich" des Schweizer TAGES-ANZEIGER (hier). Dieser Beitrag der FINANZ UND WIRTSCHAFT setzt sich kritisch mit den vermeintlichen Erfolgen auseinander und zieht ein nüchternes Fazit: "Vielleicht stellen sich die Halbwahrheiten am Ende als Wahrheiten heraus. Doch der bisherige Erfolg der Abenomics scheint eher auf der massiven Abwertung des Yens und überschwänglichen Erwartungen zu basieren. Alles andere ist grösstenteils Rhetorik. Die schwächere Währung treibt die Exportindustrie und führt zu einer importierten Inflation. Zwar können überdurchschnittlich hohe Wachstumszahlen erreicht werden, aber das Land und seine Bürger werden ärmer. Denn Japan exportiert zu tieferen Preisen und kauft zu höheren Preisen Importgüter ein. Eine Initialzündung durch die schwache Währung für langfristig hohes Wachstum ist unwahrscheinlich – die Bevölkerung schrumpft und die über 60-Jährigen halten die Macht. Umwälzende Strukturreformen mit den alten Apparatschiks der Liberaldemokratischen Partei sind nicht zu erwarten."
Quelle: chinadaily.com.cn

Samstag, 28. September 2013

Standpunkt 771 - Nachrichten-Ticker, 27.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

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Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Mario Draghi – Mario Draghi’s „Dicke Bertha“ – Reichensteuer – Goldman Sachs regiert die Welt     


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier  für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Mario und die "Dicke Bertha"
(format.at) Experten rechnen fest damit, dass Draghi die "Dicke Bertha" in den nächsten Monaten einsetzen wird entweder noch Ende dieses Jahres oder Anfang 2014.
Die aufgehellten Konjunkturperspektiven im Euroraum versprechen vorerst Ruhe an der Zinsfront. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) wird am Mittwoch nach dem einhelligen Urteil von Reuters befragter Experten die Leitzinsen auf dem historisch niedrigen Niveau von 0,5 Prozent belassen. "Die Inflationsrate dürfte noch geraume Zeit niedrig bleiben. Das gibt der EZB viel Spielraum, die Zinsen niedrig zu halten", erläutert Ökonom Kristian Tödtmann von der DekaBank. Doch von jenseits des Atlantiks kommt erhebliches Störfeuer auf Europa zu: Die sich abzeichnende Drosselung der ultralockeren Geldpolitik in den USA treibt die Zinskosten am Geldmarkt in die Höhe. Der Anstieg wird zusätzlich befeuert durch eine Entwicklung in Europa, nämlich die Rückzahlung der langfristigen Kreditlinien an Banken, mit der die EZB vor knapp zwei Jahren eine Kreditklemme verhinderte. Im Kampf gegen steigende Geldmarktzinsen könnte die Notenbank ein neues langfristiges Geldmarktgeschäft auflegen. EZB-Chef Mario Draghi hatte dieses gewaltige Zentralbank-Geschütz als "Dicke Bertha" bezeichnet. Der EZB-Präsident ist grundsätzlich zu einer neuen Liquiditätsspritze für das europäische Bankensystem bereit, falls die Marktzinsen weiter "ungerechtfertigt" steigen sollten. Die EZB hatte um die Jahreswende 2011/12 zwei jeweils drei Jahre lang laufende Kreditlinien an die Banken vergeben und dabei rund eine Billion Euro ins Finanzsystem gepumpt. Dass sich Draghi nun schon zum Nachlegen gezwungen sieht, erwartet jedoch kaum ein Experte. "Eine Vielzahl von EZB-Ratsmitgliedern hat zuletzt Spekulationen auf neue Maßnahmen der EZB geschürt. Allerdings befinden sich die Diskussionen innerhalb der EZB wohl noch in einem frühen Stadium", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Deshalb könnten die Hüter des Euro am Mittwoch die von manchem Investor gehegte Hoffnung enttäuschen: "Dies dürfte dem Geldmarkt einen Dämpfer versetzen." 
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Kommetar: Kommt es dazu, dann liegt es an der Handlungsunfähigkeit der europäischen Politik. Die hat die vielen Monate Zeit ungenutzt gelassen und es versäumt, sich die Deutungshoheit über die Krise zu verschaffen. Was wir meinen, dass haben wir bereits im August 2012 in dem Beitrag "Was macht Regierungen handlungsunfähig?" (hier) beschrieben. Nichts davon müssen wir zurücknehmen/korrigieren. Aus heutiger Sicht ist es eine bewusste Entscheidung in Berlin und Brüssel, sich von der Finanzindustrie "die Butter vom Brot nehmen" zu lassen. Die Spekulanten wird es begeistern, wenn Draghi zur dicken Bertha greifen muss, dann gibt es richtig was zu verdienen.


Arthur Laffer: "Reichensteuer? Das ist dumm"
(diepresse.com) Arthur Laffer, einst Wirtschaftsberater von Ronald Reagan, erklärt im "Presse"-Interview, warum wirtschaftspoltische Änderungen ihre Zeit brauchen. Mehr...

Kommentar: Dieses Interview vermittelt den Eindruck, dass die Gesprächspartner keine Ahnung von den Thesen John Maynard Keynes' haben. Wir glauben eher, dass sie davon nur nichts wissen wollen. So war Keynes  beispielsweise Ideengeber für den US-amerikanischen New Deal unter dem demokratischen Präsident Franklin D. Roosevelt, mit dem sehr erfolgreich die Weltwirtschaftskrise von 1929 bekämpft wurde. Teil dieser Maßnahmen waren Spitzensteuersätze zwischen zeitweise 70 und 90%, eine echte Reichensteuer also. Die Reichen damals konnten gut damit leben. Arthur Laffer hat offensichtlich keinen zeitgemässen Plan, der heutigen Krise beizukommen. Irgendwie ist er in den 1980er Jahren stehen geblieben. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Laffer kein Wort über die wahren Hintergründe der weltweiten Krise verliert. Nur ist es so, dass ohne eine tiefgreifende (aka: revolutionäre) Finanzreform eine Besserung, möglicherweise sogar eine Lösung, nicht in Sicht bleiben wird.


Wiederholung: Goldman Sachs - Eine Bank lenkt die Welt
(arte-tv) Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs ist in den letzten Jahren zum Symbol für Maßlosigkeit und ausufernde Spekulationen im Finanzbereich geworden. Ihre Geschäfte mit der Zahlungsunfähigkeit amerikanischer Privathaushalte haben sie zwar an den Rand des Bankrotts gebracht, aber letztlich wurde sie dank ihrer politischen Verbindungen vor dem Aus bewahrt. Auch gegen den Euro soll Goldman Sachs spekuliert haben und an der Wirtschaftskrise Griechenlands nicht unbeteiligt sein. Der Dokumentarfilm gibt Einblicke in die Mechanismen der finanziellen und politischen Machenschaften der Bank.

Seit fünf Jahren steht die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs für sämtliche Exzesse und Entgleisungen der Finanzspekulation. Durch hochspekulative Geschäfte mit der Zahlungsunfähigkeit der amerikanischen Privathaushalte konnte sich die Bank an der aktuellen Finanzkrise bereichern und wurde dank ihrer politischen Verbindungen selbst vor dem Bankrott bewahrt. Als die amerikanische Krise über den Atlantik nach Europa schwappte, wurde Goldman Sachs zu einem der Protagonisten der Euro-Krise: Die Bank soll gegen die europäische Einheitswährung spekuliert und die griechische Staatsschuldenbilanz mit Hilfe komplexer und undurchsichtiger Währungsgeschäfte geschönt haben. Als die europäischen Regierungen nacheinander dem Zorn der Wähler zum Opfer fielen, nutzte Goldman Sachs die Gunst der Stunde, um ihr komplexes Einflussgeflecht auf den alten Kontinent auszuweiten. Goldman Sachs ist mehr als eine Bank. Sie ist ein unsichtbares Imperium, dessen Vermögen mit 700 Milliarden Euro das Budget des französischen Staates um das Zweifache übersteigt. Sie ist ein Finanzimperium auf der Sonnenseite, das die Welt mit seinen wilden Spekulationen und seiner Profitgier in ein riesiges Kasino verwandelt hat. Mit weltweit einzigartigen Verflechtungen und einem Heer aus 30.000 Bankern konnte Goldman Sachs auch in den letzten fünf Krisenjahren kräftige Gewinne einstreichen, seine Finanzkraft weiter ausbauen, seinen Einfluss auf die Regierungen stärken und sich vonseiten der amerikanischen und europäischen Justiz völlige Straffreiheit zusichern. Das Geschäftsgebaren der Bank ist überaus diskret. Ihr Einfluss reicht weit in den Alltag der Bürger hinein - vom Facebook-Börsengang über die Ernennung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank bis hin zum Lobbying gegen die Regulierung des Finanzsektors. Der Arm der Bank ist lang, und sie befindet sich stets auf der Gewinnerseite. Mehr...


Kommentar: Wir bleiben dabei: Der Beitrag von ARTE ist das ultimative MUST SEE! Er wird am 11. Oktober erneut wiederholt. Wer so lange nicht warten möchte, der wird hier fündig. Die Dokumentation sollte auch denen die Augen öffnen, die sich bisher immer noch der Wirklichkeit verschließen.  

Freitag, 27. September 2013

Standpunkt 770 - Nachrichten-Ticker, 26.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Große Koalition – Weltweite Enteignung beginnt – Fed-Politik – Fiscal Cliff 2.0  


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier  für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Notstand der Demokratie durch große Koalition?
(heise/telepolis) Mit einer großen Koalition könnte die geschrumpfte Opposition zentrale parlamentarische Kontrollinstrumente nicht mehr nutzen. 
Die Diskussion über neue Koalitionsvarianten geht weiter. In der SPD wird eine Mitgliederbefragung ins Gespräch gebracht. Die dürfte aber eher den Befürwortern einer großen Koalition nutzen. Schließlich wird einem Großteil der SPD-Basis schwer zu vermitteln sein, warum sie nun nicht mit der Union koalieren sollten und dabei auch einige Minister stellen könnten, wenn sie in der letzten Legislaturperiode als Oppositionspartei wesentliche Grundzüge der Merkelschen Innen- und Europapolitik unterstützt haben.
Zudem werden führende Sozialdemokraten nicht müde zu betonen, dass die Agenda 2010 die Grundlage für die Stärke des deutschen Wirtschaftsstandort geliefert hat und sie daher eigentlich besser belohnt werden sollten. Auf dieser Grundlage kann man sich höchstens über das Urheberrecht der Niedriglohnpolitik in Deutschland streiten, aber keine grundsätzliche Opposition dagegen entwickeln. Wenn nun manche Sozialdemokraten vor einer großen Koalition mit dem Argument warnen, beim letzten Mal sei ein desaströses Wahlergebnis die Folge gewesen, erwähnen sie in der Regel nicht, dass die Agenda 2010-Politik dafür die Grundlage gelegt hat. Mehr...



Kommentar: Davon sind wir überzeugt: Es ist Geplänkel, nichts weiter, was die beiden Volksparteien auf dem Weg zu einer großen Koalition veranstalten. Die Öffentlichkeit wird so lange wie möglich über die wahren Absichten im Unklaren gelassen, am Ende wird staatstragend eine schwarz-rote Koaltion verkündet. Natürlich nur, um Schaden von den Bürgern abzuwenden. Ginge es der SPD tatsächlich darum, dann hätte sie sich die Möglichkeit eines rot-rot-grünen Bündnisses offen gehalten, statt es kategorisch auszuschliessen.


Cyprus-Style Wealth Confiscation Is Starting All Over The World
zerohedge.com) Now that "bail-ins" have become accepted practice all over the planet, no bank account and no pension fund will ever be 100% safe again. In fact, Cyprus-style wealth confiscation is already starting to happen all around the world. As you will read about below, private pension funds were just raided by the government in Poland, and a "bail-in" is being organized for one of the largest banks in Italy. Unfortunately, this is just the beginning. The precedent that was set in Cyprus is being used as a template for establishing bail-in procedures in New Zealand, Canada and all over Europe. It is only a matter of time before we see this exact same type of thing happen in the United States as well. From now on, anyone that keeps a large amount of money in any single bank account or retirement fund is being incredibly foolish. Let's take a look at a few of the examples of how Cyprus-style wealth confiscation is now moving forward all over the globe... Read more...


Kommentar: Es ist wirklich überraschend, welche Länder bereits von diesen Maßnahmen der Enteignung betroffen sind. Einige, wie Island, Canada oder Neuseeland, sind weit weg von der Eurozone, und von deren Problemen überhaupt nicht betroffen. Außerdem gelten Island und Canada als erklärte Vorbilder im Umgang mit der Finanzkrise. Schon erstaunlich, wie weit in diesen Fällen Traum und Wirklichkeit auseinanderliegen. Tatsache ist einzig, dass weltweit kein Land bisher eine Antwort auf die Krise gefunden hat. Das sollte deutschen Sparern zu denken geben...


Goldman Sachs - Eine Bank lenkt die Welt
(arte-tv) Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs ist in den letzten Jahren zum Symbol für Maßlosigkeit und ausufernde Spekulationen im Finanzbereich geworden. Ihre Geschäfte mit der Zahlungsunfähigkeit amerikanischer Privathaushalte haben sie zwar an den Rand des Bankrotts gebracht, aber letztlich wurde sie dank ihrer politischen Verbindungen vor dem Aus bewahrt. Auch gegen den Euro soll Goldman Sachs spekuliert haben und an der Wirtschaftskrise Griechenlands nicht unbeteiligt sein. Der Dokumentarfilm gibt Einblicke in die Mechanismen der finanziellen und politischen Machenschaften der Bank.

Seit fünf Jahren steht die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs für sämtliche Exzesse und Entgleisungen der Finanzspekulation. Durch hochspekulative Geschäfte mit der Zahlungsunfähigkeit der amerikanischen Privathaushalte konnte sich die Bank an der aktuellen Finanzkrise bereichern und wurde dank ihrer politischen Verbindungen selbst vor dem Bankrott bewahrt. Als die amerikanische Krise über den Atlantik nach Europa schwappte, wurde Goldman Sachs zu einem der Protagonisten der Euro-Krise: Die Bank soll gegen die europäische Einheitswährung spekuliert und die griechische Staatsschuldenbilanz mit Hilfe komplexer und undurchsichtiger Währungsgeschäfte geschönt haben. Als die europäischen Regierungen nacheinander dem Zorn der Wähler zum Opfer fielen, nutzte Goldman Sachs die Gunst der Stunde, um ihr komplexes Einflussgeflecht auf den alten Kontinent auszuweiten. Goldman Sachs ist mehr als eine Bank. Sie ist ein unsichtbares Imperium, dessen Vermögen mit 700 Milliarden Euro das Budget des französischen Staates um das Zweifache übersteigt. Sie ist ein Finanzimperium auf der Sonnenseite, das die Welt mit seinen wilden Spekulationen und seiner Profitgier in ein riesiges Kasino verwandelt hat. Mit weltweit einzigartigen Verflechtungen und einem Heer aus 30.000 Bankern konnte Goldman Sachs auch in den letzten fünf Krisenjahren kräftige Gewinne einstreichen, seine Finanzkraft weiter ausbauen, seinen Einfluss auf die Regierungen stärken und sich vonseiten der amerikanischen und europäischen Justiz völlige Straffreiheit zusichern. Das Geschäftsgebaren der Bank ist überaus diskret. Ihr Einfluss reicht weit in den Alltag der Bürger hinein - vom Facebook-Börsengang über die Ernennung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank bis hin zum Lobbying gegen die Regulierung des Finanzsektors. Der Arm der Bank ist lang, und sie befindet sich stets auf der Gewinnerseite. Mehr...

Kommentar: Das ultimative MUST SEE auf ARTE! Samstag, 28.09.2013, ab 10.55 Uhr, gibt es nichts Wichtigeres, als sich diese Dokumentation anzusehen. Wer daran zweifelt, der sollte die Kommentare lesen. Am Ende dieses Filmes kennt jeder die Verantwortlichen für das vergangene und zukünftigen Desaster. Die alte und neue Bundesregierung sind auf jeden Fall ein Teil davon. Und wer nicht endlich seine Ersparnisse vor den Folgen schützt, der macht sich zum Opfer. 


Occupy QE
(project-syndicate.org)  Die US-Notenbank Federal Reserve hält weiterhin an einer destabilisierenden und  wirkungslosen Strategie fest. Durch die Beibehaltung ihrer Politik der quantitativen Lockerung (QE) – die den Ankauf langfristiger Vermögenswerte im Ausmaß von 85 Milliarden Dollar monatlich vorsieht – provoziert die Fed ein zunehmend riskantes Endspiel im eigenen Land und anderswo. Mehr...


Kommentar: Der Autor des Beitrags, Stephen S. Roach, analysiert treffend die Fehler in der Krisenpolitik der US-Notenbank und ihre voraussichtlichen gefährlichen Auswirkungen. Nicht nur in den USA, sondern weltweit. Am Ende kommt Roach zu einem einfachen Ergebnis:  "Von der quantitativen Lockerung profitiert ein kleiner Teil der Bevölkerung, der sie am wenigsten braucht. Das ist nicht gerade das Rezept für eine breit angelegte und sozial optimale wirtschaftliche Erholung." Dazu noch eine leicht verständliche Karikatur zu den Folgen der Fed-Politik:


Quelle: financialcontrols


"Das Hauptproblem ist, dass die Politiker in Washington immer unfähiger werden"
(format.at) Der Weltleitwährung Dollar droht ein weiterer Nackenschlag. Nach den Befürchtungen vor einer US-Wachstumschwäche und einem Ende der lockeren Geldpolitik treibt nun der neu entfachte Haushaltsstreit vielen Investoren den Angstschweiß auf die Stirn.
Devisenexperten gehen davon aus, dass der politische Kampf um den Etat und die Anhebung der Schuldenobergrenze den Dollar kurzfristig weiter schwächen wird. Denn es droht nichts Geringeres als die Zahlungsunfähigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft. Noch setzen die meisten Analysten darauf, dass Republikaner und Demokraten in letzter Minute vor Beginn des neuen Haushaltsjahres am Dienstag eine Lösung finden. "Doch in der Tat steigt die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten unerfreulicher Szenarien mit jedem Tag, der verstreicht", sagt NordLB-Experte Tobias Basse. In einem ersten Schritt müssen die Parteien bis Dienstag mit einem provisorischen Haushalt dafür sorgen, dass der Bund flüssig bleibt. Sonst drohen unter anderem Schließungen von Ministerien und Zwangsurlaub für Regierungsangestellte. Parallel läuft die Debatte über die Anhebung der Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar - das ist nötig, um bestimmte Ausgaben zu decken. Ohne eine Einigung sind die USA schätzungsweise Mitte Oktober faktisch zahlungsunfähig. Mehr...


Kommentar: Wie schön wäre es, wenn sich Europa in dieser Zeit besser in Stellung bringen würde, während die US-Regierung alle Hände voll zu tun hat, die nächste Fiscal Cliff zu meistern. Dieses Theater macht ein weiteres Mal augenfällig, wie schwach sich der amtierende US-Präsident Barack Obama in der Krise immer noch zeigt. Besserung ist nicht in Sicht. 

Donnerstag, 26. September 2013

Standpunkt 769 - Nachrichten-Ticker, 25.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Dorothea Siems’ Nachlese zur Bundesstagswahl 2013 – Deutschland – Europas Zukunft – Griechenlands Euro-Beitritt – Österreichs Arbeitsmarktdaten – Lettland


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier  für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Die Kanzlerin im sozialdemokratisierten Bundestag
(welt.de) Die Union geht mit lahmem Wirtschaftsflügel und starken Sozialpolitikern in die Koalitionsverhandlungen. Für den Standort Deutschland verheißt dies nichts Gutes. Wo sind die Erben Ludwig Erhards? Mehr...

Kommentar: Dorothea Siems in Hochform, sie gibt die Anhängerin der Lehren Ludwig Erhards. Der dürfte sich wegen ihrer Ansichten im Grabe rumdrehen. Tatsächlich hat sie nämlich keine Ahnung vom "Wohlstand für Alle" (hier). Siems' Geisteshaltung steht dem auch vollkommen entgegen. Die ist von vorvorvorgestern und lässt sich hier detailliert nachlesen. Deshalb ist ihr offensichtlich entgangen, dass Ludwig Erhards Erbe bereits vor Jahren von der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder zerstört wurde. Den Rest hat dann noch die schwarz-rote Koalition besorgt.


Wirtschaft: Deutschland hat sich selbst ein Bein gestellt
(presseurop.eu) Im ersten Halbjahr 2014 wird Griechenland die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen. Eine der Aufgaben wird es dann sein, die wirtschaftliche Situation der Mitgliedsstaaten zu bewerten und ein Land könnte sich dann in einer besonders brenzlichen Lage befinden: Deutschland... aufgrund seiner Exportzahlen. Mehr...

Kommentar: Ein aufschlussreicher Beitrag vom Tricksen und Täuschen, den die Karikatur noch verstärkt:






Andrew Moravcsik: "Europa ist auf der richtigen Seite der Geschichte"
(diepresse.com) Nicht China, sondern Europa wird die zweite Weltmacht des 21. Jahrhunderts sein, meint Andrew Moravcsik von der Universität in Princeton, im Gespräch mit der „Presse". Der Euro sei dabei aber hinderlich. Mehr... 

Kommentar: Es ist ein Beitrag, der unserer Auffassung von Europa völlig entgegensteht. Wir favorisieren eine Weiterentwicklung der Gemeinschaftswährung, nicht deren Zerstörung und den Rückfall in die währungspolitische Kleinstaatlichkeit. In dem Fall hätten die USA den Krieg gegen den Euro gewonnen und den Dollar erst einmal wieder als alleinige Weltwährung positioniert. Das gilt es zu verhindern. Dass Moravcsik daran Interesse hat ist nachvollziehbar. 


"Griechenland hat nie betrogen"
(spiegel.de) Hat Griechenland sich in die Euro-Zone geschummelt? Der damals verantwortliche Finanzminister Nikos Christodoulakis empört sich über diesen Vorwurf. Bei den Verhandlungen hätten fast alle getrickst, sagt er - auch die Deutschen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Natürlich  hört es Deutschland nicht gerne, aber Christodoulakis hat Recht: Die Erweiterung der Eurozone war politisch gewollt und wurde damals ohne Rücksicht auf Verluste und die Maastricht-Kriterien durchgezogen. Betrieben wurde diese Erweiterung von Deutschland und Frankreich, die sich für ihre Wirtschaft Vorteile versprochen haben. In den folgenden Jahren ist diese Rechnung sogar aufgegangen - bis zur Lehman-Pleite. Danach war Schluss und es dauerte nicht lange, dass Griechenland  im Zusammenhang mit dem Euro-Beitritt Betrug unterstellt wurde. Selbst Angela Merkel war mit vorne dabei.

DIE PRESSE aus Österreich bringt das SPIEGEL-Interview ganz besonders auf den Punkt: Ex-Finanzminister: "Griechenland war 2003 ein Vorbild" und schreibt im Vorspann: "Nikos Christodoulakis gilt als Vater des griechischen Euro-Beitritts. Er sagt, Athen habe bei den Beitritts-Verhandlungen nie jemanden betrogen." Mehr hier. 


Arbeitslosigkeit in Österreich in Wahrheit doppelt so hoch
(format.at) Nach einer neuer Studie des "Think-Tank" Agenda Austria scheint jeder zweite Arbeitslose in Österreich in der heimischen Statistik gemäß EU-Definition gar nicht auf. Zählt man diese viertel Million verborgenen Betroffenen dazu, hätte die Arbeitslosenrate in Österreich im ersten Quartal statt der offiziellen 5,1 Prozent satte 10,3 Prozent ausgemacht. Mehr...


Kommentar/Ergänzung: Jetzt ist es "amtlich", auch in Europa werden Arbeitsmarktdaten frisiert. Und es ist kein rein österreichisches Vergehen, so viel ist sicher. Warum, beschreibt der Beitrag  "Arbeitslosenquoten sind immer eine politische Zahl", den DIE PRESSE dazu veröffentlicht (hier). Diese Aussage stammt von Joachim Möller, Direktor des deutschen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Möller nennt dafür ein weiteres Beispiel:  "Auch die Niederlande haben eine niedrige Arbeitslosenquote, verschieben gleichzeitig aber viele in die Erwerbsunfähigkeit. Die Menschen sind zwar aus der Statistik gefallen, aber immer noch Sozialleistungsempfänger."


Das Wunder von Lettland
(blog.fuw.ch) Lettland hat für die Analyse der Eurokrise eine ähnliche Bedeutung, wie es der Fund eines aussergewöhnlichen Knochens für die Evolutionstheorie haben kann: nämlich dann, wenn besondere Merkmale dieses Knochens mit den gängigen Erklärungsmustern nicht übereinstimmen. Für die Wirtschaftspolitiker der EU und insbesondere für die Euro-Politik Deutschlands ist Lettland der Knochen, der beweisen soll, dass harte Sparmassnahmen in der Krise die Lage eines betroffenen Landes eben doch verbessern und dass sich dessen Wettbewerbsfähigkeit auch durch innere Abwertung - also mit Lohnsenkungen statt einer Währungsabwertung, die in der Währungsunion nicht möglich ist – bewerkstelligen lassen. Diese Sichtweise hat ansonsten sowohl in der ökonomischen Wissenschaft, wie auch in der Praxis einen sehr schweren Stand. In aller Kürze die Hauptargumente: Staatliche Sparmassnahmen mitten in der Krise senken in den Euro-Peripheriländern die ohnehin schwache Gesamtnachfrage weiter und können nicht durch eine angemessene Geldpolitik oder eine schwächere Währung kompensiert werden. Die innere Abwertung über Lohnsenkungen mindert die Tragbarkeit der sehr hohen privaten Schulden und drückt dadurch auch auf den
Konsum. So war es wenig überraschend, dass solche Massnahmen die wirtschaftliche (und politische) Lage der Euro-Peripherie weiter verschlechtert haben.
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Kommentar: Ein empfehlenswerter Beitrag unserer Schweizer Nachbarn, der sich kritisch mit dem erklärten Vorbild Lettland auseinandersetzt. Das Fazit ist eindeutig: "Die Entwicklung von Lettland bleibt beeindruckend und – vor allem mit Bezug auf die Produktivitätsfortschritte – auch ein Rätsel. Sie belegt aber keineswegs, dass harte Sparmassnahmen mitten in der Krise zu einer Verbesserung führen oder dass eine innere Abwertung über drastische Lohnkürzungen in einem Land mit hoher privater Verschuldung und Arbeitslosigkeit ein angemessenes Mittel zur Besserung ist. Damit taugt Lettland nicht zur Rechtfertigung der EU-Politik gegenüber den Ländern in der
Euro-Peripherie."
Stimmt. 


Mittwoch, 25. September 2013

Standpunkt 768 - Nachrichten-Ticker, 24.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.  


Tagesthemen: Nachlese Bundesstagswahl 2013 (3 Beiträge) – Krisenländer Portugal, Zypern, Spanien   
 

Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier  für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Ein schwarzer Tag für Europa
(taz.de) Weil Rot-Grün versagt, kann Angela Merkel ihre Europapolitik fortführen. Für die Mitgliedsstaaten der EU ist das die denkbar schlechteste Nachricht.
Die schlechteste Bundeskanzlerin der deutschen Nachkriegsgeschichte bleibt also im Amt – und diese Charakterisierung als „die schlechteste“ bleibt auch wahr, wenn man sich die Genderformulierung wegdenkt. Zwar ist sie zerzaust und könnte sich in eine Große Koalition gezwungen sehen, und zwar mit einer SPD, die im Unterschied zur Kanzlerin eine Alternative hätte. Aber sehr viel ändern würde das nicht.
Zwei Sachverhalte sind in diesem Zusammenhang wichtig. Erstens: Der Wahlsieg der Kanzlerin stand nie wirklich infrage, Rot-Grün gelang es in keinem Moment, glaubwürdig ein wirkliches Alternativprogramm zu formulieren oder eine Wechselstimmung zu entfachen. Zweitens: Die Schlüsselfragen unserer Zeit blieben in diesem Wahlkampf auf seltsame Weise ausgespart. Diese beiden Tatsachen hängen möglicherweise zusammen.
Angela Merkel hat als Regierungschefin manche Dinge getan – und, anders gesagt, auch vieles unterlassen –, wofür sie eine kleine Abfuhr an den Urnen verdient hätte. Aber die wirkliche Katastrophe der Merkel-Regierung ist ihre Europapolitik. Die wurde in diesem Wahlkampf aber nur in Details thematisiert, die „intellektuelle“ Grundlage dieser Politik wurde von der Opposition nie herausgefordert.
Wenn es die Opposition nicht schafft, den Wählern zu vermitteln, welches Debakel Merkel und ihre Regierung angerichtet haben, braucht sie auch nicht zu hoffen, dass eine Regierung abgewählt wird.
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Kommentar: Sehr gute Analyse dessen, was die Opposition, allen voran die SPD, im Wahlkampf vermasselt hat, und was sich alles nicht ändert, weil Angela Merkel weiter regieren kann. Die CDU-Chefin erklärte in der Elefantenrunde am Wahlabend, sie wolle verantwortungsvoll mit dem Vertrauen ihrer Wähler umgehen. Weil sie weitermacht wie bisher, fängt die neue alte Kanzlerin ihre dritte Amtszeit schon gleich mit dieser Lüge an.

 

Etwas mehr Links wagen
(spiegel.de) Merkelmania hat das Land erfasst. Offenbar wird übersehen: Die schwarzgelbe Regierung hat die Wahl verloren. Der Sieger ist die Mehrheit links der Mitte. Die SPD muss etwas daraus machen. Mehr...


Kommentar: Diese Wahl war zugeschnitten auf die Kanzlerin. Nur ganz knapp bleibt Deutschland (und Europa) eine absolute Mehrheit von CDU/CSU erspart. Ein bisschen darf man aufatmen. Obwohl wir der SPD als Juniorpartner in einer schwarz-roten Koalition nichts zutrauen. Jakob Augstein versucht in dieser
Kolumne der SPD Mut zu machen, um Korrekturen an der Merkel'schen Krisenpolitik zu erreichen. Für dieses Ziel soll sich die SPD einer Koalition mit Merkel verweigern. Nur, wer kann die Partei auf diesem Weg führen? Fakt ist, dass die Partei sich unter Führung von Sigmar Gabriel und Peer Steinbrück einer geradezu historischen Chance zur Übernahme der Regierung von vorneherein verweigert hat. Weil sie es von Anfang an auf eine Große Koalition angelegt hat? Das war dumm. Oder feige. Auf den SPD-Kanzlerkandidaten Steinbrück passt offensichtlich eine alte Volksweisheit: "Große Klappe, nichts dahinter!" ("All hat and no cattle!"). 


Alle warten auf Deutschland
(manager-magazin.de) Die künftige Bundesregierung muss die Euro-Zone einen großen Schritt nach vorn bringen. Die Erwartungen bei unseren Nachbarn sind enorm. Ein Report aus Europas Südstaaten. Mehr...


Kommentar: Das hat sie schon in den vergangenen vier Jahren nicht geschafft, ganz im Gegenteil; unter Merkels Führung wurde damit begonnen, einen ganzen Kontinent abzuwirtschaften. Das Wahlergebnis bedeutet "weiter so".


Über Portugal braut sich ein Sturm zusammen
(wsj.de) Die Bundestagswahlen in Deutschland sind vorbei – jetzt muss sich die Euro-Zone wieder darauf konzentrieren, ihre Krise zu beenden. Ganz oben auf der Liste der dringenden Probleme steht Portugal. Mehr...


Kommentar: Diese Analyse zeigt: Nach vielen Wochen der deutschen Bundestagswahl geschuldeter Untätigkeit, entsteht Gedrängel auf der Spitze des Eisbergs der europäischen Krise. Nach Griechenland benötigt auch Portugal dringend neue Hilfe. Merkel könnte jetzt beweisen, dass sie lernfähig ist...


Zypern: Das Schlimmste steht noch bevor
(presseurop.eu) Sechs Monate nachdem die Bankenkrise Zyperns Wirtschaft fast dem Erdboden gleich gemacht hätte, ist der Inselstaat noch lange nicht aus dem Schneider. Die von der Troika auferlegten Sparmaßnahmen drücken Land und Leuten die Luft ab. Mehr...

Kommentar: Noch eine Analyse. Leider ist für Zypern erst einmal kein Platz auf der Spitze des Krisen-Eisbergs. Das Land spielt keine Rolle in Europa und kann vorläufig nicht auf Unterstützung hoffen. Oder Merkel würde dazulernen... Für uns unvorstellbar.


Spanien in der Krise: "Man wirft uns raus!"
(manager-magazin.de) Man nennt sie Spaniens verlorene Generation: Jene jungen Erwachsenen, die gut ausgebildet sind und trotzdem keinen Job finden. Immer mehr von ihnen fliehen ins Ausland - wo sie ausgebeutet werden. Mehr...


Kommentar: Die Folge einer völlig verfehlten Krisenpolitik unter deutscher Anleitung. Wir haben noch eine Grafik dazu:



Quelle: zerohedge.com

Leider ist es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Spanien wieder bei den Hilfsbedürftigen ganz vorne steht. Spaniens Banken sind längst nicht gerettet, wie die beiden folgenden Grafiken verständlich machen: 






Quelle: toonpool.com