Sonntag, 1. September 2013

Standpunkt 743 - Nachrichten-Ticker, 30.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Finanzreform vergessen – Wirtschaftswissen der Politiker mangelhaft – Schattenbanken – Europas Arbeitslosenquote dramatisch – Finnland – US-Wirtschaft – China


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Null Krisenresistenz fünf Jahre nach Lehman – "Wir haben bloß Zeit gekauft"
(format.at) Fünf Jahre nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers ist das globale Finanzsystem nach Ansicht der Bundesbank zwar stabiler, aber nicht sicherer. "Lehman 2.0" würde uns überfordern.
"Es ist zu früh für Entwarnung", sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. "Wenn es also morgen ein 'Lehman 2.0' geben würde, was ich nicht sehe, hätten wir die Instrumente, die wir konzeptionell entwickelt haben, noch nicht in den Händen, um Banken weltweit wirkungsvoll abzuwickeln." Nach wie vor müssten große und komplexe Institute vom Staat gerettet werden, um eine globale Kettenreaktion zu vermeiden. Mehr...


Kommentar: Ganz offensichtlich steht das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) von Michael Hüther mit seiner vom österreichischen STANDARD vor wenigen Tagen gemeldeten Einschätzung ziemlich alleine: "Finanzmärkte sind jetzt deutlich robuster" (hier). Wir haben den Beitrag hier kommentiert und ergänzt. 

Der heutige Beitrag listet noch einmal die Versäumnisse der vergangenen Jahre auf - und die wenigen europäischen Reform-Ideen. Die 2009 versprochene Finanzreform wird das nicht. Die Krise geht weiter. 


"Wirtschaftswissen der Politiker ist erschreckend"
(welt.de) Mit 25 eröffnete Dirk Roßmann den ersten Drogeriemarkt in Deutschland. Heute sind es rund 2800. Als Unternehmer findet er es unverständlich, dass die Politik von der "klugen" Agenda 2010 abgehen will. Mehr...

Kommentar: In weiten Teilen ein bemerkenswertes Interview. Seine Äusserungen zur Agenda 2010 sind seiner Beteiligung daran, und der Freundschaft zu Gerhard Schröder geschuldet (hier, hier). 


RBI-Chef nennt Schattenbanken unfair
(wirtschaftsblatt.at) Der Chef der börsenotierte Raiffeisen Bank International (RBI), Karl Sevelda, hat beim Forum Alpbach das unregulierte Schattenbankensystem kritisiert. "Das ist keine faire Konkurrenz", sagte Sevelda am Freitagnachmittag bei den Alpbacher Finanzmarktgesprächen.
Als Schattenbanken werden Finanzinstitute bezeichnet, die Kreditgeschäfte außerhalb des traditionellen Bankensektors betreiben, etwa Hedgefonds, Private-Equity-Fonds oder strukturierte Investmentvehikel als Tochtergesellschaften von Banken außerhalb der Bilanz. Expertenschätzungen zufolge belaufen sich die Aktivitäten der Schattenbanken weltweit auf jährlich 50 Bill. Euro - ein Drittel davon in der Eurozone.
Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret bezeichnete beim Symposium die Schattenbanken als "systemisches Risiko" für die traditionellen Banken und als Gefahr für das gesamte Finanzsystem. Er sei "furchtbar besorgt" über diesen unregulierten Bereich des Finanzsektors. Deswegen müsse es für diesen Bereich auch so schnell wie möglich gesetzliche Regelungen geben. "Per se sind Schattenbanken aber nicht schlecht", so Dombret. Umso stärker der traditionelle Bankensektor reguliert werde, desto mehr Geschäfte würden Schattenbanken machen. Mehr...


Kommentar: Das ist schon eine merkwürdige Besorgnis: Nur im Bereich der Schattenbanken machen die traditionellen Banken bisher noch dicke Gewinne, unbeobachtet von der Öffentlichkeit und ohne jede Kontrolle. Weshalb Dombret sie für unverzichtbar hält. Sie selbst sind es, die diesen Sektor ständig ausweiten, um ungestört ihre höchst riskanten Geschäftsmodelle betreiben zu können: "Geldhäuser verschieben erneut Milliardenrisiken" (MANAGER MAGAZIN, 27.04.2011, hier). Sollte die RBI diese Entwicklung verschlafen haben? 

Wie deutsche Banken mit Hilfe von Hedgefonds Risiken verstecken, zeigt die folgende Grafik aus dem zitierten Beitrag:




European Unemployment Remains At All Time High: Ranges From 4.8% To 27.6%
(zerohedge.com) Europe may be a union, but when it comes to the distribution of unemployment rates across its 27 member nations (and as of July 1 with the addition of Croatia, 28), it is anything but. As the latest chart from Eurostat shows summarizing the just released July data, it is confusing if one should be more stunned by the continuing record unemployment in the Euroarea, which at 12.1% was once again an all time high (in line with expectations), or the gaping distribution of slack and lack of labor opportunities in the "Union", which ranges from 4.8% for Austria on the low end, and hits a gargantuan 27.6% for Greece on the high side (although with Spain at 26.3% it is rapidly approaching and threatening to overtake). Read more...

Kommentar: Nach wie vor eine dramatische Entwicklung in Europa - und keine Besserung in Sicht. Demnächst sorgen Länder wie Frankreich, Finnland und die Niederlande für einen weiteren Anstieg auf ein neues Allzeithoch in der Eurozone. Die folgende Grafik stammt aus dem Beitrag: 


Alle Zahlen von Eurostat für Juli 2013 gibt es hier


"Nachhaltige Finanzierung": Finnland kürzt im Sozialnetz
(diepresse.com) Mit deftigen Einschnitten will das "AAA"-Land die Pensionslücke schließen. Das Sparprogramm soll in den nächsten Jahren neun Milliarden Euro an Einsparungen bringen. Mehr...

Kommentar: Schöne Pläne, die aber keinesfalls die erhoffte Wirkung zeigen werden. Die finnische Wirtschaft bleibt von der Krise in Europa nicht verschont. Selbst wenn man mit allen Mitteln versucht, durch die Ausweitung des Handels mit Russland, gegenzusteuern. Finnland liefert nichts, was Europa und die Welt bei einer Verschärfung der diversen Krisen dringend braucht. Das hat Folgen. 


US-Wirtschaft gewinnt deutlich an Schwung
(sueddeutsche.de) Die größte Volkswirtschaft der Welt ist schneller gewachsen als gedacht. Doch die Börsen feiern die gute Nachricht nicht - denn sie hat Konsequenzen für die Politik der Notenbank Fed. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Schon wieder werden die offiziellen US-Daten hierzulande schöngeschrieben. Der Ausblick soll sagenhaft sein und die Rücknahme der Fed-Gelschwemme liegt angeblich in unmittelbarer Nähe. Zurückhaltende Töne kommen aus Österreich: "USA: Straffere Geldpolitik mit Vorbehalt" schreibt DIE PRESSE. Begründung: "Nationalbankchef Ewald Nowotny warnt vor überzogenen Erwartungen an die Notenbank Fed: 'Die Diskussion um die USA ist verzerrt'." Mehr hier


"Zombie-Firmen" könnten Chinas Albtraum werden
(diepresse.com) Weil in China überschuldete Firmen und Kommunen "künstlich" am Leben erhalten werden, droht ein schleichender Verfall der Wirtschaft. Mehr...

Kommentar: Neuigkeiten aus dem Reich der Mitte. Schattenbanken und Zombie-Firmen, eine explosive Mischung. Für uns undenkbar, dass Chinas Führung damit zurecht kommt. Eine kapitale Krise ist vorprogrammiert. Spielraum besteht nur noch auf der Zeitschiene. 


Die Nachrichten werden beherrscht von den Kriegstreibereien rund um Syrien. Beiträge zu diesem Thema werden wir nicht aufnehmen und kommentieren. Davon unabhängig haben wir aber eine Meinung dazu, die von der folgenden Karikatur ganz gut wiedergegeben wird: 


Quelle: usnews.com
 


Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.