Montag, 2. September 2013

Standpunkt 744 - Nachrichten-Ticker, 31.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Irland – Portugal – Türkei – Lateinamerika


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Wirtschafts-Krise: Iren verlassen massenweise ihre Heimat
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Folgen der Finanzkrise: Alle sechs Minuten verlässt ein Ire seine Heimat. Vor allem junge Iren kehren ihrer Heimat den Rücken. Im Unterscheid zu den Griechen sprechen die Iren Englisch als Muttersprache. Daher können sie in die USA, nach Australien und Kanada auswandern. Für Europa ist das ein Armutszeugnis. Mehr...

Kommentar: Was in Irland passiert, erinnert uns sehr an vergleichbare Entwicklungen in Lettland ("Die Kehrseite des Sparens", FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, hier; oder kürzlich Tomasz Konicz in "Glänzende Fassade", JUNGE WELT, hier) und Portugal ("Portugiesen suchen Zuflucht in der Ex-Kolonie", SZ, hier). Der Beitrag "Massenexodus als wirtschaftspolitische Strategie: Vorbild Lettland?" von Patrick Schreiner bei ANNOTAZIONI analysiert vortrefflich diese Entwicklung (hier). Erstaunlich: Alle drei Länder gelten bei Europas Krisenmanagern in Berlin und Brüssel als Musterknaben im Umgang mit der Krise. Eine geradezu lächerliche Beurteilung.  

Die Arbeitslosenquote in Irland hat sich leicht gebessert. Sehr wahrscheinlich ist aber, dass der Rückgang auf diese Emigration zurückgeht, so wie es in Lettland der Fall ist. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt für die Regierung in Dublin: Finden die Iren im Ausland Arbeit, kommt Geld in die heimische Kasse; weil sie wenigstens einen Teil ihrer Einkünfte nach Hause überweisen. 


Rote Karte vom Verfassungsgericht für portugiesische Regierung
(heise/telepolis.de) Erneut haben die höchsten Richter Sparpläne der Konservativen als verfassungswidrig abgelehnt. Mehr...

Kommentar: In Portugal hat das Verfassungsgericht wieder einmal die schlimmsten Auswüchse der Sparpolitik verhindert. Und gleichzeitig der Regierung erneut Verfassungsverstöße nachgewiesen. Das ist praktizierte Krisenpolitik in Europa. Was in Griechenland funktioniert, gelingt der portugiesischen Regierung aber nur mehr schlecht als recht. Das haben die höchsten Richter schon im Frühjahr festgestellt: "Die Gesetze und der Haushalt müssen sich an die Verfassung anpassen und nicht die Verfassung an den Haushalt." Schöne Formulierung, der die Richter offensichtlich treu bleiben. Verkürzt die Lebensdauer der Regierung unter Ministerpräsident Pedro Passos Coelho


Quelle: toonpool.com


Türkei erlebt wirtschaftliches Beben
(format.at) Der mögliche Militäreinsatz in Syrien setzt die türkische Lira weiter unter Druck. Die türkische Notenbank versucht seit Tagen gegenzusteuern, indem sie Devisenreserven auf den Markt pumpt. Die Börse in Istanbul ist bereits um 27 Prozent abgestürzt.
"Der Währungskurs ist nicht länger ein Indikator für allgemeine Aussichten auf die türkische Wirtschaft", überraschte der stellvertretende türkische Ministerpräsident Ali Babacan gestern in einer Erklärung vor Journalisten. Man erlebe seit drei Monaten im Hinblick auf die Weltwirtschaft eine neue Phase. Zum Glück sei man aber budgetseitig sicher aufgestellt um diesen "Sturm auf dem Weltmarkt" zu überstehen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Nie und nimmer wird die Türkei einer weiteren Krise standhalten. Das Land steckt längst in der Klemme. Bitte noch einmal nachlesen: "Wirtschaftswunderland" Türkei stürzt in die Krise, von uns kommentiert im Standpunkt 736, hier


Latin America is enjoying the good times - at last
(bbc.co.uk) There was a time when European economists looked at Latin America with horror. Weighed down by debt, plagued by hyperinflation, and ravaged by unemployment, the region was a financial disaster zone. Those days are long gone. As the leaders of Latin America and the European Union (EU) prepare for their seventh biennial summit in the Chilean capital Santiago this weekend, the region is enjoying unprecedented stability and prosperity. Read more...

Kommentar: Der Beitrag ist im Januar 2013 erschienen und ein Beispiel für eine völlige Fehleinschätzung der Situation in den Schwellenländern. Denen steht mittlerweile das Wasser bis zum Hals, nicht nur Indien, Russland und China, sondern auch den lateinamerikanischen Ländern. Die Probleme haben wir erst vor zwei Tagen an Hand verschiedener Beiträge thematisiert und kommentiert (hier).


Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.