Dienstag, 3. September 2013

Standpunkt 745 - Nachrichten-Ticker, 01.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: TV-Duell zur Bundestagswahl (4 Beiträge) – Deutschland vor der Wahl – OMT-Programm der EZB – CRASH


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Das einmalige TV-Duell zwischen Angela Merkel und ihrem Herausforderer, dem SPD-Kandidaten Peer Steinbrück, hat gerade stattgefunden. Das Ergebnis ist kläglich: Außer Spesen nichts gewesen. Trotzdem wird es in den nächsten Tagen die Schlagzeilen beherrschen. Dem können auch wir uns nicht entziehen, werden es aber auf die interessantesten Beiträge beschränken. Und suchen natürlich auch nach den Nachrichten, die wirklich wichtig sind, weil sie sich mit den weltweiten Krisenszenarien beschäftigen.


Das war 0:0
(spiegel.de) Angela Merkel zeigte sich im TV-Duell schwach - aber Peer Steinbrück war auch nicht besser. Die Wähler haben im Bundestags-Wahlkampf mehr verdient als solche müden Veranstaltungen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Das Lamento im SPIEGEL klingt reichlich hohl. Was der Autor fordert, das hat es zuletzt in den 1970er, bestenfalls Anfang der 1980er Jahre gegeben. Nur, wer kann sich daran heute noch zurück erinnern? An die legendären Rededuelle zwischen Strauß, Schmidt, Kohl, Wehner, Brandt, Barzel, und Geißler, um nur einige zu nennen. Da wurde attackiert, geholzt und auch gerne persönlich beleidigt, dass die Fetzen flogen. Regelrechte Schlachten wurden geschlagen. Niemand hat sich versteckt oder seine Meinung hinter dem Berg gehalten. Tacheles wurde geredet. Heute geht es nur darum, die WählerInnen für dumm zu verkaufen, die eigene Unfähigkeit so gut zu verstecken, dass sie sogar als Tatkraft wahrgenommen wird und die bitteren Wahrheiten bis nach der Wahl zu verschweigen. Klar, dass unter diesen Umständen nur ein "Unentschieden!" herauskommt, wie das HANDELSBLATT titelt. Im Vorspann heißt es: "Trotz Steilvorlagen der Moderatoren: Angela Merkel und Peer Steinbrück bleiben beim TV-Duell sachlich. Der SPD-Kanzlerkandidat wirkt deutlich angriffslustiger. Doch die ersten Umfrage zeigen: Es gibt keinen Gewinner." Mehr hier. Die WELT findet: "Kanzlerin und Kandidat – ein Duell auf Augenhöhe". Passend dazu auch die Einleitung: "Drei Wochen vor der Wahl haben Angela Merkel und Peer Steinbrück im TV-Duell um Stimmen geworben. Steinbrück kämpfte, Merkel hielt den Ball flach. Und einmal waren sich beide 100-prozentig einig." Mehr hier. Das alleine ist schon eine Leistung: Bei so niedrigem Niveau auch noch auf Augenhöhe zu bleiben. 


Mutti puts the lad in his place
(economist.com) At one point during their only televised debate, Angela Merkel, the German chancellor, turned toward her challenger, Peer Steinbrück, and gently said: "If this weren't a campaign, you wouldn't have spoken that way." Mr Steinbrück for his part did not turn toward her. There is a reason why the Germans call Mrs Merkel "Mutti" (mom) these days. She reassures them. She moderates them. She also at times puts them in their place, albeit in a way that does not hurt too much. That is, in my opinion, how she handled Mr Steinbrück today, with much of the German electorate watching. It was not a bad day for her, and it was not a good day for him. Mr Steinbrück entered this debate as the clear underdog. So he had to do something drastic. Mrs Merkel merely had to avoid blundering. Read more...

Kommentar: In diesem Beitrag ist die Wahrnehmung eine andere. Danach hatte Mutti Merkel alles im Griff und verlässt als Sieger(in) den Ring. 


Low-paid Germans mind rich-poor gap as elections approach
(theguardian.com) With no national minimum wage and a fifth of workers in insecure mini-jobs, critics say German prosperity is being built on exploitation of the downtrodden. Read more...

Kommentar: Ein wenig schmeichelhafter Blick auf die Zustände in Deutschland vor der Wahl. Die in diesem Beitrag beschriebene Realität ist keine vorzeigbare Erfolgsgeschichte. Eher ist es die Bankrotterklärung des deutschen Sondermodells Soziale Marktwirtschaft, die heute nur noch in Spurenelementen vorhanden ist.  


Professor holt zum Schlag gegen EZB-Politik aus
(welt.de) Sind die Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank rechtens? Ja, sagen einige Ökonomen. Dem widerspricht nun der Geldpolitik-Professor Roland Vaubel – und startet einen neuen Aufruf. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Vaubel berät die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD). Ein akademisch gebildeter Narr, der in der Vergangenheit beispielsweise dadurch aufgefallen ist, dass er das passive Wahlrecht (Wählbarkeit) auf die Eliten beschränkt sehen möchte. Ausführlich beschrieben in dem Beitrag "Der Schutz der Leistungseliten in der Demokratie" (hier). Ähnlich äusserte sich übrigens damals der AfD-Gründer Konrad Adam: "Wer soll wählen? - Die Macht der Schwachen" (hier), oder in "Warum soll ich für Sie bezahlen?" (hier). Außerdem A.F. Lichtschlag, Gründer und Herausgeber der radikalliberalen Zeitschrift "eigentümlich frei", der zur gleichen Zeit forderte "Entzieht den Nettostaatsprofiteuren das Wahlrecht!" (hier).  Der belgische Ökonom Paul de Grauwe hat sich, zusammen mit Yuemei Ji, mit dem OMT-Programm der EZB, um das es geht, ausgiebig beschäftigt und das Ergebnis in einem eigenen Beitrag zusammengefasst: "Fiscal Implications Of The ECB’s Bond-buying Programme". In der Einleitung heißt es dort: "There is a lot of  confusion about the fiscal implications of  the government bond-buying programme – the OMT, or Outright Monetary Transactions – that the ECB announced last year. This confusion arises mainly because the principles that guide the solvency of  private companies (including banks) are applied to central banks. The level of  confusion is so high that the President of  the Bundesbank turned to the German Constitutional Court arguing that the OMT programme of  the ECB would make German citizens liable for paying taxes to cover potential losses made by the ECB. In this column we argue that the fears that German taxpayers may have to cover losses made by the ECB are misplaced. They are based on a misunderstanding of solvency issues that central banks face." Mehr hier. Öffnet Horizonte. 


C(onflict), R(ates), A(sia), S(peculation), H(ousing)
(zerohedge.com) The "Great Rotation" consensus is now under pressure. A "buyers strike" is suddenly visible in late August as investors see the potential for event risk in coming weeks. September is seasonally the weakest month of the year for risk assets and the S&P500 has not recorded an official "10%" correction in 2 years, so it is no surprise that US equities, in particular, are taking a bit of a breather here. But is there something more sinister at play than a healthy correction in risk assets? Conflict (policy, military), Rates (liquidity), Asia, Speculation (forced selling) and Housing are all potential catalysts for a much more contagious autumn market event. Read more...

Kommentar: Zum Schluss noch ein wenig Krisenkunde. Wie der Beitrag zeigt, gibt es weltweit reichlich Potential für einen Crash. Und keine Ideen, die Probleme zu lösen.  


Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.