Mittwoch, 4. September 2013

Standpunkt 746 - Nachrichten-Ticker, 02.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: TV-Duell zur Bundestagswahl (2 Beiträge) – Automarkt in Europa


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tag 2 nach dem Rededuell zwischen Kanzlerin und Herausforderer. Das war so seicht, da bleibt selbst die Berichterstattung in den Leitmedien dürftig. Wir haben zwei Beiträge herausgesucht, die versuchen, die große Leere des Sonntagabends in Worte zu fassen: 


Ein Duell ohne Treffer – Sprechblasen platzten aufeinander
(nachdenkseiten.de) Das war es also das große Duell, für das wie beim Tamtam vor einem Boxkampf auf allen Kanälen die Stimmung aufgeheizt wurde. Schon die Vorankündigungen ähnelten eher dem Rummel vor einem Sportereignis als der Berichterstattung über eine wichtiges politisches Ereignis. Da gab es eine "Favoritin" und einen "Herausforderer", da ging jemand als "Außenseiter ins Spiel" und da hatte jemand den Bonus des Titelverteidigers. Politik wird zur Schau getragen und zur Show gemacht – verkörpert auch noch durch einen Spaßmoderator als Fragesteller. Zeitlich begrenzt wie ein Fußballspiel auf 90 Minuten, ein Münzwurf entscheidet wer "Anstoß" hat. Keine Aktion der Duellanten soll länger als 90 Sekunden dauern dürfen. Und anschließend sollen mittels der Umfrageinstitute die Zuschauer als Kampfrichter, die Punkte verteilen. Dafür konnten die Duellanten nichts, sie sind Opfer dieser Inszenierung. Aber statt eine politische Debatte zu liefern, haben auch Merkel und Steinbrück sich nur selbst inszeniert. Von Wolfgang Lieb. Mehr...

Kommentar: Eine vortreffliche Analyse. Die uns weiter darin bestätigt, am 22. September die  Wahl zu boykottieren. Unsere deutschen LeserInnen bitten wir, ebenfalls von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und dieser Veranstaltung fern zu bleiben. Wir wissen, dass viele Bürger ihr Wahlrecht als staatsbürgerliche Pflicht verstehen, die sie unbedingt wahrnehmen wollen. Sie wollen ihren Unmut zeigen, indem sie das kleinere Übel, die Linken oder die Grünen wählen und es sich so recht machen wollen: Wählen gehen, ohne Schaden anzurichten. Leider funktioniert das bei dieser Bundestagswahl nicht. Wer zur Wahl geht und eine gültige Stimme für eine der Parteien abgibt, die in den neuen Bundestag einzieht, wählt definitiv diejenigen, die ihm in den kommenden Jahren zur Rettung der heimischen Banken das Fell über die Ohren ziehen werden, oder dabei tatenlos zuschauen. Keine der Parteien im Bundestag hat sich in der vergangenen Legislaturperiode ernsthaft für eine umfassende Finanzreform eingesetzt. Das A und O, um weiteren Schaden von den Menschen in Deutschland und Europa abzuwenden. Ein bisschen haben die Linken in diversen Talkshows zu diesem Thema referiert, das war's. Alle anderen haben den Standort Deutschland in den freundlichsten Farben geschildert, bestens gerüstet für die kommende Krisenverschärfung und höchstens betroffen als Zahlmeister seiner europäischen Nachbarn in der Eurozone. 


Quelle: presseurop.eu


In diesem Zusammenhang auch ein paar Worte zu den schweigsamen deutschen Gewerkschaften: Wir müssen zähneknirschend akzeptieren, dass die heutige Generation des Führungspersonals angepasst ist bis in die Haarspitzen. Altersbedingt kennen wir noch die Generation der Gewerkschaftsbosse, die den Politikern - besonders gerne vor einer Wahl - kräftig gegen das Scheinbein, hin und wieder auch in den Hintern getreten haben, um für ihre Mitglieder etwas zu bewegen. Heinz Kluncker von der ÖTV war so einer, Heinz Oskar Vetter vom DGB, oder Eugen Loderer und Hans Mayr von der IG Metall, um nur einige zu nennen. Spätestens seit der Zusammenlegung der Gewerkschaften sind ihre Chefs zu zahnlosen Tigern verkommen, allen voran der jetzige DGB-Vorsitzende, Michael Sommer. Gerade im Umgang mit der Krise in Europa versagen die deutschen Gewerkschaften auf ganzer Linie. 


Steinbrueck’s Jabs Fail to Knock Out Merkel in Election Debate
(bloomberg.com) German election challenger Peer Steinbrueck probably failed to close Chancellor Angela Merkel’s lead in the polls during the campaign’s only debate, as they sparred over the economy and the euro-region debt crisis. Steinbrueck sought to score points against the chancellor, saying that her approach to tackling the crisis that dominated her second term has failed while domestic inaction has resulted in a “standstill.” Just one of three spot polls taken after the 90-minute exchange found Steinbrueck the winner. Read more...

Kommentar: In Deutschland wollen die Medien keinem der beiden Kontrahenten weh tun und haben sich deshalb auf ein Unentschieden festgelegt. Anders dieser Beitrag der US-Nachrichtenagentur. Der sieht Angela Merkel als Gewinner. Es wird die Meinung vertreten, Steinbrück sei es nicht gelungen gegenüber der Kanzlerin zu punkten und wichtigen Boden gut zu machen. Deshalb hätte nur 1 von 3 Umfragen den Herausforderer als Sieger gesehen.    


Autobauer fahren in Europa tiefer in die Krise
(n-tv.de) Kurz vor der IAA in Frankfurt hält der südeuropäische Automarkt noch einen Dämpfer für die Hersteller bereit: Die Absatzzahlen sinken deutlich. Und das nicht nur in Italien und Spanien sondern auch in Frankreich. Besonders hart trifft es dort die deutschen Konzerne. Mehr...

Kommentar: "VW verkauft in Frankreich 24 Prozent weniger Neuwagen." Eine erstaunliche Entwicklung, nachdem erst vor wenigen Wochen von höchster Stelle in der WELT die Entwarnung verkündet wurde: "Daimler-Chef Zetsche erklärt Autokrise für beendet" (hier). Solche Aussagen sind immer noch völlig wertlos. Natürlich ist es nicht wirklich eine Überraschung, wie sich der europäische Automarkt entwickelt. Den Menschen geht es schlecht, das schlägt sich auf den Konsum nieder. Noch ein Blick auf die weiteren Aussichten:


Quelle: gazeta-wyborcza


Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse oder Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.