Mittwoch, 4. September 2013

Standpunkt 747 - Nachrichten-Ticker, 03.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: TV-Duelle zur Bundestagswahl (2 Beiträge) – Fukushima und die Finanzkrise – Zeitbombe Schwellenländer – Zypern – Gauck lehrt in Frankreich – Irland – Slowenien – Schattenbanken


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tag 3 nach der Schlacht um die Gunst der Wähler zwischen den beiden Aspiranten auf das wichtigste Amt im Staat. Gleichzeitig aber auch Tag 1 nach dem Duell der Kandidaten aus der zweiten Reihe, Gysi, Trittin und der wiedergenesene Brüderle. Wenigstens diese Debatte war stimmungsvoll. Dem wichtigsten Thema, der Lösung der Krise in Europa, sind auch diese Herren nicht wirklich näher gekommen. Nur die vergangene Regierungsperiode aufzuarbeiten ist eindeutig zu wenig. Wieder haben wir zwei Beiträge ausgewählt, die wir unseren LeserInnen jetzt vorstellen möchten: 


Bundestagswahl: Was die „Rechts-Links“-Logik mit der Krisenbewältigung zu tun hat
(querschuesse.de) Die beiden Fernsehduelle der Spitzenkandidaten aller im Bundestag vertretenen Parteien für die Bundestagswahl sind gelaufen. Die Formate der beiden Sendungen hätten kaum unterschiedlicher sein können. Mehr...

Kommentar: Gerne sind wir dabei behilflich, diesen Beitrag von Stefan L. Eichner (SLE) einem größeren Publikum vorzustellen. Er hat es sich verdient. SLE analysiert in diesem Aufsatz die Parteien auf ihre Krisenfähigkeit und setzt sich vor diesem Hintergrund mit ihrer Wählbarkeit auseinander. Sein Fazit bleibt in der von ihm an anderer Stelle beschriebenen Realität stecken: "Es ist eine Wahl, bei der es für die Wähler am Ende wahrscheinlich einfach nur darum gehen wird, ob die mit einer Politik des 'Weiter so' verbundenen Sorgen größer sind als die Angst vor der Ungewissheit wie es weitergeht, wenn man diese Politik am Wahltag stoppt. Die einzigen, die in jedem Fall davon profitieren, wenn die Wähler diese Politik nicht stoppen, könnten indes 'die Märkte' sein. Was das in einer von Oligopolen gekennzeichneten Wirtschaftsrealität bedeutet, darüber soll sich jeder seine eigenen Gedanken machen." Soweit ist aus unserer Sicht alles richtig. Nur "vergisst" er an dieser Stelle, die von ihm erst im Absatz vorher beschriebene Position der Opposition: "Wir werden die Marktwirtschaft ganz sicher nicht abschaffen. Also müssen wir sie besser verstehen, wenn wir die europäische Krise überwinden und zuversichtlicher in die Zukunft blicken wollen. Das ist eine zentrale Herausforderung. Unsere Oppositionsparteien haben das offenbar noch nicht erkannt. Sie sind im alten Rechts-Links-Schema des Wahlkampfes stecken geblieben. Eine überzeugende Perspektive konnten sie vor allem deswegen bisher auch noch nicht aufzeigen. Einen Wettbewerb der Konzepte hat es im Wahlkampf nicht gegeben." Weil das so ist, halten wir keine dieser Parteien am 22. September für wählbar.


Die Glückskinder brauchen keine Wahlen mehr
(heise/telepolis.de) Nach dem gestrigen, von allen Medien gelobten Auftritt von Gregor Gysi, Jürgen Trittin und Rainer Brüderle, nach sechs Monaten täglicher Berichterstattung über Peer Steinbrück, der als Krönung seines Wahlkampfes von Pro 7 nun – weltweit einmalig - 300.000 Euro Prämie als Sieger in der TV-Publikumsgunst erhält, nach einem Videowettbewerb des Bundestages, der zur Wahl auffordert, entsteht ein beruhigender Eindruck: Offenbar spielt es keine Rolle, ob und wer gewählt wird. Mehr...

Kommentar: Ein hervorragender Beitrag von Alexander Dill. An dem wir nichts krtisieren oder hinzu zu fügen haben. Der Mann kommt auf den Punkt. Und unterstreicht unsere Auffassung, das Wahlrecht zu nutzen, um sich am Wahlsonntag anderweitig zu vergnügen. Vollkommen im Einklang mit den demokratischen Grundrechten hierzulande. Noch. 


AKW-Katastrophe: Die Mär vom kontrollierbaren Super-Gau
(zeit.de) Lecks, hohe Strahlung, Flickschusterei: Am AKW Fukushima ist die Lage ernst. Japans Premier schickt Geld und rügt Betreiberin Tepco. Er versucht, die Atomkraft zu retten. Mehr...

Kommentar: Normalerweise berichten wir nicht über die Entwicklungen in Fukushima. Wir haben damals, als die Katastrophe ihren Anfang genommen hat, dazu Stellung genommen (hier). Unsere Befürchtungen sehen wir heute bestätigt. Das ist aber nicht unser Thema. Wir möchten an Hand dieses Beitrags zeigen, wie sehr die Politiker einerseits von ihrem Tun überzeugt sind, andererseits aber auf keine Tricks und Täuschungen verzichten, um die Probleme in der Öffentlichkeit klein zu halten und den wahren Umfang der Bedrohung zu verschweigen. Nach dem gleichen Muster verfahren die Politiker in Europa: Entweder ist alles unter Kontrolle, oder die Krise geht gerade zu Ende. In Wahrheit verschlimmert sich mit jeder Maßnahme zur Krisenlösung die Krise bis es irgendwann zum Super-Gau kommt. Tatsächlich haben nämlich die Japaner keine Lösung für ihre Katastrophe in Fukushima und die Europäer, Amerikaner, Chinesen, usw., keine Lösung für ihre Finanzkrise. Sogar "learning by doing" funktioniert nicht. Die Menschen in Japan und sonstwie auf der Welt, die von einer Krise betroffen sind, werden von ihren Politikern schlicht nur "verar...t".


Die andere Zeitbombe
(tagesanzeiger.ch) Die Kapitalflucht aus den Schwellenländern wird zur Gefahr für die Weltwirtschaft. Indien sitzt in der Währungsfalle, Brasilien und Indonesien mussten die Leitzinsen erhöhen. Droht eine Wiederholung der Asienkrise der 1990er-Jahre? Mehr...

Kommentar: Eine lesenswerte Analyse unserer Schweizer Nachbarn. Leider bleibt sie eine klare Antwort, auf die im Vorspann gestellte Frage, weitgehend schuldig.


Zyperns Bürger testen ein Leben ohne Banken
(sueddeutsche.de) Die größte Bank Zyperns ist immer noch nicht saniert. Das zwingt die Unternehmen auf der Insel, ausschließlich mit Bargeld zu wirtschaften - Kredite gibt es nicht mehr. Mehr...

Kommentar: Hoffnungslos. Statt Worte die folgende Karikatur: 





Frankreich-Besuch: Gauck drängt auf Reformen nach Vorbild Schröder
(welt.de) Staatsbesuch in angespannter Zeit: Der Bundespräsident ist in Paris und ruft Frankreich und Deutschland zu Reformen auf. Er lobt die Agenda 2010 – und den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder. Mehr...

Kommentar: Der Bundespräsident gibt den Oberlehrer. Ob er weiss, wovon er redet? Den Franzosen kann man jedenfalls nur raten: Finger weg von einer Agenda 2010 und den Ideen Gerhard Schröder's. Die hat die rot-grüne Regierung damals von Tony Blair und der britischen Labour Party übernommen. Und die Menschen hierzulande in millionenfache Armut getrieben. Selbst Menschen in Arbeit sind davon betroffen. Voller Stolz verkündete Gerhard Schröder 2005 vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos:  "Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt" (hier). Blair und Schröder haben die Sache nicht zu Ende gedacht: Millionen Niedriglöhner und Hartz4-Empfänger fallen nämlich als Konsumenten aus und generieren kein Wirtschaftswachstum. Das macht sich bemerkbar. 


Auch Irland könnte neue Hilfen benötigen – wie Griechenland
(handelsblatt.com) Die Debatte um neue Hilfen für das Krisenland Griechenland sind seit Wochen Wahlkampfthema in Deutschland. Doch auch Portugal und Irland könnten bald weitere Unterstützung brauchen. Denn aktuelle Programme laufen aus. Mehr...

Kommentar: Sie sind noch lange nicht über den Berg, die (v)erklärten Musterknaben der europäischen Krise, Portugal und Irland. Andererseits sind die neuen Hilfen für Portugal, Irland und Griechenland höchstens Peanuts, gemessen an den Milliarden Euro, die demnächst für Spanien und Italien locker gemacht werden müssen. Die Krise wird vor dem 22. September totgeschwiegen. In Wahrheit wächst sie munter weiter. 


Slowenien – Die Banken-Misere nimmt kein Ende
(format.at) Der Bankensektor Sloweniens kommt aus den roten Zahlen nicht heraus. Im ersten Halbjahr 2013 haben die Geldhäuser einen kumulierten Vorsteuerverlust in Höhe von 242,7 Mio. Euro erlitten. Der Verlust nach Steuern lag bei 215,6 Mio. Euro, geht aus dem Monatsbericht der slowenischen Notenbank hervor. Nach wie vor hohe Kosten für Risikovorsorge und rückläufige Einnahmen wirkten sich negativ auf das Gesamtergebnis des Bankensektors aus. Mehr...

Kommentar: Die Entwicklung dort ist wichtig für unsere österreichischen Nachbarn, deren Banken sind kräftig involviert. 7,54 Mrd. Euro faule Kredite, das entspricht 16,3% des Gesamtvolumens, sind kein Pappenstiel. Die slowenischen Banken haben echt die Krise. Wir erwarten einen weiteren Anstieg notleidender Kredite. Der Banken-Stresstest ist eine Farce. 







EU will Schattenbanken regulieren
(welt.de) Auf rund 51 Billionen Euro, das sind 51.000 Milliarden Euro, beziffern
Experten die Bilanzsumme von Schattenbanken. Die Unternehmen sollen endlich kontrolliert werden – denn sie sind brandgefährlich. Mehr...


Kommentar: Bitte liebe LeserInnen, glauben Sie das nicht! Es ist nur noch ein Märchen, mit dem Europas Krisenmanager ein bisschen Aktionismus verbreiten. Das Tempo bestimmen andere: 


Quelle:nelcartoons.de



Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse oder Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.