Freitag, 6. September 2013

Standpunkt 749 - Nachrichten-Ticker, 05.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Bundestagswahl (2 Beiträge) – „Job-Wunder“ Deutschland – EU-Bankenunion – Lebensmittel-Spekulation – Bankenpläne – Großbritannien – Österreich


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Bundestagswahlen 2013: Eurokritiker stehlen Merkel die Show
(presseurop.eu) Zu den wenigen Unbekannten der Bundestagswahl gehört das Ergebnis der Alternative für Deutschland. Die euroskeptische Partei richtet sich an die konservativsten und ältesten Wähler, also an die Stammwähler der aus dem Amt scheidenden Bundeskanzlerin. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Den überlassen wir Axel Weber. Der hat gerade erklärt,  "eine Renationalisierung wäre die falsche Lehre aus der Krise". Das Zitat stammt aus dem Beitrag "Axel Weber warnt vor Renationalisierung in der Eurozone" der österreichischen DIE PRESSE. Die Zeitung schreibt im Vorspann: "Der Ex-Bundesbank-Chef fürchtet ein Scheitern der Eurozone, der Euro garantiere die Konkurrenzfähigkeit." Mehr hier. Weber, heute Verwaltungsratspräsident der Schweizer Großbank UBS, hat in der Vergangenheit die Maßnahmen der Politik zur Lösung der Krise in Europa immer wieder scharf kritisiert. Aus vielen guten Gründen will aber auch er die Gemeinschaftswährung nicht abschaffen und zurück zu nationalen Währungen. Die angeführte Konkurrenzfähigkeit ist u. a. ein Grund für den voraussichtlich höchsten Überschuss aller Zeiten für den deutschen Export: "Ifo: Das wird der höchste Überschuss aller Zeiten - Deutschland bleibt über der Warnschwelle" meldet N-TV und schreibt in der Einleitung: "Deutschland wird sich dieses Jahr voraussichtlich selber toppen: Der Außenhandel steuert laut Ifo-Institut auf den größten Überschuss aller Zeiten zu. Experten sehen darin eine klare Fehlentwicklung, die zu Lasten anderer Länder geht. Auch die EU-Kommission beobachtet die Zahlen mit Sorge. Es droht ein Mahnverfahren." Mehr hier. Zeitig vor der Wahl noch eine Steilvorlage für die ein bisschen wahlkämpfende Kanzlerin. 


Ergänzend zu diesem Beitrag das Ergebnis der jüngsten Forsa-Umfrage für den STERN, veröffentlicht am Mittwoch:



Quelle: deutsche-wirtschafts-nachrichten.de

Die folgende Karikatur stammt aus dem Original-Beitrag der französischen LES ECHOS: 



"Rentnerrepblik Deutschland"


Außerdem noch die Karikatur, die von PRESSEUROP beigesteuert wird, um die augenblickliche Entwicklung zu charakterisieren: 






Entscheidungsschwäche macht gute Politik aus
(capital.de) Journalisten und Wissenschaftlern kann es nicht schnell genug gehen. Doch in der Politik ist Eile eher schädlich - gute Kompromisse brauchen Zeit. Mehr...

Kommentar: Stimmt das, dann sind die Deutschen mit Angela Merkel bestens bedient. Mehr Entscheidungsschwäche geht in ihrer Position nicht mehr: Sie hat das Aussitzen als politisches Instrument, mehr noch als Helmut Kohl, zur Perfektion verfeinert. Hoffentlich wird sich der Autor, Gert G. Wagner, daran erinnern, wenn feststeht, dass die Politik und seine These in der Krise völlig versagt haben.  


Die Kehrseite des deutschen "Job-Wunders"
(tagesanzeiger.ch) Das Heer an billigen Arbeitskräften, das die Hartz-Reformen hervorbrachte, bewog die Unternehmen zu rückläufigen Investitionen. Nun hinkt Deutschland bei der Produktivität hinterher. Mehr...

Kommentar: Der Beitrag spricht für sich. Noch eine wichtige Aussage daraus: "Nach Berechnungen von Experten weist das Land heute dieselbe Produktivität auf wie 2007 – ein Umstand, wie er seit Kriegsende nicht registriert worden sei. Und gemessen am OECD-Durchschnitt, weist die deutsche Wirtschaft ein um rund 25 Prozent geringeres Produktivitätswachstum aus." Und noch zwei Grafiken, die die Entwicklung veranschaulichen: 







Wahrscheinlich überhaupt nicht mehr wichtig, wo doch demnächst die Autos für den deutschen Markt von den deutschen Herstellern in China produziert werden...






 
Die Schwächen der EU-Bankenunion
(faz.net)  Die EU-Kommission schlägt vor, ihr die Aufgabe zu übertragen, angeschlagene Banken in Europa aufzufangen und zu restrukturieren. Nach Einschätzung des ZEW-Präsidenten Clemens Fuest ignoriert der Vorschlag allerdings das größte Problem. Mehr...

Kommentar: Ein beachtenswerter Beitrag, gerade vor dem Hintergrund des eben berichteten voraussichtlichen Allzeithochs bei deutschen Leistungsbilanzüberschüssen. Obwohl es nach unserer Kenntnis feste Regeln geben soll, unabhängig von der "wirtschaftlichen Asymmetrie in Europa", die Fuest für das "größte Problem" hält. 


Schäuble unterstützt Banken bei Lebensmittel-Spekulationen
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Verhandlungen in Brüssel über eine Eindämmung der Nahrungsmittelspekulation gehen in die entscheidende Phase. Es ist jedoch zu erwarten, dass dabei ein vollkommen wirkungsloses Gesetz herauskommt. Denn Finanzminister Schäuble hat offenbar im Sinne der Banken eine strikte Regulierung der Rohstoffgeschäfte verhindert. Mehr...

Kommentar: Der stammt in diesem Fall von Johannes Rau: "Nicht wir Politiker machen die Politik, wir sind nur die Ausführenden. Was in der Politik geschieht, diktieren die internationalen Großkonzerne und Banken." 


Topbanker träumen von neuer Größe
(manager-magazin.de) Fünf Jahre nach der Lehman-Pleite wächst die Sehnsucht der Finanzindustrie, die Krise hinter sich zu lassen. In Frankfurt versammelte Bankenchefs schmieden Pläne, wieder das große Rad zu drehen - in aller Bescheidenheit natürlich. Mehr...

Kommentar: Neue Einnahmequellen müssen her, sonst versiegen die Boni. Die Politik wird die Pläne, natürlich, nach Kräften unterstützen. Da sind wir uns sicher. 


Großbritannien: Jeder Fünfte verdient nicht mal Lebensunterhalt
(welt.de) Trotz zuletzt guter Wirtschaftsdaten in Großbritannien gehen die Löhne zurück. Jeder fünfte Arbeitnehmer verdient weniger als er zum Leben benötigt, bei den Unter-20-Jährigen sind es sogar 77 Prozent. Mehr...

Kommentar: Eine Entwicklung, ganz ohne den schädlichen Einfluss des Euro. Verrückt, oder? Die Briten schaffen das auch ohne. Nachwehen der Politik von Maggie Thatcher? Auf jeden Fall das Ergebnis einer ungehemmten De-Industrialisierung und einer übermäßig starken Finanzindustrie. Großbritannien auf dem Weg in den Lebensstandard der 1920er Jahre, genau wie von der Bank of England schon 2009 vorhergesagt. Wie schlimm wird es erst, wenn die Schotten sich separieren und das Nordsee-Öl mitnehmen? 


Österreichs Banken: Bundesländer haften für 50 Milliarden
(derstandard.at) Die Bundesländer stehen in hohem Ausmaß für die Verbindlichkeiten ihrer Landesbanken gerade, neue Haftungen dürfen nicht eingegangen werden. Mehr...

Kommentar: Ein nettes Sümmchen, gemessen an der Wirtschaftsleistung des Landes von 307 Milliarden Euro in 2012 (hier). Die Gesamtrisiken aller österreichischen Banken sind noch nicht abzuschätzen. In einer Sache sind wir uns sicher: Da werden noch Tränen fließen, bei unseren Nachbarn.


Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse oder Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.