Sonntag, 8. September 2013

Standpunkt 750 - Nachrichten-Ticker, 06.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Deutschland in der Zukunft – Weltwirtschaftskrise – Austeritätspolitik in Deutschland – Großbritannien – Polen – Fed (2 Beiträge) – US-Arbeitsmarktdaten (4) – China


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.



Deutschland droht der langsame Bedeutungsverlust
(welt.de) Ökonomen haben für die "Welt" errechnet, welche Länder in 20 Jahren als führende Wirtschaftsnationen eine Rolle spielen. Die Veränderungen werden gewaltig sein. Deutschland kommt dabei nicht gut weg. Mehr...

Kommentar: Das ist kaum mehr als Kaffeesatzleserei, die von den Ökonomen für diese Studie betrieben wurde. Bisher ist es ihnen nicht gelungen, die Entwicklungen der nächsten Monate annähernd richtig zu prognostizieren. Trotzdem sind die geschilderten Folgen für Deutschland nicht unwahrscheinlich. Eine der Ursachen: Die deutsche Wirtschaft sieht ihr Heil in Geschäften mit China. Das bedeutet früher oder später massive Produktionsverlagerungen dorthin. VW macht es bereits vor. Alleine Wolfsburg plant den Bau von insgesamt 40 Fabriken in China. Auf Druck der chinesischen Regierung. Anderen Unternehmen ergeht es genauso. Die Folgen sind eine De-Industrialisierung Deutschlands und der Verlust von Tausenden gut bezahlten Arbeitsplätzen. Wir werden erleben, dass VW, Daimler, BMW, usw., Autos für den deutschen Markt in China produzieren. 

Eine weitere Ursache ist die unselige Austeritätspolitik in Europa. Deutschland zerstört damit auf Jahre Teile seiner Märkte, direkt vor der eigenen Haustür.  Aus einem einzigen Grund: um im Hier und Jetzt gesund und kraftvoll zu erscheinen. Als Einäugiger unter einem Haufen Blinder. Das kann nicht funktionieren.

Die folgenden Grafiken aus dem Beitrag zeigen die Ergebnisse der Untersuchung, verglichen mit 2005:














"Es wird eine volkswirtschaftliche Schadensmaximierung kommen"
(format.at) Für Marc Friedrich, Bestsellerautor und Ökonom, ist die Krise bei Weitem noch nicht ausgestanden. Er erwartet für sämtliche Länder Südeuropas einen Rückfall in die Rezession, wenn nicht sogar eine Depression. Sorgen bereitet ihm die hohe Arbeitslosigkeit – eine tickende Zeitbombe, die für viele Menschen in Altersarmut enden wird. Von der Politik erwartet er keine Lösungen, stattdessen werde die Wende wie stets in der Vergangenheit wohl durch ein katastrophales Ereignis herbeigeführt. Mehr...

Kommentar: Lesen ist geradezu Pflicht. Friedrich liefert eine Exkursion durch die wichtigsten Krisenherde und deckt die vielen Lügen und Ungereimtheiten auf, die von den Krisenmanagern aus Politik und Finanzindustrie verbreitet werden. Gerade auch in Deutschland, aus Anlass der Bundestagswahl. Er erklärt alles leicht verständlich und bietet so auch dem Laien die Möglichkeit, sich gründlich zu informieren. Was Friedrich erklärt, hat nichts mit dem Meinungs-Mainstream zu tun. Seiner Empfehlung, physisches Gold zu kaufen, stehen wir allerdings insofern skeptisch gegenüber, als wir mit einem weitreichenden Goldverbot rechnen. Als Fazit zitieren wir nur einen einzigen Satz am Schluss des Interviews: "Wir alle sind Teil des Problems und wir alle werden bitter dafür zahlen müssen."  


"Austeritätspolitik à la Merkel ist falsch und unsinnig"
(handelsblatt.com) Gemeinhin gilt, die Linke sorge sich nicht um die Wirtschaft. Zu Unrecht, findet Linken-Politikerin Karawanskij. Denn der von Berlin verschuldete Investitionsstau tangiert das linke Herzthema der sozialen Gerechtigkeit. Mehr...

Kommentar: Dieser Beitrag beschäftigt sich mit dem Sparwahnsinn in Deutschland, der mittlerweile absonderliche Formen angenommen hat. Die Autorin zeigt Ursachen und Wirkungen auf, und erläutert die Vorschläge der Linken, wie diese Politik schnellstens beendet werden kann. Dummerweise sind die derzeitigen politischen Verhältnisse hierzulande nicht geeignet, wenigstens mit zaghaften Schritten gegenzusteuern. Das Augenmerk der Kanzlerin richtet sich auf die Rettung der heimischen Banken und den Ausbau der "marktkonformen Demokratie". Technisch steht einer Politikänderung außerdem die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse im Weg, die seit 2011 gilt und sich 2016 und 2020 noch einmal verschärfen wird. Uns erinnert diese Schuldenbremse an den Murks der Maastricht-Kritierien, deren Nutzen gering, deren Schaden aber immens ist. Und den die Bundesbank zu verantworten hat.


Hot Britannia
(fuw.ch) Die britische Wirtschaft steht vor einer Boomphase. Was steckt hinter dem neuen Wirtschaftswunder auf der Insel? Mehr...

Kommentar: Die Schweizer Wirtschaftszeitung FINANZ UND WIRTSCHAFT will einen breit angelegten Aufschwung in Großbritannien entdeckt haben. Weil wir scheinbar Tomaten auf den Augen haben und deshalb nicht sehen, was angeblich offensichtlich ist, weisen wir explizit auf diesen Beitrag hin. Dort gibt es eine Reihe von Charts, die am Ende alle nach oben zeigen und mit denen der Autor die hervorragenden Aussichten begründet: "Das Leiden hat ein Ende". Uns können diese Daten nicht überzeugen. 


Poland Confiscates Half Of Private Pension Funds To "Cut" Sovereign Debt Load
(zerohedge.com) While the world was glued to the developments in the Mediterranean in the past week, Poland took a page straight out of Rahm Emanuel's playbook and in order to not let a crisis go to waste, announced quietly that it would transfer to the state - i.e., confiscate - the bulk of assets owned by the country's private pension funds (many of them owned by such foreign firms as PIMCO parent Allianz, AXA, Generali, ING and Aviva), without offering any compensation. In effect, the state just nationalized roughly half of the private sector pension fund assets, although it had a more politically correct name for it: pension overhaul. By way of background, Poland has a hybrid pension system: as Reuters explains, mandatory contributions are made into both the state pension vehicle, known as ZUS, and the private funds, which are collectively known by the Polish acronym OFE. Bonds make up roughly half the private funds' portfolios, with the rest company stocks. And while a change to state-pension funds was long awaited - an overhaul if you will - nobody expected that this would entail a literal pillage of private sector assets. On Wednesday, Prime Minister Donald Tusk said private funds within the state-guaranteed system would have their bond holdings transferred to a state pension vehicle, but keep their equity holdings. The funds would effectively be left with only the equities portions of their assets, even this would be depleted, and there will be uncertainty about the number of new savers joining. But why is Poland engaging in behavior that will ultimately be disastrous to future capital allocation in non-public pension funds (the type that can at least on paper generate some returns as opposed to "public" funds which are guaranteed to lose)? After all, this is a last ditch step which no rational person would engage in unless there were no other option. Simple: there were no other option, and the driver is the same reason the world everywhere else is broke too - too much debt. Read more...

Kommentar: So, jetzt greift auch der angebliche Nicht-Euro-Musterschüler Polen die Pensionen seiner Bürger an, um sich zu entschulden. Finanzielle Repression in Reinkultur.  Aus unserer Sicht nur ein weiterer Beweis dafür, dass die Krise in Europa nicht, wie ständig behauptet, ihre Ursache in der Gemeinschaftswährung hat. Polen ist den Versuchungen des Kapitalismus' und den windigen Geschäftsmodellen der Finanzindustrie erlegen. Irgendwie erinnert uns das sehr an die Volksweisheit "mit den großen Hunden pissen wollen, aber das Bein nicht heben können". Es entpuppt sich für Polen jetzt als Fehler, den US-amerikanischen Interessen in Europa zu sehr gedient zu haben. LeserInnen, die unseren Blog schon von Anfang an verfolgen wissen, dass wir Polen, neben Großbritannien, für einen der Brückenköpfe der USA in Europa halten. Übrigens, bisher waren es in erste Linie die Krisenstaaten der Eurozone, die von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, sich Teile der Pensionsansprüche ihrer Bürger unter den Nagel zu reissen, um die Auflagen der Troika zu erfüllen. 


Fed-Mitglied für Stopp von Anleihenkäufen
(diepresse.com) Auch Ökonomen erwarten einen Verzicht auf Bondkäufe. Eine Erholung am Arbeitsmarkt sowie eine Inflation um zwei Prozent seien aber Voraussetzung. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Vorläufig eine waghalsige Idee. Deshalb ist es auch schädlich, ständig darüber öffentlich zu sinnieren. Die Meinungen gehen sowieso auseinander: "Kocherlakota Thinks Fed Should Print More, Not Less" meldet beispielsweise ACTING-MAN: 'QE' tapering? Not if Narayana Kocherlakota, non-voting FOMC member from Minneapolis (he will rotate into the voting roster next year) has anything to say about it. He thinks the Fed should increase QE, not 'taper' it. Mehr hier. Kocherlakota ist Ökonom und ab 2014 stimmberecht im Federal Open Market Committee (FOMC) der Fed.


Real Unemployment Rate Rises To 11.4%, Difference Between Reported And Real Data Rises To Record
(zerohedge.com) As frequent readers know, for the past three years we have compiled data looking at the US unemployment rate assuming a realistic labor force participation rate, which is the trendline average of the past three decades, or in the mid-65% area. Using such an approach allows us to estimate what the true unemployment (U3, not U6 underemployment) rate is. We can report that as a result of the latest monthly collapse in the labor force whose only purpose was to lower the unemployment rate from 7.4% to 7.3%, the actual implied unemployment rate just rose from 11.2% to 11.4%. Read more...

Kommentar/Ergänzung: Für uns nichts Neues. Wir berichten regelmäßig über die mangelhaften offiziellen Arbeitsmarktdaten in den USA. An dieser Stelle eine Übersicht der aktuellen Beiträge zu diesem Thema aus den USA und einige Charts dazu. Wir beginnen mit dem Chart dieses Beitrags: 




Selbst der US-Meinungsforscher GALLUP kommt zu anderen Zahlen: "Unemployment Rate Surges To Highest Since 2011 - Gallup Polling" meldet dazu ebenfalls ZERO HEDGE: "With ADP out of the way, and providing no guidance to an extreme NFP print one way or another, we once again turn to Gallup. As a reminder, a few days ago we showed that things are bad and getting worse for America's job prospects following direct polling land as relates to unemployment on a seasonally unadjusted basis. Today, the polling group has released its seasonally adjusted unemployment number and how it compares to the BLS' own estimation of the labor market. In a word: it is not pretty (which, again, is good for those who are hoping and praying St. Ben will keep the monetary Kool Aid running for a little bit longer): at 8.6% it is over 1% higher than the BLS' reported print, and is the highest since the end of 2011." Read more here. Der Chart dazu: 




Noch einmal ZERO HEDGE: "Chart Of The Day: August Job Additions, Or ather Losses, By Age Group". Read more here. Die Grafik dazu sagt mehr als 1000 Worte: 



Aufschlussreich die neuesten Daten von John Williams' Shadow Government Statistics (Schadowstats). Danach befindet sich die Arbeitslosenquote auf Weltwirtschaftskrisen-Niveau (hier): 





An dieser Stelle versteckt Amerika seine Arbeitslosen: "Record 90.5 Million Out Of Labor Force As Half A Million Drop Out In One Month; Labor Force Participation Rate Plunges To 1978 Levels" meldet ZERO HEDGE: "While the Establishment survey data was ugly due to both the miss and the prior downward revisions in the NFP print, the real action was in the Household survey, where we find that the number of people not in the labor force rose by a whopping 516,000 in one month, which in turn increased the total number of people outside the labor force to a record 90.5 million Americans." Read more here. Die beiden Charts aus dem Beitrag lassen keine Zweifel am desolaten Zustand des US-Arbeitsmarktes offen: 










Chinese Province 'Busted' For Fake Data; Exaggerated 2013 Output By Over 150%
(zerohedge.com) Still believe that China's PMI is above 50 and suggesting a global growth expansion? Still believe in Santa and the Tooth Fairy? Well, none other than China's own National Bureau of Statistics has been forced to admit that at least one of its major provinces has dramatically overstated industrial output. As Sina reports, according to a NBS report, the government in China's Yunnan province had coerced local companies to report inflated industrial output value, resulting in artificially high economic figures. With government leadership promotions driven by the performance of economic numbers in each province, it should hardly be surprising but the scale of the fraud is remarkable. In 2012, one county in Yunnan province reported CNY 6.34 billion in output while audits showed only CNY 2.82 billion and in the first half of 2013, Yunnan published CNY 2.75 billion in output while audits showed a mere CNY 1.06 billion! The province was also found to have faked investment data. Read more...

Kommentar: Zum Abschluss noch eine Geschichte über die Arbeit höchst virtuoser Statistiker. Kurzweilig. 


Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse oder Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.