Montag, 9. September 2013

Standpunkt 751 - Nachrichten-Ticker, 07.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Lügner Schäuble – "Too Big To Fail" (3 Beiträge) – Moody’s lobt deutsche Banken – Schattenbanken-Regulierung – Sparmaßnahmen in den Krisenländern


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Schäuble hält zweites Lehman für nicht möglich
(handelsblatt.com) Der Finanzminister hält eine Kettenreaktion wie im Fall der Investmentbank für unmöglich. Banken hätten Vorsorge getroffen, die Politik Leitlinien eingezogen. Zuvor hatten Notenbanker vor einem zweiten Lehman gewarnt. Mehr...

Kommentar: Was der Bundesfinanzminister behauptet, ist ein Frontalangriff auf die Intelligenz der Bürger/Wähler. Schäuble hält sich offensichtlich treu an das Vorbild Jean-Claude Juncker, der als Chef der Euro-Gruppe im Mai 2011 den folgenden Satz zum Besten gegeben hat: "Wenn es ernst wird, muss man lügen" (hier). Das ist jedenfalls eine infame Lüge, mit der Schäuble ohne Not an die Öffentlichkeit geht. Wie viele davon werden wir noch hören, bis am 22. September endlich gewählt wird? 

Wäre Schäuble aber tatsächlich dieser Meinung, dann sollte er unverzüglich wegen Inkompetenz zurücktreten.


"Too big to fail" schwelt weiter
(nzz.ch) Notleidende Grossbanken müssten wohl weiterhin vom Staat gerettet werden. Der Kampf gegen die "Too big to fail"-Problematik ist langwierig. Mehr...

Kommentar: Ein erster Beitrag, der sich nicht mit dem deckt, was der deutsche Finanzminister zur gleichen Zeit behauptet. Und dabei einen Blick hinter die Kulissen wirft. 


"Das Grundproblem der Überschuldung ist nicht gelöst"
(fuw.ch) Bill White, ehemaliger Chefökonom der BIZ, sorgt sich um eine neue Lehman-Krise. Die lockere Geldpolitik helfe nur kurzfristig. Mehr...

Kommentar: Ein Interview, bis zum Rand voll mit guten Argumenten gegen die Unzulänglichkeiten der bisherigen Krisenpolitik. Achtung: Bill White weist u. a. ausdrücklich auf die Gefahren eines weiteren Kollaps' hin, vergleichbar mit dem von Lehman Brothers


Die Gefahr des Grossbankensystems in zwei Charts
(blog.fuw.ch) Am 15. September jährt sich der Kollaps der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers zum fünften Mal. Es war die gefährlichste Nahtod-Erfahrung für das globale Finanzsystem seit der Grossen Depression in den Dreissigerjahren. Mehr...

Kommentar: Für alle LeserInnen ein lohnenswerter Beitrag, inklusive der Links. 


Moody's nennt deutsche Banken wieder "stabil"
(welt.de) Gute Bewertung für die deutsche Bankenbranche: Die Ratingagentur Moody's hebt den Ausblick für die Institute von "negativ" auf "stabil" – erstmals seit Anfang 2008. Dafür gibt es mehrere Gründe. Mehr...

Kommentar: Noch so eine himmelschreiende Lüge. Moody's ignoriert geflissentlich die Risiken und ersetzt diese durch hypothetische Annahmen. Schon passt es, schon in wenigen Wochen fragt keiner mehr danach. Der besten aller Bundesregierungen (Angela Merkel), hilft es aber im Wahlk(r)ampf. 


G 20 und Schattenbanken: Das 70-Billionen-Dollar-Problem
(zeit.de) Die G 20 wollen die Schattenbanken in den Griff bekommen. Das ist tatsächlich dringend nötig – und gar nicht so schwierig, wie manche immer wieder behaupten. Mehr...

Kommentar: Einmal mehr ein Beitrag der beweist, wie sehr die Qualität der ZEIT mit der Zeit gelitten hat. Die Schattenbanken zu regulieren ist unmöglich - ohne eine internationale Finanzreform, die diesen Namen dann auch verdient. Bisher gibt es nur Schätzungen über die Größe dieses Sektors. Sicher ist nur, dass er bereits das Volumen der traditionellen Bankgeschäfte übersteigt (hier). Aufsicht und Kontrolle gibt es nicht. Demzufolge auch unschätzbare Risiken. Alles hinlänglich bekannt, aber nichts passiert. Dieser Beitrag verharmlost. 


Sparmaßnahmen: Krisenländer beißen sich an Beamten Zähne aus
(diepresse.com) Portugal ist das jüngste Beispiel einer gescheiterten Verwaltungsreform. Die Troika verlangt Einschnitte im öffentlichen Dienst, die für Regierungen kaum umsetzbar sind. Mehr...

Kommentar: Hintergrundwissen aus der Feder unserer österreichischen Nachbarn. Offensichtlich haben nicht nur die Griechen ein Problem mit der Durchführung der Troika-Sparauflagen, auch der Musterknabe Portugal und die Spanier. Gut zu wissen in der kommenden Diskussion um die neuen Rettungsmilliarden für Griechenland. Übrigens, ganz so schlecht wie behauptet, schlägt sich Griechenland im internationalen Vergleich nicht, wie die folgende Grafik zeigt. Leider gibt es zu Portugal keine Angaben. 

 


Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse oder Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.