Montag, 9. September 2013

Standpunkt 752 - Nachrichten-Ticker, 08.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Trichet zur Krise – Krise in Europa – Yves Mersch zur Geldpolitik – Armut in den USA – China auf Einkaufstour


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Trichet: Es ist noch nicht vorbei
(faz.net) Auch fünf Jahre nach der Pleite der Investmentbank Lehman sind die Folgen nach Ansicht des einstigen EZB-Präsidenten Trichet nicht bewältigt. "Wir leben immer noch im Schatten von Lehman", sagte Trichet der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Mehr...

Kommentar: Noch ein Nachtrag zum gestrigen Ticker und Schäuble's Statement zur Lehman-Pleite und deren Folgen (hier). Wer es schon nicht mehr weiß: Der Franzose Jean-Claude Trichet war Vorgänger von Mario Draghi als Chef der EZB. Trichet hält es für richtig, Lehman pleite gehen zu lassen. "Man kann ein Problem nicht endlos mit einer Folge von Rettungen angehen", erklärt er dazu. Aha. Aber genau das geschieht doch seit Jahren bei der Bekämpfung der Folgen aus dieser Pleite. Sehr gut zu beobachten in Europa. Noch so einer, der die Menschen zum Narren halten will. In diesem Beitrag wird auch Jörg Asmussen zitiert, der die Bankenregulierung auf einem richtigen Weg sieht: "Wenn es feste Abläufe gibt, Banken-Testamente und einen europäischen Abwicklungsfond, dann ist es hoffentlich nicht mehr so dramatisch, eine große Bank vom Markt zu nehmen“. (...) Letztgültig wissen wir das allerdings nie." Da zweifelt einer am Gelingen. 


"Europa und Griechenland stehen besser da als gedacht"
(focus.de) Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht große Fortschritte bei der Überwindung der Euro-Krise. In einem Beitrag für den FOCUS schreibt er, dass die Währungsunion nicht auseinanderbrechen wird – im Gegenteil. Der Finanzminister kann der Krise sogar etwas Positives abgewinnen. Mehr...

Kommentar: Es ist schon erstaunlich, mit welcher Chuzpe Schäuble die Krise in Europa kleinschreibt. Während schon längst wieder über ein neues Rettungspaket für Griechenland diskutiert wird, Portugal und Irland neue Rettungsansprüche anmelden und das Nicht-Euro-Land Polen sich gerade zur Reduzierung der Staatsschulden an den Privat-Pensionen vergreift (hier). Die Angst vor einer Wahlniederlage muss im Regierungslager stündlich zunehmen, dass sich Schäuble auf so dünnes Eis begibt. Wie sehr in den ersten Jahren der europäischen Krise schon gelogen wurde, haben wir im April 2012 in dem eigenen Beitrag "Europas Lügen haben kurze Beine!" (hier) zusammengetragen und kommentiert. Nach wie vor sehr aktuell. 


EZB-Direktor: "Im Einkaufswagen weniger als früher"
(diepresse.com) "Langfristig kann Geldpolitik keine Arbeitsplätze schaffen, sondern nur beschleunigte Inflation generieren", sagt EZB-Direktor Yves Mersch. In Europa bestehe derzeit aber keine Inflationsgefahr. Mehr...

Kommentar: Ein kräftiger Tritt gegen das Schienbein der Fed, zu deren gesetzlich verankerten Aufgaben es gehört, durch eine geeignete Geldpolitik Arbeitsplätze zu schaffen. Die mangelhaften Ergebnisse der schon lange andauernden Bemühungen der US-Notenbank um mehr Jobs, sprechen oberflächlich für Mersch's These. Nur hält sie einer genaueren Betrachtung nicht stand. Die Fed verfolgt mit ihrer Geldpolitik nur zwei Ziele: Die Rettung der Banken und die Finanzierung der US-Schulden. Die Schaffung von Arbeitsplätzen ist, trotz gegenteiliger öffentlicher Beteuerungen, (noch) nicht geplant. Natürlich gibt es geeignete Maßnahmen, Beispiel New Deal 2.0, um mit Hilfe der Geldpolitik die dringend notwendigen Jobs in den USA zu schaffen. Die EZB muss sich erst gar nicht damit belasten. Ihre Aufgabe ist es nur, da hat Mersch recht, die Inflation einzudämmen. Gerne auch auf Kosten von Arbeitsplätzen. Dann aber zu behaupten, die Geldpolitik könne langfristig "nur beschleunigte Inflation generieren", stellt der EZB und ihren Verantwortlichen ein Armutszeugnis aus. 


Households On Foodstamps Rise To New Record High: More Americans Live In Poverty Than The Population Of Spain
(zerohedge.com) There was much discussion of Friday's "disappointing" non-farm payrolls goal-seeked, seasonally adjusted, X-13-ARIMA conceived jobs "number." The conclusion was that it showed an economy which one year after the start of QEternity was growing nowhere near where the Fed has projected and hoped it would be at this time. But in addition to the BLS jobs number, there was another just as important number that was released on Friday: the monthly foodstamp (SNAP) participation update. There was no discussion of this particular number and for good reason. If the NFP number was at least meant to show some economic stability, if subpar, the monthly foodstamp update shows month after month that the greatest depression is nowhere near ending for millions of American living in poverty (83% of SNAP households have gross income at or below 100% of the poverty guideline ($19,530 for a family of 3 in 2013), and these households receive about 91% of all benefits. 61% of SNAP households have gross income at or below 75% of the poverty guideline or $14,648 for a family of 3 in 2013). Read more...

Kommentar: Die USA melden einen traurigen Rekord, der erneut beweist, dass die Fed bezüglich der Schaffung neuer Arbeitsplätze einen denkbar schlechten Job macht. Die folgenden Charts aus dem Beitrag machen das Dilemma augenfällig: 









Nach wie vor gelten rund 60 Millionen Amerikaner als bezugsberechtigt. Das entspricht der Bevölkerung Frankreichs. Ein Ende ist erst in Sicht, wenn die Regierung ihre Finanz- und Wirtschaftspolitik und die Fed ihre Geldpolitik ändert. Obama trauen wir das nicht mehr zu, der sucht offensichtlich sein politisches Heil lieber in einem Krieg mit Syrien. 


How America Works (In One Cartoon)
(zerohedge.com) Sadly reflective of the dismal reality of the US 'system' that we described here first and here most recently, the following cartoon summed up 1000 words very succinctly... 




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Chinese Energy Companies Continue Canadian Acquisitions
(zerohedge.com) Having recently acquired important stakes or out-right ownership of major Canadian energy firms, Chinese companies are now continuing their penetration of Canada's energy sector by targeting the juniors. In particular, the Saskatchewan-based producer Novus Energy announced this week its agreement to be acquired for $320 million by Yanchang Petroleum International Ltd. Read more...

Kommentar: Still und leise kaufen die Chinesen weiter ein - und erhöhen so ihre Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft. Da wird sich Europa noch die Augen reiben. Eine Minderheit (die Deutschen) versucht immer noch - völlig borniert - den Rückfall in die Kleinstaatlichkeit des 18. Jahrhunderts und verbraucht dafür die politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Kräfte eines ganzen Kontinents. 


Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse oder Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.