Dienstag, 10. September 2013

Standpunkt 753 - Nachrichten-Ticker, 09.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Finanzkrise und ihre Verlierer – Großbritanniens großer Plan – Heilmittel Abenomics?


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Finanzkrise lässt Wirtschaft bluten: Deutschland ist einer der größten Verlierer
(focus.de) Auf den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers hat die USA "katastrophal falsch reagiert", so die Einschätzung eines Chefvolkswirts. Die Folgen für die Weltwirtschaft seien verheerend. Bis zu acht Billionen Euro habe die Krise gekostet. Einer der größten Verlierer: Deutschland. Mehr...

Kommentar/Ergänzung:  Bemerkenswert an diesem Beitrag ist vor allen Dingen, dass er sich nicht in die Heerschar der Lobpreisungen einreiht, die in diesen Tagen die Pleite von Lehman Brothers als eine vernünftige Entscheidung der damaligen US-Regierung feiern. Die Entscheidungen in Washington waren bestimmt von der sehr persönlichen Feindschaft zwischen dem damaligen US-Finanzminister Henry Paulson, vorher CEO von Goldman Sachs, und dem Chef von Lehman Brothers, Richard Fuld. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass sich dieser Feindschaft im September 2008 jede Vernunft unterordnen musste. Andernorts wurde damals die Meinung vertreten, Lehman Brothers wurde geopfert, um Bank of America, AIG oder Citicorp. mit Hilfe der Steuerzahler retten zu können. Ein Bauernopfer also. Die "Chronologie der Krise", nur ein Jahr nach der Pleite und ihre unmittelbaren Folgen, beschreibt anschaulich ein Beitrag von Jens Berger bei DER FREITAG (hier). 

Der voraussichtliche Schaden dieser Krise ist bedeutend größer als die in diesem Beitrag angenommenen 8 Billionen. Schon Mitte 2009 erklärte Neil Barofsky, der Special Inspector General for the Troubled Asset Relief Program (SIGTARP), gegenüber dem Kongress die Summe von 23,7 Billionen $ als Kosten aller Bankenrettungsprogramme der USA. Steffen Bogs von QUERSCHÜSSE hat in dem spannenden Beitrag "23,7 Billionen Dollar - eine unvorstellbare Summe" (hier) am 20.07.2009 die Hintergründe dazu geliefert. Viele Hundert Milliarden Dollar sind an europäische Großbanken geflossen, die Deutsche Bank war ganz vorne mit dabei. Wieviel es am Ende werden, lässt sich bis heute noch gar nicht abschätzen - die Finanzkrise ist noch lange nicht zu Ende. 

Mangelhaft ist aus unserer Sicht auch die Berechnung der Schäden für Wirtschaft und Wohlstand. Wir halten deshalb auch die Betonung auf die Eurozone und Deutschland als Verlierer der Krise für wenig stichhaltig. Die USA und Großbritannien beispielsweise streiten mit um die Spitzenplätze. Davon unberührt beziffert die WELT in ihrem Beitrag "Deutschland ist einer der größten Verlierer der Krise" gleich den Schaden aus der Krise auf ein erkleckliches Sümmchen: "Deutschland büßte fast 500 Milliarden Euro ein" (hier). 


Großbritannien will wieder Industrieland werden
(welt.de) Einst galt der Finanzsektor als wichtigste Branche, doch jetzt schwenkt Großbritannien um: Das Land will seine Produktion wiederbeleben. So schnell wie erhofft geht das allerdings nicht. Mehr...

Kommentar: Eine mutige und sehr ambitionierte Entscheidung angesichts der Tatsache, dass für die westlichen Industrienationen dieser Zug schon vor langer Zeit abgefahren ist. Der Plan hat kaum Aussicht auf Erfolg. Dabei wäre es dringend geboten, die Abhängigkeit von Finanzindustrie und Ölförderung zu reduzieren. Die Finanzindustrie ist durch und durch marode und das Öl gehört hauptsächlich Schottland, sobald es sich separiert. Das entsprechende Referendum findet 2014 statt (hier). 


Japans Wachstumsturbo, Europas Kreditbremse
(derstandard.at) Japan hängt die anderen Industrieländer ab. Was Europa von Japans Experiment "Abenomics" lernen kann. Mehr...

Kommentar: Noch sind die Abenomics mehr Schein als Sein. Trotzdem versuchen einige Medien, diese "neue" japanische Finanz- und Wirtschaftspolitik als Wunderwaffe zu verkaufen. Tatsächlich ist Japan weit weg davon, seine Probleme zu lösen. Ganz im Gegenteil. Wir finden, da ist viel Lärm um Nichts. Ähnlich sieht es die Nachbarschaft: "Abenomics may not cure Japan", so titelte CHINA DAILY schon im April (hier). Die folgende Karikatur stammt aus diesem Beitrag:






Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse oder Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.