Donnerstag, 12. September 2013

Standpunkt 755 - Nachrichten-Ticker, 11.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Gigantische Bankschulden belasten – Banken vs. Kunden – FAZ-Ökonomenranking – Barroso und die Reformen – Euro vs. Schwellenländer?


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Die Banken schulden der Welt Milliarden
(tagesanzeiger.ch) Vor fünf Jahren brach die Investmentbank Lehman Brothers zusammen. Die Welt schrammte knapp am Kollaps des Finanzsystems vorbei. Überall pumpten die Regierungen Milliarden in die angeschlagenen Banken. Mehr...

Kommentar: Falsch, es sind Billionen. Wir haben hier und hier sehr aktuell davon berichtet und kommentiert. Ein schlechter Witz außerdem: Der Beitrag zitiert das Institut der deutschen Wirtschaft (IW), das allen Ernstes behauptet, "gerade diejenigen Euro-Staaten die Finanzkrise recht schnell überwunden hätten, die 'ihre Problembanken konsequent abgewickelt haben - wie Deutschland und Österreich'. In den Jahren 2008 bis 2010 wurden demnach in Deutschland 8 Kreditinstitute zerschlagen, verkauft oder geschlossen. 17 waren es in Österreich." Unsere LeserInnen in Deutschland und Österreich bitten wir dringend, diesen Schwachsinn nicht zu glauben. Es ist lächerlich. Beide Länder sind bisher weitgehend verschont geblieben, d. h. sie haben die Krise noch vor sich. Leider steigen dadurch die Kosten. Irgendwann werden sie unbezahlbar. 


Banken laden unliebsame Aktien bei ihren Kunden ab
(sueddeutsche.de) Deutsche Banken sollen ihren Kunden in den vergangenen Jahren massenweise Aktien angedreht haben, die sie selbst loswerden wollten. Besonders offensiv gingen demnach Institute vor, die selbst ein "aktives Vermögensmanagement" betreiben. Mehr...

Kommentar: "Sollen"? Sie haben. Das ist Praxis schon seit den 1980er Jahren - mindestens. Daran kann kein Zweifel bestehen. Und alle machen mit, auch die sich gerne für "honorig" verklärenden Sparkassen und Genossenschaftsbanken. 


FAZ-Ökonomenranking – ein Armutszeugnis für die Massenmedien
(nachdenkseiten.de) Nun haben wir schwarz auf weiß, was wir eigentlich schon immer wussten. In den deutschen Medien kommen nahezu ausschließlich neoliberale Ökonomen zu Wort, wobei ein beängstigend großer Teil von ihnen direkt in Diensten der Finanzinstitute steht. So kann – und muss – man ein Teilergebnis des in der letzten Woche veröffentlichten FAZ-Ökonomenrankings interpretieren. Wenig überraschend ist auch das Ergebnis, dass Hans-Werner Sinn, das Enfant terrible der Talkshow-Ökonomen, sowohl für die Medien auch als auch für die Politik der einflussreichste Ökonom des Landes ist. Von Jens Berger. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Ein hervorragender Beitrag. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Wir geben nur noch ein Beispiel für diese gut beschriebenen neoliberalen Ökonomen: "Deutsche Ökonomen werfen der EZB Staatsfinanzierung vor" titelt die F.A.Z. und schreibt in den Vorspann: "Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank sind besonders in Deutschland umstritten. Sogar das Bundesverfassungsgericht verhandelt darüber. Ein neuer Ökonomen-Aufruf geht hart ins Gericht mit der Politik der Notenbank." Mehr dazu hier. Wir reiben uns die Augen vor so viel Ignoranz. 


"Wir schulden den 26 Millionen Arbeitslosen weitere Reformen"
(format.at) EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hat Europa zu weiteren wirtschaftlichen Reformen aufgefordert. "Wir sollten uns motivieren, die Anstrengungen aufrechtzuerhalten", sagte Barroso am Mittwoch in einer Grundsatzrede vor dem Europaparlament in Straßburg. Mehr...

Kommentar: Spricht Barroso von Reformen, dann meint er den Ausbau des Niedriglohnsektors, den Abbau von Sozialleistungen, den Diebstahl von Renten und Pensionen (zur Sanierung der durch die Rettung von Banken gestiegenen Staatsschulden), eine großflächige Verschlechterung von Tarif- und Arbeitsrechten in Europa. Diese Pläne Reformen zu nennen, verhöhnt und verspottet die betroffenen Menschen. Den Arbeitslosen hilft nur die Schaffung von Jobs, Jobs, Jobs. Die müssen wenigstens so gut bezahlt werden, dass sie heute den Lebensunterhalt sichern und später die Altersarmut verhindern. Für die Rahmenbedingungen haben die Politiker zu sorgen. 


Der Euro: Erzfeind der aufstrebenden Märkte
(project-syndicate.org) Die Währungen der aufstrebenden Märkte stürzen ein, und ihre Zentralbanken sind damit beschäftigt, die Geldpolitik zu straffen, in dem Versuch, die Finanzmärkte ihrer Länder zu stabilisieren. Wer ist schuld an dieser Lage? Mehr...

Kommentar: Eine Analyse von Daniel Gros für die Sachkundigen unter unseren LeserInnen. Wer diesen Beitrag sorgfältig liest, den kann, nach unserer Auffassung, die Überschrift nur verwundern. Sie ist irreführend. Nicht der Euro ist nämlich gefährlich für die Schwellenländer, sondern die Folgen der Sparpolitik in Europa. So wird es von Gros auch beschrieben. 


Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse oder Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.