Freitag, 13. September 2013

Standpunkt 756 - Nachrichten-Ticker, 12.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Bankenunion – Merkel’s steigendes Ungleichgewicht – Deutschland: Europa oder China? – 5 Jahre Lehman-Pleite (2 Beiträge) – Griechenland


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Europa stolpert Richtung Bankenunion
(derstandard.at) Die zentral bei der EZB angesiedelte Banken-Aufsicht kommt. Ob die Abwicklung einer Bank auch zentral erfolgen soll, daran spießt es sich. Mehr...

Kommentar: Aufpassen, noch könnte Europa über die Bankenunion stolpern. Entscheidend bei dieser Sache ist aber etwas anderes: Die Bankenunion wird nicht verhindern, dass sich die Krise in Europa weiter fortsetzt. Statt dessen wird sie die Bankenrettung nach dem "Zypern-Modell", die EU-autorisierte Enteignung, unterstützen. 


"Wollen keine Vergemeinschaftung von Schulden"
(wirtschaftsblatt.at) Finanzministerin Maria Fekter "will keine Vergemeinschaftung von Schulden". Derweil ist ein weiterer Schritt in Richtung Bankenunion getan. Mehr...

Kommentar: Sollte die Österreicherin Fekter nicht die Zeichen der Zeit erkennen? Nein, sie ignoriert sie nur, um sich in der Öffentlichkeit als Sachwalterin österreichischer Interessen gen(er)ieren zu können. Schließlich wird auch in Österreich gewählt. Da gehört Schummeln zum politischen Handwerkszeug. 


Merkel's Mounting Imbalances
(zerohedge.com) As Angela Merkel prepares for her third term - in whatever odd coalition that lurches from the election - the following four charts may surprise many that believe in the core European nations' dominance uber alles. As Bloomberg's Niraj Shah notes, Merkel may find rebalancing the German economy, as its reliance on exports increases, harder than ever. The low levels of growth, high trade balances, excepotionally low consumption and homeownership, and growing "shadow" economy all point to a European core that is far from the beacon of stability so many assume it to be. Read more... 

Kommentar: Das passt natürlich wenig zu Merkel's bester Bundesregierung seit Gründung der Bundesrepublik. Die Grafiken im Beitrag zeigen nichts, worauf die Kanzlerin stolz sein kann. Oder die deutschen Ökonomen, die den Schulmeister Europas immer ganz vorne sehen. Eine davon haben wir herausgegriffen. Sie zeigt den deutschen Konsum im Vergleich zu anderen Staaten der Eurozone und entlarvt die regelmäßigen Erfolgsmeldungen der GfK und des Ifo Instituts, von Deutschlands brilliantem Ökonomen Hans-Werner Sinn, als lächerliche Farce. 




Europa? So wie in Europapokal?
(weitwinkelsubjektiv.com) Es scheint, als ob uns Deutschen alles wichtiger ist als die ökonomische Katastrophe im Süden Eurolands: Champions League oder Europameisterschaft im Fußball – alles ist wichtiger als der Absturz Spaniens, Griechenlands oder Zyperns. Ja, das sei schon sehr bedauerlich und auch recht schmerzvoll, heißt es dann oft von unserer Regierung oder unserer Bundesbank. Doch die Krisenländer müssen eben büßen für die Verfehlungen der vergangenen Jahre. Es ginge halt nicht anders. Woran könnte das wohl liegen? Warum bleiben viele unserer Politiker so ungerührt bei der Tragödie, die sich vor unserer Haustür abspielt? Vielleicht sollten wir dorthin schauen, wo einige unserer Großkonzerne mittlerweile sehr viel Geld verdienen: nach China. Mehr...

Kommentar: Wir sehen diese Entwicklung schon lange äußert kritisch. Orlando Pascheit von den NACHDENKSEITEN hat diesen Beitrag aufgegriffen und einen hervorragenden Kommentar dazu geschrieben, den wir unseren LeserInnen unbedingt vorstellen möchten: 

"Wenn sich Deutschland keinen Handelskrieg mit China erlauben kann, weil ein solcher den Interessen der aktuell in China agierenden Konzerne entgegensteht, so hat dies weitreichende Konsequenzen. Dadurch wird diese Interessenstruktur gegenüber Neulingen im chinesischen Markt zementiert. Sieht man einmal davon ab, dass sich Teile der deutschen Solarindustrie allzu sehr auf die Massenproduktion eines ausgereiften Produkts verlassen haben, steht dieses relativ junge Segment unserer Industrie in einer mit Unsicherheiten behafteten Übergangsphase nicht nur relativ schutzlos da: Es könnte aufgrund der chinesischen Konkurrenz auf globaler Ebene verschwinden. Man muss davon ausgehen, dass in einem Konflikt mit China aufstrebende, innovative Unternehmen/Branchen in der Vertretung ihrer globalen Interessen kaum Unterstützung durch die Regierung finden werden, wenn obengenannte Interessenstruktur tangiert wird. Schließlich ist die deutsche Leistungsbilanz gegenüber China nach über zwei Jahrzehnten Anfang 2012 das erste Mal wieder in das Plus gerückt. Im April 2013 betrug der Leistungsbilanzüberschuss 2691,81 Millionen Euro (!). Getragen wird dieser Überschuss durch den Rückgang des Defizits im Warenhandel, den Überschuss im Dienstleistungshandel, aber vor allem durch den Anstieg der Erwerbs- und vor allem Vermögenseinkommen, die deutsche in der Hauptsache Unternehmen aus China beziehen. Die Kehrseite dieses Anstiegs ist die Weigerung der Bundesregierung die Klagen anderer Unternehmen zu vernachlässigen. (Besonders kritisch kann dies werden, wenn Firmen anderer EU-Länder von protektionistischen Subventionen Chinas bedroht werden, und die Bundesregierung ein Vorgehen der EU-Kommission gegen solche Praktiken verhindern möchte, um des lieben Friedens willen für unsere Konzerne.) – Nun kann man der Regierung nicht allein diese Tatenlosigkeit vorwerfen. So haben BASF oder VW auf unlautere chinesische “Wettbewerbspraktiken” nicht reagiert und gelernt, chinesische Kröten zu schlucken um weiter im chinesischen Markt zu verbleiben. Als der VW-Joint-Venture-Partner FAW (First Automotive Works) die Wolfsburger ausspionierte und gar Konstruktionspläne für einen Motor kopierte, um selbst mit einem eigenen Wagen VW in Russland Konkurrenz zu machen, entschied sich VW nicht gegen FAW (hinter dem der Staat steht) vorzugehen. Ebenso hat BASF, um die die Genehmigung zum Bau einer Produktionsanlage im westchinesischen Chongqing zu bekommen, “freiwillig” den neuesten Stand seiner Technologie nach China transferiert. Ebenso hat BASF Mitarbeitern des Chongqing Chemical Industry Park, in dem die Anlage gebaut wird, den Zugang zum Produktionskreislauf eines der kenntnisreichsten Chemieunternehmen weltweit erlaubt. Die SZ schrieb: “Das ist so, als dürfte ein Hobbykoch Tag ein Tag aus einem Sternekoch bei der Arbeit zusehen, bis er sich entscheidet, sein eigenes Restaurant aufzumachen. Patente könnten kaum wertvoller sein.” Dass Konzerne wie VW, BASF oder auch Airbus wegen kurzfristiger Gewinne auf dem chinesischen Markt ohne Gegenwehr geistiges Eigentum hergeben, werden sie selbst mittel- bis langfristig zu spüren bekommen. Dass die Bundesregierung dem unlauteren Wettbewerb chinesischer Firmen aus denselben Gründen nicht Einhalt gebieten möchte, könnte sich langfristig jenseits aller Verlagerungsbedrohungen negativ auf unsere Volkswirtschaft auswirken. Hinzukommt, dass die Kapitalerträge deutschen Kapitals in China nicht die breite Masse der deutschen Bevölkerung erreichen. Es profitieren Aktionäre und Spitzenmanager." Das Original steht hier

Noch zwei vielsagende Grafiken zur deutschen Abhängigkeit von China:





Analysis: Five years after Lehman, risk moves into the shadows
(reuters.com)  Just days after UBS AG said that it would gut its fixed-income trading business last October, three of the Swiss bank's senior executives left to launch a firm to go where big banks won't anymore. Read more...

Kommentar: Alles beste Zutaten für die von Hank Paulson befürchtete neue Finanzkrise. Die Politiker haben bisher tatenlos zugesehen und werden auch weiter nach der Pfeife der Finanzindustrie tanzen. Unter diesen Umständen wird es garantiert keine Finanzreform geben.


Five Years Later: 18 Dollars Of Debt For Every Dollar Of GDP; Total G7 Debt/GDP: 440%
(zerohedge.com) With everyone focused on the 5th anniversary of the Lehman failure, we are taking a quick look at how the world's developed (G7) nations have fared since 2008, and just what the cost to restore "stability" has been. In a nutshell: the G7 have added around $18tn of consolidated debt to a record $140 trillion, relative to only $1tn of nominal GDP activity and nearly $5tn of G7 central bank balance sheet expansion (Fed+BoJ+BoE+ECB). In other words, over the past five years in the developed world, it took $18 dollars of debt (of which 28% was provided by central banks) to generate $1 of growth. For all talk of "deleveraging" G7 consolidated debt has been at a record high 440% for the past four years. So in the G7, which is a good proxy for the developed world, debt continues to increase whilst nominal growth remains extremely low thus ensuring that the deleveraging process has yet to start. As Deutsche Bank states, "at best we’re stabilising the ratio at or around record highs." Read more...

Kommentar: Die Sache ist außer Kontrolle geraten: 18 $ Schulden erwirtschaften 1 $ BIP. Die Grafik aus dem Beitrag spricht Bände. Nur Narren glauben noch daran, dass diesen Staatsschulden mit irgendwelchen Spardiktaten beizukommen ist. 



Abschließen möchten wir diesen Nachrichten-Ticker mit einem Chart. Er zeigt die Entwicklung der Arbeitslosenquote in Griechenland, die im Juni ein neues Allzeithoch erreicht hat, 27,9%: 

Quelle: zerohedge.com


Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse oder Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.