Samstag, 14. September 2013

Standpunkt 757 - Nachrichten-Ticker, 13.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Finanzkrise voraus (6 Beiträge) – Euro-Krise – Deutschland (2) – John Maynard Keynes


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Anlässlich des fünften Todestages von Lehman Brothers sind die Medien voll von Beiträgen über die Folgen. Wir haben die aus unserer Sicht wichtigsten und interessantesten herausgesucht: 


"Es droht eine ähnliche Katastrophe"
(tagesanzeiger.ch) Schon innerhalb von 5 Jahren sei eine neue Finanzkrise wahrscheinlich, sagt Simon Johnson, MIT-Professor und früherer Chefökonom des IWF. Die Lobbyarbeit der Banken hätte wirksame Vorkehrungen verhindert. Mehr...

Kommentar: Ein lesenswertes Interview mit dem US-Ökonomen, der darin viele gescheite Dinge von sich gibt, aus unserer Sicht jedoch insgesamt zu zahm bleibt. Seinen Zeitrahmen halten wir für zu weit gefasst.


Warum eine neue Finanzkrise droht
(n-tv) Vor fünf Jahren löste die Lehman-Pleite die globale Finanzkrise aus. Doch seit dem großen Crash hat sich kaum etwas geändert: Kein einziger Bankchef sitzt im Gefängnis, unbeherrschbare Risiken wuchern, Banken können
Staaten weiterhin erpressen. Die nächste Krise ist nur eine Frage der Zeit.
Mehr...

Kommentar: Eine sehr gute Analyse zum Thema. Die wichtigsten Probleme werden adressiert. Die Kernaussage: "Banken haben aus Lehman-Crash kaum gelernt." 


Der nächste Lehman-Crash droht in Asien
(fuw.ch) Dieses Wochenende jährt sich der Zusammenbruch von Lehman Brothers zum fünften Mal. Larry McDonald hat als Wertschriftenhändler für das New Yorker Investmenthaus gearbeitet und den Überlebenskampf aus nächster Nähe miterlebt. Weil er sich in einer verschworenen Gruppe mit anderen Mitarbeitenden gegen den streitbaren Lehman-Chef Dick Fuld aufgelehnt hatte, wurde er im April 2008 gefeuert. McDonald, der heute sein eigenes Beratungsunternehmen führt und als Referent zum Thema Risikomanagement international gefragt ist, fürchtet bereits in einem halbem Jahr eine neue Finanzkrise in Asien. Die grösste Gefahr sieht er dabei in Chinas Schattenbanken. Mehr...

Kommentar: McDonald ist einer, der den Ursprung der nächste Finanzkrise nicht in Europa sieht und außerdem den zeitlichen Rahmen sehr eng fasst: "Es ist markerschütternd: Die gleichen Entwicklungen, die wir 2007 in den Vereinigten Staaten beobachtet haben, zeichnen sich gegenwärtig in Asien ab. Alle Warnsignale, die damals beim Lehman-Crash aufgeleuchtet sind, deuten darauf hin, dass in China bereits in den kommenden sechs Monaten die nächste Bombe hochgehen wird." Gibt die Entwicklung McDonald recht, dann wären die Auswirkungen bis nach Europa, insbesondere Deutschland, zu spüren. Zu intensiv sind mittlerweile die Handelsbeziehungen. 


"Banken immer noch too big to fail"
(fuw.ch) Gerät eine Grossbank in Schieflage, ist es auch fünf Jahre nach Lehman weiterhin schwierig, sie abzuwickeln, d. h. zu restrukturieren oder in den Konkurs zu schicken. Falls sich dieses Problem nicht lösen lasse, müsse das Eigenkapital nochmals erhöht werden, sagt Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Mehr...

Kommentar: Dieses Interview macht deutlich, dass nichts von dem passiert ist, was die G8-Staaten unmittelbar unter dem Eindruck der Folgen aus der Lehman-Pleite, vollmundig versprochen haben. Es sollte eine tiefgreifende Finanzreform werden, die Schluss macht mit der TBTF-Problematik. Jordan macht als Chef einer Notenbank einige erstaunlich klare Aussagen.


Gefahr durch Banken: Die Bombe tickt
(spiegel.de) Die Euro-Finanzminister sind in Vilnius zusammengekommen, um über die Rettung maroder Banken zu diskutieren. Trotz groß angekündigter Reformen sind die wichtigsten Krisenursachen noch immer nicht beseitigt. Der Finanzsektor bleibt auch fünf Jahre nach der Lehman-Pleite eine Gefahr für die Gesellschaft. Mehr...

Kommentar: Es ist eine Massenvernichtungswaffe mit einem gigantischen Zerstörungspotential. Vergleichbares hat es bisher noch nicht gegeben, deshalb wird sie dauernd sträflich unterschätzt. 


Voodoo in den Bankbilanzen
(blog.fuw.ch) Heute ist Freitag, der 13. September. Vor exakt fünf Jahren debattierten in den holzgetäferten Sitzungsräumen der Federal Reserve Bank of New York die mächtigsten Banker der westlichen Welt über das Schicksal von Lehman Brothers. US-Schatzsekretär Henry Paulson hatte sie einberufen – auch der heutige Chef der Credit Suisse, Brady Dougan, war dabei – und für das Wochenende in die Sitzungsräume der Notenbank in Downtown Manhattan gesperrt. Sie sollten unter sich ausmachen, wie die wankende Investmentbank zu retten sei. Wir wissen, wie die Geschichte ausging. Von allen anwesenden Banken war nur die britische Barclays interessiert, Lehman zu kaufen. Paulson verweigerte aber jede Übernahme finanzieller Garantien, und die britischen Aufsichtsbehörden mahnten Barclays, nicht ohne Garantien zu handeln. Die Verhandlungen scheiterten. Am Montagmorgen, dem 15. September, meldete Lehman Brothers Konkurs an. Wenig später befand sich das Finanzsystem – und mit ihm bald auch die Weltwirtschaft – im freien Fall. Nun stellt sich die grosse Frage: Ist das Finanzsystem heute sicherer als damals? Oder ist es im Grunde noch genau so fragil? Mehr...

Kommentar: Eine hervorragende Analyse von Mark Dittli. 


Die vier Krisen des Euro
(monde-diplomatique.de) Nicht nur im deutschen Wahlkampf wird die Eurofrage vernachlässigt. Die Zukunft des ganzen Kontinents hängt davon ab, ob die EU-Hegemonialmacht Deutschland durch politischen Druck oder ökonomische Zwänge zu europäischer Solidarität verpflichtet werden kann. Mehr...

Kommentar: Dieser Beitrag von Ulrike Herrmann, Wirtschaftskorrespondentin der "taz", verdient die ungeteilte Aufmerksamkeit unserer LeserInnen. Sie schreibt auf den Punkt und macht einen großen Bogen um den Mainstream hierzulande. Deshalb wenig geeignet für die Diskussionen am Stammtisch, im Sportverein oder am Arbeitsplatz. Aber tolles Futter für eigenen Gedanken, vom Anfang bis zum Ende.


Ende des Sommermärchens
(heise/telepolis.de) Beim Treffen der Eurogruppe in Vilnius brach die Europäische Zentralbank mehrere Tabus, die Deutschland mit Rücksicht auf den Wahlkampf aufgestellt hatte. Vor allem um die geplante Bankenunion gibt es neuen Streit Ganz Europa wartet auf die Bundestagswahl in Deutschland. Die Eurogruppe, der Club der 17 Euroländer, macht da keine Ausnahme. Vor der Wahl in Berlin, so die ungeschriebene Regel, kann die Eurogruppe keine neuen, möglicherweise umstrittenen Beschlüsse fallen. Bis zum 22. September darf kein Jota am Kurs der Euro-Finanzminister geändert werden. Zudem darf das deutsche Sommermärchen, das von der wundersamen Heilung der Eurozone handelt, nicht erschüttert werden. Mehr...

Kommentar: Der Beitrag von Eric Bonse macht zwei wichtige Dinge deutlich: Die Krise in Europa wird wegen der Bundestagswahl bis zum 22. September mit aller politischen Gewalt unterdrückt. Danach geht es mit der gleichen unverminderten Härte weiter wie bisher, inklusive einer völlig fehlgeleiteten Krisenpolitik. Die Folgen sind vorhersehbar - wenigstens für diejenigen, die nicht den Kopf in den Sand stecken. 


Quelle: economist.com


Deutschland stellt den Motor ab
(diepresse.com) Die deutsche Wirtschaft steht stark da. Aber Merkels Union erntet nur Früchte früherer Reformen. SPD und Grüne setzen mit ihrem Wahlprogramm ihre eigenen Erfolge aufs Spiel. Mehr...

Kommentar: Zur Bundestagswahl, eine passende Milchmädchenrechnung: 400.000 Arbeitslose bei einer rot-grünen Regierung, "nur" 100.000 wenn es mit Mutti und ihrer neoliberalen Gefälligkeitspolitik weitergeht. Diese Berechnung stammt, kann auch gar nicht anders sein, vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Diese Herrschaften liefern immer, was gerade der Klientel in den politischen Kram passt. Gerade muss dafür gesorgt werden, dass Mutti ohne das Hindernis einer großen Koalition weiterregieren darf. Zieht man die europäische Krise mit in Betracht, dann ergibt sich ein anderes Bild: Es ist ganz egal, wer in Deutschland regiert, eine Lösung für die drängenden Probleme hat keine der politischen Richtungen. Weiterwursteln werden sie alle. 


Mit John Maynard Keynes aus der Krise
(blog.arbeit-wirtschaft.at) Platzen der Spekulationsblase auf den Vermögensmärkten, zahllose Bankeninsolvenzen, Nachfrageeinbruch, Massenarbeitslosigkeit:   Die  Wirtschaftskrise  nahm ihren Ausgang in den USA, breitete sich allerdings mit Windeseile auf Europa aus und führte zu einer Depression, die die Arbeitslosenraten in manchen Ländern auf über 30% der Erwerbspersonen trieb. Die als Therapie gedachten Maßnahmen der Wirtschaftspolitik in den Krisenländern, darunter vor allem die Senkung der Löhne und die Kürzung von Staatsausgaben, beschleunigten die Abwärtsspirale. Mit dem eklatanten Versagen der herrschenden Wirtschaftspolitik mehrten sich auch die Zweifel bezüglich ihrer theoretischen Basis. Dieses Vakuum nutze eine Gruppe junger ÖkonomInnen, die mit einer neuen Erklärung makroökonomischer Zusammenhänge eine neue Ära der ökonomischen Theorie und der Wirtschaftspolitik einleitete. Mehr...

Kommentar: Nach dem Scheitern der neoliberalen Krisenpolitik wäre es tatsächlich an der Zeit, endlich den Ideen von Keynes eine Chance zu geben. Mehr Auswahl steht auch nicht mehr zur Verfügung, um der Krise beizukommen. Natürlich haben auch Keynes' Theorien nur dann eine Erfolgsaussicht, wenn gleichzeitig Finanzindustrie und -märkte tiefgreifend reformiert werden. Sonst ist alles umsonst und jede gute Idee zum Scheitern verurteilt. 


Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse oder Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.