Sonntag, 15. September 2013

Standpunkt 758 - Nachrichten-Ticker, 14.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Lehman-Pleite hat Geburtstag – Kapitalismus am Ende? – EU-Banken-Krise – Merkelnomics – Slowenien – China


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Lehmann-Pleite: Der Tag, an dem die Krise begann
(diepresse.com) Am 15. September 2008 meldete die Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz an und stürzte die Welt in die schwerste Wirtschaftskrise seit den 1930er-Jahren. Die Anatomie einer Katastrophe. Mehr...

Kommentar: Es gibt unterschiedliche Versionen darüber, warum ausgerechnet Lehman Brothers über die Klinge springen musste. Wir haben uns der angeschlossen, die den willkürlichen Tod der Investmentbank auf die unerbittliche Feindschaft zwischen Hank Paulson, damaliger US-Finanzminister und Ex-Goldman Sachs-CEO, und Richard Fuld, zu der Zeit Chef von Lehman Brothers, zurückführt. Paulson verweigerte sich jeder Vernunft und Lehman Brothers jede Hilfe. Trotz Alternativen. Die Folge: Eine Katastrophe, deren Wirkung bis heute anhält. Das Ende ist nicht in Sicht. 


Ist der Kapitalismus gescheitert?
(project-syndicate.org)  Bis sechs Tage vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers vor fünf Jahren erhielt die Rating-Agentur Standard & Poor’s das Investment-Grade-Rating des Unternehmens von "A" aufrecht. Moody’s wartete sogar noch länger und wertete Lehman einen Werktag vor dessen Zusammenbruch ab. Wie können angesehene Rating-Agenturen – und Investmentbanken – zu solchen Fehleinschätzungen kommen? Mehr...

Kommentar: Vor dem Hintergrund der Lehman-Pleite beschäftigen sich die Ökonomen Roman Fryman und Michael D. Goldberg in diesem Beitrag mit dem Versagen ihrer Zunft bei der Beurteilung der enormen Risiken, die zu der Finanzkrise von 2008 geführt haben. Bei dieser Gelegenheit korrigieren sie auch die falschen Vorstellungen, die im Zusammenhang mit der Krise aus den Theorien des John Maynard Keynes abgeleitet werden. Ein informativer Beitrag, der aber wegen seiner starken theoretischen Ausprägung nicht alle LeserInnen fesseln wird. 


"Systemically Important Banks in the Post-Crisis Era"
(milkeninstitute.org) Financial system policymakers around the world continue to respond vigorously to the problems in financial markets, institutions, and regulation and supervision brought into high relief by the global financial crisis. However, the overall understanding of those responses remains vague and limited. Our study improves the state of knowledge by focusing on one particularly relevant issue, the regulation and supervision of systemically important banks (SIBs). Read more...

Kommentar/Ergänzung: Die Studie zeigt, wie hoch die Risiken sind, die in den EU-Banken stecken. There ist no way out. Aus diesem Grund verzichten Berlin und Brüssel bei ihrer Krisenpolitik für Europa gleich ganz auf eine weitreichende Finanzreform. Eine Zusammenfassung der Gefahren des europäischen Bankensektors gibt ein Beitrag auf TIMEPATTERNANALYSIS: "EU - höchstes Bankenrisiko" (hier). Dieser Beitrag enthält zusätzlich aussagekräftige Übersichten aus der Milken-Studie. Für deutsche LeserInnen Anlass zur Sorge ist die Deutsche Bank: "Untersucht man die Daten zu Assets, Verbindlichkeiten und Kapital-Relationen (tangible common equity/tangible assest), so sticht unter den größten 21 Banken welweit die Deutsche Bank heraus (siehe Tabelle!). Die weltweit drittgrößte Bank verfügt über die mit Abstand schwächste Kapitalausstattung bei gleichzeitig stärkster Ausrichtung auf die Finanzmärkte (“derivates and trading” 41,2%)." Aber auch die Eidgenossen haben wenig Freude: "Nicht verwunderlich, dass die Schweiz aus diesem Blickwinkel mit zwei Banken, deren Assets jeweils weit über 100% des BIP liegen, das höchste Bankenrisiko hat."  Die beiden Tabellen dazu:  






Der Beitrag kommt zu einem eindeutigen und richtigen Fazit (die Hervorhebung stammt von uns): "Im Ergebnis dürfte die EU die Region auf der Welt mit dem weitaus größten finanziellen Risiko sein. Innerhalb dieser Region dürfte Frankreich und England besonders anfällig sein. Deutschland sticht als Heimatland der weltweit drittgrößten Bank heraus, die noch dazu die absolut höchste Ausrichtung auf das Derivategeschäft, die höchste absolute und relative Ausrichtung auf die Finanzmärkte und die schwächste Kapitalausstattung hat. Die US-Banken zeichnen sich zwar kumuliert durch eine hohe Derivateausrichtung aus, ihr Anteil am BIP ist aber vergleichsweise gering, was das Risiko zumindest begrenzt." Alles klar, oder? 


Ökonomin Angela Merkel: Merkelnomics
(zeit.de) Zwischen schwäbischer Hausfrau, Ludwig Erhard und Milton Friedman: Die Kanzlerin als Ökonomin. Mehr...

Kommentar: Da will doch tatsächlich jemand bei Angela Merkel Verständnis für die Wirtschaft entdeckt haben. Alle Achtung. Tatsächlich wird fleissig am Mythos von der Krisentauglichkeit der Kanzlerin gestrickt. Gerne empfehlen wir unseren LeserInnen diesen zukunftsweisenden Beitrag. Der beschreibt nämlich unbeabsichtigt die Gründe, warum die deutsche Eiserne Lady Kanzlerin an der europäischen Krise scheitern wird, nein scheitern muss. Sie verschärft die Krise, statt sie erfolgreich zu bekämpfen. Noch täuscht darüber die vergleichsweise gute Verfassung Deutschlands hinweg. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, wann die europäische (Banken-)Krise hierzulande ankommt (vgl. vorherigen Beitrag). Dann greift Merkel tief in die Trickkiste - nicht ihrer ökonomischen Kompetenz, sondern zu den vorbereiteten Werkzeugen der Enteignung. Der Begriff Merkelnomics erhält dann eine neue Bedeutung. 


Eurogruppe: Slowenien braucht keine Hilfe
(faz.net)  Slowenien hat große Probleme im Bankensektor - doch es will keine internationale Unterstützung. Auch die Euro-Partner wiegeln ab und vertrauen auf die Regierung in Ljubljana. Allerdings drängen sie auf mehr Tempo und zusätzliche Maßnahmen. Mehr...

Kommentar: Alles Quatsch. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die EU Hilfen für das Euro-Mitglied Slowenien locker machen muss. Schon seit Monaten führt das Land einen aussichtslosen Kampf (vgl. beispielsweise hier, hier). Natürlich wird die Sache bis zum 22. September klein gehalten. 


Der Ostboom ist für längere Zeit vorbei
(diepresse.com) Die Wirtschaft wächst langsam, die Konjunktur bleibt "verletzlich", die Risken für in Osteuropa tätige Banken bleiben hoch. Österreichs Banken sind aber vergleichsweise gut aufgestellt, meint die Ratingagentur S&P. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Die Bewertungen der Ratingagenturen sind nach wie vor mit großer Vorsicht zu genießen (hier). Bitte dazu den Beitrag  "Ratingagenturen – ein zutiefst korruptes System" bei NACHDENKSEITEN lesen (hier). Die Situation der österreichischen Banken wird schön geschrieben, um den Druck auf die Eurozone nicht noch weiter zu erhöhen. Wir erwarten dagegen, dass Österreichs Banken in Osteuropa ihr Waterloo erleben werden. 


China ist leer
(heise/telepolis.de) Die Wüsten wachsen - im bevölkerungsreichsten Land der Erde absurderweise vor allem die Immobilienwüsten.
Während in Europa verschiedene Krisen für Leerstand gesorgt haben, egal ob man nun nach Griechenland, Spanien oder nach Deutschland schaut, ist in China vor allem der Boom dafür verantwortlich. Die Immobilienblase hat mittlerweile Ausmaße erreicht, dass man sich vor ihrem kommenden Platzen nur fürchten kann. Mehr...


Kommentar: Was in diesem Beitrag beschrieben wird, hat in den vergangenen Jahren das chinesische BIP befeuert: Alles nur eine Fata Morgana. China trickst sich zur Wirtschaftsmacht. Nicht gerade der ideale Partner für das exportabhängige Deutschland. Platzen die vielen Blasen in China, werden die riesigen Währungsreserven des Landes zur Schadensbegrenzung herhalten müssen. 


Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse oder Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.