Donnerstag, 31. Oktober 2013

Standpunkt 792 - Nachrichten-Ticker, 30.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Uli Dönsch erklärt die Krise – „Sozialer Arbeitsmarkt“ in Deutschland – Zwangsräumungen in Deutschland – Estland – Finnland – Spanien  (2 Beiträge) – VW in China


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Der Sparer-Enteigner schlägt schon wieder zu
(focus.de) IWF-Chefökonom Olivier Blanchard will, dass die Deutschen noch mehr für Europa zahlen und sich an eine doppelt so hohe Inflation gewöhnen – der "Wohlstandsverlust" sei zu verschmerzen. Was hat der Franzose bloß gegen uns? Mehr...

Kommentar: Uli Dönsch füttert sie wieder - die ahnungslosen "BILD"-ungsbürger mit seinen abstrusen Thesen. Dabei offenbart er keine Rechenschwäche, aber einen Totalausfall bei der Erkenntnis der Krisenursachen und den Folgen der deutschen Krisenpolitik in Europa. Außerdem massive Defizite in der Geschichte deutscher Inflationspolitik und ihrer Entwicklung. Die möchten wir unseren Leserinnen mit Hilfe zweier Grafiken aufzeigen:



Diese Grafik zeigt zweifellos die jahrelangen Inflationssünden in Deutschland unter der Regie der Bundesbank, die der Geldwertstabilität verpflichtet war.




Diese Grafik unterstreicht die Stabilität des Euro im Vergleich zur D-Mark unter Regie der EZB durch eine geringe Inflationsrate. Die ist sogar im Durchschnitt zu niedrig, liegt regelmäßig unterhalb der festgesetzten Quote für die Eurozone. 

Geschadet hat die Inflation dem Vermögensaufbau in Deutschland nicht, wie die folgende Grafik anschaulich zeigt: 




Selbst in Zeiten enormer Inflation, wie in den Jahren zwischen 1970 und 1990, hat sich das deutsche Geldvermögen mehr als verdoppelt. Obwohl die Zinsen, ähnlich wie heute, deutlich unter der jeweiligen Inflationsrate geblieben sind. Schon seit Monaten wird diese Situation, d. h. die im Vergleich zur Inflation niedrige Verzinsung der Ersparnisse, immer wieder als Vermögensverlust propagandistisch aufbereitet, natürlich auch von Uli Dönsch. 

Blanchard ist mit seiner Meinung lediglich der politischen Zeit voraus. Was er beschreibt ist unabdingbar und hätte längst - sprich 2010, spätestens 2011 - in die Tat umgesetzt werden müssen. Sowohl eine höhere Inflationsrate, als auch die Einführung eines Transfer-Systems, beispielsweise in Form von Euro-Bonds (Wie die funktionieren, bitte hier nachlesen). Wir sind davon überzeugt: Berlin weiss das längst, hält den Zeitpunkt jedoch noch nicht für gekommen, diese Notwendigkeit der deutschen Öffentlichkeit als unbedenklich verkaufen zu können. Nur deshalb ist es der Knalltüte Dönsch möglich, beifallheischend dagegen ins Feld zu ziehen. 


"Sozialer Arbeitsmarkt" – Ein noch gigantischerer und zudem entwürdigender Niedriglohnsektor
(nachdenkseiten.de) Unter der Überschrift „Sozialer Arbeitsmarkt“ hat sich eine ungewöhnliche Allianz von Sozialverbänden, über die SPD, die Grünen bis hin zur FDP zusammengefunden. Auch in der CDU gibt es Sympathien für ein neues Beschäftigungsmodell für Langzeitarbeitslose. Freiwillig, existenzsichernd bezahlt und möglichst langfristig soll nach diesem Modell Langzeitarbeitslosen am Arbeitsmarkt und zwar am ersten Arbeitsmarkt eine „sinnvolle, normale, nicht stigmatisierende Beschäftigung“ verschafft werden. Das geltende Hartz IV-Systems soll dazu an zwei Stellen verändert werden, nämlich erstens durch den Wegfall der Voraussetzungen, dass die öffentlich geförderte Beschäftigung (Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigungszuschüsse) für Langzeitarbeitslose "gemeinnützig, zusätzlich und wettbewerbsneutral" sein müssen und zweitens durch einen sog. „Passiv-Aktiv-Transfer“ (PAT), bei dem die Mittel für den „passiven Leistungsbezug“ aktiv zur Finanzierung von sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen, sprich als Lohnsubvention an die anstellenden Arbeitgeber eingesetzt werden sollen. Eine „Win-Win-Situation“ könnte man meinen. Helga Spindler, Professorin für Sozial- und Arbeitsrecht, widerspricht dem energisch. Sie befürchtet einen noch gigantischeren und zudem entwürdigenden Niedriglohnsektor. Mehr...

Kommentar: Offensichtlich hat sich eine ganz besonders große Koalition gebildet, um das Millionenheer der Menschen auszubauen, denen ein sicheres Auskommen jenseits der Armutsgrenze dauerhaft verwehrt bleiben soll. Milliarden werden in der Entwicklung einer flugunfähigen Drohne zur Terrorismusabwehr, oder in nutzlosen Bahnhofsumbauten und Prestige-Flughäfen (Kassel, Berlin) verpulvert, während auf der anderen Seite Politik und Wirtschaft im Wege einer "marktkonformen Demokratie" den Arbeitsmarkt kaputtreformieren.


Zwangräumung: In drei Minuten obdachlos
(zeit.de) Steigende Mieten und Luxussanierungen vertreiben arme Menschen aus ihren Vierteln. Wer nicht freiwillig geht, dem droht Zwangsräumung. Viele landen auf der Straße. Mehr...

Kommentar: Ein Beitrag aus der Mitte Deutschlands, nicht aus einem der bekannten europäischen Krisenländern. Das in diesem Jahr gerade erst eingeführte neue Mietrecht "macht Zwangsräumungen noch einfacher: Damit darf eine Wohnung nun sogar zwangsgeräumt werden, noch bevor ein Gericht in einer Räumungsklage das Urteil gesprochen hat." Unbeirrt wickelt die Politik hierzulande die Errungenschaften des Nachkriegs-Deutschland ab. Das funktioniert scheinbar deshalb so gut, weil die deutsche Geschichte für die heute Lebenden frühestens mit der Gründung der Bundesrepublik beginnt. Was davor passiert ist, gehört nicht dazu.


Bessere Eurodaten aus schlechten Gründen
(fuw.ch) Die Eurozone verzeichnet wieder Wachstum und die Peripherieländer sind erfolgreich im Export, so lauten die jüngsten Positivnachrichten. Die Geschichte dahinter ist weniger erbaulich. Mehr...

Kommentar: Dieser Beitrag aus der Schweiz beschreibt, was Berlin, Brüssel, usw. verschweigen. Sehr anschaulich die Grafiken. Außerdem lohnt es sich, den angebotenen Links zu folgen. Wir bleiben dabei: Europa ist von einer Erholung weit entfernt und die Sparpolitik fördert die Krise.


"Estland ist stabiler als Island"
(manager-magazin.de) Kleine Bank mit großem Namen: Die Bigbank aus Estland lockt deutsche Anleger mit hohen Festgeldzinsen. Bankchef Kaido Saar erklärt im Interview sein Geschäftsmodell und tritt Sorgen um die Sicherheit der Einlagen entgegen. Mehr...

Kommentar: Wer von solchen Angeboten nicht die Finger läßt, der ist vollkommen närrisch. Der hat nichts gelernt aus der Krise in Island und in Zypern. Estland ist für Europa wirtschaftlich und politisch völlig wertlos. Ein Grenzposten im äußersten Nordosten, mehr nicht. Die Aufnahme in die EU 2004 war das Ergebnis europäischer Großmannssucht, keinesfalls wirtschaftlicher Erwägungen. Das drückt der estnischen Elite aufs Gemüt und wird durch ein hohes Maß an Aufschneiderei ventiliert. Das Angebot der Bigbank und die starken Worte ihres Chefs fallen darunter. Dazu kommt: Die Einlagensicherung Estlands ist genauso viel wert wie die im übrigen Europa: Nichts. Schwedische Banken sind keinesfalls ein Hort an Sicherheit, wie gerne öffentlich beteuert wird. Die stehen als Teil der weltweiten Finanzindustrie auf den gleichen wackeligen Füßen wie alle anderen auch. Kaido Saar ist ein Blender. 


Jetzt wackelt sogar Finnland – die Schuldenkrise zieht nach Norden
(focus.de) Der böse Süden hier, der gute und solide Norden dort – so lautete bisher die klassische Aufteilung in der Schuldenkrise. Doch mehr und mehr zeigt sich: Auch im Norden ist einiges faul – etwa in Frankreich, Finnland und Holland. Mehr...

Kommentar: Dieser Beitrag bestätigt, was wir unseren LeserInnen bereits seit spätestens 2011 prophezeien. Nicht nur zu Finnland. Die europäische Bankenkrise, getarnt als Staatsschuldenkrise, wird ganz Europa ruinieren, ohne Ausnahme. Nicht nur die Eurozone und auch nicht nur die 28 EU-Staaten. Die Schweiz und Norwegen sind ebenfalls dabei. Der norwegische Staatsfonds beispielsweise, der größte der Welt, wird irgendwann verzweifelt seine Einlagen bei den TBTF-Banken und ihren Partnern suchen - ohne nennenswerten Erfolg, die sind pleite. Begraben unter ihrem Bilanzschrott und Derivatemüll. Dann ist das Spiel aus. 


What Spanish Recovery?
(zerohedge.com) One of the prevailing themes in recent weeks has been that Spain has transformed out of Europe's economic basket case into a success story. Read more...

Kommentar: Noch so ein Gegenstück zur hiesigen Propagandaveranstaltung im Zusammenhang mit der Krise in Europa. Diese Grafik aus dem Beitrag ist eindeutig: 





Wenigstens zu der angeblichen Erholung spanischer Banken gibt es ein wenig Aufklärung. Die WELT meldet dazu "Bilanztrick verschafft Spaniens Banken Milliarden" und fasst zusammen: "Europas Banken zittern vor dem Stresstest der EZB, besonders die aus den Schuldenstaaten. Mit einem Trick bei der Steuergutschrift könnten sie auf einen Schlag besser da stehen." Mehr hier.


China ist Volkswagens Schicksal
(n-tv.de) Volkswagens Erfolg hat einen Namen: China. Deutschlands größter Konzern ist abhängig wie nie vom Reich der Mitte: Zwischen Xinjiang und Schanghai verkauft VW nicht nur mit Abstand die meisten Autos, sondern produziert sie auch - und verlagert immer mehr Jobs ins kommunistische Riesenreich. Mehr...

Kommentar: Just for info...


Mittwoch, 30. Oktober 2013

Standpunkt 791 - Nachrichten-Ticker, 29.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Vorsorgerisiko in Deutschland – Wall Street rüstet auf – Banca Monte dei Paschi in Not – Irland (4 Beiträge) – US-Haushaltskrise – Fed


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Hauskauf wird in Deutschland zum Vorsorgerisiko
(welt.de) Eine Studie offenbart: Die eigenen vier Wände eignen sich nur bedingt zur Altersvorsorge. Damit setzen Millionen Deutsche auf das falsche Produkt zur Sicherung ihrer eigenen Zukunft. Mehr...

Kommentar: Just for info. Wir halten wenig von der Investition in eine heimische Immobilie zur Krisensicherung. Bei einer Enteignung gibt es auch da richtig was auf die Mütze. Außerdem sind mit Sicherheit viele Immobilien falsch finanziert und ein Zinsanstieg bringt die Eigentümer schnell in Not. In der Schweiz sind beispielsweise mittlerweile 40% der Hypothekenkredite an zahlungsschwache Schuldner, d. h. mit zu geringem Einkommen, vergeben worden. Ähnlich dürften die Verhältnisse anderswo sein. Die folgende Grafik stammt aus dem Beitrag: 


   
Nichts davon ist vor einer Enteignung sicher. 


"Vernichtungswaffen" der Wallstreet sind wieder salonfähig
(fuw.ch) Niedrige Zinsen und die Suche nach Rendite fördern die Rückkehr von Kreditstrukturen, die an der Finanzkrise mitschuldig waren. Mehr...

Kommentar: ... und alles ohne jedes Reglement und Aufsicht. Die Politik schaut weiter völlig tatenlos zu. 


Banca Monte dei Paschi – Wie die älteste Bank der Welt zur Beute der Wall Street wurde
(format.at) Die Versuche, die älteste Bank der Welt zu retten, kosteten den Steuerzahler 4,1 Milliarden Euro – aber nicht nur die Inkompetenz der Politik hat die Banca Monte dei Paschi an den Rand des Ruins getrieben: Investmentbanken haben vom Niedergang profitiert.

Die mittelalterliche Stadt Siena ist nicht nur für das traditionelle Pferderennen, den Palio, bekannt, sondern auch Sitz der ältesten Bank der Welt. Ob diese allerdings auch weiterhin existieren wird, ist fraglich. Ein unheilvolles Zusammenwirken lokaler Politiker und weltweiter Finanzfachleute und Investmentbanker haben Banca Monte dei Paschi di Siena in eine bedenkliche Schieflage gebracht.
Mehr...

Kommentar: Die Folge der fehlenden Finanzreform. Außerdem ein gutes Beispiel dafür, dass die Wall Street die gesamte Welt in ihrer Gewalt hat. Dazu noch einmal eine unserer Lieblingskarikaturen: 


Quelle: rollingstone.com, Victor Juhasz


Musterschüler Irland
(handelsblatt.com) Irland will den Euro-Rettungsschirm ESM verlassen. Berlin und Brüssel loben den Sparwillen. Langsam kommen die Dinge auf der Insel wieder in Fahrt. Aber es ist zu früh für ein positives Abschlusszeugnis für die Iren. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Die Eurozone braucht dringend eine Erfolgsmeldung, bevor die Krise in eine neue Runde geht: "Das sind die neuen Sorgenländer der Euro-Zone" meldet die WELT und hat neue Krisenherde ausgemacht (hier). Irland soll es richten. Offensichtlich ist das aber selbst dem HANDELSBLATT nicht geheuer und bleibt deshalb zurückhaltend. Die SUEDDEUTSCHE lässt sich aber vor diesen Karren spannen und liefert ein freundliches Stimmungsbild des aktuellen irischen Regierungschefs als Sparfuchs: "Irlands Premier Enda Kenny - Ein harter Brocken". Im Vorspann heißt es: "Irland will den Euro-Rettungsschirm wieder verlassen - das ist auch der Verdienst von Regierungschef Enda Kenny und dessen Beharrlichkeit. International ist er als harter Verhandlungspartner bekannt, den Iren konnte er seinen Sparkurs glaubwürdig erklären. Seinen härtesten Kampf musste er jedoch mit der katholischen Kirche ausfechten." Mehr dazu hier. Statt eines eigenen Kommentars zitieren wir einen Beitrag von HEISE/TELEPOLIS: "Die große Irland-Erfolgsshow". Der Autor bringt es so auf den Punkt: "Das Land will am 15. Dezember den Rettungsschirm verlassen und gegen jede Realität als "Musterschüler" und erfolgreicher Rettungsfall gefeiert werden. Die Troika hat sich vorgenommen, Irland mit allen Mitteln als geglückten Rettungsfall zu verkaufen. Doch am "Erfolg" darf massiv gezweifelt werden. Denn auch die über die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) gesenkten Zinsen sind zu hoch für das Land. Die EZB hat in dem Land sogar illegale Staatsfinanzierung betrieben, um bisher eine Nothilfe 2.0 wie in Griechenland zu vermeiden. Trotz allem verstößt Irland weiter massiv gegen die Anforderung, das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen, das bisweilen aufgehübscht wird. Die Verschuldung des Staates ist mit der Bankenrettung in den drei Jahren unter dem Rettungsschirm auf 126% explodiert, weshalb ein immer erheblicherer Teil der Einnahmen auch bei scheinbar bezahlbaren Zinsen in den Schuldendienst fließen. Die Schulden werden angesichts der lahmenden Konjunktur schnell weiter in Richtung unbeherrschbare griechischer Höhen steigen." Mehr dazu hier. Der irische Erfolg wird getürkt.


USA: Wie es nach dem Stillstand weitergeht
(project-syndicate.org) Nach 16 Tagen geprägt von geschlossenen Museen, halbleeren Bundesgebäuden, unnatürlich ruhigen Straßen und zehntausenden Arbeitnehmern in existenzieller Ungewissheit herrscht in Washington wieder Betriebsamkeit. Radikale republikanische Kongressabgeordnete wollten Präsident Barack Obamas Gesetzgebung zur Gesundheitsreform verhindern und verursachten damit einen Verwaltungsstillstand, der – zumindest vorerst – zwar beendet ist, aus dem sich jedoch drei dauerhafte Lehren ergeben. Mehr... 

Kommentar: Noch eine Stimme zum vorläufigen Ende der US-Haushaltskrise. Die Autorin, Anne-Marie Slaughter, liefert eine lesenswerte Analyse, die sich wohltuend von den hiesigen Beiträgen unterscheidet. 


"Das Fed begeht einen groben Fehler"
(fuw.ch) Der renommierte Finanzökonom Allan Meltzer fordert im Interview mit der "Finanz und Wirtschaft" von der US-Notenbank mehr Weitsicht und warnt vor dem Risiko der expansiven Geldpolitik. Mehr...

Kommentar: Meltzer verlangt das Unmögliche, eine politische Lösung der US-Krise. Das ist mit den beiden verfeindeten Lagern und dem aktuellen US-Präsidenten nicht zu machen. Er sollte das wissen, schließlich ist Meltzer politisch bestens vernetzt. Die Krise wächst weiter - und bietet lukrative Investitionsmöglichkeiten für die Zeit danach. 


Fed warnt: Banken gehen zu hohe Risiken ein
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der Markt für Risiko-Kredite mit hoher Rendite boomt. Nach Ansicht der US-Behörden stellen 42 Prozent der gehebelten Kredite eine zu große Gefahr für die Banken dar. Wegen der extrem niedrigen Zinsen zwingt die Suche nach Rendite zum maximalen Risiko. Mehr...

Kommentar: Sie können es einfach nicht lassen - und werden die Verluste erneut den Steuerzahlern ins Portemonnaie drücken. 


Dienstag, 29. Oktober 2013

Standpunkt 790 - Nachrichten-Ticker, 13.10. ff


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: EZB-Stresstest – Vermögensbarometer 2013 (2 Beiträge) – Marc Faber: Money Printing Coming – US-Verbrauchervertrauen – Krieg der Republikaner – Abenomics China   


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


EZB-Stresstest: Deutsche Banken in Seenot
(manager-magazin.de) Mit dem neuen Stresstest setzt die EZB auch deutsche Banken unter Druck. Vor allem die faulen Kredite für Schiffe gelten als Multimilliardenrisiko. Kein Land hat so stark auf die Krisenbranche gesetzt wie die Landesbanken, Commerzbank und Co. Mehr...

Kommentar: Die Risiken, die in diesem Beitrag beschrieben werden, sind Peanuts im Vergleich zu den wahren Müllhalden in den Bilanzen deutscher Banken. Besonders die bedrohlichen Billionenverluste aus dem Derivatehandel werden bei der Bewertung des Branchenprimus Deutsche Bank und, der in diesem Bereich ebenfalls stark vertretenen Commerzbank, regelmäßig unter den Teppich gekehrt. Bei einer seriösen Risikobewertung wären beide Banken als Pleitekandidaten einzustufen. Nach unserer Einschätzung profitiert besonders die Deutsche Bank erheblich von den andauernden monatlichen Stützungsmaßnahmen des Fed, die zu den Eignern der US-Notenbank und den 29 systemrelevanten Banken zählt, die um jeden Preis so lange wie möglich am Leben erhalten werden müssen. Ergänzend zu diesem Kommentar verweisen wir auf unseren eigenen Beitrag "Desaster Derivatehandel" (hier) und einen älteren Beitrag aus Österreichs DIE PRESSE "18,2 Billionen Euro faule Werte vergiften europäische Banken" (hier). Das entspricht 44% der Vermögenswerte. Die Summe wurde damals von der EU-Kommission festgestellt. Beide Beiträge sind heute noch brandaktuell. Diese Summen sind nicht zu bewältigen, selbst wenn Sparer und Steuerzahler vollständig, d. h. zu 100%, enteignet werden. Alleine der weltweite Derivatehandel hat nach US-Schätzungen ein Volumen von weit über 1.000 Billionen $, die Schätzungen schwanken zwischen 1.200 und 1.400 Billionen. Die jährliche Weltwirtschaftsleistung liegt bei 70 Billionen $ und hat im Vergleich zu den Risiken aus dem Derivatehandel die Größe einer Portokasse. Alle Bemühungen der Regierungen, der Notenbanken und des IWF, egal wie sie heißen, dienen nur einem Zweck: Die Verluste aus diesen Risiken so lange wie möglich vor der Öffentlichkeit zu verschleiern. Die Leit-Medien helfen dabei tatkräftig mit. Aus Angst vor weltweiten Unruhen, wenn die Wahrheit viel zu früh ans Licht kommt. Das ist auch der Grund, warum das Versprechen einer weltweiten Finanzreform nicht eingelöst wird. Im Zuge dieser Reform käme heraus, dass ausnahmslos alle TBTF-Banken schon seit Jahren Bankrott sind und ihre wunderbaren Milliarden-Gewinne nur durch Risikomaximierung und trickreiches Bilanzieren erreichen. 


Vermögensbarometer: Zufriedenheit der Deutschen auf "extrem hohen Niveau"
(sueddeutsche.de) Wie steht es um die Deutschen und ihr Geld? Trotz Finanzkrise hat die Zufriedenheit der Deutschen mit ihrer finanziellen Lage deutlich zugenommen. Besonders glücklich ist übrigens die junge Generation. Aber: Auch die Zahl derer ist gestiegen, die ihre Lage als schlecht beurteilen. Seit sechs Jahren nun wütet die Finanz- und Wirtschaftskrise - doch die Deutschen spüren nichts davon. Im Gegenteil: Viele sind mit ihren Finanzen deutlich zufriedener als vor der Krise. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Der Sparkassen- und Giroverband (DSGV) hat das Vermögensbarometer 2013 veröffentlicht. Danach bewerten 57 Prozent der Befragten ihre finanzielle Lage als "gut" oder "sehr gut". 2005 waren es nur 40%. Das Ergebnis zeigt wenigstens drei Dinge: Die Deutschen haben aus ihrer eigenen Geschichte der Währungsreformen im vergangenen Jahrhundert nichts gelernt, ihr Verständnis der Zusammenhänge ist sehr gering und der Mainstream schafft hierzulande seit 2008 eine propagandistische Meisterleistung. Das zeigt auch diese Feststellung am Schluß des Beitrags: "Gestiegen ist das Vertrauen in die Sicherheit der Spareinlagen. 83 Prozent der Befragten sind 'ganz' oder 'eingeschränkt' der Meinung, dass ihr Erspartes sicher sei. Nur 17 Prozent sind sich 'nicht sicher'." Wahnsinn. Jeder kann mit geringem Nachdenken darauf kommen, dass das Versprechen der Kanzlerin, "die Einlagen sind sicher" völlig wertlos ist: Wo soll der Staat die mehr als 3 Billionen Euro hernehmen, um die es nach einer Schätzung der Schweizer Privatbank Wegelin aus 2009 geht, wenn die deutschen Banken kollabieren? DIE WELT kommt in der gleichen Sache zu einem etwas anderen Ergebnis: "Die Menschen in Deutschland fühlen sich arm". Dort heißt es: "Ständig sparen zu müssen und sich kaum etwas leisten zu können – dieses Gefühl haben laut einer neuen Studie immer mehr Deutsche. Doch sie zeigt auch: Die Geldsorgen sind oft hausgemacht." Mehr dazu hier. Der Beitrag zitiert aus einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Nielsen.  59 Prozent aller befragten Deutschen können sich nur mit dem Grundlegenden versorgen, "nur 41 Prozent der Umfrageteilnehmer meinten dagegen, wenige bis keine Geldsorgen gehabt zu haben." Das liest sich grundlegend anders als beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Die folgende Grafik stammt aus dem Beitrag der WELT:


      

Faber: "1 Trillion Dollars A Month" Money Printing Coming
(zerohedge.com) Faber was one of the few investment advisers to clearly warn of the coming global financial and economic crisis in the months and years pre-Lehman. His company Marc Faber Limited provides investment advisory services to financial institutions, corporate clients, family offices and high net worth individuals around the world. Read more...

Kommentar: Das totale Gegenteil zu den Ankündigungen aus dem Dunstkreis des Fed erklärt der Schweizer Marc Faber. 1 Billion $ im Monat halten wir für sehr unwahrscheinlich, glauben aber auch, dass die US-Notenbank ihr QE-Programm in absehbarer Zeit ausweiten muss. Die diskutierte Reduzierung ist in Wahrheit keine Option. Die bisherige Arbeit des Fed zeigt sehr schön folgende Karikatur: 


Quelle: universal-press-syndicate
 

Consumer Confidence Plunges To Lowest In 2013
(zerohedge.com) Following record UMich misses, Gallup's economic confidence collapse, the slump in the conference board's measure of confidence, and Bloomberg's index of consumer comfort signaling major concerns among rich and poor in this country (in spite of record highs in stocks), today's Consumer Confidence data from UMich continues to confirm a problem for all those 'hoping' for moar multiple expansion. Falling for the 3rd month in a row, and missing expectations for the 2nd month in a row, this is the lowest confidence print in 2013. Perhaps even more worrisome for the 'hope and change' crowd is that the 12-month economic outlook has collapsed to its lowest since Nov 2011. It would seem that all that free money flooding our 'markets' has reached peak efficacy in terms of confidence inspiration, and as Citi notes, when this cycle has played out in the past, equity market corrections are often quick to follow... Read more...

Kommentar: Ein Beitrag, der wenig mit den offiziellen Hurrameldungen in den deutschsprachigen Medien zu tun hat. Die gezeigten Grafiken sind eindeutig. Das mangelnde Verbrauchervertrauen in den USA ist einer der Gründe für die Fortsetzung der Geldpolitik der US-Notenbank.


The Republicans' War on the Poor
(rollingstone.com) The GOP is pushing to decimate food-stamp programs, punishing the most vulnerable just out of sheer spite.
The way the program to provide the poor with the bare minimum of daily nutrition has been handled is a metaphor for how the far right in the House is systematically trying to take down the federal government. The Tea Party radicals and those who either fear or cultivate them are now subjecting the food-stamp program to the same kind of assault they have unleashed on other settled policies and understandings that have been in place for decades. Breaking all manner of precedents on a series of highly partisan votes, with the Republicans barely prevailing, the House in September slashed the food-stamp program by a whopping $39 billion and imposed harsh new requirements for getting on, or staying on, the program. The point was to deny the benefit to millions. Read more...

Kommentar: Entbehrlich, den Beitrag lesen genügt. Unbedingt auch den Links zu den anderen Beiträgen folgen, es lohnt sich. Die folgende Karikatur aus dem Beitrag sagt außerdem mehr als 1000 Worte (Kommentar): 


Victor Juhasz


Japan: Buried by ‘Abenomics’ – The Clock is Ticking
(acting-man.com) We have long argued in these pages that the hoary inflationism propagated by Shinzo Abe's administration is host to very same contradictions that have bedeviled attempts to inflate nations to prosperity since time immemorial. In the modern age we can trace the fallacious idea that inflation can increase a nation's wealth to the Scottish gambler and monetary theorist John Law, who brought his theories to bear on an unsuspecting France after convincing the Duke of Orleans (the regent of France at the time), that his scheme would solve the government's debt problems as well as increase economic prosperity. All of this would be possible without any particular effort. Read more...

Kommentar: Unsere LeserInnen kennen unsere Meinung zu der japanischen Finanz- und Wirtschaftspolitik: Sie wird scheitern. Auch zu diesem Beitrag haben wir eine aussagekräftige Karikatur gefunden: 


Quelle: chinadaily.com


Why China Isn’t Going to Collapse (Quickly)
(thediplomat.com) In the new issue of The National Interest, Eurasia Group President Ian Bremmer argues that China is not headed towards a hard landing in the near term. Bremmer notes that the CCP has built up a lot of political capital with the Chinese people as a result of the stunning growth it has presided over since the reform and opening up period began. At the same time, Bremmer has doubts about the People Republic of China’s long-term viability. Read more...

Kommentar: Lesen und auch den Links folgen. Bremmer trifft hier eine Reihe bemerkenswerter Aussagen. Natürlich ist wenig wahrscheinlich, dass Chinas Schwierigkeiten sich von heute auf morgen der ganzen Welt offenbaren und zu einer Verschärfung der weltweiten Krise führen. Es ist aber unweigerlich Teil der Zukunft. China macht es im Vergleich zum Westen nicht besser, das Wirtschaftswachstum ist kreditfinanziert, das Schattenbankensystem gigantisch und unkontrolliert. Die chinesische Führung hat ein klassisches kapitalistisches System nach westlichem Vorbild installiert. Das muss scheitern. 

Montag, 28. Oktober 2013

Standpunkt 789 - Nachrichten-Ticker, 20.10. ff


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Spielcasino TBTF-Banken – Europäische Sparpolitik – Griechenland (3 Beiträge) – US-Arbeitsmarkt (2)


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.



Wolfgang Münchau: Willkommen zurück im Spielcasino!
(spiegel.de) Minizinsen, toxische Produkte, politisches Laissez-faire: Im Jahr 2013 agiert die Finanzwirtschaft so, als hätte es nie eine Krise gegeben. Es braut sich der gleiche gefährliche Mix zusammen wie vor sechs Jahren. Mehr...

Kommentar: Die Ergänzung zu unserem gestrigen Beitrag über die TBTF-Banken (hier). Leider bleibt Münchau sehr unscharf, tatsächlich schafft er es sogar, Anzeichen von Entspannung zu erkennen. Alle Achtung, aber wir können dem nicht folgen.


Fabian Fritzsche – Die Erfolge der Sparpolitik
(neuewirtschaftswunder.de) Als Mitte August das BIP-Wachstum der Eurozone im zweiten Quartal mit 0,3% gegenüber dem Vorquartal bekanntgegeben wurde und damit offiziell die zweite Rezession innerhalb von fünf Jahren zu Ende ging, sahen sich die Befürworter einer rigorosen Sparpolitik – allen voran Schäuble und van Dijsselboem – bestätigt. Nun kann bei einem Miniwachstum von 0,3% im Quartal sicherlich gefragt werden, ob dies überhaupt das Ende der Wirtschaftskrise in Europa ist. Da aber auch diverse Frühindikatoren zumindest ein verhaltenes Wachstum nahelegen, ist nun ein günstiger Zeitpunkt gekommen, um die bisherigen Erfolge der Sparpolitik zu untersuchen. Mehr...

Kommentar: Während sich CDU/CSU und SPD in die Große Koalition verhandeln und die Krise in Europa so lange immer noch im Verborgenen weiter wächst und gedeiht, bietet sich an Hand dieses Beitrages (und der folgenden) die Gelegenheit, sich mit der Wirklichkeit hinter der von allen möglichen Seiten hoch gelobten europäischen Sparpoltik als Krisenlöser zu beschäftigen. Das Fazit, so viel vorweg, ist niederschmetternd. Ohne die Propaganda der Mainstreammedien wäre diese Tatsache selbst für den durchschnittlichen Bürger leicht verständlich. Dazu Fabian Fritzsche: "In den Volkswirtschaften, in denen die Staatsausgaben gekürzt wurden, gab die Wirtschaftsleistung deutlich nach und die Schuldenquote stieg stark an, während Länder mit zumindest stabilen Staatsausgaben eine deutlich bessere Wirtschaftsentwicklung und vergleichsweise moderate Anstiege der Schuldenquote vorweisen können. Die Sparpolitik war also aus makroökonomischer Sicht ein kompletter Fehlschlag." Genau.


Austeritätspolitik in Griechenland: Ökonomische Verwüstung statt eines exportgetragenen Wachstums
(nachdenkseiten.de) Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt (oder zumindest unkommentiert) hat sich in der Deutung der systemischen Krise der Europäischen Währungsunion durch den Mainstream eine Akzentverschiebung vollzogen. Als vor einigen Jahren die Schwierigkeiten der EWU offensichtlich wurden, herrschte zunächst weitgehend Konsens, dass es eigentlich gar keine Eurokrise gäbe, sondern lediglich ein Problem zu hoher Staatsschulden einiger kleiner Euroländer, ausgelöst durch ein unverantwortliches staatliches Ausgabeverhalten. So behauptete etwa Bundesbankpräsident Jens Weidmann im Juni 2011: "Die aktuelle Krise ist keine Krise des Euro. Es handelt sich um eine Staatsschuldenkrise einzelner kleiner Länder im Euroraum, die nicht zuletzt durch die Missachtung der Regeln entstanden ist" (Süddeutsche Zeitung, 14.6.2011). 
Wenig später waren nicht nur die staatlichen Schulden in einigen wenigen südeuropäischen Ländern, sondern die Staatsschulden in Europa generell (und anderswo in der Welt) die Ursache allen Übels. Finanzminister Wolfgang Schäuble drückte es in einem Interview mit dem ARD-Magazin Plusminus im September 2011 wie folgt aus: "Eigentlich ist es unter Ökonomen weltweit unbestritten, dass eine der Hauptursachen – wenn nicht sogar die Hauptursache – der Krise – nicht nur jetzt, sondern schon 2008 – die zu hohe Verschuldung der öffentlichen Haushalte auf der ganzen Welt ist" (zit. nach Berger 2011).
Inzwischen ist ein Erklärungsstrang hinzugekommen, der zu Beginn keine Rolle spielte, nun aber gleichberechtigt neben den staatlichen Schulden rangiert: die Krise der Wettbewerbsfähigkeit. So stellte Wolfgang Schäuble im Juni 2013 bei "Cicero online" fest: "Zu hohe Staatsverschuldung und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit sind die Ursachen der Krise in Europa." Noch deutlicher würde erst jüngst Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Interview mit dem Fernsehsender Phoenix vom 13. August 2013: "Wenn ich mir anschaue, wie die Wettbewerbskraft anderer Länder auf der Welt zunimmt […], dann ist dringend Eile geboten, dass Europa an seiner verbesserten Wettbewerbsfähigkeit arbeitet. […] Wenn sie wettbewerbsfähig sein wollen, dann müssen die Lohnstückkosten in Europa vergleichbar sein. Wenn sie in einem Land viel höher sind, hat das zur Folge, dass das Land seine Produkte nicht mehr verkaufen kann und damit die Arbeitslosigkeit steigt. […] Die Reformen, die wir jetzt (innerhalb Europas; Anm. des Verf., G. G.) verabredet haben […], sind Reformen, die die Lohnstückkosten senken und damit die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen."
Auch die Troika aus IWF, EU und Europäischer Zentralbank setzt hinsichtlich der Eurozone und insbesondere der Euro-Krisenländer ganz auf die Strategie der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. So schreibt der IWF: „Southern Europe needs to increase competitiveness in the tradables sector, especially through labor market reforms. […] These measures will help reduce unemployment and rebuild competitiveness in the periphery” (IMF 2013a, S. 49). Noch deutlicher wird der IWF in seiner kritischen Analyse des “Rettungsprogramms” Griechenlands: “The program had to work within the constraints of the fixed exchange rate and engineer an internal devaluation. Part of the adjustment in ULCs (= unit labour costs, Anm. des Verf., G. G.) would come from the economic slowdown that would exert downward pressure on wages. The rest would follow from structural reforms that would free up Greece’s rigid labor and product markets and raise productivity” (IMF 2013b, S. 22).
Die Strategie, die Griechenland aufgezwungen wurde, basiert also außer auf staatlichen Ausgabenkürzungen zu einem großen Teil auf einer "internen Abwertung", d. h. einer allgemeinen Lohnsenkung: Der wirtschaftliche Einbruch sollte einen Abwärtsdruck auf die griechischen Löhne ausüben, unterstützt von Strukturreformen zur "Befreiung" der rigiden Arbeits- und Produktmärkte Griechenlands und zur Erhöhung der Produktivität. Die Lohnkürzungen – so offenbar die Erwartung – würden die Exportprodukte Griechenlands wettbewerbsfähiger machen, steigende Nettoexporte dann das griechische Wachstum beleben. Die Lösung der Probleme Griechenlands sollte also in einem exportgetragenen Wachstum liegen.
Im folgenden Beitrag wird untersucht, wie erfolgreich diese Strategie der Troika in Griechenland war. Die Fokussierung auf Griechenland (und die damit verbundene weitgehende Vernachlässigung der anderen Euro-Krisenländer) erfolgt aus zwei Gründen: Zum einen ist Griechenland wohl das am meisten von der Austeritätspolitik im Euroraum geschädigte Land (zumindest, was den Einbruch der Wirtschaftsleistung und die Arbeitslosenquote betrifft) und zum anderen wird gerade in Bezug auf Griechenland derzeit viel Optimismus verbreitet: So ist vom baldigen Ende der Talfahrt der Wirtschaft und der Rückkehr des Wachstums die Rede und die griechische Regierung wertet schon
einmal die angeblich bevorstehende Trendwende als Bestätigung ihrer Wirtschaftspolitik (Lapavitsas 2013; Hickel 2013). Ein Gastartikel von Günther Grunert. Mehr...

Kommentar: Eine Pflichtlektüre - vom Anfang bis zum Ende. Inklusive der aufgebotenen Grafiken. Ein sehr umfangreicher Beitrag, der aber jedes Wort wert ist. Deshalb greifen wir an dieser Stelle auch nicht dem Verfasser vor und zitieren dessen Fazit. Wären die deutschen Politiker mit der Kärrnerarbeit für die Interessen ihrer Wähler nicht schon völlig überlastet, so könnte man auch ihnen diesen Beitrag dringend empfehlen. Wir haben noch eine weitere Grafik zum Thema anzubieten: 




Griechenland: Absturz in die Armut
(sueddeutsche.de) Harte Sparmaßnahmen machen viele Griechen arm. Heute verfügen sie über fast 40 Prozent weniger Einkommen als vor fünf Jahren. Man habe Opfer auf sich nehmen müssen, "die kein europäisches Volk in Friedenszeiten je hat erbringen müssen", sagt der griechische Innenminister. Mehr...

Kommentar: Der Beitrag beschreibt mit wenigen Worten das Ergebnis dessen, was im Beitrag zuvor in allen Einzelheiten erläutert wird. Gleichzeitig lässt sich die Ratlosigkeit erahnen wenn es darum geht, wie diese Verarmung durchbrochen werden kann.


Griechenland: Wie der Euro ein Volk in die Armut stürzt
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die griechische Regierung hat im zweiten Quartal so viele Schulden gemacht wie niemals zuvor. Doch das Geld dient fast ausschließlich der Banken-Rettung. Die griechischen Gehälter sind innerhalb eines Jahres um 13,9 Prozent gefallen. Die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordhoch. Die privaten Ersparnisse werden aufgebraucht. Die Staatsschulden steigen weiter. Mehr...

Kommentar: Ein Beitrag der beweist, dass die Eurokritiker weiter nur Schwachsinn verbreiten. Geschrieben für das "BILD"-ungsbürgertum an den Stammtischen. Es gibt keinerlei Fakten die belegen, dass die europäische Gemeinschaftswährung Schuld hat am griechischen Dilemma. Die Kritiker behelfen sich statt dessen mit Behauptungen, gestützt auf Halbwahrheiten oder gleich auf Lügen. Für diese Leute spielt es auch überhaupt keine Rolle, wenn ihre Thesen so abstrus sind, dass sie sich meistens selbst widerlegen. Wie in diesem Beitrag, wo es unter einer Grafik zur Entwicklung der griechischen Staatsschulden heißt: "Innerhalb nur eines Quartals machte der griechische Staat 14 Milliarden Euro neue Schulden. Das Geld dient fast ausschließlich zur Banken-Rettung." Na also geht doch, das ist die Wahrheit, mit dem Euro hat das absolut nichts zu tun.


US: If You Believe In The Recovery, Do Not Look At This Chart
(zerohedge.com) Just a few more years of unlimited open-ended quantitative money printing and we are sure this will all be fixed... Read more...

Kommentar/Ergänzung: Die beiden Charts sind selbsterklärend:




 

Dazu noch ein Beitrag über die aktuelle Arbeitsmarktsituation in den USA: "US Somehow Adds 691K Full-Time Jobs In September" (here). Zu den beiden Grafiken des Beitrags liefern wir noch zwei weitere anschauliche als Ergänzung: 



Nähere Einzelheiten hier

Quelle: zerohedge.com

Gut sichtbar, dass die US-Notenbank Fed nicht wirklich gute Arbeit leistet und ihren gesetzlichen Auftrag erfüllt, neue Jobs zu schaffen. Die Änderung ihrer Geldpolitik bleibt in weiter Ferne.