Freitag, 4. Oktober 2013

Standpunkt 777 - Nachrichten-Ticker, 03.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Europas Krise – Großbritannien – Moody’s Lob für Austria-Banken – Shutdown und die Folgen


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier  für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Euro-Krise: Europa bangt
(zeit.de) Die Regierungskrise in Italien sorgt für Verunsicherung in Europa: Kehrt die Euro-Krise zurück? Welche Länder brauchen zusätzliche Hilfe? Ein Blick in die Krisenstaaten. Mehr...

Kommentar: Gestern haben wir einen Beitrag des FOCUS zum gleichen Thema zitiert und kommentiert: "In diesen Staaten ticken Schulden-Bomben" (hier). Heute nun eine Bewertung der ZEIT. Leider steht in dem Beitrag nur die offizielle Lesart der EU, nach der beispielsweise Irland als Musterschüler gilt und die Troika sich zu den Verhältnissen in Spanien wohlwollend äußert. Insgesamt werden die Schwierigkeiten der Krisenstaaten mehr als beschönigt, wie auch das Beispiel Slowenien zeigt. Die bereits stark angeschlagenen Niederlande (Banken- und Immobilienkrise, Wirtschaft in der Rezession) spielen überhaupt keine Rolle bei dieser Krisenbewertung. Betrachtet man den gesamten EU28-Raum, dann fallen uns noch Länder wie Großbritannien, Dänemark, Schweden und Finnland ein, die mittlerweile kräftig kriseln. Oder Lettland, dessen angebliche Erholung teuer erkauft ist und außerdem jede Nachhaltigkeit vermissen lässt. Falsch ist auch die Frage nach der Rückkehr der Krise: Die war nie weg, sondern wurde nur monatelang vor der Öffentlichkeit gut versteckt. Nicht zuletzt mit tatkräftiger Hilfe der Leitmedien, zu denen wir auch die ZEIT zählen.


Großbritannien: "Land der Chancen"
(heise/telepolis) Nach dem britischen Regierungschef Cameron müssen Steuern gesenkt, der Sozialstaat beschnitten und junge Menschen zur Arbeit oder Ausbildung durch Geldentzug gezwungen werden. Mehr...

Kommentar: Offensichtlich will David Cameron fortsetzen, was Maggie Thatcher in den 1980er Jahren begonnen hat, aber nicht vollenden konnte, weil ihr die eigene Partei die Gefolgschaft verweigerte: Die völlige Entmenschlichung der Politik. Natürlich gut versteckt hinter einer Fassade wohlklingender Phrasen. Tatsächlich sind die Pläne der britischen Regierung ein Armutszeugnis. Der Beleg vollkommener Ratlosigkeit im Umgang mit den heimischen Krisen. Die finden statt ohne Zutun des Euro und beweisen die Zerstörung des Landes durch eine entfesselte, betrügerische Finanzindustrie, die in der Londoner City residiert und das ganze Land unter ihrem Joch hält. DIE WOCHENZEITUNG aus der Schweiz hat in dem Beitrag "Die Macht der Quadratmeile" den Londoner Finanzdistrikt analysiert: "London ist eines der wichtigsten Finanzzentren der Welt, in vielerlei Hinsicht das bedeutendste überhaupt – und das, obwohl Britannien längst sein Weltreich verloren hat. Woher kommt das? Und wer zieht da an welchen Strippen? Eine Spurensuche." Mehr hier. Eine spannende und lehrreiche Lektüre.

Quelle: mikesivier.worldpress.com


Moody's: Lob für Österreichs Banken in Osteuropa
(diepresse.com) Im Jahr 2012 stufte Moody's österreichische Banken wegen ihres Engagements im Osten noch herab.
Die Ratingagentur Moody's sieht inzwischen sehr positive Aspekte im Osteuropa-Engagement der heimischen Banken. Das Risiko durch Garantien (Eventualverbindlichkeiten) seien nicht mehr so hoch. Ohne Osteuropa wäre Österreich eine deutlich weniger dynamische Volkswirtschaft. "Ich sehe Osteuropa nicht als Faktor, der langfristig negative Auswirkung auf das Rating Österreichs haben sollte", sagte Dietmar Hornung von Moody's Deutschland beim Auftakt des 27. Alpbacher Finanzsymposiums. Die österreichischen Banken seien dort starkem Risiko ausgesetzt, aber das habe sich bezahlt gemacht. Außerdem habe das Engagement österreichischer Banken auf Osteuropa stabilisierend gewirkt. Mehr...


Kommentar: Den hat uns schon das WIRTSCHAFTSBLATT vorgeschrieben: "Raiffeisen zweifelt Österreichs Kreditrating an". Der Beitrag zitiert aus einer aktuellen Studie der Raiffeisen Research und schreibt u. a.: "Die Kernländer der Eurozone werden von Ratingagenturen zu hoch bewertet. Im Gegenzug wird die Peripherie laut einer Raiffeisen-Studie zu hart angefasst. Die Empörung war groß, als die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) im Jänner des Vorjahres Österreich die Bestnote 'Triple-A' entzogen hatte. Letztlich entpuppte sich die Aufregung jedoch als Sturm im Wasserglas, denn auf die Renditen der Staatsanleihen hatte die Abstufung keine nennenswerten Effekte - zumal die Alpenrepublik von den beiden anderen großen Ratingagenturen Moody's und Fitch weiterhin mit der Bestnote bedacht wird. Zu unrecht, wie die Analysten von Raiffeisen Research meinen. Nach einem internen Modell der Bonitätsbewertung gehört Österreich keineswegs zu den besten Schuldnern dieser Welt, sondern wird nur mit der viertbesten Note 'AA-' bedacht. Ursache dafür ist das schlechte Abschneiden beim Korruptionsindex von Transparency International, der in das Raiffeisen-Rating mit einfließt. 'In keinem anderen Land der Eurozone ist die Korruptionswahrnehmung zwischen 2008 und 2012 so stark angestiegen wie in Österreich', erklärt Studienautor Matthias Reith. Noch dicker kommt es, wenn man die Auslandsverschuldung Österreichs als Indikator für die Abhängigkeit von externer Finanzierung in das Ratingmodell miteinbezieht. In diesem Fall würden wir nur noch mit 'BBB' bewertet, einem Rating am unteren Ende des Investment Grade. Das entspricht dem Rating, mit dem Italien von S&P bedacht wird. Zum Vergleich: Österreich zahlt für zehnjährige Staatsanleihen derzeit knapp über 2,2 Prozent Zinsen, während bei den italienischen Pendants mit 4,4 Prozent fast das Doppelte anfällt." Mehr hier. Wir raten unseren öserreichischen LeserInnen, sich kein X für ein U vormachen zu lassen. Osteuropa birgt reale Gefahren für die heimischen Banken in erheblicher Größenordnung.


Der Dollar sackt schon ab: USA begehen finanziellen Selbstmord auf Raten
(focus.de) Die USA bekommen die wirtschaftlichen Folgen des Haushaltsstreits zu spüren: Der Dollar fällt, die ersten Firmen beurlauben ihre Mitarbeiter. Der Finanz-Zoff könnte zum Auslöser einer globalen Krise werden. Mehr...

Kommentar: Natürlich, schuld sind die Anderen: 

Quelle: themoderatevoice.com


Amerikas Krise erst Ende des Jahrzehnts bewältigt
(faz.net) In der Eurozone und anderen Industrieländern "verzieht sich der Nebel der Krise", meint IWF-Chefin Lagarde. Dafür gerieten nun die aufstrebenden Staaten in Turbulenzen. Und dann sind da noch die unberechenbaren Vereinigten Staaten. Mehr...

Kommentar: Unabdingbare Voraussetzung: Ein(e) neue(r) Präsident(in). Barack Obama scheitert nämlich erneut an seinen eigenen Ansprüchen...



... und ausreichend Standfestigkeit, um endlich mittels Dodd Frank Act und Volcker Rule die Wall Street zu zähmen. Im Anschluss daran muss die Kraft noch reichen, um der US-Notenbank mit einem New Deal 2.0 den Weg zu mehr Jobs zu weisen. Das ist Kärrnerarbeit, echter Frondienst für die Amerikaner.