Samstag, 5. Oktober 2013

Standpunkt 778 - Nachrichten-Ticker, 04.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Schon wieder: Kriminelle Banker – Der "Amerikanische Traum" geht zu Ende – Fed (2 Beiträge) – Wer arbeitet am meisten?


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier  für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Verdacht auf Devisen-Manipulation
(handelsblatt.com) Die Ermittlungen haben begonnen: Einige Schweizer Großbanken stehen unter Manipulationsverdacht. Bisher schweigen die Beschuldigten zu den Vorwürfen. Ein möglicher neuer Finanzskandal könnte Kreise ziehen. Mehr...


Kommentar: Es ist und bleibt eine Bande von Kriminellen, allen gegenteiligen Versprechungen zum Trotz. Und die Politik hält ihnen alle Möglichkeiten offen. Sogar in der Schweiz, wo die Banken, nach eigenen Aussagen der Finanzmarktaufsicht FINMA, mittlerweile als gut kontrolliert gelten. Zwei Dinge sind nach unserer Ansicht unabdingbar, um dieses Treiben zu beenden: 1. eine tiefgreifende Finanzreform und 2. ein internationales Finanzverbrecher-Tribunal, vor dem den größten Ganoven der Finanzindustrie und ihren Helfershelfern der Prozess gemacht wird. Vorher hört das nicht auf. 


Böses Erwachen aus dem "Amerikanischen Traum"
(heise/telepolis) Weniger als die Hälfte der US-Amerikaner rechnet mit steigenden Einkommen und kaum ein Drittel meint, dass es ihre Kinder einmal werden besser haben als sie selbst. 

Für ein Land wie die USA, in dem der private Konsum traditionell für 70 Prozent des Inlandsproduktes aufkommt, ist der Optimismus der Bevölkerung wohl die wichtigste Voraussetzung dafür, wirtschaftlich an der Spitze zu bleiben. Insofern dürfte der "American Dream" - bestehend aus dem Haus im Grünen und Kindern, die es einmal besser haben werden als ihre Eltern, weil Bildung und die Bereitschaft, hart zu arbeiten, den sozialen Aufstieg garantieren – als Schlüsselelement des US-amerikanischen Erfolgs zu betrachten sein. So hatten sich bislang die Bewohner der "Greatest Nation" mehrheitlich auch von den schwersten Wirtschaftskrisen tatsächlich nicht von der Überzeugung abhalten lassen, dass es ihnen künftig noch besser gehen werde. Bei den vorangegangenen Krisen hatte sie das stets auch rasch wieder dazu animiert, ihre steigend erwarteten Einkommen bereits auszugeben, bevor sie sie verdient hatten. Das hob die laufenden Gesamteinkommen entsprechend an und ließ, als Art Self-fullfilling-Prophecy, den amerikanischen Traum im Schnitt auch tatsächlich Realität werden. Allerdings scheint mit der Finanzkrise von 2008 ein erheblicher Wandel eingetreten zu sein. So konstatiert eine Studie aus der Ökonomischen Abteilung des Federal Reserve Board seit 2007 eine Trendwende, die sich in einem "tieferen und weiter verbreiteten" Pessimismus der US-Haushalte ausdrückt, der sich auf alle Alters- und Bildungsschichten erstreckt. Mehr...

Kommentar: Der Beitrag zeigt, wie wenig die US-Notenbank bisher ihren gesetzlichen Auftrag erfüllt hat, für neue, gut bezahlte Jobs zu sorgen. Diejenigen aus der Mittelschicht, die noch einen der besser bezahlten Jobs haben, stehen "under pressure", wie die folgende Karikatur zeigt:



Quelle: yubanet.com
 
Trotzdem gibt es keinen Grund für die Europäer in den Kernländern der Eurozone, sich feixend und grienend auf die Schenkel zu klopfen: Das Schicksal nimmt auch hierzulande seinen Lauf und es entwickelt sich ähnlich desaströs wie in den USA: Millionen werden davon betroffen sein, die sich heute noch in Sicherheit wähnen. Der Satz "Wenn Amerika hustet, bekommt Europa die Grippe...", hat nach wie vor Gültigkeit. 


Die Amerikaner, so scheint es, sind längst in der Realität angekommen: "In der Folge rechnet weniger als die Hälfte der Befragten damit, die soziale Leiter in den nächsten paar Jahren nach oben klettern zu können, was in den letzten vier Dekaden noch nie beobachtet worden ist. Während aktuell aber noch rund 54 Prozent der Befragten angeben, ihr Lebensstandard sei höher als der ihrer Eltern, rechnen nur 39 Prozent damit, dass das auch für ihre Kinder gelten werde – womit der Amerikanische Traum geplatzt wäre." Davon ist man im Norden Europas noch weit entfernt. 


Das Fed handelt genau richtig
(fuw.ch) Die Behauptung, die Politik der quantitativen Lockerung könnte zu Ende gehen, hat die Märkte bewegt und den USA Kritik eingetragen – eine nicht berechtigte Überreaktion. Ein Kommentar von Charles Wyplosz. Mehr...

Kommentar: Sie sind wenige, die Befürworter der US-Notenbank-Politik. Der französische Ökonom Charles Wyplosz gehört dazu, wie dieser Beitrag zeigt. Er schreibt darin viele gescheite Dinge, ohne auf "des Pudels Kern" zu kommen, dass nämlich die Politik des Fed keine dringend benötigten Jobs erzeugt. Immerhin misstraut er aber den offiziellen Statistiken der Amerikaner und sieht kein Wirtschaftswachstum. Damit rechnet er erst in der Zukunft: "Erholt sich das Wirtschaftswachstum dereinst (...)".


Wem nützt Bernankes Geldpolitik?
(fuw.ch) Der Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank (Fed) hat am 18. September die Finanzmärkte mit dem Entscheid, das so genannte Quantitative-Easing-Programm nicht zu drosseln, überrascht. Die Bilanz der Zentralbank wird weiterhin mit 85 Milliarden Dollar pro Monat vergrössert. Ziel von Fed-Chef Ben Bernanke ist es, die Arbeitslosenquote unter den Wert von 6,5 Prozent zu bringen. Doch wer profitiert tatsächlich von der unkonventionellen Geldpolitik? Mehr...

Kommentar: Ein sehr informativer Beitrag der zeigt, wie berechtigt die Kritik an der Krisenpolitik hüben wie drüben ist, deren Nutznießer die folgende Karikatur leicht verständlich wiedergibt: 


"US-Economy showing signs of recovery" 
(Quelle: theeconomicnews.com)

Ähnlich ungerecht sind die Verhältnisse in Europa. Eine Diskussion darüber wird von den Leitmedien in großer Einmütigkeit bisher erfolgreich verhindert.

Es lohnt sich, den Links des Beitrags zu folgen. Auf jeden Fall noch lesenswert ist das Interview mit dem Schweizer Hedge-Fund-Manager Felix Zulauf: "Beim Fed müssten alle Alarmglocken läuten", gleich hier.


Who Works The Most?
(zerohedge.com) "Work hard, play hard" is the adage often put forward to encourage that work-life balance so many find hard to come by. But judging from the time spent on daily activities, it would appear there is one message for the Japanese and North Americans... move to France! Read more...

Kommentar: Eine Frage, die sich die Deutschen immer wieder gerne stellen und in ihrem Sinne beantworten: Niemand arbeitet so hart wie sie. Leider hat diese Einschätzung einen Haken: Sie ist schlichtweg falsch. Die OECD hat sich mal wieder mit diesem Thema beschäftigt und kommt zu einem ganz anderen Ergebnis, wie die folgende Übersicht aus dem Beitrag zeigt: