Dienstag, 8. Oktober 2013

Standpunkt 780 - Nachrichten-Ticker, 06.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Währungsreform in Europa – Feldlabor Griechenland – Österreich


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier  für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Früherer EU Kommissar Bolkestein fordert Währungsreform in Europa
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der ehemaliger EU-Kommissar Frits Bolkestein hält die Währungsunion für "gescheitert". Die wirtschaftliche Schere in Europa ist zu weit geöffnet. Die Staaten der Euro-Zone sollten eine zweite Währung einführen. Nur so kann der vollständige Zerfall der gemeinsamen Währung verhindert werden. Mehr...

Kommentar: Der niederländische Liberale Bolkestein wird wissen, dass seine Forderung weder nützlich noch durchsetzbar ist. Deshalb stellt sich die Frage, wer oder was bei ihm den Reflex ausgelöst hat, sich zu Wort zu melden? Der Mann ist in Europa nicht wirklich  für währungspolitische Kompetenz bekannt. Wenig wahrscheinlich, dass uns da was entgangen ist. Bestenfalls EU-Insidern könnte er wegen seiner Europäischen Dienstleistungsrichtlinie, der "Bolkestein-Richtlinie", bekannt sein. Allerdings wird in Deutschland von den fanatischen Euro-Gegnern jeder zitiert, der sich als Währungskritiker zu Wort meldet. Sachverstand ist dazu nicht erforderlich. 



"EU - große Worte, nichts dahinter" (Quelle: presseurop.eu)



Greece Considering Confiscation Of Private Assets
(zerohedge.com) The last time we opined on the possibility of a Cyprus-style "bail-in" in Greece, which is essentially a legally-mandated confiscation of private sector assets held hostage by the local financial system, until such time as the balance sheet of said financial system is viable, we were joking. Well, not really joking.
But not even we thought that a banking sector "bail in", in which unsecured bank liabilities, which include bonds and of course deposits, are used as a matched source of extinguishment of non-performing bad debt "assets" could spread to the broader economy, and specifically to unencumbered private sector assets. Alas, this is precisely what Greece, which is desperately to delay the inevitable and announce it needs not only a third but fourth bailout, appears keen on doing.
As Kathimerini reports, the Greek Labor and Social Insurance Ministry is "seriously considering drastic measures in order to obtain the social security contributions owed by enterprises and to avoid having to slash pensions and benefits." What drastic measures? "The ministry is planning to force companies to pay up or face having their assets seized, so that the 14 billion euros of contributions due can be recouped."
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Kommentar: Da braut sich was zusammen. Das Feldlabor Griechenland nimmt so langsam wieder seinen Betrieb auf...

 
Österreichs schmutziges Geheimnis
(format.at) Das österreichische Wirtschaftswunder ist das Ergebnis einer ziemlich geschickt manipulierten Realität.
Das kleine Land am Fuße der Alpen wird im Ausland für seine niedrige Arbeitslosigkeit und sein hohes Wirtschaftswachstum bewundert. Im Inland wiederum wird der Wirtschaftsstandort als "abgesandelt" bezeichnet. Wie das zusammenpasst? Besser als man glauben möchte. 
Österreich erntet neuerdings wieder bewundernde Blicke aus aller Welt. Während die Finanzkrise Hunderttausende Menschen in Europa um ihren Job bringt, vermeldet Österreich Beschäftigungsrekorde. Das kleine Land am Fuße der Alpen glänzt nicht nur mit der niedrigsten Arbeitslosenrate der ganzen EU, sondern auch mit der zweithöchsten Wirtschaftsleistung pro Kopf. Das wiederum zieht all jenen den argumentativen Boden unter den Füßen weg, die von der Staatsführung einen radikalen Wandel einfordern. Einen Wandel im Umgang mit öffentlichem Geld, im Anspruchsdenken an den Staat sowie in der
raubritterlichen Besteuerung der Bürger. Wer all das für überfällig hält, muss sich den Einwand gefallen lassen, dass das österreichische Modell so schlecht nicht sein kann, führte das Land andernfalls nicht die wichtigsten Statistiken an.
Nicht unerwähnt bleiben sollte freilich, wie Österreich zu seinem kleinen Wirtschaftswunder gekommen ist. Es ist das Ergebnis einer ziemlich geschickt manipulierten Realität. Seit vielen Jahren wird die Arbeitsmarktstatistik im Namen der "sozialen Gerechtigkeit frisiert, indem der Staat Menschen so früh wie möglich aus dem Erwerbsleben lockt. Seit ebenso vielen Jahren erkaufen sich österreichische Regierungen mit dem Geld anderer Leute fiktives Wirtschaftswachstum. 
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Kommentar: Der Beitrag stammt von Franz Schellhorn, seit 1. Februar 2013 Leiter der neu gegründeten Denkfabrik Agenda Austria. Darin stellt er erneut heraus, was ihm schon vor einigen Monaten die Diagnose "schwer an selektiver Wahrnehmung erkrankt" (hier) eingebracht hat: "Schellhorn lebt in einer Welt, in der rationale, vollinformierte Individuen die Fiskalpolitik ihrer Regierung analysieren und daraus Schlüsse ziehen, die ihr eigenes Konsumverhalten betreffen. Dabei hat der Durchschnittskonsument keine Ahnung von Volkswirtschaft." Dieses Mal ein bisschen präziser. Wer noch nichts davon gehört hat: Hintergründe zum neuen, der Marktwirtschaft verpflichteten, österreichischen Think Tank Agenda Austria gibt es hier und hier. Nach unserer Ansicht geht es in der Hauptsache darum, die neoliberalen Lehren der Altvorderen gegen die neuen Entwicklungen/Erkenntnisse zu verteidigen.

In diesem Zusammenhang: Die folgende Grafik zeigt das amtliche Endergebnis der österreichischen Nationalratswahl 2013: 


Quelle: format.at