Dienstag, 8. Oktober 2013

Standpunkt 781 - Nachrichten-Ticker, 07.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Deutsche Europapolitik – Finanztransaktionssteuer – Deutsche Angst – Generation Krise – US-Shutdown (4 Beiträge)  


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier  für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Europa und die neue Regierung: Kohl-Vertrauter: Merkel braucht endlich einen Plan
(focus.de) Die Sondierungen sind in vollem Gange. Doch ein Bereich bleibt schwammig: die Europapolitik. Angela Merkel schweigt sich zu dem Thema aus. Reicht also ein "Weiter so", um die Krise zu bewältigen? Nein, sagt FOCUS-Online-Experte Horst Teltschik – er fordert eine klare Vision. Mehr...

Kommentar: Angesichts der politischen Grundausrichtung des FOCUS ist es erstaunlich, dass sich Horst Teltschik so offen und eindeutig zu Gunsten der Vereinigten Staaten von Europa äußern darf. Sicherlich liegt es daran, dass er dazu das politische Urgestein Franz-Josef Strauß zitiert. Selbst wenn Angela Merkel in ihrer letzten Amtszeit noch auf diese Linie einschwenken würde, was wir für abwegig halten, für eine Lösung der aktuellen Krise in Europa reicht das nicht. Der ist nach wie vor nur mit unangenehmen Entscheidungen gegen die Finanzindustrie beizukommen. Ebenfalls eine Sache, die wir während der Regentschaft von Angela Merkel für wenig wahrscheinlich halten. Der folgende Beitrag liefert ein gutes Beispiel dafür:


Schäuble: Finanztransaktionssteuer nicht im Alleingang
(handelsblatt.com) Einen Alleingang Deutschlands zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer lehnt Schäuble mit Hinweis auf Frankreich ab. Auch Euro-Bonds oder einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland werde es nicht geben. Mehr...

Kommentar: Es bleibt dabei, selbst die Spurenelemente eines Finanzreförmchens werden wieder im Keim erstickt. Darin ist sich die Politik in Europa offensichtlich einig. Das Theater um die Bankenunion und jetzt auch noch um die Finanztransaktionssteuer sind an Scheinheiligkeit und Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Das sind nur weitere Beispiele für die vollkommene Verarschung der Menschen in Europa durch "ihre" Politiker, die "Volksvertreter". Die deutsche Bundesregierung hat dafür bei der Bundestagswahl am 22. September die breite Zustimmung der Wähler erhalten und wird es weidlich ausnutzen. In Österreich ist die Sache für die amtierende Regierung nicht so günstig ausgegangen, die ist gerade so glimpflich dabei weggekommen. Für sie ist Vorsicht geboten. 


Harold James: "Ich kann verstehen, wenn die Deutschen Angst haben"
(spiegel.de) Wie stark darf Deutschland sein? Spätestens seit Joachim Gaucks Rede stellt sich die Frage nach der Rolle des Landes in Europa und der Welt. Der US-Professor Harold James erklärt im Interview, was viele Menschen an der Bundesrepublik bewundern - und warum uns eine echte Debatte über den Euro gut täte. Mehr...

Kommentar: Leider liefert Harold James in diesem Interview keine neuen Aspekte der Krise. Vor allen Dingen macht er sich keine Mühe, sachdienliche Hinweise für die Lösung der Krise in Europa zu geben. Auch er drückt sich davor, das Kind beim Namen zu nennen. Schade. Von einem Wirtschaftshistoriker mit Schwerpunkt u. a. auf deutsche Geschichte, hätten wir mehr erwartet. 


Generation Krise
(tagesanzeiger.ch) Schulden abbauen und Bargeld horten: In den fünf Jahren seit der Lehman-Pleite haben Konsumenten und Investoren ihr Verhalten stark verändert. Experten sprechen von einem neuen Bewusstsein. Mehr...

Kommentar: Ein lesenswerter Beitrag über nutzlose Stategien gegen die Krise. Nichts von dem, was beschrieben wird, taugt letztlich als Schutz vor dem endgültigen Kollaps der Finanzkrise und der damit verbundenen Vermögensvernichtung für die 99%er.


USA: Der Haushaltsstreit wird zur finanziellen Apokalypse
(welt.de) Top-Investoren warnen vor den Folgen des US-Haushaltsstreits: Sollte es nicht bald zur Einigung kommen, könnten die Auswirkungen verheerend sein. Warren Buffett spricht von einer "Atombombe". Mehr...

Kommentar: Zumindest Buffett könnte wissen wovon er spricht, schließlich war er es, der schon vor Jahren den Derivatehandel als "Massenvernichtungswaffe" bezeichnete. Alle anderen stochern im Nebel und malen die Aussichten in düstersten Farben. Eins ist aber sicher: Die Wall Street sorgt dafür, dass es nicht schlagartig zum völligen Chaos kommt. Dann wären da noch China und Japan, die mit Abstand größten Halter von US-Staatsanleihen... 


Quelle: toonpool.com

US-Shutdown: Der Lehman-Moment
(format.at) Jeder, der sich an den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers vor wenig mehr als fünf Jahren erinnert, weiß, was eine weltweite Finanzkrise ist.
Käme es zu einem Zahlungsausfall der USA, dem weltgrößten Schuldner - was in wenigen Wochen der Fall wäre, wenn der Kongress, wie angedroht, die Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar nicht anhebt - wären die Auswirkungen katastrophaler als alles bisher Dagewesene.
Den Aktienmärkten von Brasilien bis Zürich stünden Verheerungen bevor, ein Emissionsmechanismus im Volumen von 5 Billionen Dollar für Investoren, die auf US-Treasuries angewiesen sind, käme zum Erliegen, die Finanzierungskosten für Milliarden Personen und Unternehmen würden in die Höhe schießen, der Dollar läge am Boden und die USA würden ebenso wie die Weltökonomie in eine Rezession gezogen, die sich wahrscheinlich zu einer Depression auswachsen würde.
Die meisten Vermögensverwalter, Ökonomen, Banker und früheren Regierungsmitarbeiter, die für diesen Artikel befragt wurden, halten einen Zahlungsausfall der USA auf ihre Anleihen für eine finanzielle Apokalypse.
Die USA haben Anleihen im Volumen von 12 Billionen Dollar im Umlauf - 23 Mal mehr als die 517 Mrd. Dollar, die Lehman schuldig war, als die Investmentbank am 15. September 2008 Bankrott anmeldete. Die Politiker streiten über die Schuldenobergrenze, während Stimmen aus der Wirtschafts- und Finanzwelt - darunter Warren Buffett von Berkshire Hathaway Inc. und Lloyd C. Blankfein von Goldman Sachs Group Inc. - vor den katastrophalen Folgen eines tatsächlichen Zahlungsausfalls warnen. Mehr...


Kommentar: Zur Erinnerung: GOP und Tea Party sind in der Hand der Wall Street. Wer zahlt, schafft an. Warten wir also ab, wann und wie dieser Spuk ein Ende hat. Beschädigt sind am Ende alle, der Präsident inklusive. Ihm fehlt einfach Durchsetzungskraft. 


Quelle: cagle.com


Wie die USA mit ihrem Schuldenzoff deutsche Sparer in Geiselhaft nehmen
focus.de) Ohne Rücksicht auf Verluste streiten sich die Politiker in den USA. Sogar eine Pleite des Landes ist denkbar. Die Folgen wären verheerend für Finanzmärkte und Wirtschaft. FOCUS Online erklärt, was der Welt im schlimmsten Fall bevorsteht. Mehr...

Kommentar: Wie angenehm, von den eigenen Problemen in Europa ablenken zu können. Während Angela Merkel versucht, die Große Koalition zu zimmern, füllt die US-Schuldenkrise dankbar die Schlagzeilen. Weder ist die Entwicklung der Staatsschulden eine Überraschung, noch der Kleinkrieg zwischen Republikaner, Demokraten und der Wall Street. Trotzdem lässt sich wunderbar über die Folgen schwadronieren. Die folgende Grafik stammt aus dem FOCUS-Beitrag:




Die Amerikaner haben schon 2011, in der Zeit des ersten Beinahe-Zusammenbruchs, die Entwicklung ihrer Staatsschulden trefflich karikiert: 




US-Finanzministerium rätselt über Plan B
(standard.at) Was geschieht, wenn die Schuldenobergrenze erreicht ist? Das Treasury spielte den Ernstfall durch und befürchtet den Crash.
Während Experten seit Wochen darüber rätseln, wie es nach dem 17. Oktober weitergeht, wenn die USA an die Schuldenobergrenze stoßen, gibt ein wenig bekannter Bericht aus dem US-Finanzministerium Einblick in die Notfallpläne der Regierung. Das Papier stammt aus dem August 2012 und ist als Reaktion auf den Beinahecrash 2011 entstanden, als sich Republikaner und Präsident Barack Obama erst im allerletzten Moment auf die Anhebung der Schuldengrenze verständigen konnten. Der Kongress beauftragte damals das Council of Inspectors General on Financial Oversight (CIGFO), eine im Finanzministerium eingerichtete Behörde, die über die Finanzstabilität wacht, zu evaluieren, was geschehen würde, sollten die USA die Schuldengrenze erreichen. Das CIGFO führte dazu zahlreiche Gespräche mit hohen Beamten im Finanzministerium. Das Ergebnis des Berichts ist ernüchternd: Selbst im Department of the Treasury herrscht ziemliche Ratlosigkeit. Verschiedene Arbeitsgruppen haben Optionen diskutiert, ein fixfertiges Notfallszenario hat die Verwaltung aber nicht. Mehr...

Kommentar: Noch ein Crash-Szenario: Das US-Finanzministerum hat keinen wirklichen Plan, wenn es zu keiner Einigung über die Anhebung der Schuldenobergrenze kommt. So eine Meldung hat natürlich einen hohen Unterhaltungswert, mehr nicht. Die Studie des CIGFO gibt es hier.