Donnerstag, 10. Oktober 2013

Standpunkt 783 - Nachrichten-Ticker, 09.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Schuldenkrise und Vermögenssteuern – Deutsche Konjunktur im Krisenmodus – Mindestlohn – Faule Kredite im Euroland – Vermögende und ihre Aussichten (2 Beiträge) – Island – US-Shutdown (3 Beiträge) – Barack Obama – Janet Yellen (3 Beiträge) – Fukushima  


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier  für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Schuldenkrise: Währungsfonds sieht noch viel Potenzial bei Vermögenssteuern
(derstandard.at) Der IWF lenkt die Aufmerksamkeit zur Reduktion der Rekordverschuldung auf hohe Vermögen und Ungleichverteilung. Mehr...

Kommentar: Die Schlächter wetzen die Messer - um den Staatsbürge(r)n das Fell über die Ohren zu ziehen. Natürlich wohldosiert und gut begründet. Jetzt meldet sich sogar der IWF zu Wort und hält den Ball im Spiel. Wir werden erleben, dass sich die Regierungen, die Notenbanken, der IWF, die OECD, die Weltbank und die Finanzindustrie gegenseitige Vorlagen liefern, flankiert von regierungstreuen und von der Finanzindustrie abhängigen Ökonomen, um ihre Ziele zu verfolgen. Wer sich dagegen nicht absichert, dem wird Hören und Sehen vergehen. So viel ist sicher.


Der deutsche Konjunkturmotor stottert – Zeit, die prozyklische Finanzpolitik zu beenden!
(blog.zeit.de) Ich bin überrascht, dass es in diesen Tagen fast nur optimistische Äußerungen zur deutschen Konjunktur gibt, denn die Fakten sind keineswegs so gut wie die Stimmung. Mehr...

Kommentar: Ein hervorragender Beitrag. Leider mittlerweile eher selten in der ZEIT. Dieter Wermuth schreibt punktgenau und liefert damit ganz uneigennützig der SPD zu diesem Thema genügend Material für die Koalitionsverhandlungen mit der bewegungsunfähigen Kanzlerin. Das sollte sie sich zu Nutze machen.


Mindestlohn in Europa: Deutschland gehen die Ausreden aus
(taz.de) Europäische Arbeitnehmervertreter kritisieren auf einer Expertenkonferenz in Berlin ihr Unverständnis über eine fehlende Lohnuntergrenze in Deutschland. Mehr...

Kommentar: Die Koalitionsverhandlungen werden es richten, Angela Merkel muss sich bewegen. Hoffentlich. Es ist kein Allheilmittel, weil es die Arbeitgeber mit allen, ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, unterlaufen werden. Der Staat wird sich wieder nicht um die Durchsetzung kümmern. 


Euroland: Banken und Firmen stecken im Teufelskreis
(diepresse.com) Die IWF warnt, die Banken in Südeuropa schleppen milliardenschwere faule Firmenkredite mit sich. Grenzen der nationalen Finanzmärkte müssten fallen. 
Alle Jahre wieder legt der Internationale Währungsfonds (IWF) seinen Bericht über die Stabilität des weltweiten Finanzsystems vor. Und alle Jahre wieder mahnt er die Euroländer, endlich die Grenzen zwischen ihren nationalen Finanzmärkten niederzureißen und eine Bankenunion unter dem Schirm der Europäischen Zentralbank zu gründen. Dieses Jahr allerdings legen die Ökonomen des Fonds einige Zahlen auf den Tisch, die der Botschaft der europäischen Politiker zuwiderläuft. Denn anders, als es von Lissabon bis Brüssel und von Berlin bis Rom aus den Finanzministerien und Staatskanzleien tönt, ist die europäische Bankenwelt noch lange nicht aus dem Gröbsten heraus. Der Teufelskreis zwischen angeschlagenen Banken und angeschlagenen Unternehmen, die durch faule Kredite aneinandergekettet sind, ist nicht durchbrochen – da können die Entscheider in den Hauptstädten noch so oft das Gegenteil behaupten. Mehr...

Kommentar: Wir sind davon überzeugt, dass auch der IWF noch nicht alle Katzen aus dem Sack lässt, aber er geht wenigstens ein bisschen ehrlicher mit den Problemen um, wie die europäischen Krisenmanager. Die lügen uns schon seit 2009 regelmäßig die Hucke voll. Ohne dabei mit der Wimper zu zucken. Voller Dankbarkeit werden sie dafür von den Belogenen wiedergewählt, damit sie ja damit weitermachen. So geht Demokratie heute. Was der IWF vorschlägt, wird teuer. Viel billiger wäre eine tiefgreifende Finanzreform, dabei könnten die Sparer und Steuerzahler ihr Geld behalten. Die will nur keiner. Sogar die deutschen Wähler haben sich am 22. September für weitere vier Jahre gegen eine solche Reform ausgesprochen - mit Angela Merkel ist sie nicht zu machen. Das passt nicht zu ihrem (finanz)marktkonformen Demokratieverständnis. Noch etwas ist der deutschen Kanzlerin wichtig...


Gute Aussichten für Vermögende
(heise/telepolis) Krise? Die Aussichten für Vermögende sind jedenfalls gut, ist dem neuen Global Wealth Report von Credit Suisse zu entnehmen. Laut der für den Bericht zuständigen Experten ist in den nächsten fünf Jahren ein Anstieg der Vermögen von beinahe 40 Prozent zu erwarten. Nach deren Schätzungen könnten die globalen Vermögen 2018 eine Summe von 334 Billionen US-Dollar erreichen. Mehr...

Kommentar: Offensichtlich ist die Krise den Reichen gut bekommen. Man muss kein Sozialist sein, um diese Entwicklung zu verurteilen. Es sind nämlich nur eine kleine Gruppe weltweit, die Nutznießer der Krise sind und an deren Fortbestand ein großes Interesse haben: "Wenn man alles zusammenzählt, dann besitzt die arme Hälfte der globalen Bevölkerung weniger als 1 Prozent der Gesamtvermögen. In scharfem Kontrast dazu verfügen die zehn reichsten Prozent über 86 Prozent der weltweiten Vermögen und das oberste ein Prozent kommt allein auf einen Anteil von 46 Prozent." Die Regierungen sind deren Büttel, auch in Deutschland. Selbst die in dieser Hinsicht immer noch als vorbildlich geltenden Länder in Skandinavien haben sich geändert und leben in ihrer Außendarstellung vom Mythos vergangener Tage. Die folgenden beiden Grafiken stammen aus der Studie der Credit Suisse: 

Veränderungen 2012 - 2013




Die nächste Grafik zeigt einen Vergleich der Vermögen im Ländervergleich für 2012: 

Quelle: zerohedge.com

Für Deutschland sieht die Sache im europäischen Vergleich nicht so toll aus. Kein Wunder, nach zwei verlorenen Kriegen und den damit verbundenen Repressionen. Die Währungsreform von 1948 tat ein Übriges. Wer die Sache noch vertiefen möchte, der findet direkt hier den Report der Credit Suisse. 


Wie wird man Millionär?
(heise/telepolis) Eigentlich durch eine Geschäftsidee oder eine Erbschaft, aber der Lotteriegewinn ist nach einer Umfrage weiterhin die Fantasie des Königswegs zum Reichtum, weil arbeiten und sparen keine Chance bieten. Mehr...

Kommentar: Womit sich dieser Beitrag beschäftigt, das hat der langjährige Herausgeber des CAPITAL, der Journalist Johannes Gross, einmal treffend so beschrieben: "Hinter dem Wort "Vermögensbildung" steckt der deutsche Aberglaube, es könne einer durch Sparen reich werden." Im April 2012 haben wir uns anlässlich eines höchst aufschlussreichen stern-Artikels schon mit dem Thema beschäftigt: "Reichtum durch Arbeit ist etwas für Anfänger" (hier).


Iceland PM Warns Nation's FX Shortfall "Is Matter Of Huge Concern"
(zerohedge.com) Just a few weeks ago, the Icelandic government started threatening to use the European 'template' of removing guarantees on large deposits (though maintaining its capital controls) indirectly pressuring the wealthy to spend (for fear of haircuts). However, the capital controls have backfired as Bloomberg notes, Iceland’s private sector is running out of cash to repay its foreign currency debt, according to the nation’s central bank. The Prime Minister has said that the FX shortfall - exacerbated by his own policy restricting the selling of Krona - is "a matter of huge concern." The government’s biggest challenge is to allow capital to flow freely without triggering a krona sell-off that would cause Iceland’s foreign debt to spike and undermine the nation’s economic recovery. Read more...

Kommentar/Ergänzung: Erstaunliche Neuigkeiten von der Insel, die angeblich, da waren sich fast alle "Experten" einig, so toll mit der Pleite ihrer Banken umgegangen ist. Wir waren von Anfang an anderer Meinung, nennen uns aber auch nicht "Experten". Nach unserer Ansicht haben die Isländer in den vergangenen Jahren einfach nur eine dicke Lippe riskiert und auf diese Weise von der unrühmlichen Lösung ihrer Bankenkrise abgelenkt. Islands "Nepper, Schlepper, Bauernfänger"-Banken sind ihren Kunden in Großbritannien und den Niederlanden, meistens rechtschaffene Sparer, sagenhafte 4,5 Milliarden Euro schuldig geblieben. Das ist Fakt, alles andere ist großes Theater. 

Zu dem im Beitrag zitierten Bloomberg-Artikel "Icelanders Run Out of Cash to Repay Foreign Debts: Nordic Credit" geht es hier. Auf keinen Fall versäumen.


US-Pleite? Alles halb so wild, sagen Republikaner
(derstandard.at) In Washington wird heftig darüber gestritten, was passiert, sollte bis zum 17. Oktober nichts mehr passieren. Mehr...

Kommentar: Trotzdem, wir bleiben dabei: Alles nur ein Sturm im Wasserglas. In diesem Streit entscheidet die Wall Street wie es weitergeht. Wir halten es für unwahrscheinlich, dass Goldman Sachs nicht noch im letzten Moment für eine Einigung sorgt. Bis dahin toben sich die Republikaner aus.


USA zählen die Stunden bis zur Finanz-Apokalypse
(welt.de) Das finanzielle Ende rückt näher, denn die USA geben jeden Tag mehr aus als sie einnehmen. In einer globalisierten Wirtschaft wäre kaum eine Region immun gegen die Folgen der US-Zahlungsunfähigkeit. Mehr...

Kommentar: Wir bleiben gelassen - bis zum 17. Oktober auf jeden Fall.


EU-Politiker spotten über Selbstdemontage der USA
(welt.de) Europa musste in der Euro-Krise lernen, was passiert, wenn Investoren Angst vor einer Staatspleite bekommen. Nun scheint ausgerechnet den alten Lehrmeister ein ähnliches Schicksal zu ereilen. Mehr...

Kommentar: Die Reaktion von Schwachmaten, mehr nicht. Diese Leute sollten lieber die europäische Krise wirksam bekämpfen. Alles andere ist sehr, sehr dumm.


Einst war er Hoffnungsträger – jetzt versagt Barack Obama als US-Präsident
(focus.de) Der Haushaltsstreit beweist einmal mehr, dass Obama der politische Zugang fehlt, um ein erfolgreicher Präsident zu sein. Seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass der Staat funktioniert. Dazu müsste er die Republikaner spalten und knebeln. Mehr...

Kommentar: Unsere Meinung zu Barack Obama haben wir schon hinlänglich kommuniziert. Wir sehen uns regelmäßig bestätigt.


US-Notenbank: Janet Yellen, Garantin für noch mehr billiges Geld
(zeit.de) Die künftige Chefin der US-Notenbank gilt als Verfechterin einer lockeren Geldpolitik. Gleichzeitig kämpft Janet Yellen gegen Arbeitslosigkeit und für stabile Preise. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Will Yellen ernsthaft gegen die Arbeitslosigkeit in den USA kämpfen, muss sie die Politik des Fed ändern. Lockere Geldpolitik alleine reicht nicht. Dazu braucht sie die Unterstützung im Fed und von Barack Obama. Genau das ist aber ein großes Problem.

Der TAGES-ANZEIGER aus der Schweiz fasst die Experten-Meinung so zusammen: "Es gibt kaum jemand, der für den Posten besser qualifiziert ist". Und schreibt im Vorspann dazu: "Die meisten Experten reagieren positiv auf die Nomination von Janet Yellen als künftige Chefin der US-Notenbank. Skeptiker hegen Zweifel, ob sie sich als Krisenmanagerin bewähren wird." Mehr hier.

Die F.A.Z. untersucht die Frage "Wohin steuert nun Amerikas Geldpolitik?": "Mitten im Haushaltsnotstand nominiert Obama mit Janet Yellen eine Frau für den Chefposten der amerikanischen Notenbank. Sie steht für eine Geldpolitik mit Niedrigzinsen und Anleihekäufen." Mehr hier.

Wer Janet Yellen noch nicht kennt, der sollte sich mit diesen Beiträgen beschäftigen.


Fukushima: "Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rettung gelingt, geht gegen
Null"

(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der deutsche Physiker Sebastian Pfugbeil ist äußerst pessimistisch, dass eine elementare Katastrophe in Fukushima abgewendet werden kann. Die Folgen würden die gesamte Nordhalbkugel der Erde zu spüren bekommen. Pflugbeil: "Die Menschheit könnte beim Scheitern der Versuche, die gebrauchten Brennelemente des KKW Fukushima zu bergen, in einer bisher nicht gekannten Weise durch Strahlen geschädigt werden." Mehr...

Kommentar: Die andere Kastastrophe mit globalen Auswirkungen wollen wir trotz Finanz- und Wirtschaftskrisen nicht aus den Augen verlieren. Fukushima ist nämlich auch ein Beispiel dafür, wie sich eine demokratische Regierung mit der Wirtschaft verbündet, um die Menschen mit vereinten Kräften hinters Licht zu führen. Eine tödliche Bedrohung wird schlicht kleinstgeredet.