Dienstag, 29. Oktober 2013

Standpunkt 790 - Nachrichten-Ticker, 13.10. ff


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: EZB-Stresstest – Vermögensbarometer 2013 (2 Beiträge) – Marc Faber: Money Printing Coming – US-Verbrauchervertrauen – Krieg der Republikaner – Abenomics China   


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


EZB-Stresstest: Deutsche Banken in Seenot
(manager-magazin.de) Mit dem neuen Stresstest setzt die EZB auch deutsche Banken unter Druck. Vor allem die faulen Kredite für Schiffe gelten als Multimilliardenrisiko. Kein Land hat so stark auf die Krisenbranche gesetzt wie die Landesbanken, Commerzbank und Co. Mehr...

Kommentar: Die Risiken, die in diesem Beitrag beschrieben werden, sind Peanuts im Vergleich zu den wahren Müllhalden in den Bilanzen deutscher Banken. Besonders die bedrohlichen Billionenverluste aus dem Derivatehandel werden bei der Bewertung des Branchenprimus Deutsche Bank und, der in diesem Bereich ebenfalls stark vertretenen Commerzbank, regelmäßig unter den Teppich gekehrt. Bei einer seriösen Risikobewertung wären beide Banken als Pleitekandidaten einzustufen. Nach unserer Einschätzung profitiert besonders die Deutsche Bank erheblich von den andauernden monatlichen Stützungsmaßnahmen des Fed, die zu den Eignern der US-Notenbank und den 29 systemrelevanten Banken zählt, die um jeden Preis so lange wie möglich am Leben erhalten werden müssen. Ergänzend zu diesem Kommentar verweisen wir auf unseren eigenen Beitrag "Desaster Derivatehandel" (hier) und einen älteren Beitrag aus Österreichs DIE PRESSE "18,2 Billionen Euro faule Werte vergiften europäische Banken" (hier). Das entspricht 44% der Vermögenswerte. Die Summe wurde damals von der EU-Kommission festgestellt. Beide Beiträge sind heute noch brandaktuell. Diese Summen sind nicht zu bewältigen, selbst wenn Sparer und Steuerzahler vollständig, d. h. zu 100%, enteignet werden. Alleine der weltweite Derivatehandel hat nach US-Schätzungen ein Volumen von weit über 1.000 Billionen $, die Schätzungen schwanken zwischen 1.200 und 1.400 Billionen. Die jährliche Weltwirtschaftsleistung liegt bei 70 Billionen $ und hat im Vergleich zu den Risiken aus dem Derivatehandel die Größe einer Portokasse. Alle Bemühungen der Regierungen, der Notenbanken und des IWF, egal wie sie heißen, dienen nur einem Zweck: Die Verluste aus diesen Risiken so lange wie möglich vor der Öffentlichkeit zu verschleiern. Die Leit-Medien helfen dabei tatkräftig mit. Aus Angst vor weltweiten Unruhen, wenn die Wahrheit viel zu früh ans Licht kommt. Das ist auch der Grund, warum das Versprechen einer weltweiten Finanzreform nicht eingelöst wird. Im Zuge dieser Reform käme heraus, dass ausnahmslos alle TBTF-Banken schon seit Jahren Bankrott sind und ihre wunderbaren Milliarden-Gewinne nur durch Risikomaximierung und trickreiches Bilanzieren erreichen. 


Vermögensbarometer: Zufriedenheit der Deutschen auf "extrem hohen Niveau"
(sueddeutsche.de) Wie steht es um die Deutschen und ihr Geld? Trotz Finanzkrise hat die Zufriedenheit der Deutschen mit ihrer finanziellen Lage deutlich zugenommen. Besonders glücklich ist übrigens die junge Generation. Aber: Auch die Zahl derer ist gestiegen, die ihre Lage als schlecht beurteilen. Seit sechs Jahren nun wütet die Finanz- und Wirtschaftskrise - doch die Deutschen spüren nichts davon. Im Gegenteil: Viele sind mit ihren Finanzen deutlich zufriedener als vor der Krise. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Der Sparkassen- und Giroverband (DSGV) hat das Vermögensbarometer 2013 veröffentlicht. Danach bewerten 57 Prozent der Befragten ihre finanzielle Lage als "gut" oder "sehr gut". 2005 waren es nur 40%. Das Ergebnis zeigt wenigstens drei Dinge: Die Deutschen haben aus ihrer eigenen Geschichte der Währungsreformen im vergangenen Jahrhundert nichts gelernt, ihr Verständnis der Zusammenhänge ist sehr gering und der Mainstream schafft hierzulande seit 2008 eine propagandistische Meisterleistung. Das zeigt auch diese Feststellung am Schluß des Beitrags: "Gestiegen ist das Vertrauen in die Sicherheit der Spareinlagen. 83 Prozent der Befragten sind 'ganz' oder 'eingeschränkt' der Meinung, dass ihr Erspartes sicher sei. Nur 17 Prozent sind sich 'nicht sicher'." Wahnsinn. Jeder kann mit geringem Nachdenken darauf kommen, dass das Versprechen der Kanzlerin, "die Einlagen sind sicher" völlig wertlos ist: Wo soll der Staat die mehr als 3 Billionen Euro hernehmen, um die es nach einer Schätzung der Schweizer Privatbank Wegelin aus 2009 geht, wenn die deutschen Banken kollabieren? DIE WELT kommt in der gleichen Sache zu einem etwas anderen Ergebnis: "Die Menschen in Deutschland fühlen sich arm". Dort heißt es: "Ständig sparen zu müssen und sich kaum etwas leisten zu können – dieses Gefühl haben laut einer neuen Studie immer mehr Deutsche. Doch sie zeigt auch: Die Geldsorgen sind oft hausgemacht." Mehr dazu hier. Der Beitrag zitiert aus einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Nielsen.  59 Prozent aller befragten Deutschen können sich nur mit dem Grundlegenden versorgen, "nur 41 Prozent der Umfrageteilnehmer meinten dagegen, wenige bis keine Geldsorgen gehabt zu haben." Das liest sich grundlegend anders als beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Die folgende Grafik stammt aus dem Beitrag der WELT:


      

Faber: "1 Trillion Dollars A Month" Money Printing Coming
(zerohedge.com) Faber was one of the few investment advisers to clearly warn of the coming global financial and economic crisis in the months and years pre-Lehman. His company Marc Faber Limited provides investment advisory services to financial institutions, corporate clients, family offices and high net worth individuals around the world. Read more...

Kommentar: Das totale Gegenteil zu den Ankündigungen aus dem Dunstkreis des Fed erklärt der Schweizer Marc Faber. 1 Billion $ im Monat halten wir für sehr unwahrscheinlich, glauben aber auch, dass die US-Notenbank ihr QE-Programm in absehbarer Zeit ausweiten muss. Die diskutierte Reduzierung ist in Wahrheit keine Option. Die bisherige Arbeit des Fed zeigt sehr schön folgende Karikatur: 


Quelle: universal-press-syndicate
 

Consumer Confidence Plunges To Lowest In 2013
(zerohedge.com) Following record UMich misses, Gallup's economic confidence collapse, the slump in the conference board's measure of confidence, and Bloomberg's index of consumer comfort signaling major concerns among rich and poor in this country (in spite of record highs in stocks), today's Consumer Confidence data from UMich continues to confirm a problem for all those 'hoping' for moar multiple expansion. Falling for the 3rd month in a row, and missing expectations for the 2nd month in a row, this is the lowest confidence print in 2013. Perhaps even more worrisome for the 'hope and change' crowd is that the 12-month economic outlook has collapsed to its lowest since Nov 2011. It would seem that all that free money flooding our 'markets' has reached peak efficacy in terms of confidence inspiration, and as Citi notes, when this cycle has played out in the past, equity market corrections are often quick to follow... Read more...

Kommentar: Ein Beitrag, der wenig mit den offiziellen Hurrameldungen in den deutschsprachigen Medien zu tun hat. Die gezeigten Grafiken sind eindeutig. Das mangelnde Verbrauchervertrauen in den USA ist einer der Gründe für die Fortsetzung der Geldpolitik der US-Notenbank.


The Republicans' War on the Poor
(rollingstone.com) The GOP is pushing to decimate food-stamp programs, punishing the most vulnerable just out of sheer spite.
The way the program to provide the poor with the bare minimum of daily nutrition has been handled is a metaphor for how the far right in the House is systematically trying to take down the federal government. The Tea Party radicals and those who either fear or cultivate them are now subjecting the food-stamp program to the same kind of assault they have unleashed on other settled policies and understandings that have been in place for decades. Breaking all manner of precedents on a series of highly partisan votes, with the Republicans barely prevailing, the House in September slashed the food-stamp program by a whopping $39 billion and imposed harsh new requirements for getting on, or staying on, the program. The point was to deny the benefit to millions. Read more...

Kommentar: Entbehrlich, den Beitrag lesen genügt. Unbedingt auch den Links zu den anderen Beiträgen folgen, es lohnt sich. Die folgende Karikatur aus dem Beitrag sagt außerdem mehr als 1000 Worte (Kommentar): 


Victor Juhasz


Japan: Buried by ‘Abenomics’ – The Clock is Ticking
(acting-man.com) We have long argued in these pages that the hoary inflationism propagated by Shinzo Abe's administration is host to very same contradictions that have bedeviled attempts to inflate nations to prosperity since time immemorial. In the modern age we can trace the fallacious idea that inflation can increase a nation's wealth to the Scottish gambler and monetary theorist John Law, who brought his theories to bear on an unsuspecting France after convincing the Duke of Orleans (the regent of France at the time), that his scheme would solve the government's debt problems as well as increase economic prosperity. All of this would be possible without any particular effort. Read more...

Kommentar: Unsere LeserInnen kennen unsere Meinung zu der japanischen Finanz- und Wirtschaftspolitik: Sie wird scheitern. Auch zu diesem Beitrag haben wir eine aussagekräftige Karikatur gefunden: 


Quelle: chinadaily.com


Why China Isn’t Going to Collapse (Quickly)
(thediplomat.com) In the new issue of The National Interest, Eurasia Group President Ian Bremmer argues that China is not headed towards a hard landing in the near term. Bremmer notes that the CCP has built up a lot of political capital with the Chinese people as a result of the stunning growth it has presided over since the reform and opening up period began. At the same time, Bremmer has doubts about the People Republic of China’s long-term viability. Read more...

Kommentar: Lesen und auch den Links folgen. Bremmer trifft hier eine Reihe bemerkenswerter Aussagen. Natürlich ist wenig wahrscheinlich, dass Chinas Schwierigkeiten sich von heute auf morgen der ganzen Welt offenbaren und zu einer Verschärfung der weltweiten Krise führen. Es ist aber unweigerlich Teil der Zukunft. China macht es im Vergleich zum Westen nicht besser, das Wirtschaftswachstum ist kreditfinanziert, das Schattenbankensystem gigantisch und unkontrolliert. Die chinesische Führung hat ein klassisches kapitalistisches System nach westlichem Vorbild installiert. Das muss scheitern.