Mittwoch, 30. Oktober 2013

Standpunkt 791 - Nachrichten-Ticker, 29.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Vorsorgerisiko in Deutschland – Wall Street rüstet auf – Banca Monte dei Paschi in Not – Irland (4 Beiträge) – US-Haushaltskrise – Fed


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Hauskauf wird in Deutschland zum Vorsorgerisiko
(welt.de) Eine Studie offenbart: Die eigenen vier Wände eignen sich nur bedingt zur Altersvorsorge. Damit setzen Millionen Deutsche auf das falsche Produkt zur Sicherung ihrer eigenen Zukunft. Mehr...

Kommentar: Just for info. Wir halten wenig von der Investition in eine heimische Immobilie zur Krisensicherung. Bei einer Enteignung gibt es auch da richtig was auf die Mütze. Außerdem sind mit Sicherheit viele Immobilien falsch finanziert und ein Zinsanstieg bringt die Eigentümer schnell in Not. In der Schweiz sind beispielsweise mittlerweile 40% der Hypothekenkredite an zahlungsschwache Schuldner, d. h. mit zu geringem Einkommen, vergeben worden. Ähnlich dürften die Verhältnisse anderswo sein. Die folgende Grafik stammt aus dem Beitrag: 


   
Nichts davon ist vor einer Enteignung sicher. 


"Vernichtungswaffen" der Wallstreet sind wieder salonfähig
(fuw.ch) Niedrige Zinsen und die Suche nach Rendite fördern die Rückkehr von Kreditstrukturen, die an der Finanzkrise mitschuldig waren. Mehr...

Kommentar: ... und alles ohne jedes Reglement und Aufsicht. Die Politik schaut weiter völlig tatenlos zu. 


Banca Monte dei Paschi – Wie die älteste Bank der Welt zur Beute der Wall Street wurde
(format.at) Die Versuche, die älteste Bank der Welt zu retten, kosteten den Steuerzahler 4,1 Milliarden Euro – aber nicht nur die Inkompetenz der Politik hat die Banca Monte dei Paschi an den Rand des Ruins getrieben: Investmentbanken haben vom Niedergang profitiert.

Die mittelalterliche Stadt Siena ist nicht nur für das traditionelle Pferderennen, den Palio, bekannt, sondern auch Sitz der ältesten Bank der Welt. Ob diese allerdings auch weiterhin existieren wird, ist fraglich. Ein unheilvolles Zusammenwirken lokaler Politiker und weltweiter Finanzfachleute und Investmentbanker haben Banca Monte dei Paschi di Siena in eine bedenkliche Schieflage gebracht.
Mehr...

Kommentar: Die Folge der fehlenden Finanzreform. Außerdem ein gutes Beispiel dafür, dass die Wall Street die gesamte Welt in ihrer Gewalt hat. Dazu noch einmal eine unserer Lieblingskarikaturen: 


Quelle: rollingstone.com, Victor Juhasz


Musterschüler Irland
(handelsblatt.com) Irland will den Euro-Rettungsschirm ESM verlassen. Berlin und Brüssel loben den Sparwillen. Langsam kommen die Dinge auf der Insel wieder in Fahrt. Aber es ist zu früh für ein positives Abschlusszeugnis für die Iren. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Die Eurozone braucht dringend eine Erfolgsmeldung, bevor die Krise in eine neue Runde geht: "Das sind die neuen Sorgenländer der Euro-Zone" meldet die WELT und hat neue Krisenherde ausgemacht (hier). Irland soll es richten. Offensichtlich ist das aber selbst dem HANDELSBLATT nicht geheuer und bleibt deshalb zurückhaltend. Die SUEDDEUTSCHE lässt sich aber vor diesen Karren spannen und liefert ein freundliches Stimmungsbild des aktuellen irischen Regierungschefs als Sparfuchs: "Irlands Premier Enda Kenny - Ein harter Brocken". Im Vorspann heißt es: "Irland will den Euro-Rettungsschirm wieder verlassen - das ist auch der Verdienst von Regierungschef Enda Kenny und dessen Beharrlichkeit. International ist er als harter Verhandlungspartner bekannt, den Iren konnte er seinen Sparkurs glaubwürdig erklären. Seinen härtesten Kampf musste er jedoch mit der katholischen Kirche ausfechten." Mehr dazu hier. Statt eines eigenen Kommentars zitieren wir einen Beitrag von HEISE/TELEPOLIS: "Die große Irland-Erfolgsshow". Der Autor bringt es so auf den Punkt: "Das Land will am 15. Dezember den Rettungsschirm verlassen und gegen jede Realität als "Musterschüler" und erfolgreicher Rettungsfall gefeiert werden. Die Troika hat sich vorgenommen, Irland mit allen Mitteln als geglückten Rettungsfall zu verkaufen. Doch am "Erfolg" darf massiv gezweifelt werden. Denn auch die über die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) gesenkten Zinsen sind zu hoch für das Land. Die EZB hat in dem Land sogar illegale Staatsfinanzierung betrieben, um bisher eine Nothilfe 2.0 wie in Griechenland zu vermeiden. Trotz allem verstößt Irland weiter massiv gegen die Anforderung, das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen, das bisweilen aufgehübscht wird. Die Verschuldung des Staates ist mit der Bankenrettung in den drei Jahren unter dem Rettungsschirm auf 126% explodiert, weshalb ein immer erheblicherer Teil der Einnahmen auch bei scheinbar bezahlbaren Zinsen in den Schuldendienst fließen. Die Schulden werden angesichts der lahmenden Konjunktur schnell weiter in Richtung unbeherrschbare griechischer Höhen steigen." Mehr dazu hier. Der irische Erfolg wird getürkt.


USA: Wie es nach dem Stillstand weitergeht
(project-syndicate.org) Nach 16 Tagen geprägt von geschlossenen Museen, halbleeren Bundesgebäuden, unnatürlich ruhigen Straßen und zehntausenden Arbeitnehmern in existenzieller Ungewissheit herrscht in Washington wieder Betriebsamkeit. Radikale republikanische Kongressabgeordnete wollten Präsident Barack Obamas Gesetzgebung zur Gesundheitsreform verhindern und verursachten damit einen Verwaltungsstillstand, der – zumindest vorerst – zwar beendet ist, aus dem sich jedoch drei dauerhafte Lehren ergeben. Mehr... 

Kommentar: Noch eine Stimme zum vorläufigen Ende der US-Haushaltskrise. Die Autorin, Anne-Marie Slaughter, liefert eine lesenswerte Analyse, die sich wohltuend von den hiesigen Beiträgen unterscheidet. 


"Das Fed begeht einen groben Fehler"
(fuw.ch) Der renommierte Finanzökonom Allan Meltzer fordert im Interview mit der "Finanz und Wirtschaft" von der US-Notenbank mehr Weitsicht und warnt vor dem Risiko der expansiven Geldpolitik. Mehr...

Kommentar: Meltzer verlangt das Unmögliche, eine politische Lösung der US-Krise. Das ist mit den beiden verfeindeten Lagern und dem aktuellen US-Präsidenten nicht zu machen. Er sollte das wissen, schließlich ist Meltzer politisch bestens vernetzt. Die Krise wächst weiter - und bietet lukrative Investitionsmöglichkeiten für die Zeit danach. 


Fed warnt: Banken gehen zu hohe Risiken ein
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der Markt für Risiko-Kredite mit hoher Rendite boomt. Nach Ansicht der US-Behörden stellen 42 Prozent der gehebelten Kredite eine zu große Gefahr für die Banken dar. Wegen der extrem niedrigen Zinsen zwingt die Suche nach Rendite zum maximalen Risiko. Mehr...

Kommentar: Sie können es einfach nicht lassen - und werden die Verluste erneut den Steuerzahlern ins Portemonnaie drücken.