Donnerstag, 31. Oktober 2013

Standpunkt 792 - Nachrichten-Ticker, 30.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Uli Dönsch erklärt die Krise – „Sozialer Arbeitsmarkt“ in Deutschland – Zwangsräumungen in Deutschland – Estland – Finnland – Spanien  (2 Beiträge) – VW in China


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon ein knappes Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Nach der Bundestagswahl erhöhen wir noch einmal unseren Arbeitseinsatz, damit wir unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen können. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Der Sparer-Enteigner schlägt schon wieder zu
(focus.de) IWF-Chefökonom Olivier Blanchard will, dass die Deutschen noch mehr für Europa zahlen und sich an eine doppelt so hohe Inflation gewöhnen – der "Wohlstandsverlust" sei zu verschmerzen. Was hat der Franzose bloß gegen uns? Mehr...

Kommentar: Uli Dönsch füttert sie wieder - die ahnungslosen "BILD"-ungsbürger mit seinen abstrusen Thesen. Dabei offenbart er keine Rechenschwäche, aber einen Totalausfall bei der Erkenntnis der Krisenursachen und den Folgen der deutschen Krisenpolitik in Europa. Außerdem massive Defizite in der Geschichte deutscher Inflationspolitik und ihrer Entwicklung. Die möchten wir unseren Leserinnen mit Hilfe zweier Grafiken aufzeigen:



Diese Grafik zeigt zweifellos die jahrelangen Inflationssünden in Deutschland unter der Regie der Bundesbank, die der Geldwertstabilität verpflichtet war.




Diese Grafik unterstreicht die Stabilität des Euro im Vergleich zur D-Mark unter Regie der EZB durch eine geringe Inflationsrate. Die ist sogar im Durchschnitt zu niedrig, liegt regelmäßig unterhalb der festgesetzten Quote für die Eurozone. 

Geschadet hat die Inflation dem Vermögensaufbau in Deutschland nicht, wie die folgende Grafik anschaulich zeigt: 




Selbst in Zeiten enormer Inflation, wie in den Jahren zwischen 1970 und 1990, hat sich das deutsche Geldvermögen mehr als verdoppelt. Obwohl die Zinsen, ähnlich wie heute, deutlich unter der jeweiligen Inflationsrate geblieben sind. Schon seit Monaten wird diese Situation, d. h. die im Vergleich zur Inflation niedrige Verzinsung der Ersparnisse, immer wieder als Vermögensverlust propagandistisch aufbereitet, natürlich auch von Uli Dönsch. 

Blanchard ist mit seiner Meinung lediglich der politischen Zeit voraus. Was er beschreibt ist unabdingbar und hätte längst - sprich 2010, spätestens 2011 - in die Tat umgesetzt werden müssen. Sowohl eine höhere Inflationsrate, als auch die Einführung eines Transfer-Systems, beispielsweise in Form von Euro-Bonds (Wie die funktionieren, bitte hier nachlesen). Wir sind davon überzeugt: Berlin weiss das längst, hält den Zeitpunkt jedoch noch nicht für gekommen, diese Notwendigkeit der deutschen Öffentlichkeit als unbedenklich verkaufen zu können. Nur deshalb ist es der Knalltüte Dönsch möglich, beifallheischend dagegen ins Feld zu ziehen. 


"Sozialer Arbeitsmarkt" – Ein noch gigantischerer und zudem entwürdigender Niedriglohnsektor
(nachdenkseiten.de) Unter der Überschrift „Sozialer Arbeitsmarkt“ hat sich eine ungewöhnliche Allianz von Sozialverbänden, über die SPD, die Grünen bis hin zur FDP zusammengefunden. Auch in der CDU gibt es Sympathien für ein neues Beschäftigungsmodell für Langzeitarbeitslose. Freiwillig, existenzsichernd bezahlt und möglichst langfristig soll nach diesem Modell Langzeitarbeitslosen am Arbeitsmarkt und zwar am ersten Arbeitsmarkt eine „sinnvolle, normale, nicht stigmatisierende Beschäftigung“ verschafft werden. Das geltende Hartz IV-Systems soll dazu an zwei Stellen verändert werden, nämlich erstens durch den Wegfall der Voraussetzungen, dass die öffentlich geförderte Beschäftigung (Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigungszuschüsse) für Langzeitarbeitslose "gemeinnützig, zusätzlich und wettbewerbsneutral" sein müssen und zweitens durch einen sog. „Passiv-Aktiv-Transfer“ (PAT), bei dem die Mittel für den „passiven Leistungsbezug“ aktiv zur Finanzierung von sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen, sprich als Lohnsubvention an die anstellenden Arbeitgeber eingesetzt werden sollen. Eine „Win-Win-Situation“ könnte man meinen. Helga Spindler, Professorin für Sozial- und Arbeitsrecht, widerspricht dem energisch. Sie befürchtet einen noch gigantischeren und zudem entwürdigenden Niedriglohnsektor. Mehr...

Kommentar: Offensichtlich hat sich eine ganz besonders große Koalition gebildet, um das Millionenheer der Menschen auszubauen, denen ein sicheres Auskommen jenseits der Armutsgrenze dauerhaft verwehrt bleiben soll. Milliarden werden in der Entwicklung einer flugunfähigen Drohne zur Terrorismusabwehr, oder in nutzlosen Bahnhofsumbauten und Prestige-Flughäfen (Kassel, Berlin) verpulvert, während auf der anderen Seite Politik und Wirtschaft im Wege einer "marktkonformen Demokratie" den Arbeitsmarkt kaputtreformieren.


Zwangräumung: In drei Minuten obdachlos
(zeit.de) Steigende Mieten und Luxussanierungen vertreiben arme Menschen aus ihren Vierteln. Wer nicht freiwillig geht, dem droht Zwangsräumung. Viele landen auf der Straße. Mehr...

Kommentar: Ein Beitrag aus der Mitte Deutschlands, nicht aus einem der bekannten europäischen Krisenländern. Das in diesem Jahr gerade erst eingeführte neue Mietrecht "macht Zwangsräumungen noch einfacher: Damit darf eine Wohnung nun sogar zwangsgeräumt werden, noch bevor ein Gericht in einer Räumungsklage das Urteil gesprochen hat." Unbeirrt wickelt die Politik hierzulande die Errungenschaften des Nachkriegs-Deutschland ab. Das funktioniert scheinbar deshalb so gut, weil die deutsche Geschichte für die heute Lebenden frühestens mit der Gründung der Bundesrepublik beginnt. Was davor passiert ist, gehört nicht dazu.


Bessere Eurodaten aus schlechten Gründen
(fuw.ch) Die Eurozone verzeichnet wieder Wachstum und die Peripherieländer sind erfolgreich im Export, so lauten die jüngsten Positivnachrichten. Die Geschichte dahinter ist weniger erbaulich. Mehr...

Kommentar: Dieser Beitrag aus der Schweiz beschreibt, was Berlin, Brüssel, usw. verschweigen. Sehr anschaulich die Grafiken. Außerdem lohnt es sich, den angebotenen Links zu folgen. Wir bleiben dabei: Europa ist von einer Erholung weit entfernt und die Sparpolitik fördert die Krise.


"Estland ist stabiler als Island"
(manager-magazin.de) Kleine Bank mit großem Namen: Die Bigbank aus Estland lockt deutsche Anleger mit hohen Festgeldzinsen. Bankchef Kaido Saar erklärt im Interview sein Geschäftsmodell und tritt Sorgen um die Sicherheit der Einlagen entgegen. Mehr...

Kommentar: Wer von solchen Angeboten nicht die Finger läßt, der ist vollkommen närrisch. Der hat nichts gelernt aus der Krise in Island und in Zypern. Estland ist für Europa wirtschaftlich und politisch völlig wertlos. Ein Grenzposten im äußersten Nordosten, mehr nicht. Die Aufnahme in die EU 2004 war das Ergebnis europäischer Großmannssucht, keinesfalls wirtschaftlicher Erwägungen. Das drückt der estnischen Elite aufs Gemüt und wird durch ein hohes Maß an Aufschneiderei ventiliert. Das Angebot der Bigbank und die starken Worte ihres Chefs fallen darunter. Dazu kommt: Die Einlagensicherung Estlands ist genauso viel wert wie die im übrigen Europa: Nichts. Schwedische Banken sind keinesfalls ein Hort an Sicherheit, wie gerne öffentlich beteuert wird. Die stehen als Teil der weltweiten Finanzindustrie auf den gleichen wackeligen Füßen wie alle anderen auch. Kaido Saar ist ein Blender. 


Jetzt wackelt sogar Finnland – die Schuldenkrise zieht nach Norden
(focus.de) Der böse Süden hier, der gute und solide Norden dort – so lautete bisher die klassische Aufteilung in der Schuldenkrise. Doch mehr und mehr zeigt sich: Auch im Norden ist einiges faul – etwa in Frankreich, Finnland und Holland. Mehr...

Kommentar: Dieser Beitrag bestätigt, was wir unseren LeserInnen bereits seit spätestens 2011 prophezeien. Nicht nur zu Finnland. Die europäische Bankenkrise, getarnt als Staatsschuldenkrise, wird ganz Europa ruinieren, ohne Ausnahme. Nicht nur die Eurozone und auch nicht nur die 28 EU-Staaten. Die Schweiz und Norwegen sind ebenfalls dabei. Der norwegische Staatsfonds beispielsweise, der größte der Welt, wird irgendwann verzweifelt seine Einlagen bei den TBTF-Banken und ihren Partnern suchen - ohne nennenswerten Erfolg, die sind pleite. Begraben unter ihrem Bilanzschrott und Derivatemüll. Dann ist das Spiel aus. 


What Spanish Recovery?
(zerohedge.com) One of the prevailing themes in recent weeks has been that Spain has transformed out of Europe's economic basket case into a success story. Read more...

Kommentar: Noch so ein Gegenstück zur hiesigen Propagandaveranstaltung im Zusammenhang mit der Krise in Europa. Diese Grafik aus dem Beitrag ist eindeutig: 





Wenigstens zu der angeblichen Erholung spanischer Banken gibt es ein wenig Aufklärung. Die WELT meldet dazu "Bilanztrick verschafft Spaniens Banken Milliarden" und fasst zusammen: "Europas Banken zittern vor dem Stresstest der EZB, besonders die aus den Schuldenstaaten. Mit einem Trick bei der Steuergutschrift könnten sie auf einen Schlag besser da stehen." Mehr hier.


China ist Volkswagens Schicksal
(n-tv.de) Volkswagens Erfolg hat einen Namen: China. Deutschlands größter Konzern ist abhängig wie nie vom Reich der Mitte: Zwischen Xinjiang und Schanghai verkauft VW nicht nur mit Abstand die meisten Autos, sondern produziert sie auch - und verlagert immer mehr Jobs ins kommunistische Riesenreich. Mehr...

Kommentar: Just for info...