Samstag, 30. November 2013

Standpunkt 822 - Nachrichten-Ticker, 29.11.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Bundesbank warnt vor Kreditblase – Koalition und Europa – Europas Arbeitsmarkt – EZB und die Krise  Niederlande verliert Top-Rating (3 Beiträge) 


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten schon längere Zeit an einem Upgrade. Unmittelbar nach der Bundestagswahl haben wir unseren Arbeitseinsatz erhöht, um unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen zu können. Die lahmen Verhandlungen zur Bildung der Großen Koalition haben uns einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Das Upgrade ist nach unserer Ansicht nur dann vollständig, wenn wir auch die Pläne der neuen schwarz-roten Bundesregierung berücksichtigen. Sicherlich werden die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich gemacht, trotzdem wird es eine Menge Indizien dafür geben, wo die politische Reise in der kommenden Berliner Regierungszeit in Deutschland und Europa hingeht. Außerdem beschäftigen wir uns, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, mit den Vorschlägen von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Bundesbank-Vorstand warnt vor Kreditblase bei deutschen Häuslebauern
(focus.de) Die günstige Immobilienfinanzierung könnte zahlreiche Haushalte in den Ruin treiben. Insbesondere Kreditnehmer mit geringem Einkommen würden von einer möglichen Zinswende bedroht, warnt die Bundesbank. Mitschuld tragen auch die Banken mit ihrer lockeren Kreditvergabe. Mehr...

Kommentar: Nur logisch, diese Warnung. Leider gibt es keine verlässlichen Zahlen aus Deutschland. Deshalb nehmen wir die Angaben der Schweizer Nationalbank (SNB). Die geht davon aus, dass 40% des heimischen Neugeschäfts bei Hypothekendarlehen an Kreditnehmer mit minderwertiger Bonität vergeben worden ist. Kaum vorstellbar, dass deutsche Banken eine andere, gesündere Geschäftspolitik bei Immobilienfinanzierungen betreiben. Selbst 100%-Finanzierungen sind keine Seltenheit:  "'Im Interesse der Finanzstabilität beunruhigt es mich, wenn 100%-Finanzierungen als „Lösung für Jedermann“ dargestellt werden', sagt Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret dem Bayerischen Rundfunk (BR)." Was jetzt wegen der historisch niedrigsten Zinsen noch funktioniert, führt unweigerlich bei einem Zinsanstieg direkt in die "akute Pleitegefahr".


Koalitionsvertrag: "Die Koalition wirft Europas Zukunft weg"
(zeit.de) Angelsächsische Ökonomen finden die deutsche Wirtschaftspolitik schon lange falsch. Und jetzt? Wir haben zwei von ihnen um ihre Meinung zum Koalitionsvertrag gebeten. Mehr...

Kommentar: Vor zwei Tagen haben wir bereits auf einen SPIEGEL-Beitrag zu diesem wichtigen Thema hingewiesen: "Die neue Regierung ignoriert Europas Krise" (hier). Wir bleiben dabei und nehmen zur Koalitionsvereinbarung erst ausführlich Stellung, wenn die SPD-Basis zugestimmt hat. offensichtlich kann die SPD in dieser Koalition nur verlieren. Warum, das erklärt der Beitrag leicht verständlich am Schluss: "Politiker werden sich immer wieder in solche taktischen Manöver hineinbegeben, es ist nun mal der machiavellistische Teil der Politik. Doch es ist auffällig, wie wenig selbst erfahrene Politiker vorausschauen können, welche Konsequenzen ihr Handeln hat. Wenn der Preis solcher taktischer Spiele so hoch ist – und so scheint es diesmal bei der SPD der Fall zu sein – sollte die Politik in Zukunft auf solche Taktikspiele verzichten."


European Unemployment Declines From All Time High, Youth Unemployment Hits Fresh Record - Full Breakdown
(zerohedge.com) Following the "good" news in the inflationary front, in which European November CPI rose and beat expectations if posting the first sub-Japan inflationary rate in Eurozone history, Eurostat followed with more holiday cheer when it reported a surprising decline in the overall Eurozone unemployment rate from 12.2% to 12.1%, the first such drop since late 2010. This was driven by a decline in the jobless rate in France (from 11.1% to 10.9%), Portugal (from 15.8% to 15.7%) Ireland (from 12.7% to 12.6%) and Lithuania (from 11.4% to 11.1%). The offset was as usual Spain which rose to a new record high of 26.7%, and Belgium rising to 9.0%. Read more...

Kommentar: Die Arbeitslosenquote stagniert auf hohem Niveau, wie die folgende Grafik aus dem Beitrag zeigt: 




Die Zahlen der einzelnen Staaten im Überblick: 



Anders die Situation den bis 25-jährigen Arbeitslosen in der Eurozone:



Quelle: zerohedge.com

Trotz Korrekturen in einigen Ländern gibt es bei der Jugendarbeitslosenquote einen neuen Rekord. Beängstigend die Entwicklung in Italien. Die Jugendarbeitslosigkeit ist regelrecht explodiert.  Auf das aktuelle All-Time-High von 41,2% (hier). Diese Entwicklung ist eine Schande für Europa. 


EZB warnt vor Krise: "Gipfel liegt im Nebel"
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Krise in der Eurozone werde noch lange andauern, sagte EZB-Vorstandsmitglied Yves Mersch. Zwar verlasse man das Tal der Krise bereits, doch bis zum Gipfel sei es noch weit. Zeichen für eine Besserung seien noch lange nicht in Sicht. Mehr...

Kommentar: Das kann doch nur heißen, die EZB stochert im Nebel und bleibt ohne Orientierung. Und nicht einig in der Beurteilung der Krise in Europa. Regelmäßig versuchen Teile der EZB-Spitze mit angeblichen Erfolgsmeldungen die Krise klein zu reden. Leider sieht die Wirklichkeit anders aus, wie der Luxemburger Mersch gerade bestätigt. Die Hilflosigkeit der europäischen Zentralbank lassen nur einen Schluss zu: Die Zeichen stehen auf Enteignung.


Niederlande schlittert tiefer in die Krise
(derstandard.at) Die Niederlande kommen aus ihrer Talfahrt nicht heraus. Ökonomen machen die harten Einsparungen und die überschuldeten Haushalte verantwortlich. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Wir haben diese Entwicklung kommen sehen und unsere LeserInnen frühzeitig darauf vorbereitet - auch die aus unserem Nachbarland. Während Experten, wie der selbst ernannte Euro-Retter HOH, noch vom Nord-Euro träumen, zu dem die Niederlande gehören sollen, rutscht das Land schon seit vielen Monaten unaufhaltsam tiefer in die Krise. Ein Ende, sorry liebe Niederländer, ist nicht in Sicht. Die Stärkung der Rechten und ihrer Idee von der Zerschlagung der Eurozone ist aber auch keine Lösung - es gibt kein Zurück aus der Gemeinschaftswährung. Die Genesung führt nur über eine Finanzreform, Programme zur Steigerung der Binnennachfrage, Änderungen am Murcks des Maastricht-Vertrages und eine größere Integration der EU. Der Beitrag vergleicht die Verhältnisse zwischen Österreich und Niederlande mittels der folgenden Grafik:





Optisch zeigen sich leichte Vorteile für den südlichen Nachbarn. Dieser Eindruck täuscht, so ist jedenfalls unsere Einschätzung. Österreichs Achillesferse ist der Bankensektor. Das war in den Niederlanden nicht anders. Dort ist die Entwicklung nur bereits weiter fortgeschritten. 

Die F.A.Z. meldet "Die Blase in den Niederlanden ist geplatzt" und schreibt in der Einleitung:  "Lange galten die Niederlande als Hort der Stabilität. Nun sinkt ihre Bonität. Das Land kämpft mit einer eigenen Immobilienblase. Und es gibt weitere Probleme. FAZ.NET nennt die drei wichtigsten." Mehr dazu hier. Die Folge, von uns ebenfalls schon prognostiziert, beschreibt Österreichs DIE PRESSE gerade in dem Beitrag "Ratings: Klub der besten Schuldner schrumpft" so:  "Die erste Nachricht, die am Freitag von der Ratingagentur Standard & Poor's kam, war keine gute: Die US-Bewertungsgesellschaft entzog den Niederlanden das heiß begehrte Triple A." Mehr dazu hier

Freitag, 29. November 2013

Standpunkt 821 - Nachrichten-Ticker, 28.11.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

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Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Heiner Flassbeck vs. Larry Summers' aufregende Analyse – EZB und das Tapering – Europas Bankenkrise: Zypern und die Schuldenfrage – Portugal-"Sondersteuer"  OECD verklärt Griechenland


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten schon längere Zeit an einem Upgrade. Unmittelbar nach der Bundestagswahl haben wir unseren Arbeitseinsatz erhöht, um unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen zu können. Die lahmen Verhandlungen zur Bildung der Großen Koalition haben uns einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Das Upgrade ist nach unserer Ansicht nur dann vollständig, wenn wir auch die Pläne der neuen schwarz-roten Bundesregierung berücksichtigen. Sicherlich werden die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich gemacht, trotzdem wird es eine Menge Indizien dafür geben, wo die politische Reise in der kommenden Berliner Regierungszeit in Deutschland und Europa hingeht. Außerdem beschäftigen wir uns, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, mit den Vorschlägen von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Die US-Wirtschaft und ihre unerkannte Achillesferse
(flassbeck-economics.de) Am 11. Februar dieses Jahres, in einem der ersten Artikel, die auf flassbeck-economics erschienen sind, habe ich versucht zu erklären, warum in den drei großen industrialisierten Regionen der Welt, den USA, Europa und Japan, die klassischen Instrumente der Wirtschaftspolitik nicht mehr greifen. Und ich habe auch versucht verständlich zu machen, dass selbst im Übrigen als progressiv geltende Ökonomen in dieser Frage nicht weiterkommen, weil auch sie an der Fiktion vom Arbeitsmarkt als normal funktionierendem Markt festhalten.

In diesen Tagen zeigt sich wieder, dass die amerikanischen Kollegen, die sich ernsthaft und mit Sorge der Frage einer durchgreifenden Belebung der amerikanischen Wirtschaft widmen, keinen Schritt vorangekommen sind. Ein Vortrag meines ehemaligen Kollegen Larry Summers bei der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds und die Wellen, die er schlägt, belegen das in großer Klarheit. Paul Krugman hat sich damit befasst, und in Deutschland hat Wolfgang Münchau in die gleiche Kerbe geschlagen. Alle befürchten, dass die traditionelle Geldpolitik nicht kraftvoll genug ist, um die Wirtschaft zu beleben, und sie fassen radikale Maßnahmen ins Auge, wie etwa negative Zinsen, um der vermeintlichen Liquiditätsfalle (englisch: liquidity trap) zu entkommen. Doch die Diagnose ist immer noch falsch. Die Nachfrage lässt sich nicht beleben, weil die Einkommenserwartungen der Mehrheit der Bürger schlecht sind, und nicht etwa, weil sie viel liquide Mittel in der Kasse halten wollen.
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Kommentar: Gestern haben wir an Hand eines hervorragenden Beitrages von Markus Diem Meier in der Schweizer FINANZ UND WIRTSCHAFT "die tiefdüstere Analyse von Larry Summers" aufgegriffen (hier). Heiner Flassbeck hat Anlauf genommen und stellt sich gegen Summers' Analyse. Der ehemalige UNCTAD-Chefökonom ist von seinen Thesen zutiefst überzeugt, während Summers es lediglich als Hypothese formuliert, wie Meier in seinem Beitrag richtig ausführt. Flassbecks Gegenrede liest sich locker, flockig und sehr eingängig. Was er am Beispiel der US-Wirtschaft erklärt ist letztlich jedoch auch nur ein Erklärungsversuch für eine Entwicklung, die ihre Ursache und Fortsetzung in der tiefsitzenden Krise der Finanzindustrie hat. Einer Finanzindustrie, deren wichtigster Teil die Banken, nach wie vor ihren klassischen Aufgaben nicht nachkommen, sondern für die Reparatur ihrer nach wie vor beschädigten Bilanzen auf risikoreiche Spekulationsgeschäfte setzen. Die  in jedem Quartal dringend benötigten Milliardengewinne der US-Banken, lassen sich nun einmal nicht in der realen Wirtschaft erzielen.  Das Geld dafür stellt ihnen, in Ermangelung ausreichender eigener Mittel, gerne die in ihrem Eigentum befindliche US-Notenbank zur Verfügung. Das korrespondiert natürlich nicht mit deren gesetzlichem Auftrag, der Schaffung von Arbeitsplätzen. Um das zu kaschieren werden Monat für Monat die Arbeitsmarktzahlen frisiert und Chef-Notenbanker Ben Bernanke wurstelt sich mit Worthülsen nach dem Vorbild Alan Greenspans durch seine öffentlichen Auftritte. Auch das kann nach unserer Auffassung jeder sehen, "der frei von Vorurteilen ist und alle fünf Sinne beisammen hat", wie Flassbeck es in seinem Beitrag einfordert. Die Amerikaner glauben gerne an die Macht des Fed und hoffen wenigstens auf eine Erholung im Schneckentempo, wie die folgende Karikatur beweist. Der Wunsch ist der Vater des Gedanken. Tatsächlich treten sie noch nicht einmal auf der Stelle, sondern bewegen sich immer noch im Rückwärtsgang. 


Quelle: economist.com

Erstaunlich eindimensional argumentiert Flassbeck am Ende seines Beitrages: "Solange der Staat (wie in den USA) noch hohe Defizite hinnimmt, oder, wie im deutschen Fall, das Ausland, können die Unternehmen noch Gewinne machen, obwohl sie mit dem Druck auf die Löhne permanent an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen. Doch es kommt der Tag, wo die Rechnung für die Lohndrückerei aufgemacht wird, wo weder die öffentlichen Haushalte noch das Ausland als Reservenachfrager zur Verfügung stehen. Dann wird sich zeigen, dass die Fixiertheit der Wirtschaftspolitiker auf Unternehmer, denen Zusammenhänge außerhalb ihres betriebswirtschaftlichen Horizonts unbekannt sind, die Volkswirtschaft als Ganzes ins Verderben führt." Diese Unternehmer zeichnet weniger die beschriebene Beschränktheit aus, sondern eher weitläufiges, globales Denken: Deutsche Konzerne und Mittelständler eifern den US-Vorbildern nach. Sie erschließen sich mit Hochdruck neue Märkte in den Schwellenländern, allen voran China, die problemlos den zu erwartenden Zusammenbruch der Nachfrage zu Hause kompensieren. Unser Paradebeispiel ist VW und die zahllosen Fabriken, die in China für zehntausende neue Arbeitskräfte entstehen. Selbst die Wirtschaftspolitiker und Ökonomen, die diesen Kurs fördern und stützen, sind nicht mit Blindheit geschlagen. Vielmehr erkennen die genau diesen Weg als Zeichen der Zeit, als modern und zukunftsfähig. Dem einsamen Rufer in der Wüste, sei er auch noch so kompetent, fällt deshalb höchstens die Rolle des Hofnarren zu.


EZB fürchtet Tapering
(fuw.ch) Wann immer die amerikanische Notenbank, das Federal Reserve, mit dem Rückzug von Wertschriftenkäufen auch beginnt (Tapering), auf der hiesigen Seite des Atlantiks, genauer in Frankfurt, bereitet das Kopfschmerzen. Die Europäische Zentralbank (EZB) fürchtet gemäss ihrem jüngsten Stabilitätsbericht, dass die Reaktion der Marktteilnehmer ausser Kontrolle gerät. Mehr...

Kommentar: Nachvollziehbar, aber vorläufig nicht sehr wahrscheinlich.


Aufarbeitung der Bankenkrise: Zypern und die Schuldfrage
(nzz.ch) Im März hielt die Finanzwelt wegen Zyperns Banken den Atem an. Acht Monate später hat sich die Lage zwar etwas beruhigt. Wie es zum jähen Fall der einst erfolgsverwöhnten Insel kommen konnte, bleibt aber Inhalt einer heftigen Kontroverse. Mehr...

Kommentar: Natürlich findet diese Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit hierzulande nicht statt. Zypern ist schon lange kein Thema mehr. Die Diskussion um die Große Koalition und die Verhandlungen um Mindestlohn oder Pkw-Maut für Ausländer haben sich breit gemacht. Da bleibt kein Platz mehr für wirklich wichtige Themen, wie die fortschreitende Krise in Europa und die Gefahren durch eine tiefgreifende Enteignung der Bürger.

Dieser Beitrag versucht sich daran, Fakten zusammenzutragen und sie zu bewerten. Betrachtet man das Fazit am Schluss, dann wird deutlich, dass Politik, Finanzindustrie und Wirtschaft nichts aus den Fehlern gelernt haben, die Ursache dieser Bankenkrise waren. Nach wie vor gibt es zahlreiche Bürger, die sich über Gebühr verschulden und bereitwillig die billigen Kredite, die man ihnen anbietet, in Empfang nehmen. In Europa (auch außerhalb der Eurozone, wie die Beispiele Großbritannien und Schweiz zeigen. Stichwort "Immobilienblase"), in den USA oder China. Nur in den PIGS-Staaten und Zypern ist diese Luft raus. Es ist deshalb mutig zu behaupten, "heute weiss die Öffentlichkeit, dass sich das alte System überlebt hat".


Portugal führt "Sondersteuer" auf Renten ein
(heise/telepolis) Der Staatspräsident will den Haushalt durch das Verfassungsgericht prüfen lassen, während Gewerkschaften von ihm fordern, dem Gesetz die Unterschrift zu verweigern. Mehr...

Kommentar: Es geht um bis zu zehn Prozent, die dauerhaft gekürzt werden sollen. Das ist sehr viel schmerzhafter als die einmalige "IWF-Steuer" von 10% auf alle Spareinlagen. Davon gibt es sicherlich nicht mehr viele in Portugal, da ist es schon erfolgreicher an die Renten zu gehen.


Gurria: Spektakuläre Fortschritte in Athen
(derstandard.at) OECD-Chef Angel Gurria lobt das Unterfangen als "beeindruckendstes Konsolidierungs-Programm, das ich je gesehen habe" (...) "Spektakulär" seien die Verbesserung der Zahlungsbilanz und die Aussicht auf einen Haushalts-Primärüberschuss (ohne Zinszahlungen). Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Eine närrische Einschätzung von Angel Gurria und seiner Truppe beim OECD. Offensichtlich wird geliefert, was die Politik gerade fordert. Die Analyse zu Griechenland gibt es hier. Diese neue Diskussion um die Erfolge Griechenlands gibt dem US-Ökonomen Martin Feldstein Gelegenheit zu einer Wortmeldung: "Der Mythos vom griechischen Haushalt" überschreibt er seinen Beitrag bei PROJECT SYNDICATE"Unlängst hat es die Meldung in die Schlagzeilen geschafft, dass Griechenland im Gesamtjahr 2013 einen ausgeglichen Haushalt haben würde. Eine geradezu schockierende Nachricht: Als die griechischen Behörden im Jahr 2010 Farbe bekannten über den wahren Zustand der öffentlichen Finanzen ihres Landes, hat das Haushaltsdefizit über 10% des BIP betragen – ein Moment der statistischen Aufrichtigkeit, der die Schuldenkrise in der EU auslöste. Es schien zu schön, um wahr zu sein, dass das griechische Defizit in nur drei Jahren vollständig abgebaut worden sein sollte. Es ist tatsächlich zu schön, um wahr zu sein." Feldstein kritisiert in seinem Beitrag die Einschätzungen des IWF. Sein Fazit: "Mit einem Blick in die Zukunft prognostiziert der IWF Griechenland in den kommenden Jahren einen allmählich steigenden Primärüberschuss und ein allmählich sinkendes Gesamtdefizit. Doch wenn Griechenland seine Wachstumsrate nicht steigern kann, wird der Haushalt weiter defizitär bleiben und die Verschuldung wird gemessen am BIP weiter fast so hoch sein wie zum gegenwärtigen Zeitpunkt." Den gesamten Beitrag gibt es hier.

Donnerstag, 28. November 2013

Standpunkt 820 - Nachrichten-Ticker, 27.11.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

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Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Larry Summers' aufregende Analyse – Große Koalition vs. Europas Krise (3 Beiträge) – Europas Bankenaufsicht – Lächerliche EZB  Die Anti-Europäer: Rechtsruck in Europa


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten schon längere Zeit an einem Upgrade. Unmittelbar nach der Bundestagswahl haben wir unseren Arbeitseinsatz erhöht, um unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen zu können. Die lahmen Verhandlungen zur Bildung der Großen Koalition haben uns einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Das Upgrade ist nach unserer Ansicht nur dann vollständig, wenn wir auch die Pläne der neuen schwarz-roten Bundesregierung berücksichtigen. Sicherlich werden die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich gemacht, trotzdem wird es eine Menge Indizien dafür geben, wo die politische Reise in der kommenden Berliner Regierungszeit in Deutschland und Europa hingeht. Außerdem beschäftigen wir uns, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, mit den Vorschlägen von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Die tiefdüstere Analyse des Larry Summers
(fuw.ch) In bloss einer Viertelstunde hat der einstige Finanzminister und beinahe Notenbankchef der USA die ganze Ökonomengilde in Aufregung versetzt. Ist seine Analyse zutreffend, hat das für die Weltwirtschaft und auch die Schweiz schwerwiegende Konsequenzen. Mehr...

Kommentar: Ein hervorragender Beitrag zu Summers' Analyse (hier). Etwas Besseres wird es im deutschsprachigen Raum dazu wahrscheinlich nicht geben. Wie immer bei den Schweizern von der FINANZ UND WIRTSCHAFT mit vielen Links angereichert, die das Thema vertiefen. Muss man lesen, da können wir uns Markus Diem Maier nur anschließen: "Ob die Analyse von Summers zutrifft, kann niemand belegen oder verwerfen. Selbst Summers selbst formuliert sie bloss als Hypothese, die für seine Beobachtungen der Entwicklungen von vor und nach der Krise ein stimmiges Bild ergibt. Allein die Möglichkeit, dass die Hypothese der "säkulären Stagnation" die wirtschaftliche Entwicklung richtig analysiert, ist beunruhigend genug, um sich mit ihr und ihren Konsequenzen ausgiebig auseinanderzusetzen."


Die neue Regierung ignoriert Europas Krise
(spiegel.de) Mindestlohn und mehr staatliche Investitionen: Dieser Teil des Koalitionsvertrags geht in Ordnung. Doch in der Euro-Krise wird die neue Bundesregierung weiter Konkursverschleppung betreiben - mit fatalen Folgen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Der Koalitionsvertrag ist fertig, die Große Koalition steht - fast. Es muss noch die SPD-Basis zustimmen. Wir nehmen zu den Einzelheiten erst ausführlich Stellung, wenn diese Abstimmung durch ist und die SPD-Führung die so sehnlich gewünschte Unterstützung erhält. Bis dahin überlassen wir das Feld den Anderen. Wie bei diesem Beitrag Wolfgang Münchau. Der sich erstaunt darüber gibt, dass die europäische Krise in den Verhandlungen für die Große Koalition keinen hohen Stellenwert genießt. Aus unserer Sicht ist der Grund dafür schnell erklärt: Die neue Regierung setzt fort, was die alte begonnen hat: Die bedingungslose Rettung der europäischen/internationalen Finanzindustrie auf Kosten der Sparer, Steuerzahler, Rentner, Arbeitslosen, Hartz4-Empfängern und sogar der Menschen ohne jedes Einkommen. Jeder wird daran beteiligt, sehr viele werden ihre Ersparnisse, ihre private Altersvorsorge, Wohnung oder Haus, sogar den "Notgroschen" verlieren. In Deutschland genießt die Enteignung der Bürger Verfassungsrang (hier).

TELEPOLIS findet zum Abschluss der Verhandlungen "Die Koalition der Großen Sparer steht". Der Autor schreibt zusammenfassend: "Sparen und Strukturreformen werden die obersten Ziele der Koalition - der groß angekündigte Mindestlohn ist kaum mehr als Makulatur." Weiter schreibt er: "(...)  mit einem Politikwechsel ist nicht zu rechnen - der Kurs von Schwarz-Gelb dürfte auch mit der SPD im Wesentlichen weitergeführt werden." Mehr dazu hier. 

Bemerkenswert finden wir den Kommentar unserer Schweizer Nachbarn bei der FINANZ UND WIRTSCHAFT: "In der Kristallkugel flackert Schwarz-Grün". Der Autor kommt mit einem Satz auf den Punkt: "Der neue Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD ist ein weiteres Bravourstück von Kanzlerin Angela Merkel." Ausführlicher: "In der Politik gibt eins und eins selten zwei. Im diese Nacht von CDU/CSU und SPD verabschiedeten Koalitionsvertrag ergibt eins und eins "gut" – nicht besser, aber immerhin. Die Koalitionäre wollen wörtlich, dass "alle Menschen in Deutschland – Kinder, Frauen und Männer, Junge und Alte, in Ost und West – ein gutes Leben führen können und unser Land auf seinem guten Weg weiter vorankommt". Und wenn das nicht geschieht, so liegt’s dann – der verhalten larmoyante Tonfall der Präambel weist darauf hin – nicht an den Grosskoalitionären, sondern an den anderen, sprich wahlweise an der Opposition, den übrigen Euroländern, vielleicht auch an den Amerikanern und den Chinesen." Das ist Merkel's Handschrift. Klar beschreibt der Beitrag die Situation der SPD: "Das Resultat der Verhandlungen ist mehr als enttäuschend, war aber so zu erwarten. Das Werk ist strategisch aus der Not einer schwachen SPD geboren, und bringt die Sozialdemokraten in eine vertrackte Lage. Sie stärkt – einmal mehr – Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Die SPD hat in dieser Neuauflage der Grossen Koalition nur zu verlieren: Thematisch, denn die CDU hat schon längst alle Themen besetzt, welche die SPD zu bearbeiten versucht. Der Koalitionsvertrag liest sich wie ein sozialdemokratisches Manifest, was aber nicht daran liegt, dass sich die SPD hier «durchgesetzt» hat, wie einige behaupten. Im Grunde spiegelt er die Merkelsche CDU, die in den Bundestagswahlen mit schwammigen Sozialbekenntnissen fast die absolute Mehrheit geholt hat." Mehr dazu hier. Vielleicht erkennt die SPD-Basis im letzten Moment diese fatale Entwicklung und verweigert diesem Machwerk ihre Zustimmung. Neuwahlen müssen her: Angela Merkel und die CDU/CSU sollen endlich für ihre verfehlte Politik alleine die Verantwortung übernehmen dürfen.


"Bankenaufsicht wird ein sehr mächtiges Instrument"
(wirtschaftsblatt.at) Die neue Aufseherin über die größten Banken der Eurozone stellt die Geldhäuser auf einen strengen Gesundheits-Check im Frühjahr ein. "Wir müssen den Finanzmärkten harte und transparente Überprüfungen liefern", sagte Daniele Nouy am Mittwoch vor dem Wirtschafts- und Währungsausschusses des Europäischen Parlaments in Brüssel. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Starke Worte, NICHTS dahinter. Eine einzige große Show - veranstaltet zur öffentlichen Beruhigung. Das ist unsere Überzeugung. Die Antwort von Madame Nouy auf die Kritik in den deutschen (Massen-)Medien. Erinnert uns außerdem ein wenig an das "Pfeifen im Walde". Zum Schutz vor dem Raubtier Finanzindustrie. 

Zu unserer Einschätzung passt die Meldung des österreichischen STANDARD: "EU-Insider: Finanzsteuer in weiter Ferne". Dort heisst es dazu:  "Glaubt man hochrangigen Insidern der EU, so ist die Transaktionssteuer wohl gestorben - vor allem wenn diese ins EU-Budget fließen soll, nicht "nur" in die jeweiligen nationalen Budgets. Für 2014 wird gar nicht mehr damit gerechnet, dass die Steuer ins EU-Budget eingerechnet werden könnte. "Die Lage ist nicht vielversprechend", so ein hochrangiger EU-Insider." Mehr dazu hier


EZB sieht Beruhigung im Finanzsektor
(fuw.ch) Die Stabilität des Finanzsystems ist laut der EZB so hoch wie vor der Finanzkrise. Trotz aller Fortschritte bleibe die Neuausrichtung der Währungsunion aber nach wie vor Stückwerk. Mehr...

Kommentar: Wie groß muss die Hilflosigkeit sein, wenn diese Herrschaften mit so viel Schwachsinn in die Öffentlichkeit gehen?


Europas Anti-Europäer
(project-syndicate.org) Im Jahr 2005 lehnten zwei Gründungsmitglieder der Europäischen Union, Frankreich und die Niederlande, den vorgeschlagenen Verfassungsvertrag der EU durch Volksentscheid ab. Zwei rechtsextreme Parteien aus diesen beiden Ländern – die französische Nationale Front und die niederländische Freiheitspartei – haben nun im Vorfeld der Wahlen zum Europäischen Parlament im Mai 2014 ein Bündnis geschlossen. Sie hoffen, gleichgesinnte Parteien anderer EU-Ländern an sich zu ziehen und eine gemeinsame Fraktion im EU-Parlament zu bilden, die stark genug ist, um dem "Monster namens Europa", wie der Vorsitzende der Freiheitspartei Geert Wilders die EU nennt, den Garaus zu machen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Was der Franzose Dominique Moisi in diesem Beitrag beschreibt, führt Europa zurück in die Kleinstaatlichkeit und politische Verhältnisse, an die Deutschland schlechte Erinnerungen hat. Verantwortlich dafür sind krisenschwache europäische Regierungen, Berlin inklusive, die Technokraten der Troika und in Deutschland die Elfenbeintürmler der Bundesbank. Warum die wirtschaftliche Stärke Deutschlands hierzulande diese Entwicklung eindämmt, wie Moisi es meint, können wir nicht nachvollziehen. Undifferenzierte Beiträge wie den von DEUTSCHE-WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN "Regierung schleift Bastionen: Deutscher Steuerzahler muss Banken retten" (hier) sorgen für rechten Brennstoff.


Mittwoch, 27. November 2013

Standpunkt 819 - Nachrichten-Ticker, 26.11.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Deutschland: "Sozialreport" 2013 (4 Beiträge) – "Working Poor" in Deutschland – Suppenküchenstaat Deutschland – Spanien   Portugal (2 Beiträge)  Griechenland ohne Sparwillen?  Schottland-Separation (3 Beiträge)  Nouriel Roubini: EZB und QE  Fed-Stimulus  China bringt die Welt Not 


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten schon längere Zeit an einem Upgrade. Unmittelbar nach der Bundestagswahl haben wir unseren Arbeitseinsatz erhöht, um unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen zu können. Die lahmen Verhandlungen zur Bildung der Großen Koalition haben uns einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Das Upgrade ist nach unserer Ansicht nur dann vollständig, wenn wir auch die Pläne der neuen schwarz-roten Bundesregierung berücksichtigen. Sicherlich werden die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich gemacht, trotzdem wird es eine Menge Indizien dafür geben, wo die politische Reise in der kommenden Berliner Regierungszeit in Deutschland und Europa hingeht. Außerdem beschäftigen wir uns, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, mit den Vorschlägen von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Reiches Deutschland, armes Deutschland
(sueddeutsche.de) So viele Erwerbstätige wie nie, aber auch ein höheres Armutsrisiko als in den vergangenen Jahren: Zu diesem beunruhigenden Ergebnis kommt der Datenreport 2013. Die Armut wirkt sich auch auf die Gesundheit der Menschen aus. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Der Datenreport 2013 (hier) des Statistischen Bundesamtes, Destatis, hat in diesen Tagen das Licht der Welt erblickt. Dieser Beitrag liefert einen ersten Überblick. Destatis meldet dazu "Mehr Jobs, aber auch mehr Armut". Weiter heißt es:  "Deutschland erlebt seit Jahren einen Beschäftigungsboom, nie zuvor gab es so viele Erwerbstätige. Trotzdem sind heute mehr Menschen von Armut bedroht und mehr Menschen dauerhaft arm. Frauen trifft Armut häufiger als Männer. Deutlich gestiegen ist das Armutsrisiko der 55- bis 64-Jährigen. Unter den jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) gilt jeder fünfte als armutsgefährdet." Mehr dazu hier. Die ZEIT schreibt dazu:  "Mehr Jobs, mehr Armut". Und schreibt im Vorspann: "Wem hilft der Jobboom? Der Datenreport des Statistischen Bundesamtes zeigt: Das Armutsrisiko für Ältere ist gestiegen, Geringverdiener sterben früher." Mehr dazu hier. Noch ein erstaunliches Ergebnis aus dem Report: "Arbeitsmarkt: Der Irrtum mit den Arbeitsstunden" titelt ebenfalls die ZEIT und schreibt einleitend: "Von wegen Arbeitsmarktwunder: In Wahrheit werde heute gar nicht mehr gearbeitet, behauptet ein Report. Stimmt das? Nein, und es verdeckt die Sicht auf das wahre Problem." Mehr dazu hier. Am Ende des Beitrags wird das "wahre Problem" so beschrieben: "Entscheidend ist aber ohnehin weniger die Summe der Stunden als ihre Verteilung: Ist der Wohlstandszuwachs – also das Mehr an Gütern und Freizeit – fair verteilt? Hat jeder die Chance, wenigstens annähernd selbst mit darüber zu bestimmen, ob er seine Arbeitszeit verringert oder erhöht? Ganz sicher ist das nicht so. Auch darüber gibt der Datenreport 2013 Auskunft. Ein zuletzt sogar gestiegener Anteil der Bevölkerung verfügt über deutlich weniger Einkommen als der Durchschnitt und gilt deshalb als armutsgefährdet. Obwohl wir in jüngster Zeit mehr arbeiten und auch die Summe aller Löhne zuletzt stark gestiegen ist (seit 2008 um 21 Prozent laut Statistischem Bundesamt), gibt es Verlierer, die an diesem Wohlstandszuwachs zu wenig teilhaben. Das ist die Kehrseite des Jobwunders. Es geht also darum, Wohlstand und Arbeit besser zu verteilen – und nicht um mehr Arbeit um jeden Preis."

Deutschland ist reich, Deutschland hält sich für erfolgreich. Da sind diese beschämenden Ergebnisse des "Sozialreports" 2013 den Menschen kaum vermittelbar. 


"Working Poor": Jeder zehnte Hauptverdiener von Armut bedroht, im Gastgewerbe sogar jeder dritte
(boeckler.de) Erwerbstätige tragen generell ein geringeres Armutsrisiko als Nichterwerbstätige oder Arbeitslose. In den vergangen Jahren ist in Deutschland jedoch auch die Quote der "Working Poor" deutlich gewachsen. Atypisch Beschäftigte wie Leiharbeiter tragen ein besonders hohes Armutsrisiko, allerdings stehen sie damit keineswegs allein. Von Arbeitsarmut sind auch Beschäftigte in so genannten Normalarbeitsverhältnissen betroffen - je nach Branche sogar ein erheblicher Anteil. Das ergibt eine aktuelle Analyse von Dr. Eric Seils, Sozialforscher am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.
Die von manchen Ökonomen aufgestellte These, niedrige Löhne seien kein Problem, weil sie überwiegend auf "Zuverdiener" entfallen, die ohnehin nur einen kleineren Beitrag zum Haushaltseinkommen leisteten, trifft nicht zu, zeigt Seils. Auf der Basis des Mikrozensus ergebe sich vielmehr, dass 2012 fast jeder zehnte Hauptverdiener (9,5 Prozent) von Armut bedroht war. Das heißt, diesen Beschäftigten und ihren Familien stehen weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens zur Verfügung - die gängige wissenschaftliche Schwelle der "Armutsgefährdung". "Die Zahlen legen nahe, dass Arbeitsarmut auch unter Familienernährern und ihren Familien ein Problem ist", sagt der Forscher.
Seils´ Untersuchung, die im aktuellen WSI-Verteilungsbericht erschienen ist, zeigt auch: Wie groß das Armutsrisiko von Haushalts-Hauptverdienern ist, hängt meist stark vom Lohnniveau der Branche ab, in der sie arbeiten. Der Forscher bietet dazu einen Überblick über mehr als 30 Wirtschaftszweige.
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Kommentar: Diese Untersuchung (hier) ergänzt trefflich den oben vorgestellten "Sozialreport" 2013. Und stützt die Forderung nach einem Mindestlohn: "'Angesichts dieser Situation ist ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Man sollte ihn aber in dem Bewusstsein gehen, dass er allein nicht das Problem der Arbeitsarmut lösen wird', sagt WSI-Experte Seils. Notwendig seien darüber hinaus Reallohnsteigerungen im unteren Lohnsegment, die die Lohnungleichheit in der unteren Hälfte der Verteilung mindern. Dazu kann nach Analyse des WSI eine Stärkung des Systems der Flächentarifverträge einen weiteren wichtigen Beitrag liefern." Der Mindestlohn soll, wenn überhaupt, erst 2015 kommen.


Der Suppenküchenstaat wächst
(taz.de) Der Armutsforscher Christoph Butterwegge erzählt von der Umwandlung des Sozialstaats. Er malt ein beunruhigendes Bild unserer gespaltenen Gesellschaft. Mehr...

Kommentar: Das Erbe der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder: Der finale Abbau des Sozialstaates, einem vorbildlichen und wichtigen Teil der sozialen Marktwirtschaft deutscher Prägung nach dem 2. Weltkrieg. Eine Pflichtlektüre, die reichlich Gedankenfutter bietet. Für alle, die der täglichen Propagandaoffensive zutiefst misstrauen.


Teurer Strom: Spanier zittern vor kaltem Winter
(derstandard.at) Andalusiens linke Regierung will für Ärmste Energie und Wasser kostenlos liefern. Während die Strompreise steigen, sinken die Einkommen der Spanier. Mehr...

Kommentar: Es ist verwunderlich, wie lange die Spanier dem Treiben der Regierung Rajoy zuschauen und immer noch friedlich gegen ihre Spardiktate demonstrieren. Offensichtlich ist es ein leidensfähiges Volk.


Portugal: Der Schmerz, der nie aufhört
(derstandard.at) Die Portugiesen müssen erneut 3,9 Milliarden Euro einsparen. Die Hauptlast tragen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes. Deren Wochenarbeitszeit wird erhöht. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Eine anschauliche Überschrift. Und noch ein Volk, das bisher sein Schicksal mehr oder weniger klaglos erträgt und seinen Unmut lediglich in friedlichen Demonstrationen äußert. Erstaunlich wenn  man bedenkt, was Österreichs DIE PRESSE so zusammenfasst: "Portugal verabschiedet strengstes Sparpaket seit fast 40 Jahren". Besonders hart von  diesen Maßnahmen betroffen sind auch "die Pensionisten, die Kürzungen von bis zu zehn Prozent in Kauf nehmen müssen", wie die Zeitung hier berichtet. Die Regierungen der südeuropäischen Krisenstaaten schaffen auf diese Weise ein riesiges Pulverfass, dessen Lunte längst brennt. Wir halten massive Unruhen für unausweichlich.


Schuldenkrise : Keine Lust mehr auf Sparen
(presseurop.eu) Seit dem Ausbruch der Finanzkrise hat sich Athen, wenn auch widerwillig, an die von der Troika empfohlenen Sparmaßnahmen gehalten. Wegen der unerbittlich schrumpfenden parlamentarischen Mehrheit und des Grundbilanzüberschusses überdenkt die griechischen Regierung ihre Bereitschaft, sich dem Diktat der Retter zu beugen. Mehr...

Kommentar: Ein Beitrag der FINANCIAL TIMES, der sich mit den Folgen einer "Befehlsverweigerung" gegenüber den Spardiktaten der europäischen Solidargemeinschaft beschäftigt. Der vom deutschen "BILD"-ungsbürgertum und seinen Vertretern immer wieder gerne geforderte "Grexit" wird dabei mit keinem Wort erwähnt. 


Quelle: presseurop.eu


Schotten arbeiten an einer Zukunft ohne Briten
(faz.net)  Eine Abspaltung Schottlands wäre für die Briten schlimmer als ein EU-Austritt, warnen Ökonomen. Was passiert, wenn das Vereinigte Königreich nach mehr als drei Jahrhunderten zerbricht? Mehr...

Kommentar/Ergänzung: 2014 ist es soweit: Im kommenden September stimmen die Schotten über ihre Trennung von Großbritannien ab. Je nach Standpunkt reklamieren Befürworter und Gegner eine Mehrheit für sich. In den deutschprachigen Leitmedien findet das Thema bisher nur wenig Beachtung. Allenfalls wird es nicht besonders Ernst genommen. Der FOCUS titelt aktuell "Dieser Mann will Schottland in die Unabhängigkeit führen" und stellt Schottlands Ministerpräsidenten Alex Salmond und sein rund 670 Seiten starkes Konzept zur Unabhängigkeit seines Landes vor (hier). In diesem Beitrag ist nachzulesen, was wir in diesem Zusammenhang bereits festgestellt haben: "Milliardeneinnahmen aus der Ölindustrie würden wegfallen". Noch besser bringt es der F.A.Z.-Beitrag auf den Punkt: "Das Öl ist eines der Hauptargumente Salmonds: Großbritannien ist hinter Norwegen der zweitgrößte Ölförderer in Europa und 90 Prozent des schwarzen Goldes wird vor Schottlands Küsten gefördert. Aber von den Steuereinnahmen aus dem Ölschatz von zuletzt rund 11 Milliarden Pfund im Jahr erhalten die Schotten bisher nur einen Anteil von gut 8 Prozent, entsprechend ihres Bevölkerungsanteils. Das Öl werde nach der Abspaltung Schottland allein gehören und nicht mehr Großbritannien, bekräftigte Salmond am Dienstag (...)."  DIE WELT geht in ihrem Beitrag "Bye-bye Britain – 670 Seiten für die Unabhängigkeit" sehr leichtfüßig mit dem Thema um, zieht die Bestrebungen ins Lächerliche, was bereits im Vorspann anklingt: "Mit großem Getöse verkünden die Edinburgher Nationalisten schon den Tag der Unabhängigkeit. Schottlands Premier präsentiert ein Weißbuch über die Vorzüge der Loslösung von Großbritannien.." Mehr dazu hier. Hauptsächlich kommen die Gegner mit ihren Argumenten zu Wort. Bis September wird die Auseinandersetzung sicherlich noch an Härte zunehmen. Wetten, dass sich Brüssel und Berlin zu gegebener Zeit auf die Seite Londons schlagen werden? 


Nouriel Roubini: "Die EZB wird nächstes Jahr ein QE starten"
(fuw.ch) Der US-Ökonom Nouriel Roubini geht davon aus, dass die Europäische Zentralbank ein Quantitative-Easing-Programm starten wird. Die Bundesbank werde sich gegen EZB-Präsident Draghi nicht durchsetzen. Mehr...

Kommentar: Ein aufschlussreiches Interview. Bietet einiges an Hintergrundinformationen zu den drängenden Problemen der kommenden Monate. Gutes Gedankenfutter.


Stimulusprogramm für US-Aktien
(fuw.ch) Die Analysten von Barclays vergleichen die Performance des S&P 500 (hellblaue Kurve) mit einem Portfolio bestehend aus globalen Risikowerten (z.B. Rohstoffen, Schwellenländeraktien; dunkelblaue Kurve) über den Zeitraum der insgesamt drei Stimulusprogramme (Quantitative Easing, QE), die die US-Notenbank seit Anfang 2009 beschlossen hat.
Der Chart zeigt, dass der amerikanische Leitindex sowie das globale Portfolio stark von QE1 und QE2 profitiert haben. Das jüngste Anleihenkaufprogramm verleiht dagegen hauptsächlich US-Aktien Schwung, während globale Risikowerte kaum reagieren. Mehr...


Kommentar: Das kommt heraus, wenn sich das Fed um neue Jobs kümmert... wie der folgende Chart aus dem Beitrag zeigt: 




Consumer Confidence Misses (Again), Tumbles To Lowest In 7 Months
(zerohedge.com) No matter what measure of confidence, sentiment, or animal spirits one uses, the consumer is not encouraged by the record-er and record-er highs in the US equity market. The Conference Board's consumer confidence data missed for the 2nd month in a row - its biggest miss in 8 months - as it seems in October consumers were un-confident due to the government shutdown... but in November they are un-confident-er due to its reopening. As we have noted in the past a 10 point drop in confidence has historically led to a 2x multiple compression in stocks (which suggests the Fed will need to un-Taper some more to keep the dream alive). Ironically, more respondents believe stocks will rise of stay the same over the next 12 months even as the 'expectations' sub-index collapsed to its lowest in 8 months. Read more...

Kommentar: Noch ein Ausfall - trotz der Maßnahmen des Fed. Von den zahlreichen Charts zeigen wir einen:



Es ist noch ein sehr, sehr weiter Weg zu Amerikas Erholung. Bernanke und Obama werden dafür nicht mehr verantwortlich sein. 


Chinas Wirtschaftsdaten: Alles erstunken und erlogen?
(finanzen100.de)  Chinas Bruttoinlandsprodukt stieg zuletzt wieder um 7,8 Prozent. Damit setzt das Land sein rasantes Wachstum fort. Die Frage ist nur: Kann man den chinesischen Behörden noch trauen? Mehr...

Kommentar: Bei uns mit Hilfe von ZERO HEDGE schon lange thematisiert, gewinnt die Wahrhaftigkeit chinesischer Wirtschaftsdaten jetzt auch hierzulande ein klein wenig an Bedeutung. Anlass sind die angekündigten Reformen bei den Statistiken. Wir bleiben skeptisch.


Chart Of The Day: How In Five Short Years, China Humiliated The World's Central Banks
(zerohedge.com) The short story: In order to offset the lack of loan creation by commercial banks, the "Big 4" central banks - Fed, ECB, BOJ and BOE - have had no choice but the open the liquidity spigots to the max. This has resulted in a total developed world "Big 4" central bank balance of just under $10 trillion, of which the bulk of asset additions has taken place since the Lehman collapse. How does this compare to what China has done? As can be seen on the chart below, in just the past 5 years alone, Chinese bank assets (and by implication liabilities) have grown by an astounding $15 trillion, bringing the total to over $24 trillion, as we showed yesterday [10] . In other words, China has expanded its financial balance sheet by 50% more than the assets of all global central banks combined! And that is how - in a global centrally-planned regime which is where everyone now is, DM or EM - your flood your economy with liquidity. Perhaps the Fed, ECB or BOJ should hire some PBOC consultants to show them how it's really done. Read more...

Kommentar: Statt dessen die Grafik aus dem Beitrag. Da bleibt uns der Mund offen - vor Entsetzen: