Samstag, 9. November 2013

Standpunkt 801 _Nachrichten-Ticker, 08.11.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: "IWF-Steuer": Raub oder Enteignung? – Das Leid der Sparer – Euro anerkannt  Banken-Kosmetik – Staatsanleihen und die EZB US-Verbrauchervertrauen 


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten schon längere Zeit an einem Upgrade. Unmittelbar nach der Bundestagswahl haben wir unseren Arbeitseinsatz erhöht, um unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen zu können. Die lahmen Verhandlungen zur Bildung der Großen Koalition haben uns einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Das Upgrade ist nach unserer Ansicht nur dann vollständig, wenn wir auch die Pläne der neuen schwarz-roten Bundesregierung berücksichtigen. Sicherlich werden die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich gemacht, trotzdem wird es eine Menge Indizien dafür geben, wo die politische Reise in der kommenden Berliner Regierungszeit in Deutschland und Europa hingeht. Außerdem beschäftigen wir uns, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Sparer-Zwangsabgabe ist Raub
(handelsblatt.com) Der Vorschlag des IWF für eine zehnprozentige Zwangsabgabe auf Privatvermögen zieht Kreise. Führende SPD-Politiker übernehmen die Idee. Dabei handelt es sich bei diesem Vorschlag um glatten Diebstahl. Mehr...

Kommentar: In diesem Tagen häufen sich die Angriffe der Leitmedien auf die Intelligenz aufmerksamer LeserInnen. So wie dieser Beitrag. Zum Beweis dieser Aussage genügt ein Blick in die deutsche Verfassung, das Grundgesetz. Dort heißt es unmissverständlich Artikel 14 Abs. 3: "Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen." Dieser Passus hat historische Gründe, den Deutschen wurde in der Vergangenheit von ihren Regierungen schon mehrfach das Fell über die Ohren gezogen. Wir sind davon überzeugt, der HANDELSBLATT-Autor kennt diesen Passus und unterschlägt ihn einfach. Das ist dumpfbackig. Der von ihm deklarierte Raub ist etwas ungesetzliches, eine Enteignung - um die geht es bei dem Vorschlag des IWF - ist verfassungsgemäß. Ein kleines Gesetz vorausgesetzt, das zu beschließen eine Große Koalition jederzeit in der Hand hat. 


Wer spart, vernichtet Vermögen
(diepresse.com) Die Vermögensteuer für Arme bleibt uns erhalten. Mehr...

Kommentar: Was dieser Beitrag beschreibt ist nicht wirklich neu. Wir kennen keine Phase seit Ende des 2. WK, in der die Menschen Gelegenheit hatten, durch Sparen einen echten Vermögenszuwachs zu erzielen. Regelmäßig war die Inflation höher als die Zinsen auf die Sparguthaben. Wir möchten dazu wieder einmal den bekannten deutschen Journalisten und Publizisten Johannes Gross zitieren:  "Hinter dem Wort 'Vermögensbildung' steckt der deutsche Aberglaube, es könne einer durch Sparen reich werden."  


57% der Euro-Bürger sagen, der Euro sei wirtschaftlich von Vorteil
(fuw.ch) Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in der Eurozone ist davon überzeugt, dass der Euro eine gute Sache ist und wirtschaftliche Vorteile bringt. Die von der EU-Kommission gestern veröffentlichte jährliche Umfrage zum Stand der Gemeinschaftswährung ergibt 57% Zustimmung. Im Oktober vor einem Jahr betrug der Anteil 56%, vor zwei Jahren 55%. Die Zustimmungsraten sind also stabil. Mehr...

Kommentar: In Deutschland sind es sogar erstaunliche 65%, wie der folgende Chart aus dem Beitrag zeigt: 




Vielleicht haben die EUROpäer doch intuitiv verstanden, dass nicht die Gemeinschaftswährung Schuld an der Krise in Europa ist ... Das wäre erfreulich. Weil es stimmt. Leider ändert diese Einsicht nichts am Verlauf der Krise. Dafür werden Angela Merkel und ihre Große Koalition sorgen, die in Deutschland eine ähnlich hohe Zustimmung erhält. Irgendwie ein Widerspruch ... 


Spanische Banken haben ihre Kreditbücher geschönt
(wsj.com) Seit Jahren rätseln spanische Bankenanalysten darüber, warum die Säumnisrate bei den Hypotheken des Landes so langsam stieg, selbst als die Arbeitslosigkeit über 26 Prozent lag. Die Antwort fand sich zum Teil in einer Reihe von Bankbilanzen, die in den letzten Tagen veröffentlicht wurde: Spanische Institute schönten ihre Bücher, indem sie große Mengen Kredite an notleidende Hausbesitzer und Unternehmen refinanzierten. Mehr...

Kommentar: Sollten die spanischen Bankanalysten wirklich solche Idioten sein, oder sitzen die eher beim WALL STREET JOURNAL? Die angeblichen Tricks der spanischen Banken sind nicht neu, sondern eine schon seit spätestens 2008 weltweit geübte Praxis der Banken zur Verschleierung ihrer Risiken. Und sogar erlaubt. Das ist Fakt. Weil sicherlich auch beim WSJ keine Idioten arbeiten, halten sie offensichtlich ihre LeserInnen dafür.


Wer hat Angst vor einem Investment in Staatsanleihen ... ?
(format.at) Die spanischen Banken halten fast achtmal so viele Staatsanleihen des Landes wie 2008. Auch Portugals Banken haben aufgestockt. Jetzt sorgt die anstehende Bilanzprüfung der EZB für Ängste, dass die Banken Kapital für diese Investments vorhalten müssen.
Die rekordhohen Bestände von Staatsanleihen in den Portfolios portugiesischer und spanischer Banken dürften zu einer genaueren Untersuchung durch die EZB führen, da diese den Zusammenhang zwischen Staatsfinanzen und Kreditinstituten brechen will. Mehr...


Kommentar: Auf diese Show sind wir gespannt. Der Ankauf der Staatsanleihen der Krisenländer durch die heimischen Banken war Teil der Rettungsaktionen für diese Länder. Hauptsächlich dafür hat die EZB extra Liquidität bereitgestellt, bei der sich die Banken, nicht nur aus den offensichtlichen Krisenländern, üppig bedient haben. Dieses Geld haben sie dann ihren Regierungen mit gewinnträchtig hohen Zinsaufschlägen geliehen. Will die EZB ernsthaft etwas kritisieren, was sie selbst mit ausgedacht hat und wovon der größte Teil der Bestände von den betroffenen Banken bei ihr wieder hinterlegt wurde, um sich zu refinanzieren? Natürlich ist es ihr zuzutrauen, es wäre nicht das erste Mal. Für uns ein köstlicher Gedanke.


Consumer Confidence Collapses To Lowest Since Dec 2011 (Biggest Miss Since 2006)
(zerohedge.com) Whether it is the conference board, Gallup, Bloomberg, or pretty much any other measure of the economic confidence or consumer comfort in the US, the numbers have been falling (or plunging) despite the incessant rise of US equities. The reason this is of particular note, as we have discussed previously, is that this pattern of exuberant highs in stocks with fading confidence-inspiration has ominous overtones for future performance... (especially for those hoping for moar multiple expansion). The UMich data this morning merely confirms the trend with the lowest print since Dec 2011 (3 misses in a row). This is the biggest miss since Feb 2006! Read more...

Kommentar: Offensichtlich ist es in Wahrheit nicht so weit her mit dem in den deutschsprachigen Medien so sehr gelobten Verbrauchervertrauen in den USA. Wir haben schon vor langer Zeit den Braten gerochen und glauben seit mindestens drei Jahren nicht mehr den offiziellen Zahlen. Das würde den Führungsmedien ebenfalls gut zu Gesicht stehen. Der Beitrag zeigt mehrere aussagekräftige Charts, von denen wir einen hierher übernommen haben: 


Als nächstes beschäftigen wir uns mit den neuen US-Arbeitsmarktdaten und dem Unterschied zwischen Traum und Wirklichkeit ...