Donnerstag, 14. November 2013

Standpunkt 806 - Nachrichten-Ticker, 13.11.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Enteignung (2 Beiträge) –  Nachtrag zum deutschen Exportüberschuss (2 Beiträge)  – Island  – Dänemark   Norwegen    Spanien Japan


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten schon längere Zeit an einem Upgrade. Unmittelbar nach der Bundestagswahl haben wir unseren Arbeitseinsatz erhöht, um unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen zu können. Die lahmen Verhandlungen zur Bildung der Großen Koalition haben uns einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Das Upgrade ist nach unserer Ansicht nur dann vollständig, wenn wir auch die Pläne der neuen schwarz-roten Bundesregierung berücksichtigen. Sicherlich werden die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich gemacht, trotzdem wird es eine Menge Indizien dafür geben, wo die politische Reise in der kommenden Berliner Regierungszeit in Deutschland und Europa hingeht. Außerdem beschäftigen wir uns, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Mär von der Enteignung
(sueddeutsche.de) "Enteignung" und "Repression" - mit diesen Schlagworten wird Angst unter Anlegern verbreitet, nachdem die Europäische Zentralbank den Leitzins auf ein Rekordtief gesenkt hat. Doch mit einer Enteignung der Sparer hat der Schritt nichts zu tun. Was die Zinssenkung tatsächlich bedeutet. Mehr...

Kommentar: Ein erfreulicher Beitrag, weil er nicht der Mainstream-Propaganda folgt. Eklatant daneben liegt der Autor allerdings damit, dass er den Eindruck erweckt, die Zinsen auf Spareinlagen würden normalerweise die Inflation ausgleichen. Das ist falsch. Wir erinnern uns an keine Zeit seit Gründung der Bundesrepublik, in der die Zinsen auf Spareinlagen über der Inflationsrate gelegen haben. Wer die historischen Inflationsraten in Deutschland nicht mehr parat hat, dem helfen wir mit dieser Grafik gerne noch einmal auf die Sprünge: 





Für die Sparer war das schon immer ein Verlustgeschäft. Natürlich hat es zu jeder Zeit Alternativen gegeben. Das waren dann aber keine Spareinlagen, sondern eben Anlagen mit deutlich höheren Risiken. Aus heutiger Sicht muss man, irgendwann in den nächsten Jahren den Finanzkollaps vor Augen, zehnjährige Bundesanleihen dazurechnen. Die angeblich so sicheren Bundesanleihen sind dann nämlich nicht mehr viel wert. Sie werden verbrannt im Zusammenhang mit der Deutsche Bank-Rettung.  


Warum uns Angela Merkel die niedrigen Zinsen beschert
(spiegel.de) Deutsche Anleger klagen über die niedrigen Zinsen - sie sollten sich bei der Bundesregierung beschweren, nicht bei der Europäischen Zentralbank. Die Enteignung der Sparer ist eine direkte Folge von Angela Merkels Politik in der Euro-Krise. Kolumne von Wolfgang Münchau. Mehr...

Kommentar: Lesen lohnt sich. Münchau liefert eine schlüssige Analyse. Da gibt es nichts zu meckern. Leider wird sie von mindestens 66% der Deutschen ignoriert. Das ist der Anteil, der Angela Merkel eine gute Krisenpolitik bescheinigt. Die Stimmungsführer an den Stammtischen verweigern sich grundsätzlich jeder Meinung jenseits von Hans-Werner Sinn, Uli Dönch, Wolfram Weimer, Hans-Olaf Henkel, Dorothea Siems und den vielen anderen Faktenverdrehern. 


Von der Wachstumslokomotive zum Sündenbock
(manager-magazin.de) Lange Zeit galt Deutschland als Europas Wachstumslokomotive. Jetzt steht die Exportnation für ihr Wirtschaftsmodell international am Pranger. Erstmals könnte die EU-Kommission ein Prüfverfahren einleiten. Was ist plötzlich falsch an "Made in Germany"? Mehr...

Kommentar: Der Beitrag gibt einen Überblick der unterschiedlichen Positionen im Streit um die deutschen Exportüberschüsse. Nützlich, um in absehbarer Zeit diese Positionen noch einmal mit der Wirklichkeit zu vergleichen. Schön zu sehen, wer näher an den Ereignissen dran gewesen ist. Der Autor hat sich eine eigene Meinung verkniffen. 


So kann Deutschland sein Luxus-Problem lösen
(spiegel.de) Die EU-Kommission sieht Deutschlands Exportüberschuss als Problem. Entweder müssen die Einfuhren steigen oder die Ausfuhren sinken. Doch lässt sich das in einer Marktwirtschaft verordnen? Drei mögliche Lösungen im Check. Mehr...

Kommentar: Sicherlich drei gut gemeinte Ansätze. Wir vermissen einen wichtigen vierten: Die Auflösung des 128 Milliarden Euro schweren Investitionsstaus der Öffentlichen Hand (vgl. Grafik). Es gibt Schätzungen, die gehen sogar von einem sehr viel größeren Volumen aus, aber die gesicherten 128 Milliarden wären schon ein guter Anfang. 





"Kein Banker, der bei Verstand ist, wird Geld nach Island schicken"
(format.at) Islands Unternehmenschefs wettern gegen die Entscheidung der Regierung, Europa den Rücken zu kehren. Ihrer Einschätzung nach schadet diese Haltung dem Handel - denn am Ende bleibe dem Land nur eine Währung, die niemand haben will: die Krone.
Ein Beitritt zur Europäischen Union (EU) und die anschließende Einführung der Gemeinschaftswährung sei von entscheidender Bedeutung, wenn Island ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum erreichen wolle, sagt Jon Sigurdsson, Chef des größten börsengehandelten Unternehmens des Landes. Denn die seit 2008 eingeleiteten Krisenmaßnahmen gingen langsam nach hinten los. Mehr...


Kommentar: Es gibt Neuigkeiten von der Insel, auf der angeblich schon seit geraumer Zeit wieder Milch und Honig fließen. Während im Rest Europas weiter die Lichter ausgehen. Island, längst hoch gelobt für seine Maßnahmen zur Bewältigung der Staatspleite, steckt  in Schwierigkeiten. Die alte Volksweisheit "Ohne Moos nichts los" scheint sich erneut zu bewahrheiten. Die bestehenden Kapitalverkehrskontrollen binden Milliarden auf der Insel, sonst wäre die Situation noch viel schlimmer. Es ist absehbar: Island braucht dringend Europa und die Eurozone. Für den Kontinent hat die Insel keinen Wert, auf jeden Fall keinen wirtschaftlichen. Vielleicht wird sie strategisch wichtig, als Vorposten Europas im Nordmeer. Zur Sicherung der zukünftig neu entdeckten Rohstoffquellen.


Denmark Fights For Its Credit Bubble
(acting-man.com) We have previously discussed Denmark's unique mortgage credit bubble (...). In brief: household debt in Denmark is at 310% of GDP, a world record. A large part of this consists of mortgage debt. Per capita and relative to GDP, Denmark boasts the largest mortgage credit market in the world. Read more...

Kommentar: Wir haben es nicht vergessen: Dänemark ist einer von Hans-Olaf Henkels Favoriten für den "Nord-Euro". Der hiesige Statthalter der Bank of America ist eben auch nur ein Ignorant und Faktenverdreher. Was in Dänemark passiert, ist schon lange absehbar und von uns immer wieder thematisiert worden (nur ein Beispiel: "Warnung: Finger weg von Dänemark!", hier).


Die Immobilien-Blase in Norwegen platzt
(format.at) Immobilien-Experte Robert J. Shiller hat bereits 2012 erklärt, dass Norwegens Markt für Wohnimmobilien eine Blase gebildet habe. Aus dieser Blase entweicht die Luft nun offenbar schneller, als sich die Zentralbank des Landes dies vorgestellt hatte.
Trine Dahl vom norwegischen Immobilienmakler DNB Eiendom hat über das vergangene Jahr hinweg einen Rückgang potenzieller Käufer bei Besichtigungen von 50 Prozent beobachtet. Inzwischen müsse sie rund 15 Anrufe machen, um eine Wohnung in Oslo loszuwerden. Vor einem Jahr hingegen seien Verkäufe noch so einfach gewesen, wie an einer Ladenkasse zu sitzen. Mehr...


Kommentar: Krisentechnisch hat Norwegen bisher keine Rolle gespielt. Selbst wir haben Norwegen nicht in akuter Gefahr gesehen. Verwundert hat uns damals nur die Teilnahme der größten norwegischen Bank an der LTRO-Aktion der EZB Anfang 2012. 800 Banken haben sich bedient, die No. 1 Norwegens lag dem Volumen nach an 30. Stelle (hier). Offensichtlich aus gutem Grund. 


Spanien verlässt die Intensivstation
(handelsblatt.com) Als erstes Land steigt Spanien aus dem Hilfsprogramm der Euro-Länder aus und finanziert sich künftig wieder vollständig am Markt. Auf der iberischen Halbinsel scheint die Trendwende geschafft zu sein. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Nichts davon ist wahr. Eine unglaubliche Propaganda-Show, die da gerade abgezogen wird. Wieder ein Angriff auf die Intelligenz. Sehr massiv sogar. Bitte dazu die folgenden Beiträge lesen: "What Spanish Recovery?" (hier), "What Has Changed In Spain?" (hier) und "Spanische Banken haben ihre Kreditbücher geschönt" (hier). Einen Zustandsbericht des Landes liefert auch der Beitrag "In Spanien werden nun auch Tote zwangsgeräumt" (hier). Das reicht, um sich ein Bild zu machen. Einen weiteren Kommentar verbieten wir uns, sehr wahrscheinlich würden wir uns im Ton vergreifen. Wer von Europas Lügen noch nicht genug hat, der findet in unserem Beitrag "Europas Lügen haben kurzer Beine!" (hier) reichlich Anschauungsmaterial.


Die Rückkehr Japans
(project-syndicate.org) „Japan ist zurück“, erklärte Premierminister Shinzo Abe in diesem Jahr während eines Besuchs in Washington, DC. Aber auch wenn Japan nach zwei Jahrzehnten wirtschaftlicher Stagnation wieder auf Kurs ist, gibt es doch noch viel zu tun, um die langfristige Zukunft des Landes zu sichern.
Im Juli gewann Abes Liberaldemokratische Partei (LDP) die Kontrolle über beide parlamentarischen Häuser – ein bedeutender Wahlsieg, der zum stärksten politischen Mandat in Japan seit vielen Jahren führte. Dies hat zur Folge, dass Abe wahrscheinlich länger im Amt bleibt als seine ineffektiven Vorgänger, die meist nicht mehr als ein Jahr durchgehalten haben.
In der Zwischenzeit scheint sich die japanische Wirtschaft nach Jahrzehnten der Schwäche wieder zu erholen. Die auf das Jahr hochgerechnete aktuelle Wachstumsrate liegt bei über 3%. Darüber hinaus hat Japan es nach dem dreifachen Schock des Erdbebens, des Tsunamis und der Nuklearkatastrophe 2011 geschafft, den Anteil von 25% an der Energieversorgung, den die ausgeschalteten Reaktoren der Anlage von Fukushima Daiichi einst beitrugen, zu ersetzen (wenn auch zu hohen Kosten). Auch die Ankündigung, dass die Olympischen Spiele 2020 in Tokio stattfinden werden, hat das Selbstvertrauen der Öffentlichkeit gestärkt.
Skeptiker befürchten, der wirtschaftliche Fortschritt könnte nicht von Dauer sein, und meinen, die hohe Wachstumsrate sei lediglich eine Folge von lockerer Geldpolitik und Haushaltsstimuli – einer Strategie, die durch die Inflation wieder zunichte gemacht werde. Die Unterstützer Abes setzen dem entgegen, dass der dritte "Pfeil" der "Abenomics" – produktivitätssteigernde Strukturreformen – gerade erst aus dem Köcher geholt wurde. Sie weisen auf Abes Fähigkeit hin, den Widerstand der kleinen Reisbauern, eines Teils der Wählerbasis der LDP, gegen Japans Teilnahme an der Transpazifischen Partnerschaft, die Japans Wirtschaft verstärktem globalem Wettbewerb aussetzen würde, zu überwinden.
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Kommentar: Auch andernorts läuft die Propaganda-Maschinerie offensichtlich auf vollen Touren. In diesem Beitrag ist es Joseph S. Nye, der für den Erfolg der "Abenomics" in die Bresche springt. Wir lassen ihm das Vergnügen und die Zuversicht, überzeugen können uns seine Argumente nicht. Vielleicht aber unsere LeserInnen...