Montag, 18. November 2013

Standpunkt 810 - Nachrichten-Ticker, 17.11.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Investitionsmangel in Deutschland (2 Beiträge) –  Fed-Show  – "Übermut kommt vor dem Fall" Dollar in Gefahr?   Krisenlösung durch eine neue Wirtschaftstheorie?


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten schon längere Zeit an einem Upgrade. Unmittelbar nach der Bundestagswahl haben wir unseren Arbeitseinsatz erhöht, um unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen zu können. Die lahmen Verhandlungen zur Bildung der Großen Koalition haben uns einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Das Upgrade ist nach unserer Ansicht nur dann vollständig, wenn wir auch die Pläne der neuen schwarz-roten Bundesregierung berücksichtigen. Sicherlich werden die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich gemacht, trotzdem wird es eine Menge Indizien dafür geben, wo die politische Reise in der kommenden Berliner Regierungszeit in Deutschland und Europa hingeht. Außerdem beschäftigen wir uns, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Investitionsmangel - Der Schwachpunkt der deutschen Wirtschaft
(welt.de) Die deutsche Wirtschaft und die Politik sind empört: Der Musterknabe in Europa wird an den Pranger gestellt? Doch die Kritiker des hohen Exportüberschusses haben starke Argumente auf ihrer Seite. Mehr...

Kommentar: Eine überraschende Analyse aus dem Hause Springer, wo sonst regelmäßig der Bundesregierung und ihrer altbackenen, neoliberalen Wirtschaftspolitik auf vielfältige Weise, vor allen Dingen propagandistisch, gedient wird. Beste Beispiele sind die regelmäßigen Ausfälle von Dr. Dorothea Siems, der "Maggie Thatcher des deutschen Journalismus" (hier). Wohl so eine Art Feigenblatt-Beitrag. Besser noch als der Text, weil augenfälliger, sind die Grafiken des Beitrags: 








Blödsinnige Schuldenbremse bremst Investitionen - "Enteignung durch Zinstief Unsinn"
(derstandard.at) Dass Länder wie Deutschland nicht mehr investieren, hält Peter Bofinger für fatal; dass die EZB mit Tiefstzinsen die Sparer enteigne, für Unsinn. Mehr...

Kommentar: Auch ein Feigenblatt. Der Einsame im deutschen Sachverständigenrat. Nur Bofinger ist es, der sich immer wieder kritisch mit der falschen Meinung seiner Kollegen auseinandersetzt. Der Einzige dieser fünf Koryphäen, bei dem es sich lohnt genauer hinzusehen. Der Rest sieht seine vornehmliche Aufgabe in der bedingungslosen Unterstützung der Merkel'schen Politik. Was wir Bofinger immer wieder ankreiden, auch zu diesem Beitrag, ist sein naiver Umgang mit den wirklichen Gefahren für die Eurozone, der EU, bzw. ganz Europa: Er verliert nie ein Wort über die Krise der Banken. Schade. 


Forget data and rhetoric, Fed liquidity's the only show in town
(reuters.com)  For all the fevered speculation about when the Federal Reserve will begin scaling back its monetary stimulus, market volatility has been taking a leisurely nap, suggesting investors see no major shocks on the horizon to derail their bets. Low market volatility is a sign markets expect no "taper" any time soon, or that they are steeled for a reduction in the pace of the Fed's bond-buying if it comes. The sting of the taper has been gradually sucked out of markets since the Fed's surprise decision not to start withdrawing stimulus in September. Since then, implied volatility in U.S. Treasuries, stocks and key dollar exchange rates has sunk close to its lowest in months, or in some cases years. This might come as a surprise, given the noise surrounding the latest relatively upbeat U.S. employment and economic growth figures and the keenly awaited congressional testimony from Fed Chair-elect Janet Yellen last Thursday. But the Fed's $85 billion-a-month asset purchase program trumps everything, and as long as the liquidity taps are open, the economic data will only have a real impact on markets if it changes the Fed's thinking. Read more...

Kommentar: Diese Entwicklung sorgt jedenfalls nicht für neue, gut bezahlte Jobs in den USA...


Bank of America Merril Lynch Warns "Don't Get Complacent"
(zerohedge.com) In the near term, BofAML's Macneil Curry warns "we are growing a bit cautious/nervous, as US equity volatility is flashing a warning sign of market complacency that has often preceded a correction or a pause in trend." This 'red flag' is asterisk'd appropriately in the new normal with "to be clear, the balance of evidence is still very much US equity positive, but the near term downside risks have increased." Read more...
Kommentar: Eine Ergänzung zu dem vorangegangenen Beitrag. Dieser Chart sagt mehr als 1000 Worte...



Will The Dollar Lose Its Reserve Currency Status To An SDR Currency?
(zerohedge.com) Since the SDR is just an aggregate of fiat currencies, it cannot really change the fundamentals of the current status quo.

Many observers believe the U.S. dollar (USD) will lose its status as the world's reserve currency sooner rather than later. Proponents of this view often mention China's agreements with various trading partners to settle trade in their own currencies rather than the dollar as evidence of this trend. (...) Some see the replacement of the U.S. dollar by some other currency as a welcome development, not just for the world economy but for the U.S., as the reserve currency has substantial burdens. Regardless of whether such a replacement would be positive or negative, many analysts see no plausible alternative to the USD as the primary reserve currency for a host of reasons. Another camp sees China's purchases of gold as paving the way for China's currency (renminbi a.k.a. yuan) to replace the dollar as the global reserve currency. Those who have studied China's policy makers doubt this is the goal; rather, they see China as most likely pursuing a multi-polar world in which no one nation issues the reserve currency. One set of observers has long held that the ideal replacement for the dollar is a hybrid currency issued by the IMF called SDRs (Special Drawing Rights). The IMF describes the SDR thusly: "The SDR is an international reserve asset, created by the IMF in 1969 to supplement its member countries' official reserves. Its value is based on a basket of four key international currencies, and SDRs can be exchanged for freely usable currencies." The four currencies are the U.S. dollar, the euro, the Japanese yen and the British pound. China is widely seen as working toward floating the renminbi (that is, no longer pegging it to the dollar) so it could be included in the SDR currency. The SDR seems to many to be the ideal replacement of the USD as the reserve currency, especially if China's currency joins the basket of currencies that make up the SDR.
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Kommentar: Der Autor jedenfalls glaubt nicht daran, dass der Dollar in absehbarer Zeit seinen privilegierten Status verliert. Fakt ist aber, dass der IWF mit Hochdruck an der Aufwertung seines Sonderziehungsrechts (SZR) arbeitet, gerne auch mit China. Dessen Stunde könnte schlagen, wenn aus der Finanzkrise ein Finanzkollaps geworden ist. Die haben wir schon im Mai 2011 angekündigt und begründet (hier). Der Euro hätte auch das Zeug zu einer Weltreservewährung, wie die folgende Grafik zeigt. Sein Anteil lag vor der Finanzkrise sogar bei deutlich über 30%. Dazu fehlt den politischen Führern der EU28 jedoch die Durchsetzungskraft. Hinzu kommt, dass die US-Interessen in Europa bestens vertreten werden. Allen voran von Ländern wie Großbritannien, Polen und, welche Überraschung, sogar Deutschland. 




Eine große, vereinheitlichte Wirtschaftstheorie?
(project-syndicate.org) Der "Government Shutdown" in den USA im vergangenen Monat – das Ergebnis einer Konfrontation zwischen den Parteien bei den Haushaltsverhandlungen im Kongress – versinnbildlicht die in modernen wirtschaftspolitischen Debatten vorherrschende Polarisierung.

Auf der einen Seite stehen die Anhänger John Maynard Keynes’, die argumentieren, dass staatliche Interventionen jeder Volkswirtschaft über die Ankurbelung der Gesamtnachfrage und die damit einhergehende Steigerung der Beschäftigungsrate helfen können, eine Krise durch Wachstum zu überwinden. Die Regierung, so die Keynesianer, habe die Fähigkeit – und die moralische Verantwortung –, viele wenn nicht gar alle Wirtschaftsprobleme eines Landes zu lösen.


Auf der anderen Seite stehen die Anhänger der sogenannten Österreichischen Schule und insbesondere der Ideen Friedrich Hayeks, die geltend machen, dass ein schlanker Staat und ein freies Unternehmertum den einzig gangbaren Weg hin zu Freiheit und Wohlstand darstellen. Der Markt sei in der Frage der Zuweisung knapper Ressourcen der beste Schiedsrichter und sollte daher als Haupttriebkraft einer Volkswirtschaft dienen.


In den letzten Jahren hat sich diese anhaltende Debatte zunehmend verschärft – und die Kosten der damit verbundenen Blockade steigen. Um in den entwickelten Volkswirtschaften wieder für Wachstum zu sorgen und zugleich in den Entwicklungsländern ein hohes BIP-Wachstum aufrechtzuerhalten und die Armut zu verringern, bedarf es eines stärker vereinheitlichten Ansatzes bei der wirtschaftspolitischen Entscheidungsfindung, der aus beiden Traditionen schöpft.
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Kommentar: Die Autorin, Dambisa Moyo, Ökonomin aus Sambia, entwickelt in diesem Beitrag eine kluge Idee. Nur, welche Politiker und Ökonomen hierzulande hätten ausreichend Grips, um für deren Umsetzung einzutreten? Verbohrt sind sie alle - halt, bei den Ökonomen fallen uns primär die Deutschen Heiner Flassbeck und Peter Bofinger, oder der Österreicher Stephan Schulmeister ein.