Samstag, 30. November 2013

Standpunkt 822 - Nachrichten-Ticker, 29.11.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Bundesbank warnt vor Kreditblase – Koalition und Europa – Europas Arbeitsmarkt – EZB und die Krise  Niederlande verliert Top-Rating (3 Beiträge) 


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten schon längere Zeit an einem Upgrade. Unmittelbar nach der Bundestagswahl haben wir unseren Arbeitseinsatz erhöht, um unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen zu können. Die lahmen Verhandlungen zur Bildung der Großen Koalition haben uns einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Das Upgrade ist nach unserer Ansicht nur dann vollständig, wenn wir auch die Pläne der neuen schwarz-roten Bundesregierung berücksichtigen. Sicherlich werden die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich gemacht, trotzdem wird es eine Menge Indizien dafür geben, wo die politische Reise in der kommenden Berliner Regierungszeit in Deutschland und Europa hingeht. Außerdem beschäftigen wir uns, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, mit den Vorschlägen von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Bundesbank-Vorstand warnt vor Kreditblase bei deutschen Häuslebauern
(focus.de) Die günstige Immobilienfinanzierung könnte zahlreiche Haushalte in den Ruin treiben. Insbesondere Kreditnehmer mit geringem Einkommen würden von einer möglichen Zinswende bedroht, warnt die Bundesbank. Mitschuld tragen auch die Banken mit ihrer lockeren Kreditvergabe. Mehr...

Kommentar: Nur logisch, diese Warnung. Leider gibt es keine verlässlichen Zahlen aus Deutschland. Deshalb nehmen wir die Angaben der Schweizer Nationalbank (SNB). Die geht davon aus, dass 40% des heimischen Neugeschäfts bei Hypothekendarlehen an Kreditnehmer mit minderwertiger Bonität vergeben worden ist. Kaum vorstellbar, dass deutsche Banken eine andere, gesündere Geschäftspolitik bei Immobilienfinanzierungen betreiben. Selbst 100%-Finanzierungen sind keine Seltenheit:  "'Im Interesse der Finanzstabilität beunruhigt es mich, wenn 100%-Finanzierungen als „Lösung für Jedermann“ dargestellt werden', sagt Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret dem Bayerischen Rundfunk (BR)." Was jetzt wegen der historisch niedrigsten Zinsen noch funktioniert, führt unweigerlich bei einem Zinsanstieg direkt in die "akute Pleitegefahr".


Koalitionsvertrag: "Die Koalition wirft Europas Zukunft weg"
(zeit.de) Angelsächsische Ökonomen finden die deutsche Wirtschaftspolitik schon lange falsch. Und jetzt? Wir haben zwei von ihnen um ihre Meinung zum Koalitionsvertrag gebeten. Mehr...

Kommentar: Vor zwei Tagen haben wir bereits auf einen SPIEGEL-Beitrag zu diesem wichtigen Thema hingewiesen: "Die neue Regierung ignoriert Europas Krise" (hier). Wir bleiben dabei und nehmen zur Koalitionsvereinbarung erst ausführlich Stellung, wenn die SPD-Basis zugestimmt hat. offensichtlich kann die SPD in dieser Koalition nur verlieren. Warum, das erklärt der Beitrag leicht verständlich am Schluss: "Politiker werden sich immer wieder in solche taktischen Manöver hineinbegeben, es ist nun mal der machiavellistische Teil der Politik. Doch es ist auffällig, wie wenig selbst erfahrene Politiker vorausschauen können, welche Konsequenzen ihr Handeln hat. Wenn der Preis solcher taktischer Spiele so hoch ist – und so scheint es diesmal bei der SPD der Fall zu sein – sollte die Politik in Zukunft auf solche Taktikspiele verzichten."


European Unemployment Declines From All Time High, Youth Unemployment Hits Fresh Record - Full Breakdown
(zerohedge.com) Following the "good" news in the inflationary front, in which European November CPI rose and beat expectations if posting the first sub-Japan inflationary rate in Eurozone history, Eurostat followed with more holiday cheer when it reported a surprising decline in the overall Eurozone unemployment rate from 12.2% to 12.1%, the first such drop since late 2010. This was driven by a decline in the jobless rate in France (from 11.1% to 10.9%), Portugal (from 15.8% to 15.7%) Ireland (from 12.7% to 12.6%) and Lithuania (from 11.4% to 11.1%). The offset was as usual Spain which rose to a new record high of 26.7%, and Belgium rising to 9.0%. Read more...

Kommentar: Die Arbeitslosenquote stagniert auf hohem Niveau, wie die folgende Grafik aus dem Beitrag zeigt: 




Die Zahlen der einzelnen Staaten im Überblick: 



Anders die Situation den bis 25-jährigen Arbeitslosen in der Eurozone:



Quelle: zerohedge.com

Trotz Korrekturen in einigen Ländern gibt es bei der Jugendarbeitslosenquote einen neuen Rekord. Beängstigend die Entwicklung in Italien. Die Jugendarbeitslosigkeit ist regelrecht explodiert.  Auf das aktuelle All-Time-High von 41,2% (hier). Diese Entwicklung ist eine Schande für Europa. 


EZB warnt vor Krise: "Gipfel liegt im Nebel"
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Krise in der Eurozone werde noch lange andauern, sagte EZB-Vorstandsmitglied Yves Mersch. Zwar verlasse man das Tal der Krise bereits, doch bis zum Gipfel sei es noch weit. Zeichen für eine Besserung seien noch lange nicht in Sicht. Mehr...

Kommentar: Das kann doch nur heißen, die EZB stochert im Nebel und bleibt ohne Orientierung. Und nicht einig in der Beurteilung der Krise in Europa. Regelmäßig versuchen Teile der EZB-Spitze mit angeblichen Erfolgsmeldungen die Krise klein zu reden. Leider sieht die Wirklichkeit anders aus, wie der Luxemburger Mersch gerade bestätigt. Die Hilflosigkeit der europäischen Zentralbank lassen nur einen Schluss zu: Die Zeichen stehen auf Enteignung.


Niederlande schlittert tiefer in die Krise
(derstandard.at) Die Niederlande kommen aus ihrer Talfahrt nicht heraus. Ökonomen machen die harten Einsparungen und die überschuldeten Haushalte verantwortlich. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Wir haben diese Entwicklung kommen sehen und unsere LeserInnen frühzeitig darauf vorbereitet - auch die aus unserem Nachbarland. Während Experten, wie der selbst ernannte Euro-Retter HOH, noch vom Nord-Euro träumen, zu dem die Niederlande gehören sollen, rutscht das Land schon seit vielen Monaten unaufhaltsam tiefer in die Krise. Ein Ende, sorry liebe Niederländer, ist nicht in Sicht. Die Stärkung der Rechten und ihrer Idee von der Zerschlagung der Eurozone ist aber auch keine Lösung - es gibt kein Zurück aus der Gemeinschaftswährung. Die Genesung führt nur über eine Finanzreform, Programme zur Steigerung der Binnennachfrage, Änderungen am Murcks des Maastricht-Vertrages und eine größere Integration der EU. Der Beitrag vergleicht die Verhältnisse zwischen Österreich und Niederlande mittels der folgenden Grafik:





Optisch zeigen sich leichte Vorteile für den südlichen Nachbarn. Dieser Eindruck täuscht, so ist jedenfalls unsere Einschätzung. Österreichs Achillesferse ist der Bankensektor. Das war in den Niederlanden nicht anders. Dort ist die Entwicklung nur bereits weiter fortgeschritten. 

Die F.A.Z. meldet "Die Blase in den Niederlanden ist geplatzt" und schreibt in der Einleitung:  "Lange galten die Niederlande als Hort der Stabilität. Nun sinkt ihre Bonität. Das Land kämpft mit einer eigenen Immobilienblase. Und es gibt weitere Probleme. FAZ.NET nennt die drei wichtigsten." Mehr dazu hier. Die Folge, von uns ebenfalls schon prognostiziert, beschreibt Österreichs DIE PRESSE gerade in dem Beitrag "Ratings: Klub der besten Schuldner schrumpft" so:  "Die erste Nachricht, die am Freitag von der Ratingagentur Standard & Poor's kam, war keine gute: Die US-Bewertungsgesellschaft entzog den Niederlanden das heiß begehrte Triple A." Mehr dazu hier