Montag, 11. November 2013

Strandpunkt 802 - Nachrichten-Ticker, 09.11.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Populismus in Europa (2 Beiträge) – Stänkerer Hans-Werner Sinn –  US-Arbeitsmarkt (4 Beiträge) 


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten schon längere Zeit an einem Upgrade. Unmittelbar nach der Bundestagswahl haben wir unseren Arbeitseinsatz erhöht, um unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen zu können. Die lahmen Verhandlungen zur Bildung der Großen Koalition haben uns einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Das Upgrade ist nach unserer Ansicht nur dann vollständig, wenn wir auch die Pläne der neuen schwarz-roten Bundesregierung berücksichtigen. Sicherlich werden die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich gemacht, trotzdem wird es eine Menge Indizien dafür geben, wo die politische Reise in der kommenden Berliner Regierungszeit in Deutschland und Europa hingeht. Außerdem beschäftigen wir uns, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Van Rompuy warnt vor Populismus in Europa
(spiegel.de) Der EU-Ratspräsident ruft die Entscheider des Staatenbundes zum Handeln auf. Durch die Euro-Krise hätten Populismus und Nationalismus in den Mitgliedstaaten Auftrieb, mahnt Herman van Rompuy in seiner Berliner Grundsatzrede. Rasche politische Erfolge seien nötig. Mehr...

Kommentar: Der Belgier, einer der höchsten Würdenträger in der EU, fordert dazu "Wachstum muss zurückkommen, Arbeitsplätze müssen geschaffen werden." Ein wunderbarer Ansatz, van Rompuy liefert mit dieser Forderung (ungewollt?) gleich selbst ein Beispiel für den herrschenden Populismus in Europa. Das ist Programm: Auf der politischen Bühne werden von den zahllosen Redenschwingern solche hehren Forderungen hochgehalten, während hinter der Bühne die Krise verschärft und Europa zerstört wird. Statt Sprüche zu klopfen: Schafft endlich eine Finanzreform, zerstört die Banken und nicht die Menschen. Anschließend sollte es auch mit mehr Integration klappen. Unabdingbare Voraussetzung dafür, dass Europa gegenüber den USA und China seinen Platz behauptet. 


Die Populisten sind nicht das Problem
(presseurop.eu) Alle hier und da aufkeimenden Rebellionsbewegungen als populistisch und rückschrittlich zu bezeichnen, verschleiert nur die Wurzeln des Übels: Nicht der Zorn der Bürger bedroht die EU von heute, sondern der Widerwille der Regierungen, ihre nationale Souveränität abzugeben. Mehr...

Kommentar: Der Beitrag stammt aus der römischen Tageszeitung LA REPUBLICCA. Die Autorin, Barbara Spinelli, Mitbegründerin der Zeitung, beschreibt u. a. ihre Vision für Europa: "Ich wünsche mir die Entstehung eines föderalen Europas und die Erhaltung der gemeinsamen Währung. Andernfalls hätten wir statt der EU lauter kleine Staaten ohne Kraft, wenn auch nicht ohne Saft – sie wären keine Freunde, sondern erst recht Vasallen der amerikanischen Macht. Wir wären wieder am Ausgangspunkt angelangt: besiegt aufgrund unserer Nationalismen, wie nach den Kriegen des 20. Jahrhunderts." Leider wird daraus vorläufig nichts. Das derzeitige politische Personal in Europa blockiert alle notwendigen Schritte.


Ifo-Chef Sinn schimpft: EZB "missbraucht" den Euro
(focus.de) Der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, übt scharfe Kritik an der jüngsten Leitzinssenkung der EZB: Die Vergabe von Billig-Krediten sei nicht die Aufgabe der Zentralbank. Sinn fordert einen härteren Kurs. Mehr...

Kommentar: Wir wissen, es ist Majestätsbeleidigung, Hans-Werner Sinn genießt (s)einen ausgezeichneten Ruf, aber für uns gehört Sinn zu denen, die mit großem propagandistischem Aufwand und Populismus die Krise schüren. In Wahrheit ist er selbst es, der den Euro als Krisenverursacher "missbraucht". Sinn kritisiert, Lösungen bietet er keine. Das geht schon seit Jahren so. Offensichtlich eint EZB und Sinn eine ausgeprägte Ratlosigkeit. Bei seiner Kritik nimmt es Sinn mit der Wahrheit leider nicht sehr genau, wie wir schon vor zwei Jahren, anlässlich seiner "Bogenberger Erklärung: 16 Wege aus der Krise - Sorge um Deutschland und Europa" in der F.A.Z. nachgewiesen haben. Alle wichtigen Infos dazu hält unser Beitrag "Die Ökonomen streiten" hier bereit. 

Wieder ist es die F.A.Z., die Sinn die Gelegenheit bietet, in einem Gastbeitrag, seine teilweise hanebüchenen Thesen zu verbreiten. Wir werden uns mit seinem Beitrag "Wen schützt der Rettungsschirm der EZB?" in den nächsten Tagen noch gesondert auseinandersetzen.


US-Arbeitsmarkt trotzt dem Fiskalstreit
(fuw.ch) Die amerikanische Wirtschaft präsentiert sich robuster als erwartet und schafft im Oktober über 200'000 neue Arbeitsplätze. Die Daten verleihen den Spekulationen über das Tapering erneut Auftrieb. Mehr...

Kommentar: Jeden Monat feiern die deutschsprachigen Leitmedien die US-Arbeitsmarktdaten. Die F.A.Z. titelt "Amerikas Firmen schaffen überraschend viele Stellen" und schreibt in der Einleitung: "Die amerikanischen Unternehmen haben im Oktober trotz Verwaltungsstillstands 204.000 neue Stellen geschaffen. Das ist deutlich mehr, als Volkswirte erwartet hatten." Mehr dazu hier. Liest sich toll, hat nur leider mit der Wirklichkeit sehr wenig zu tun. Deshalb ist an Tapering auch kein Gedanke zu verschwenden. Wir haben an anderer Stelle die echten Arbeitsmarkt-Zahlen gefunden: "623,000 Full Time Jobs Lost Last Month" titelt ZERO HEDGE: "So much for the surge in 691,000 full-time jobs in September. One short month later, indicating just what a farce the BLS's sampling process is, while the algo frenzy-inducing establishment survey showed a gain of 204,000 workers, the household survey had some other ideas. True, the headline household survey number rose by an almost identical 213,000 workers, however it is when trying to foot that number into the actual components, when one gets a headache. Because according to the same survey, a whopping 623,000 full-time workers (supposedly government) lost their jobs in October, nearly offsetting the entire 691,000 gain the month before which it turns out was purely for Obamacare (now hopelessly damaged) optics." Read more here. Wir liefern auch gleich die Grafik aus dem Beitrag dazu: 



Es geht bei ZERO HEDGE noch weiter: "Whopping 932,000 Americans Drop Out Of Labor Force In October; Participation Rate Drops To Fresh 35 Year Low". Der Beitrag zeigt zwei Charts, die den schlechten Zustand des US-amerikanischen Arbeitsmarkts eindrucksvoll dokumentieren: "The only two charts that matter from today's distroted nonfarm payrolls report", here. Einen davon zeigen wir gleich hier: 



Der Stand von 1978 ist erreicht. Ein neuer Rekord auch bei den erwerbsfähigen Amerikanern, die dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen - 91,5 Millionen. Damit ist klar: Die angeblich von der US-Notenbank zur Schaffung neuer Jobs bereitgestellte Liquidität bleibt ohne Wirkung. Das zeigt auch eindrucksvoll die aktuelle Grafik von "John Williams' Shadow Government Statistics" (hier): 



John Williams Berechnung ergibt eine US-Arbeitslosenquote auf dem Niveau der Weltwirtschaftskrise nach 1930. 

Es ist schändlich, wie wenig die deutschsprachigen Medien dieser Wirklichkeit in ihrer Berichterstattung Rechnung tragen.