Mittwoch, 4. Dezember 2013

Standpunkt 823 - Nachrichten-Ticker, 03.12.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: In eigener Sache – Konsum-Wahn in Deutschland – Deutsche Milliardenverluste im Ausland (4 Beiträge) – EZB in der Krise  USA vor Rezession Tapering   Finanz-Moses gesucht


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten schon längere Zeit an einem Upgrade. Unmittelbar nach der Bundestagswahl haben wir unseren Arbeitseinsatz erhöht, um unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen zu können. Die lahmen Verhandlungen zur Bildung der Großen Koalition haben uns einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Das Upgrade ist nach unserer Ansicht nur dann vollständig, wenn wir auch die Pläne der neuen schwarz-roten Bundesregierung berücksichtigen. Sicherlich werden die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich gemacht, trotzdem wird es eine Menge Indizien dafür geben, wo die politische Reise in der kommenden Berliner Regierungszeit in Deutschland und Europa hingeht. Außerdem beschäftigen wir uns, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, mit den Vorschlägen von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


In eigener Sache
Wir haben in den vergangenen Tagen unsere Wunden geleckt - nachdem wir für unsere Kommentare zu den Beiträgen von Heiner Flassbeck (hier) und der Bundesbank-Warnung vor einer Kreditblase in Deutschland (hier) heftig kritisiert worden sind. Nein, im Ernst, ganz so war es doch nicht - wir sind hart im Nehmen.

Vielmehr haben wir eine kleine Auszeit genommen, um uns näher mit dem Machwerk Koalitionsvertrag zu beschäftigen. Nachdem unsere letzte Hoffnung geschwunden ist, dass die SPD-Basis sich nicht dem Parteidiktat beugt und dieser Regierungskoalition die Zustimmung verweigert. Es gilt in der SPD offensichtlich als vernünftig, einen alten Fehler zu wiederholen. Damit wird sich die Partei endgültig unterhalb von 20%-Wahlergebnissen etablieren. Wir belassen es dabei: Den Koalitionsvertrag werden wir erst nach der Basis-Entscheidung in der SPD ausführlich kommentieren.

Auf die erwähnten Kritiken werden wir in den nächsten Tagen eingehen.

Die aktuelle Nachrichtenlage haben wir natürlich weiter beobachtet und holen die Beiträge und Kommentare heute und morgen nach.


Deutschland: reale Einzelhandelsumsätze schlapp wie eh und je
(querschuesse.de) Same procedure as every month! Wie hier bei Querschuesse erwartet, dem ach so tollen Konsumklima in Deutschland folgen auf dem Fuße schlappe Daten zu den Einzelhandelsumsätzen. Das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtete heute die Einzelhandelsumsätze für den Monat Oktober 2013. Die Einzelhandelsumsätze bei den unbereinigten nominalen Originaldaten stiegen um +0,8% zum Vorjahresmonat und die unbereinigten realen (preisbereinigten) Umsätze sanken um -0,2% zum Vorjahresmonat. Der Oktober 2013 hatte wie der Vorjahresmonat 26 offene Verkaufstage. Unter der Berücksichtigung der Saison- und Kalendereffekte sanken die nominalen Einzelhandelsumsätze um -0,4%, im Vergleich zum Vormonat und real ging es um -0,8% zum Vormonat abwärts! Mehr...

Kommentar: Es ist nicht weit her, mit dem Konsumklima in Deutschland. Selbst wenn willfährige Experten der Bundesregierung und ihrer Politik mit entsprechenden Behauptungen zur Hand gehen. Das zeigt eindeutig und augenfällig dieser Beitrag von Steffen Bogs, wie immer unterlegt mit aussagekräftigen Charts, von denen wir einen gleich hier zeigen: 



Der Trend ist klar, oder? 


Deutschland verspielt Milliarden im Ausland
(sueddeutsche.de) Als Exportweltmeister steht Deutschland am Pranger. Das ärgert viele Bürger. Ein Blick auf die Kehrseite der Überschüsse erklärt vielleicht, warum: Die Ersparnisse der Deutschen haben sich zuletzt nicht vermehrt - im Gegenteil. Sollten sie besser im Inland investieren? Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Die Antwort ist schnell gefunden: Ja. Die SZ hat unter dieser spektakulären Überschrift einen Beitrag abgedruckt, den das WALL STREET JPOURNAL (WSJ) auf seiner deutschen Online-Ausgabe unter dem Titel "Wo sind Deutschlands Ersparnisse hin?" veröffentlicht hat. Dort heisst es in der Einleitung: "Die Deutschen wurmt die Kritik an ihrer starken Exportbilanz; sie wehren sich, mit dieser Kritik verleumde man ihren wirtschaftlichen Erfolg. Vielleicht sollten sie einen anderen Standpunkt einnehmen: Wie fühlt es sich an, dass sie Hunderte Milliarden bei ihren Ersparnisse verlieren?" Mehr dazu hier. Selbst dem Schweizer TAGES-ANZEIGER war dieses Thema ein Beitrag wert, den sie sich bei der F.A.Z. abgekuckt hat: "Dummes deutsches Geld". Und schreibt im Vorspann: "Die Deutschen sind Weltmeister im Exportieren – und Regionalliga, wenn es darum geht, das damit verdiente Geld sinnvoll zu investieren." Mehr dazu hier. Um wieviel es geht?  "Zwischen 2006 und 2012 beliefen sich die Verluste laut DIW (...) auf rund 600 Milliarden Euro" schreibt das WSJ. Die wären zu Hause prima angelegt gewesen. Wir denken da an die mittlerweile 100 Milliarden Euro Investitionsstau bei den Kommunen, der unter dem Verdikt der Schuldenbremse zukünftig immer größer wird. Andererseits: Irgendjemand muss die Defizite finanzieren, die der Exportweltmeister Deutschland bei seinen Handelspartnern verursacht. Dazu einen passenden Beitrag, auf den schon die NACHDENKSEITEN hingewiesen haben:  "Die nicht nachvollziehbare deutsche Ignoranz". Der Autor, Bertrand Groslambert, beginnt seinen Beitrag so: "In den 1990er Jahren galt Deutschland als Kranker Europas. Seine Exporte schwächelten, seine Zahlungsbilanz wies regelmäßig Defizite auf. Trotz finanzieller EU-Unterstützung schien Deutschland größere Probleme bei der „Verdauung“ seiner Wiedervereinigung zu haben. Doch ein Jahrzehnt später hatte sich das Blatt gewendet. 2012 war Deutschland noch vor China zum größten Nettoexporteur der Welt geworden. Seine Arbeitslosigkeit ist auf einem Tiefstand angekommen zu sein, sein Wachstum wird andernorts beneidet. Aufgrund dieser Resultate sieht die deutsche Bundesregierung ihr Land als Modell an und meint, dem Rest Europas Lektionen erteilen zu können. Doch jetzt kommt Kritik an der deutschen Rezeptur auf, zunächst vom IWF, dann vom amerikanischen Finanzministerium und neuerdings von der EU-Kommission. Aber der deutsche Finanzminister Schäuble hält die Kritik für „unverständlich“, das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ für unbegründet! Man argumentiert, es könne doch nicht der Fehler der Deutschen gewesen sein, wenn sich südeuropäische Heuschrecken zu Beginn der 2000er Jahre auf deutsche Produkte gestürzt hatten, das könne man jedenfalls nicht den Deutschen vorwerfen! Doch, um es vorwegzunehmen, die Kritik an der deutschen Politik ist vollkommen berechtigt. Warum „stürzten sich“ Anfang der 2000er Jahre Spanier, Griechen, Iren oder Portugiesen auf deutsche Produkte? In dieser Zeit floss viel ausländisches Kapital, insbesondere auch deutsches Kapital, in diese Länder mit der Folge stark sinkender Zinssätze. Das billige Geld löste in den Südländern einen Nachfrageboom aus, der insbesondere dem deutschen Export zugute kam. Warum?" Die Antwort darauf mündet in einem besorgten Fazit: "Eine Politik, die unsere wirtschaftlichen Probleme über das Angebots-Wirtschaftspolitik-Modell mit fanatisch durchgesetzter Wettbewerbspolitik lösen will, ist schlicht und einfach tödlich. Wir sind in Europa dabei, das Szenario der 1930er Jahre zu wiederholen, als Abwertungs-Wettläufe zum Zusammenbruch der weltweiten Nachfrage führten. Das Gift, das uns Deutschland verabreichen will, ist nicht nur bitter, es wirkt auch tödlich und wird den Kranken töten, wenn es weiter verabreicht wird." Mehr dazu hier.


EZB könnte Verluste bei Anleihekäufen locker schultern
(nachdenkseiten.de) Das Verfassungsgericht muss demnächst eine unbequeme Entscheidung fällen. Mit seinem Urteil zur Krisenpolitik der Europäische Zentralbank (EZB) hat es darüber zu befinden, ob eine wesentliche Maßnahme zur Beruhigung der Eurokrise rechtmäßig war. Die EZB hatte im vergangenen Jahr angekündigt, Staatsanleihen kriselnder Eurostaaten notfalls in „unbegrenztem“ Maße anzukaufen – zu einer Zeit, als Italien und Spanien durch steigende Zinsen der Tod auf Raten drohte. Ein Gastbeitrag von Axel Troost und Philipp Hersel. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Dieser Beitrag muss verbreitet werden. Er räumt mit Vorurteilen auf, die im hiesigen "BILD"-ungsbürgertum tief verwurzelt sind. Nicht zuletzt deshalb, weil sie von Deutschlands leidenschaftlichem Märchenerzähler und Nr. 1-Ökonomen (Ranking WIRTSCHAFTSWOCHE), Hans-Werner Sinn, so überzeugend verbreitet werden. Ergänzend dazu unbedingt auch die Beiträge "Was passiert, wenn die EZB Verluste macht?" ("Die Gefahren für die SteuerzahlerInnen und Inflation sind erfreulich begrenzt!") und "Muss der Steuerzahler für Verluste der Zentralbanken haften?" von Jens Berger. Die Sinn'schen Thesen zum Thema sind damit passé. 


Perma-Bär Albert Edwards: "Die USA stehen vor einer Rezession"
(finanzen100.de) Der Untergangsprophet Albert Edwards von der Société Générale lässt wieder von sich hören. Er erwartet schon bald eine Rezession in den USA. Zwar gilt er als stets pessimistisch. Er hat aber durchaus gute Argumente, die für seine Befürchtung sprechen. Behält er Recht, dann müssten auch die globalen Wachstumsprognosen für 2014 deutlich reduziert werden. Schließlich sind die USA für die Weltwirtschaft nicht ganz unbedeutend. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Der Beitrag vermittelt den Eindruck, als geraten die USA erst in eine Rezession. Das ist Quatsch. In Wahrheit versuchen lediglich die offiziellen Statistiken den Eindruck einer funktionierenden Wirtschaft zu vermitteln. Deren geringe Aussagekraft machen wir an dieser Stelle regelmäßig zum Thema. Die Amerikaner stecken seit der Krise am Häusermarkt 2007 in einer Rezession fest. Das ist Fakt. Die Wirkungen sind fatal, wie die Indikatoren Wall Mart, Caterpillar oder GM zeigen. Jüngstes Beispiel ist GM. ZERO HEDGE meldet "GM Channel Stuffing Surges To Second Highest Ever" und zeigt dazu eine eindrucksvolle Grafik: 



Mehr dazu hier. Konsumlaune, eine der unabdingbaren Stützen des US-BIP, sieht anders aus. 


Wann gehen endlich die Zinsen rauf?
(fuw.ch) Wann gehen endlich die Zinsen rauf? Der neuste Konsens deutet darauf hin, dass das Fed im März 2014 mit dem sogenannten Tapering beginnen wird. Tapering bedeutet, dass die US-Zentralbank (Fed) den Aufkauf von Hypothekenpapieren (Quantitative Easing) drosselt und damit die Zinswende langsam einleitet. Ist März 2014 realistisch? Niemand weiss es, nicht einmal das Fed selbst. Aber es gibt ein starkes Argument dagegen, das sich in einer einzigen Grafik zeigen lässt. Sie sieht so aus: 



Die Grafik zeigt, wie lange es nach der letzten grossen Finanzkrise der USA gegangen ist, bis die Verschuldung wieder auf ein verträgliches Niveau reduziert wurde. Mehr...

Kommentar: Diese Frage bewegt die Gemüter. Nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem Zustand der US-Wirtschaft. Die Antwort darauf ist einfach: "(...) weil ein Abbau der Schulden nur möglich ist, wenn das nominale BIP-Wachstum höher ausfällt als das nominale Zinsniveau, wird das Fed noch lange kein Interesse daran haben, die langfristigen Zinsen ansteigen zu lassen.  Die Hoffnung auf eine baldige Zinswende ist deshalb aus meiner Sicht völlig unrealistisch." Sehen wir genauso.


Finanz-Moses gesucht – Wer führt uns aus dem Dauer-Schlamassel ins gelobte Land?
(blog.markusgaertner.com) Wer führt uns aus dieser Dauermisere heraus ? Aus Dümpel-Wachstum, Schuldenbergen, gelähmter und korrumpierter Politik, entfesselten und betrügerischen Geldkonzernen, erodierenden bürgerlichen Freiheiten und einem wachsenden Späh-Wahn? Mehr...

Kommentar: Ein unbedingt lesenswerter Beitrag, der eine Reihe von Fragen aufwirft, aber die Antworten schuldig bleiben muss.