Samstag, 7. Dezember 2013

Standpunkt 826 - Nachrichten-Ticker, 06.12.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Großbanken im Schatten – Stiglitz und die Euro-Rettung – US-Arbeitsmarkt – US-Wirtschaft  Armut in Großbritannien 


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten schon längere Zeit an einem Upgrade. Unmittelbar nach der Bundestagswahl haben wir unseren Arbeitseinsatz erhöht, um unser neues Dossier kurzfristig zur Verfügung stellen zu können. Die lahmen Verhandlungen zur Bildung der Großen Koalition haben uns einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Das Upgrade ist nach unserer Ansicht nur dann vollständig, wenn wir auch die Pläne der neuen schwarz-roten Bundesregierung berücksichtigen. Sicherlich werden die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich gemacht, trotzdem wird es eine Menge Indizien dafür geben, wo die politische Reise in der kommenden Berliner Regierungszeit in Deutschland und Europa hingeht. Außerdem beschäftigen wir uns, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, mit den Vorschlägen von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Schattenspiel der Großbanken
(project-syndicate.org)  Einer der großen Mythen, der von den sehr großen Finanzinstituten propagiert wird, ist, dass sich viele Anleger und Finanztransaktionen, wenn die Finanzinstitute wieder effektiv reguliert würden, in den "Schattenbankensektor" flüchten würden.
Das klingt schlimm. Alles, was sich im Schatten abspielt, muss in finsterer Absicht geschehen, potenziell gefährliche Konsequenzen haben oder beides. Und seine Schattenhaftigkeit impliziert, dass man nichts dagegen tun kann – was auch immer da ist, muss sich außerhalb der Reichweite von Regulierungsbehörden oder einer wirksamen Aufsicht befinden. Also würden die Risiken für das Finanzsystem vielleicht wachsen und gar nicht abnehmen, wenn wir die sehr großen Nicht-Schattenbanken einer ordnungsgemäßen Regulierung unterzögen.
Soviel zu furchterregenden Märchen. In Wahrheit gibt es drei Arten von "Schattenaktivitäten", die alle offensichtlicher Art sind, für alle sichtbar ablaufen und auf unkomplizierte und verantwortliche Weise der Kontrolle unterzogen werden könnten. Ob der politische Wille vorhanden ist, effektive Kontrollen umzusetzen, ist, wie immer, eine andere Frage – vor allem, weil die Großbanken sehr mächtig sind und es gern hätten, wenn es im Schatten so schattig bliebe wie das derzeit der Fall ist. Mehr...


Kommentar: Ein Nachtrag zu unserem gestrigen Thema von "Banken und Bankster" (hier). Der US-Ökonom Simon Johnson bringt in diesem lesenswerten Beitrag ein bisschen Licht in die "Schattenseite" der Großbanken. Johnson sieht wenig Interesse an einer Regulierung und wirksamen Aufsicht dieses risikoreichen Sektors der Finanzindustrie: "Unglücklicherweise bestehen die Schatten dieser Großbanken trotz allem, was wir in den letzten fünf Jahren durchgemacht haben, in verschiedenen Formen weiter fort – und die Regulierer scheinen nicht ausreichend geneigt, das Licht anzuschalten." Eine gefährliche Situation, wie die folgende Grafik zeigt: Die Verbindlichkeiten der Schattenbanken liegen deutlich über denen der traditionellen Geschäftsbanken. 

Quelle: zerohedge.com


Joseph E. Stiglitz: Agenda für die Euro-Rettung
(project-syndicate.org)  Drei Jahre sind seit dem Ausbruch der Eurokrise vergangen, und nur ein unverbesserlicher Optimist würde sagen, dass das Schlimmste eindeutig überstanden ist. Einige stellen fest, dass der erneute Absturz in die Rezession der Eurozone beendet ist und kommen zu dem Schluss, dass die Sparmedizin funktioniert hat. Das dürfte ein schwacher Trost für Länder sein, in denen der Konjunkturrückgang anhält, das Pro-Kopf-BIP immer noch unter dem Niveau von 2008 liegt, die Arbeitslosenquote über 20% und die Jugendarbeitslosigkeit bei über 50%. Beim derzeitigen Tempo der „Erholung“ kann bis weit ins nächste Jahrzehnt hinein keine Rückkehr zur Normalität erwartet werden.
In einer aktuellen Studie der US-Notenbank Federal Reserve sind Wirtschaftswissenschaftler zu dem Schluss gelangt, dass Amerikas anhaltend hohe Arbeitslosigkeit auf Jahre hinaus schwere negative Auswirkungen auf das BIP haben wird. Wenn das auf die Vereinigten Staaten zutrifft, wo die Arbeitslosigkeit 40% geringer ist als in Europa, sind die Aussichten für europäisches Wachstum wahrhaftig trübe.
Was in erster Linie gebraucht wird, ist eine grundlegende Reform der Struktur der Eurozone.
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Kommentar: Wohlmeinende Ratschläge zur Erhaltung der Gemeinschaftswährung. Leider nur unvollständig. Stiglitz ignoriert die andauernde Bankenkrise, die von ihm favoritisierte Bankenunion schafft keine Abhilfe. Verstellt ist außerdem sein Blick auf die echte Arbeitslosenquote in den USA, die keinesfalls "40% geringer ist als in Europa". Andererseits weist Stiglitz nach, dass die bisherige Krisenpolitik erfolglos bleiben wird und "eine Umschuldung der nächsten folgen" lässt. Eine der Ursachen ist die mangelnde Solidarität "Deutschlands und einige der anderen nordeuropäischen Länder".


The Real US Unemployment Rate: 11.5%
(zerohedge.com) While it may appear at first glance that the first chart below shows just one data series, what we have shown are two data sets: one presents, on an inverted axis, the Civilian Employment-to-Population rate, which unlike the unemployment rate as a fraction of the labor force (most recently printing at just 7%), has barely budged since the Lehman collapse. The other data set shows what an implied unemployment rate as calculated by Zero Hedge would be assuming a long-term average of 65.8% worker labor participation rate.
As we reported earlier, according to the BLS this number most recently was 63.0%: a 20 bps rebound from the 35 year low posted in October, but still woefully wrong. The chart shows much more accurately what the real unemployment rate would be when looking at the overall non-institutional population instead of the ever rising amount of Americans who for one reason or another are not in the labor force. 



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Kommentar/Ergänzung: Während die deutschsprachigen Medien die offizielle Angabe verbreiten, nach der die Arbeitslosenquote mittlerweile nur noch 7% beträgt, haben die Amerikaner genauer hingesehen und nachgerechnet. Bei ZERO HEDGE liegt die Quote um mehr als 50% höher. Beachtlich. Wie gewöhnlich legt John Williams' Shadow Government Statistics noch einiges mehr drauf. Brandaktuell sein folgender Chart:


Williams verzeichnet einen leichten Rückgang. Nach wie vor liegt seine Quote auf dem Niveau der europäischen Krisenländer. Mehr dazu hier.


Amerikas Wirtschaft wächst überraschend stark
(faz.net)  Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten zieht unerwartet stark an. Strafft Amerikas Notenbank nun doch eher ihre Geldpolitik? Mehr...

Kommentar: Frei nach Herbert Wehner: Das ist Mumpitz!


Food Poverty In The UK Has Reached "Public Health Emergency" Levels
(zerohedge.com) This tragic story emanating from the UK just doesn’t seem to go away. Probably because it’s true. The food crisis across the pond first came to my attention in earnest back in October when the Red Cross announced it was set to provide food aid to the UK for the first time since World War II. Read more...

Kommentar: Ein aktueller Nachtrag zu unserem Ticker vom 04.12.2013: "Großbritannien: London boomt, das Land blutet" und den Lobpreisungen des Londoner Bürgermeisters: "London's Mayor Says We Should 'Thank The Super Rich'" (hier nachzulesen, so ziemlich am Ende). Die folgende Grafik aus dem Beitrag macht jeden weiteren Kommentar entbehrlich: