Montag, 23. Dezember 2013

Standpunkt 832 - Nachrichten-Ticker, 12.12.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Europäische Bankenunion (6 Beiträge) – Trennbankensystem – Europas Krise: Titel, Thesen, Lösungen, Folge 37 – Slowenien (3 Beiträge)  Weltwirtschaft im Aufschwung?  China  


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Nachdem nun die Große Koalition unter Dach und Fach ist, werden wir in den kommenden Wochen, die Feiertage eingeschlossen, unser Arbeitspensum erhöhen, um unser neues Dossier im Januar 2014 zur Verfügung stellen zu können.  Sicher ist bereits, dass der Koalitionsvertrag die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich macht. Trotzdem gibt es eine Menge Indizien dafür, wo die politische Reise der neuen Berliner Regierung unter der alten Chefin, der Eisernen Lady Kanzlerin Angela Merkel, rund um die Krise in Deutschland und Europa hingeht. Schwerpunkte unseres neuen Dossiers bilden, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, die Vorschläge von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, die virtuelle Währung Bitcoin, das Zypern-Modell, die Pläne der EU zur Bankenrettung (Stichwort Bankenunion). Außerdem Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und die Folgen der angeblichen Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


EU beschließt Enteignung der Sparer zur Banken-Rettung
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die EU hat sich in der Nacht auf einen Fahrplan zur Rettung von maroden Banken geeinigt. Den wichtigsten Beitrag werden künftig Bank-Kunden in Form einer zwangsweise Enteignung zu leisten haben. Reicht das nicht für das Überleben, wird der Steuerzahler einspringen. Ein Beitrag von Banken, Staaten, Zentralbanken, IWF oder EU wurde dagegen nicht verbindlich festgelegt. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Hand darauf, die Europäische Bankenunion ist die bisher größte Aktion, die von der europäischen Politik seit Gründung der EU, bzw. ihrer Vorgänger, der EWG und der Montanunion, zur Volksverblödung durchgezogen wird. Davon betroffen sind nicht nur die über 500 Millionen Menschen in der Gemeinschaft, sondern am Ende wird ganz Europa, mit seinen 740 Millionen Menschen, dafür einstehen müssen. Für 99% davon klingt das unglaublich, unwirklich, undenkbar. Die sind es, die dafür bluten werden. Die verbleibenden 1%, in der Regel die "Reichen und Schönen", wissen Bescheid und sichern sich ab. 

Was da passiert, das hat der SPD-Politiker Johannes Rau mit viel Einsicht einmal so beschrieben: "Nicht wir Politiker machen die Politik, wir sind nur die Ausführenden. Was in der Politik geschieht, diktieren die internationalen Großkonzerne und Banken." Bei dieser Sache sind es die Banken, die das Heft fest in der Hand halten.

Damit die Sache reibungslos und ohne nennenswerte Unruhen über die Bühne geht, wird gleichzeitig eine gigantische Propaganda-Offensive gestartet. Strategisch durchgeplant und bestens orchestriert. Wohldosiert dürfen sich in den Leitmedien neben den Befürwortern auch ein paar Gegner zu Wort melden. Wie gut das schon funktioniert, zeigen die ersten Beiträge zu dem Beschluss über die Bankenunion. Wir haben eine Auswahl zusammengestellt. 

"Schluss mit Steuermilliarden für marode Banken" titelt der Schweizer TAGES-ANZEIGER und schreibt in der Einleitung: "Wenn Banken pleitegehen, sollen nicht mehr die Steuerzahler, sondern zunächst private Investoren zur Kasse gebeten werden. Darauf haben sich die EU-Mitgliedstaaten geeinigt." Mehr hier. Der Beitrag ist gespickt mit Halbwahrheiten und enthält wenig belastbare Fakten. Die Schweizer werden wohl in den nächsten Tagen und Wochen noch einmal genauer hinsehen und die Sache gründlicher bewerten, bzw. kommentieren. Immerhin, das Wörtchen "zunächst" in der Einleitung gibt einen ersten Hinweis auf die Wirklichkeit hinter dem Vorhaben. 

Die F.A.Z. versucht sich sachlich an dem Thema und meldet "Die Eckpunkte der Bankenabwicklung stehen fest". In ihrer Einleitung dazu heißt es: "Die EU-Finanzminister haben sich im Grundsatz darauf geeinigt, wie marode Banken künftig abgewickelt werden sollen. Doch längst sind nicht alle Streitfragen gelöst. Ein Überblick." Liest man das Fazit am Schluss, kommt zuerst ein winziges Stückchen Hoffnung auf, das aber gleich wieder im Keim erstickt wird: "Nicht alle Streitfragen sind gelöst; in der kommenden Woche wird es also nicht nur um „technische“ und juristische Fragen gehen. Teilnehmer des Treffens wiesen auf die alte Regel hin, dass ein Kompromiss erst dann stehe, wenn wirklich alle Fragen geklärt seien. Offen sind offenbar die Abstimmungsregeln im Board und die Frage, wer in der Übergangsphase einspringt, wenn weder das Bail-in noch der Fonds ausreichen. Hier schwelt seit Monaten eine Diskussion, ob im Notfall doch der Krisenfonds ESM einspringen sollte. Sollte ein solches Einspringen am Ende beschlossen werden, wäre das Bekenntnis aller Beteiligten hinfällig, dass zur Bankenschließung künftig kein Geld der Steuerzahler mehr eingesetzt werden dürfe." Mehr hier

"Reale Bankenunion mindestens zehn Jahre verschoben" titelt HEISE-TELEPOLIS und schreibt im Vorspann: "Sparer und Aktionäre sollen ab 2016 bei einer Bankenabwicklung zur Kasse gebeten werden, während die Geldinstitute erst bis 2025 einen lächerlichen Hilfsfonds von 55 Milliarden Euro aufbauen müssen. - Nach dem Treffen der EU-Finanzminister wird davon gesprochen, Deutschland habe sich mit seinen Vorstellungen durchgesetzt. Berichtet wird sogar von einem "fatalen Triumph der Deutschen". Von einer "light Version" der Bankenunion wird gesprochen, weil auch zukünftig weiter die Mitgliedsstaaten entscheiden, ob eine Bank abgewickelt wird und dafür natürlich auch die Verantwortung übernehmen soll. Die Bankenaufsicht soll wie geplant Ende 2014 an den Start gehen (Neue Bankenrettungen auf Kosten europäischer Steuerzahler), doch die Einlagen der Sparer sollen sogar schon 2016 statt 2018 zur Abwicklung beschnitten werden können. Die Banken müssen aber erst bis 2025 einen Rettungsfonds mit 55 Milliarden Euro aufbauen. Das ist angesichts der Tatsache, dass solche Summen eine Bank gewöhnlich locker beim Absturz benötigt, schlicht lächerlich. 1,6 Billionen Euro wurden allein in der EU in der Finanzkrise in marode Geldhäuser gepumpt." Der erste wirklich lohnende Beitrag zum Thema: "Auf die Regeln folgen die Ausnahmen und die Ausnahmen von den Ausnahmen". Das Fazit trägt die (hinter)sinnige Überschrift "Keiner zahlt gerne etwas aus seinem Vermögen". Weiter im Text: "Um Peanuts handelt sich aber bei der sogenannten Zwangsabgabe für Banken, die bis 2025 ganze 55 Milliarden Euro für einen Fonds zur Bankenrettung aufbringen sollen. Das ist ungefähr so, als würde ein Trupp Feuerwehrleute versuchen, ein in Flammen stehendes Haus mit Fingerhüten anstatt mit Eimern oder sogar modernen Pumpen und Schläuchen zu löschen. Denn bis 2011 haben die EU-Staaten 1,6 Billionen Euro in die Rettung gesteckt, womit Banken in Spanien und Zypern nicht einmal mitgerechnet sind. Damit beantwortet sich vielleicht auch die Frage, warum sich gerade der deutsche Bankenverband über die neuen Regeln freut. Es drängt sich geradezu der Eindruck auf, dass sie sehr im Sinne der Banken getroffen wurden. "Keiner zahlt gerne irgendwo etwas aus seinem Vermögen, das gilt für Privatleute genauso wie für Banken", meinte zwar Michael Kemmer vom Bundesverband deutscher Banken. Doch im Interview fügte er an, dieses Geld sei "in diesem Fall vernünftig angelegt". Er bekräftigt auch, dass es keine zusätzlichen 55 Milliarden sein werden. "Die Diskussionen laufen im Moment so, dass diese nationalen Töpfe quasi auf den europäischen Topf angerechnet werden, sodass es nicht zu einer Doppelzahlung für die deutschen Banken kommt." Offensichtlich ist auch das noch eine Mogelpackung. Kemmer bestätigt, dass sich Schäuble für die deutschen Banken durchgesetzt hat, denn deren große Frage sei gewesen, wer letztendlich entscheidet, wann eine Bank abzuwickeln ist. "Da waren wir der Meinung, dass hier auch die nationalen Aufseher bis auf weiteres ein Wörtchen mitreden müssen, und dass dann das Ziel sein sollte, eine eigene europäische Abwicklungsbehörde zu bilden." Festgezurrt ist aber auch das alles noch nicht definitiv. Ein komplizierter Text zur Bankenabwicklung – auf Überraschungen darf man gespannt sein - soll nach juristischer Feinarbeit bei einem Sondertreffen eiligst am Mittwoch nächster Woche verabschiedet werden. Beschlossen und gefeiert werden soll auf dem EU-Gipfel am kommenden Donnerstag also eine Bankenunion, die es zumindest in den kommenden zehn Jahren real nicht geben wird." Mehr hier

"Bankenunion - Der fatale Triumph der Deutschen" überschreibt Wolfgang Münchau seinen Kommentar bei SPON. Weiter heißt es da: "Deutschland hat sich in Brüssel wieder einmal durchgesetzt: Die Bankenunion kommt zwar - aber nur als Light-Version. Die Folgen für die europäische Wirtschaft dürften verheerend sein." Münchau schildert seine Interpretation der aktuellen Pläne. Ein wenig unausgegoren, aber immerhin prima als Gedankenfutter geeignet. Den, nach unserer Ansicht wichtigsten Satz, schreibt er erst ganz zum Schluss des Beitrags: "Auch die Bankenunion ist Teil einer großangelegten Strategie des Konkursverzugs. Aus der Wirtschaftsgeschichte wissen wir, wo so was immer endet." Punktlandung nennen wir das. Mehr hier

Die WELT sieht einiges anders: "So wurde Schäuble bei der Bankenrettung ganz zahm" heißt es bei ihr. Tadel für die Eiserne Lady Kanzlerin und ihren wichtigsten Mann: "Lange wurde über die künftige EU-Bankenrettung gestritten. Schäuble gab den eisernen Beschützer des Geldes der deutschen Steuerzahler. Doch der nun gefundene Kompromiss könnte ziemlich teuer werden." Für Deutschland versteht sich. Mehr dazu hier

Zu den 55 Milliarden Euro Bankenfonds gibt es auch schon eine "kompetente" Meinung: "Ratingagentur sieht 110 Milliarden Euro Kapitalbedarf bei Europas Banken" meldet Österreichs FORMAT: "Die Ratingagentur Standard & Poor´s bemisst den Eigenkapitalbedarf der größten europäischen Banken mit 110 Milliarden Euro. Die geplante europäische Bankenaufsicht werde jedoch den Abbau von Risiken vorantreiben, meinen die Prüfer." Mehr dazu hier. Das ist lächerlich: Die 110 Milliarden Euro reichen genauso wenig hinten und vorne wie die 55 Mrd. der Bankenunion. Wir können es nur wiederholen: Alleine der drohende Ausfall spanischer Banken aus notleidenden Hypothekendarlehen liegt bei 350 Milliarden Euro. Denen ist weder mit 55 noch mit 110 Milliarden Euro zu helfen. Was ist mit dem Rest? 18,2 Billionen Euro wertloser Schrott lagern in den Bilanzen europäischer Banken (hier). Ohne die unschätzbaren Billionen-$-Risiken aus dem Derivatehandel. Wir machen uns erst gar nicht die Mühe, den prozentualen Anteil der geplanten Rettungsmilliarden an dieser Summe auszurechnen. Alleine Deutschland hält 480 Milliarden Euro in seinem Bankenrettungsfonds SoFFin (= Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung) vor. Weit weg vom offiziellen Haushalt und der Öffentlichkeit fristet dieser Betrag ein Schattendasein - sinnigerweise in einem sogenannten Schattenhaushalt. Es ist eine unumstößliche Tatsache, die Rettung der Banken funktioniert nur über die Vermögen der Sparer, in Personalunion auch gleichzeitig Steuerzahler und daher doppelt gestraft. Basta.

Das erkennt jetzt sogar der nichtsnutzige Uli Dönch vom FOCUS: "Warum die Zwangsenteignung für alle kommen wird". Er schreibt im Vorspann seines Beitrags: "Die westlichen Demokratien sind überschuldet wie nie – und können diese Mega-Defizite nicht aus eigener Kraft abbauen. Deshalb werden die USA, Japan und Europa kleine und große Sparer bald zwangsenteignen. Es wäre nicht das erste Mal." Mehr hier. Erstaunlicherweise kein schlechter Beitrag, den Kanzlerinnen-Verehrer Dönch da verfasst hat. Er verzichtet nämlich freundlicherweise darauf, mit seiner schiefen Sicht auf die Ursachen der Staatsschulden in Europa zu nerven. Das können wir ihm nur hoch anrechnen.

Noch gewinnt man bei diesen Beiträgen den Eindruck, als überwiegen die Bedenkenträger. Das wird sich ändern. Wir berichten weiter darüber. 

Quelle: presseurop.eu



Kontrolle der Banken ist nicht alles
(handelsblatt.com) Wertpapiergeschäft und Investmentbanking sind Reizwörter für die Politik. Sie will diese beiden Banken-Sparten an die ganz kurze Leine nehmen. Das aber wäre von zweifelhaftem Nutzen. Mehr...

Kommentar: Der frühere Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter versucht in diesem Beitrag das Übel für die Banken, das geplante Trennbankensystem, an der Wurzel zu packen. Und ignoriert dabei völlig den unbezahlbaren Schaden, den die Auflösung dieses jahrzehntealten, erfolgreichen Systems 1999 bis heute verursacht hat und immer noch weiter verursacht. Walter zeigt so wenig Einsicht wie die aktuelle Führungsriege in der weltweiten Finanzindustrie. Wer lässt beispielsweise die Luft aus der geschätzten 1.400 Billionen Dollar großen Derivate-Blase, ohne dabei gleich die ganze Welt in Gefahr zu bringen? Zugegeben, das vorgesehene Trennbankensystem kann dieses Problem nicht lösen. Außerdem reicht es für sich alleine genommen nie und nimmer aus, die kriminelle Energie in der Finanzindustrie wirksam zu bekämpfen. Aber es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Ein großer wäre die ernsthafte strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen: "Jail not Bail" (hier) muss zwingend das zukünftige Rezept gegen die Machenschaften der Betrüger in den Banken lauten. Alles andere ist "wischiwaschi". Dann geht es auch den Machern hinter den Banken an den Kragen, die Aufgaben für ihre politischen Strippenzieher erfüllen. Zu denen zählen wir, wie Herbert Walter, die Landesbanken, die IKB - aber auch die Postbank. Die "Kontrolle der Banken ist nicht alles", ohne sie ist jedoch alles nichts.


Europas Krise: Titel, Thesen, Lösungen (Folge 37)
Kürzlich (hier) haben wir angekündigt, dass wir diese Reihe wieder fortsetzen wollen, wo in loser Reihenfolge Artikel veröffentlichen, die wir in unserem umfangreichen Archiv wiederentdecken. Heute ist es ein Auszug aus einem Buch von Rudolf Hickel aus dem März 2012, der fantastisch zur der Diskussion um Bankenunion, -aufsicht und Trennbankensystem passt: "Zerschlagt die Banken – Zivilisiert die Finanzmärkte – Eine Streitschrift". Ein Auszug: 

"Macht euch die Banken untertan! Es ist höchste Zeit: Großbanken mit ihren Geldmaschinen Investmentbanking müssen zerschlagen und die derzeit völlig unkontrollierten Schattenbanken abgeschafft werden. Das Ziel dieser Zerschlagung ist eindeutig. Es geht um den Ausstieg aus hochriskanten Spekulationsgeschäften, die nicht nur die Kunden dieser Banken belasten, sondern die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft in den Abgrund reißen können. Das Bankensystem muss wieder auf seine dienenden, genuinen Aufgaben eingeschränkt werden.
Um die Dimension des Rückbaus zu erkennen, lohnt sich die Bestimmung der nützlichen Rolle der Banken in modernen, hochgradig arbeitsteiligen Wirtschaftssystemen. Es geht darum, mit Einlagen die Finanzmasse zu gewinnen, die zur Kreditvergabe an Unternehmen, private Haushalte und den Staat vergeben werden. Der Gewinn dieser normalen Bank ergibt sich aus der Differenz zwischen den aus den Krediten erzielten Zinsen gegenüber den an die Einleger ausbezahlten Zinsen. Die Schwerpunkte des der Gesamtwirtschaft dienenden Geschäftsmodells bilden die Verwaltung der verzinsten Einlagen, die Vergabe von Krediten an Kunden sowie eine verantwortungsvolle Vermögensbildung und Risikoabsicherung für Unternehmen, allerdings ohne den Einsatz von Zockerinstrumenten.

Heute dominieren mächtige Banken, die einerseits vor allem im Investmentbanking-Bereich für Kunden und vorrangig auch auf eigene Rechnung ohne Bezug auf die ökonomische Werthaltigkeit einen umfangreichen Handel mit hochriskanten Anlageprodukten managen. Andererseits wälzen sie die Verluste, die beim Zusammenbruch ihrer brandgefährlichen Investmentbanking-Aktivitäten entstehen, auf die Einlagen gebenden und Kredite nehmenden Normalkunden ab. Gegen diese Inhaftnahme aller Bankkunden richtet sich die Zerschlagung dieser volkswirtschaftlich nutzlosen Finanzmarktgeschäfte.
Nie mehr dürfen den Bankenkunden mit ihren Einlagen und Krediten die mit hochriskanten Spekulationsgeschäften im Bereich des Investmentbankings erzeugten Verluste aufgebürdet werden. Auch ist der Staat von dem Risiko, Banken retten zu müssen, weil sie zu groß und zu stark international vernetzt sind, zu befreien. Banken, die mit ihrem Zusammenbruch per Kettenreaktion das gesamte System zum Einsturz bringen können, haben sich die Zerschlagung verdient.
Das Investmentbanking muss auf ein verantwortbares Risiko reduziert und die verbleibenden Aktivitäten gegenüber den dienenden Funktionen abgeschottet werden. Dazu gehört vor allem die Abschaffung eines vom Risiko nicht mehr zu verantwortenden Eigenhandels, der durch die Banken ohne Auftrag von Kunden genutzt wird. Der Nobelpreisträger für Ökonomie und der mutige Mahner Paul Krugman aus den USA hat provokant das Ziel dieser Schrumpfung vorgegeben: „Making banking boring”, macht die Banken durch die Rückkehr zu den genuinen Funktionen wieder stinklangweilig und das heißt seriös.

Die Neuordnung eines Bankensystems im Dienste einer sozial und ökologisch nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung muss in eine übergreifende Entmachtung der Finanzmärkte eingebunden werden. Verbote und strenge Gebote für fiktive, ökonomisch wertlose Anlageprodukte schmälern die Risikodimension der verbleibenden Kernbanken.
Der Blick auf die Instrumente und Geschäfte zeigt: Die entfesselten Finanzmärkte, die 2008/2009 beinahe eine Weltwirtschaftskrise ausgelöst hätten, sind ökonomisch Teufelszeug, denn sie haben letztlich mit der Ökonomie der Wertschöpfung unter Einsatz menschlicher Arbeit nichts zu tun. Die möglicherweise für den einzelnen Anleger zumindest kurzfristig rationale Entscheidung, Finanzinnovationen zu kaufen, führt in der Gesamtwirkung zu einer Irrationalisierung des Wirtschaftens. Mit Wetten werden die Spielregeln der marktwirtschaftlichen Ordnung außer Kraft gesetzt. Im Klima wachsender Instabilität und sich zuspitzender Krisen wird am Ende die auf die Güter- und Dienstleistungsproduktion außerhalb des Finanzsektors konzentrierte Realwirtschaft schwer belastet. Die Banken transportieren über Wertberichtigungen und Abschreibungen die Verluste aus der Finanzmarktkrise über eine restriktive Vergabe von Krediten in die reale Produktionswirtschaft. Dafür steht das Phänomen der Kreditklemme." 


Mehr dazu hier. Eine lesenswerte Buchbesprechung gibt es hier. Hickel beschreibt eine Vision, die es in dieser Form vorläufig nicht geben wird. Einziger Grund aus unserer Sicht: Der billionenschwere Bilanzmüll, für sich genommen bereits ein Vielfaches der Weltjahreswirtschaftsleistung von immerhin 70 Billionen $, lässt sich nur in dem vorhandenen Konstrukt noch länger über die Zeit retten und in lukrative Boni verwandeln. Die Verwirklichung von Hickel's Ideen würde die Finanzindustrie entzaubern, und mit ihr die verantwortliche Politik. Die Folge hat schon der US-Industrielle Henry Ford beschrieben: "Eigentlich ist es gut, dass die Menschen unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution vor morgen früh."     


Slowenien kann Banken ohne EU sanieren
(derstandard.at) Kapitallücke von 4,78 Milliarden - Drei Milliarden für Staatsbanken - Hypo, Raiffeisen und UniCredit könnten mehr Kapital brauchen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Ein wertloser Stresstest ist die Grundlage dieser Meldung. Slowenien ist für die EU völlig wertlos, der Beitritt zur Eurozone eine Schnapsidee. Deshalb kann das Land auf keine Hilfe aus Berlin und Brüssel hoffen. Höchstens durch die Hintertür der österreichischen Banken. Die haben in ganz Osteuropa Probleme und demnächst immensen Kapitalbedarf. Die F.A.Z. beschreibt "Wie Slowenien seine maroden Banken retten will": "Flüchtet Slowenien unter den Euro-Rettungsschirm? Seit Monaten wird darüber spekuliert. Jetzt ist klar: Das Land kann seine Probleme zunächst selbst lösen. Und hat nun Details dazu bekanntgegeben." Mehr hier. Wie das geschieht? Natürlich durch die Erhöhung der Staatsschulden, "in Form von Barmittel und Staatsanleihen" werden die Banken rekapitalisiert. Alleine diese Maßnahmen kosten Slowenien 10% seiner Wirtschaftsleistung. Die F.A.Z. zitiert bemerkenswerten Unfug: "Dass der einstige Musterschüler aus Osteuropa ohne Hilfe aus Brüssel auskommen wird, bestätigte auch EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn. 'Heute ist klar geworden, dass Slowenien bei der Sanierung seines Bankensektors ohne Hilfe der europäischen Partner fortfahren kann', sagte Rehn. 'Das sind gute Nachrichten.' Der Stresstest sei glaubwürdig und habe belastbare Ergebnisse geliefert."  DEUTSCHE WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN meldet dazu "Mit Hilfe der EU: Slowenien rechnet sich seine Banken schön". Und schreibt im Vorspann: "Bei fünf Milliarden wäre die Grenze gewesen. Nun hat der Stresstest für die slowenischen Banken ergeben, dass sie 4,8 Milliarden brauchen. Die Verhinderung des Crashs gelang mit einem Trick. Die EU wirkt an der Schönfärberei mit." Mehr hier.


Weltwirtschaft steht vor stärkstem Wachstum seit 2010
(diepresse.com) Die Ökonomen von drei großen Banken rechnen mit einer globalen Wachstumsrate von 3,4 Prozent. Angetrieben werde das Wachstum von den USA. Mehr...

Kommentar: Danke, Ökonomen. Wir freuen uns darauf. Und die mehr als 90 Millionen erwerbsfähige Amerikaner ohne Job. Endlich geht es aufwärts. Leider ist es mit solchen Vorhersagen so eine Sache: "Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie in die Zukunft gehen" (Mark Twain).


China’s Shadow Currency
(thediplomat.com) Bankers acceptance notes are financing tremendous speculation in China’s provinces. How long can this last? Read more...

Kommentar: Wir haben Neuigkeiten aus dem Reich der Mitte, dem Zukunftsmarkt deutscher Unternehmen. Das soll gutgehen? Wohl kaum.