Mittwoch, 25. Dezember 2013

Standpunkt 834 - Nachrichten-Ticker,16.12.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Nachdem nun die Große Koalition unter Dach und Fach ist, werden wir in den kommenden Wochen, die Feiertage eingeschlossen, unser Arbeitspensum erhöhen, um unser neues Dossier im Januar 2014 zur Verfügung stellen zu können.  Sicher ist bereits, dass der Koalitionsvertrag die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich macht. Trotzdem gibt es eine Menge Indizien dafür, wo die politische Reise der neuen Berliner Regierung unter der alten Chefin, der Eisernen Lady Kanzlerin Angela Merkel, rund um die Krise in Deutschland und Europa hingeht. Schwerpunkte unseres neuen Dossiers bilden, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, die Vorschläge von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, die virtuelle Währung Bitcoin, das Zypern-Modell, die Pläne der EU zur Bankenrettung (Stichwort Bankenunion). Außerdem Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und die Folgen der angeblichen Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tagesthemen: Deutschlands Triple-A in Gefahr – Londoner Bankster (2 Beiträge) – Hans-Olaf Henkel – Finanzkrise und der Staatseinsatz  Larry Summer's Stagnation  Irland ohne Rettungsschirm (6 Beiträge)   Schulden ohne Ende


Germany's Coming Downgrade
(project-syndicate.org)  On December 5, the Dutch celebrate Sinterklaas, a traditional winter holiday that people celebrate by preparing surprises for each other. But this year’s celebration was marred by a surprise that no one wanted: just days before, the creditrating agency Standard & Poor’s stripped the Netherlands of its coveted triple-A status.
The Dutch government reacted to the downgrade much as France did when it lost its triple-A rating almost two years ago. There is no need for alarm, French officials insisted, because the other two big rating agencies, Moody’s and Fitch, maintained their highest ratings on French sovereign debt. But, earlier this year, France lost its triple-A rating at both Moody’s and Fitch, and S&P downgraded its debt yet again.
Indeed, the Netherlands has plenty of reason to worry – especially given that it is ostensibly doing everything right. When France was downgraded, its public debt exceeded 90% of GDP, and the government had made clear that it would not risk short-term economic growth by addressing its budget deficit. The Netherlands, by contrast, has a relatively low public debt/GDP ratio of 74%, which it is committed to reducing further.
This should raise serious concerns for the currency union’s most important economy – Germany – which, along with Finland, is now one of the only eurozone countries that retains a triple-A rating with S&P. (Luxembourg also enjoys a top credit rating, but its large financial sector makes it a unique case.)
The economies of Germany and the Netherlands are closely linked, with the latter highly dependent on its larger neighbor. For decades, Dutch monetary policy was based on matching German interest rates and maintaining a stable exchange rate between the Dutch guilder and the Deutsche Mark.
Likewise, both countries emphasize low deficits and public debt, with the Netherlands having long been Germany’s most loyal ally in European fiscal, economic, and monetary matters. Indeed, Germany and the Netherlands were among the main proponents of 
the European Union’s Stability and Growth Pact.
Germany’s public debt is higher than the Netherlands’, especially considering that the Dutch have a natural-gas supply worth well over 20% of GDP and pension-fund savings of some €1 trillion ($1.37 trillion), or roughly 140% of GDP. And, while Germany’s fiscal position is currently much healthier than that of the Netherlands, owing to its exceptional economic performance since the crisis began, faltering output is now threatening to weaken it considerably.
S&P cites weakening growth prospects as the reason for its downgrade of the Netherlands. The Dutch economy contracted by 1.2% this year, and is expected to grow by a meager 0.5% next year. But the outlook is not much better for Germany. While the Bundesbank projects a 1.8% annual growth rate for next year, this figure is highly uncertain. And, in the medium term, Germany will face significantly greater challenges from population aging than the Netherlands.
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Kommentar: Der Autor, Sylvester Eijffinger, "Professor of Financial Economics at Tilburg University in the Netherlands", beschreibt in diesem Kommentar aus seiner Sicht die Risiken für eine Herabstufung Deutschlands, basierend auf der niederländischen Rückstufung durch S&P. Eindeutig im Uniform Resource Locator des Beitrags (URL) formuliert: Sylvester Eijffinger "warn that the recent downgrade of the netherlands credit rating could mean that germany will be next".

In Deutschland darf über die Gefahren für die Höchstnote an keiner Stelle in den Leitmedien diskutiert werden. In Frage gestellt werden darf das deutsche Triple-A schon gleich gar nicht. Für uns ist schon seit Beginn der nutzlosen Austeritätsmaßnahmen zur Bekämpfung der Krise in Europa klar, dass die Herabstufung Deutschlands schon längst beschlossene Sache der Ratingagenturen ist. Vielleicht steht der genaue Zeitpunkt noch nicht fest. Wir haben dazu aber schon eine Idee: Als letztes Land der Eurozone könnte der Exportweltmeister Deutschland seinen Top-Status verlieren. Welche der drei großen Ratingagenturen den Stab brechen darf, wird noch ausgelost. 

Zum Thema der Ratings haben wir bereits im September 2011 den zukunftweisenden Beitrag "Die Triple-A Märchen" geschrieben (hier). Den zu lesen lohnt sich noch immer. 

Eijffinger's Fazit: "Given that its medium-term economic outlook is very similar to that of the Netherlands, Germany should take the Dutch downgrade as a warning that its triple-A rating is far from secure. In fact, with Germany’s political effectiveness, economic momentum, and fiscal position at risk, a downgrade may well be only a matter of time."


Despite Proposed Pay Caps, London Bankers Expect 44% Bonus Increase
(zerohedge.com) The European Union's February decision to outlaw banker bonuses that are more than twice fixed pay was an effort to curb excessive payouts and asymmetric risk-taking. The UK challenged the caps as illegal in September (and the case has yet to be decided) but the European Banking Authority softened its stance last week by allowing banks to exempt staff earning up to EUR 1 million from the rules that cap bonuses. It seems the bankers are making hay while the sun shines as Bloomberg now reports, Managing Directors at banks in London are expecting a 44% rise in bonuses for 2013 - to more than double their average salary. Read more...

Kommentar: Banditen und Wegelagerer. Wie wäre es endlich mit einem Finanzverbrechertribunal? Die Karikatur aus dem Beitrag ist sehenswert:


Statt eines eigenen Kommentars verweisen wir auf den kürzlich bei DIE PRESSE in Österreich erschienen Beitrag "Image der Banker? 'Knapp über dem Kinderschänder'." Damit ist schon alles gesagt. Es handelt sich um ein Interview mit einem Insider: "Lange Jahre war Rainer Voss erfolgreicher Investmentbanker. Jetzt hat er eine Dokumentation über seine Erlebnisse gedreht. Im Interview erzählt er von seinem Leben als Banker." Mehr dazu hier.


Hans-Olaf Henkel: Euro-Bonds sind tot! Es lebe die Bankenunion!
(handelsblatt.com) Erinnern sich die Leser noch an den Euro-Bond? Im neuen Koalitionsvertrag ist davon plötzlich keine Rede mehr. CDU/CSU und die FDP reklamieren dies als Erfolg ihrer Politik. Doch darauf sollte niemand hereinfallen. Mehr...

Kommentar: Das kann er nun einmal am besten: Ständig spielt HOH mit den Ängsten der Menschen. Die von ihm kommentierten Pläne zur Bankenunion gibt es so überhaupt nicht. Seine Entrüstung über, die angeblich gebrochenen Versprechen der Politiker, ist gespielt und durchsichtig, nein nur peinlich. Seine "drei Maßnahmen das Übel an der Wurzel zu packen" ignorieren die internationale Rolle deutscher, britischer, französischer und natürlich auch der beiden Schweizer Großbanken. Die sind es, die ihre Geschäftsmodelle nicht nur zu Hause, sondern auch grenzüberschreitend verbreitet haben. Es ist das Geld deutscher, britischer und französischer Sparer, das mit Hilfe "ihrer" Banken in den Krisenstaaten viel Unheil angerichtet hat. Die nationalen Banken in diesen Ländern waren lediglich Erfüllungsgehilfen für dieses big business. Waren dabei behilflich, die heimischen Märkte zu erschließen und die nötigen Kunden anzuwerben. Dafür gab es ein paar Brotkrümel vom reich gedeckten Tisch der Großen. Und die zahllosen Risiken aus diesen Geschäften. Diese Risiken sind so gigantisch, die können national überhaupt nicht bewältigt werden. HOH weiß das. Es ist eine Tatsache: Die Rettung griechischer, italienischer, spanischer, irischer Banken ist immer auch eine Rettung deutscher, britischer, französischer Banken und der Banken aus der Schweiz. Anders verhält es sich in Zypern. Die Staatspapiere marktgerecht bewerten? Es gibt keinen Markt mehr. Alles wird manipuliert. Wer soll über die Qualität solcher Papiere also letztlich entscheiden? Die Wall Street? Als Angestellter der Bank of America hätte HOH das vielleicht gerne. Verspräche wieder dicke Geschäfte. Der Kauf von Staatsanleihen ist außerdem Teil der gegenseitigen Rettungsmaßnahmen zwischen Staaten und Banken. Sollte HOH das vergessen haben? Die folgende Karikatur macht diese Beziehung anschaulich: 

     

So, so, es darf keine TBTF-Banken mehr geben, behauptet HOH. Da will sich einer den Ast absägen, auf dem er ganz bequem sitzt: Die Bank of America steht ganz vorne auf der Liste der systemrelevanten Banken weltweit. Gleichzeitig ist sie einer der zehn big player im internationalen Derivatehandel, der finanziellen Massenvernichtungswaffe (O-Ton Warren Buffett) für die reale Welt. Bei einer "marktgerechten" Bewertung der Risiken, wie sie HOH fordert (aber leider nicht für diese Geschäfte), wäre die Bank of America schlicht auf einen Schlag pleite. 

Alles in allem halten wir für sehr schwachköpfig, was Hans-Olaf Henkel wieder einmal zum Besten gibt. Deshalb erwähnen wir nur der Ordnung halber, dass die Eurobonds mitnichten "vom Tisch" sind. Es redet nur niemand darüber. Wetten? 


Finanzkrise: Der Einsatz der Staaten hat gewirkt
(fuw.ch) Diese Woche fällt die US-Zentralbank den sehnlichst erwarteten Tapering-Entscheid (zumindest ist davon auszugehen). Seit vergangenem Mai warten die Finanzmärkte gespannt darauf, wann das Fed seine Anleihenaufkäufe drosseln wird und um wie viel. Bekanntlich hat sich die US-Geldpolitik ganz dem Vollbeschäftigungsziel verschrieben, wozu sie gesetzlich auch verpflichtet ist. Der aufgeführte Chart belegt, dass sie mit diesem Kurs bisher richtig gefahren ist. 

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Kommentar: Offensichtlich verrutscht hin und wieder auch den "Welterklärern" aus der Schweiz die klare Sicht auf die Dinge. In den USA pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass die offiziellen Zahlen getürkt sind. Den Beweis tritt Monat für Monat John Williams' Shadow Government Statistics an (hier). Der zuletzt am 6. Dezember 2013 veröffentlichte Chart zeigt ein anderes Bild:

Demnach liegt die Arbeitslosenquote auf dem Niveau der Great Depression von 1929 ff.


Larry Summers On Why "Stagnation Might Be The New Normal"... And Bubbles
(zerohedge.com) Larry Summers, who was nearly picked by Obama as the next Fed Chairman before for some inexplicable reason the Economist lobby deemed him "hawkish" and that he would put a halt to the Fed-Treasury cross monetization complex, is no stranger to providing hours of entertainment with his aphoristic quotes. Read more...

Kommentar: ZERO HEDGE hat sich in dieses Thema festgebissen und legt nach. Wir haben hier und hier bereits Beiträge geliefert und kommentiert. Für unseren Kommentar zum zweiten Beitrag sind wir kritisiert worden, dazu nehmen wir noch in den nächsten Tagen gesondert Stellung.


Irland verlässt den Rettungsschirm
(handelsblatt.com) Irland ist ein Musterland für die Euro-Zone: Die grüne Insel zeigt der Welt, dass die Rettungsmechanismen funktionieren. Am Sonntag verlassen die Iren den Rettungsschirm und holen sich wieder selbst Geld an den Märkten. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Ein neues Schelmenstück auf der europäischen Bühne. Aufgeführt von der Laienspielschar in Berlin und Brüssel. Die benötigt in der Krise dringend eine Erfolgsmeldung. Um davon abzulenken wird so getan, als sei es Irlands sehnlichster Wunsch, den Rettungsschirm an den Nagel zu hängen. Alle Leitmedien hierzulande halten sich mit kritischen Tönen weitgehend zurück. Eine kleine Auswahl:

"Irland kann es auch alleine" titelt die F.A.Z. und schreibt in der Einleitung: "Irland verlässt am Sonntag den Euro-Rettungsschirm. Nun darf man sich wieder selbständig verschulden. Doch die Inselrepublik will vor allem ihre Souveränität zurück und verzichtet auf die vorsorgliche ESM-Kreditlinie." Die F.A.Z. hat aber das größte Problem erkannt und ein Hintertürchen entdeckt: "Wenn die Not es gebieten sollte, könnten die Iren allerdings auch später noch beim ESM um Hilfe bitten. Vor allem die Altlasten der irischen Banken gelten weiterhin als ein ungelöstes Problem. Diese Woche warnten die beiden führenden Ratingagenturen vor einem neuen Kapitalbedarf: Die irischen Kreditinstitute zählten bei der bevorstehenden europaweiten Bilanzprüfung durch die Aufsichtsbehörden zu den größten potentiellen Problemfällen, bilanzierte die Agentur Moody’s. Auch Standard & Poor’s prognostiziert für die kommenden Jahre eine erhebliche Eigenkapitallücke bei Irlands Banken. Irlands Finanzminister ficht das nicht an: „Die Leute sagen alles Mögliche, aber ohne jeden Beleg dafür“, blaffte Noonan am Freitag." Mehr hier. Michael Noonan muss man nicht ernstnehmen.

Das MANAGER MAGAZIN verabschiedet Irland aus dem Rettungsschirm mit "Goodbye and Good Luck" und trifft wenigstens den kritischen Unterton: "An diesem Sonntag ist es so weit. Der Euro-Rettungsfonds EFSF verabschiedet mit Irland den ersten Kunden. Am Kapitalmarkt dürfte die Republik zunächst kaum Probleme haben - ökonomisch aber muss man Belege für die Erfolgsgeschichte mit der Lupe suchen." Mehr hier. Im Beitrag selbst fällt die Kritik erfreulicherweise noch stärker aus.

Der IRISH INDEPENDENT meldet via PRESSEUROP "Die Man in Black müssen nun woanders feiern". Dazu heißt es: "Wir wissen alle, dass es nicht einfach sein wird, doch wenigstens wissen wir, dass wir das Schlimmste hinter uns haben. Wer seinen Job/sein Haus/sein Unternehmen bis hierhin behalten hat, für den stehen die Chancen gut, dass er jetzt aus dem Schneider ist. Wir sollten uns auf die Schulter klopfen, dass wir als Nation so weit gekommen sind. Und uns heute einen Moment gönnen und versuchen, den stolzen Schritt der Men in Black nachzuahmen, die nun glücklicherweise auf der Suche nach einer anderen 'Party' weitergereist sind." Mehr von diesem Stoff gibt es hier. Das sind unverbesserliche Optimisten, diese Ir(r)en.  

"Irland steht wieder auf" erklärt n-tv"Irland klappt den Rettungsschirm zu. Die Euro-Retter feiern das als großen Erfolg und sprechen von einem Musterbeispiel für die anderen Krisenländer der Eurozone. Doch viele Iren dürften das anders sehen." Mehr hier. Der Beitrag benennt die Schwächen Irlands, kritisiert aber nicht die Maßnahme an sich.

Die SÜDDEUTSCHE lobt den Schritt in den höchsten Tönen und findet "Sparen lohnt sich". Der Autor kommentiert aus London: "Irland schreibt ein Erfolgskapitel in der langen Geschichte der Euro-Rettung. Die Insel verlässt als erstes Land den Rettungsschirm. Der Etappensieg bedeutet nicht, dass die Euro-Zone aus dem Gröbsten heraus ist - doch sie liefert wichtige Lehren für andere Krisenstaaten." Mehr hier. So viel Nonsens - da  hat einem der Londoner Nebel die Sicht genommen.

Offensichtlich hat niemand den Mut, die gute Stimmung zu zerstören. Alle wissen aber, der Kater kommt bestimmt. 350 Milliarden Euro für die Rettung seiner Banken steckt Irland nicht einfach so weg. Und die mehr als 60 Milliarden Euro aus dem übrigen Europa als Hilfe aus der Bankenkrise wollen zuzüglich der hohen Zinsen auch erst aufgebracht werden. Oder spekuliert die irische Regierung schon auf einen Schuldenschnitt? Der Gedanke ist naheliegend, dem Land fehlen schlicht die finanziellen Möglichkeiten zu einer ordentlichen Schuldentilgung. Da helfen auch keine Beschönigungen angeblicher wirtschaftlicher Erfolge. Irland ist und bleibt bankrott. Schon im Mai 2011 warnt der irische Ökonom Morgan Kelly in einem lesenswerten Beitrag "Irland wird pleite gehen" (hier). Kelly bietet gleichzeitig eine hervorragende Analyse über die Hintergründe der geplanten irischen Rettung und wie zwangsläufig die Pleite seines Landes ist. Es ist nur eine Frage der Zeit.


Schulden-Explosion: "Niemand wird ungeschoren davonkommen!"
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der Ökonom Daniel Stelter fordert sofortige Schuldenschnitte in Europa: Deutschland würde damit immer noch weniger verlieren als mit einer Fortsetzung des Schuldenwahns. Denn derzeit wachsen die die Schulden von Staaten und Privaten in der Euro-Zone um 100 Millionen Euro - pro Stunde. Stelter hält es für unverantwortlich, dass sich die neue Bundesregierung mit dieser Bedrohung überhaupt nicht beschäftigt. Mehr...

Kommentar: Ein sehr lehrreiches Interview für alle, die weiter an eine Rettung in letzter Minute glauben oder daran, dass der Kelch an Deutschland vorüber gehen wird.

Seit einigen Monaten erleben wir eine trügerische Ruhe, die demnächst jäh unterbrochen wird, da sind wir uns absolut sicher. Und die Sache wird ganz anders laufen, als uns Politik und Medien gerade wieder einmal weismachen.

Daniel Stelter ist der Mann, der 2011 bei Bosten Consulting Group (BCG) maßgeblich an den Vorschlägen einer Zwangsabgabe von "30% auf alles" mitgearbeitet hat, um die Staatsschulden wieder auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Zielgröße damals waren 60%. Das Werk nennt sich treffend "Collateral Damage - Back to Mesopotamia? - The looming Threat of Debt Restructuring" (hier) und ist in seiner Durchsetzung äußerst konsequent: Wer die geforderte Zwangsabgabe nicht zahlen kann, dessen Vermögen - Immobilie(n), Firma - werden einfach zwangsweise verkauft oder versteigert. In Deutschland genügt dafür ein einfaches Gesetz als Voraussetzung für die verfassungsmäßig erlaubte Enteignung, geregelt in Art. 14 Abs. 3 GG. Für die neue schwarz-rote Regierungsmehrheit kein Problem. 

Stelter nimmt lediglich Bezug auf die bekannten Schulden. Was wir in diesem Interview vermissen, sind Aussagen zu den unübersehbaren Risiken innerhalb der Finanzindustrie, die bisher nur ungefähr beziffert werden können und noch darauf warten, in Staatsschulden umgewandelt zu werden. Diesem Problem ist mit der Regelung "30% auf alles" nicht beizukommen. In dem Fall erleben wir zyprische Verhältnisse, wo beispielsweise bei den Bankeinlagen 80% (und mehr) konfisziert worden sind.