Samstag, 4. Januar 2014

Standpunkt 844 - Nachrichten-Ticker, 03.01.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Nachdem nun die Große Koalition unter Dach und Fach ist, werden wir in den kommenden Wochen, die Feiertage eingeschlossen, unser Arbeitspensum erhöhen, um unser neues Dossier im Januar 2014 zur Verfügung stellen zu können.  Sicher ist bereits, dass der Koalitionsvertrag die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich macht. Trotzdem gibt es eine Menge Indizien dafür, wo die politische Reise der neuen Berliner Regierung unter der alten Chefin, der Eisernen Lady Kanzlerin Angela Merkel, rund um die Krise in Deutschland und Europa hingeht. Schwerpunkte unseres neuen Dossiers bilden, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, die Vorschläge von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, die virtuelle Währung Bitcoin, das Zypern-Modell, die Pläne der EU zur Bankenrettung (Stichwort Bankenunion). Außerdem Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und die Folgen der angeblichen Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tagesthemen: "Die Euro-Krise ist beendet!" – Falle Euro?  Eurozone: weniger Kredite (3 Beiträge)  – Briten jubeln  Fed-Geldpolitik  – US, Deutschland: Autoabsatz im Dezember rückläufig (3 Beiträge)  


"Die Euro-Krise ist beendet!"
(querschuesse.de) Die Euro-Krise hat ihren Schrecken verloren. Zumindest sind die Zeiten alarmierend hoher und dennoch weiter steigender Zinsen und Risikoprämien auf Staatsanleihen von europäischen Krisenstaaten vorbei – vorerst jedenfalls. Der Alarmismus der Presse und der Medien ist verschwunden, über Massenproteste wird praktisch nicht mehr berichtet, was nicht heißt, dass es keine mehr gibt. Und vielleicht ist überhaupt nur genau dies der Grund dafür, dass die Krise von vielen als abgehakt oder doch zumindest als nicht mehr gefährlich wahrgenommen wird – gerade in Deutschland. Mehr...

Kommentar: SLE hat dem Volk aufs Maul geschaut - und das Ergebnis hervorragend in diesem Beitrag zusammengefasst. Viele Kommentare dazu zeigen wie treffend er die Haltung der Deutschen beschreibt. Aber Achtung: Nur bei oberflächlichem Lesen erschliesst sich Eichner's Botschaft nicht. 


Wege aus der Eurofalle
(faz.net) Die Krise macht eine kleine Pause. Das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die langfristigen Perspektiven der Währungsunion noch immer alles andere als rosig sind. Deshalb lohnt es sich, über Parallelwährungen nachzudenken. Mehr...

Kommentar: Der Autor dieses Beitrags, Ulrich van Suntum, ist eng mit der stramm neoliberalen, arbeitgeberfinanzierten Denkfabrik "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM) verbunden, was ihn als voreingenommen qualifiziert. Dessen wirtschaftspolitische Haltung quillt regelrecht aus jeder Zeile dieses Artikels. "Hart-Euro"? "Parallelwährungen"? Diese Säue haben schon andere Leute durchs mediale Dorf gejagt. Dahinter steckt viel "Sinn", aber wenig Verstand.

Das Krisenszenario, das van Suntum ausbreitet und zur Grundlage seiner Ideen macht, gibt es so überhaupt nicht. Es ist konstruiert - durch bewusste Weglassungen und Fehlinterpretationen der Fakten. Noch einmal: Die Krise in Europa ist eine Bankenkrise und Folge der Ereignisse, die zur Finanzkrise 2007/2008 geführt haben. Diese Krise ist so lange nicht zu Ende und frisst sich weiter durch Europa, wie das einzige Ziel darin besteht, die von der Pleite bedrohten TBTF-Banken Europas, dazu gehören die Deutsche Bank und die Commerzbank, so lange wie möglich am Leben zu halten. Die Krise in den PIIGS-Staaten ist die Folge gescheiterter Geschäftsmodelle dieser Banken - die sie mit Hilfe der einheimischen Banken-Handlanger angezettelt haben. Logisch sind die es, die zuerst in höchste Not geraten. Sie müssen gerettet werden, weil sonst die im Hintergrund agierenden TBTF-Banken direkt betroffen sind. Das gilt es mit allen Mitteln zu verhindern. Dafür haben sich diese Staaten bis unters Dach verschulden müssen, einer diktatorischen Austeritätspolitik unterworfen und in eine jahrelange Schuldenknechtschaft begeben. Ein Ende ist noch nicht in Sicht.  

Die TBTF-Banken Europas spielen in einer anderen Liga als die Banken der südeuropäischen Krisenstaaten. Von denen sitzt keine an den Spieltischen des weltweiten Finanzcasinos. Die drücken sich höchstens die Nasen an den Fenstern platt und trachten nach den Geschäften, die für sie abfallen. 

Nicht der Euro ist das Problem, wie van Suntum in seinem Beitrag weismachen will, sondern die vergessene Finanzreform, die vollmundig 2008/2009 von den Regierungen der Industriestaaten versprochen worden ist (Übrigens: Vereinzelt gibt es Stimmen, die eine Reform der Finanzmärkte für undurchführbar halten. Das ist ein Thema, mit dem wir uns in den nächsten Tagen noch näher beschäftigen werden), deren Umsetzung aber von der Politik bis heute konsequent verweigert wird. Deshalb schlummern weiter 18,2 Billionen Euro wertloser Müll in den Bilanzen europäischer Banken (hier), die Risiken aus dem Derivatehandel, die jede Vorstellungskraft sprengen (hier), oder der Schattenbanken, nicht mitgerechnet. 

Was van Suntum vorschlägt kann nicht funktionieren, weil sich damit das ursächliche Problem, die Bankenkrise und ihr 1,6 Billionen Euro schweres Rettungspaket (hier), nicht lösen lässt und deshalb sogar krisenverschärfend wirken wird. Wobei von Suntum auch ignoriert, dass es schon keine soliden Länder mehr gibt, die für sein Modell geeignet wären.

Übel finden wir in diesem Zusammenhang wenn der Eindruck erweckt wird, die Steuerzahler müssen irgendwann zwangsläufig dafür aufkommen, "wenn es zu offiziellen Abschreibungen der von EZB und Rettungsfonds gehaltenen Problempapiere kommt". Das ist schlicht falsch.  

Unser Fazit: Van Suntums Ideen sind bestens geeignet, der Gemeinschaftswährung den Garaus zu machen, was prima zu den Ansichten der Denkfabrik INSM paßt. Die Krise lösen können sie definitiv nicht. 


Euro-Banken fahren Firmenkredite stark zurück
(wirtschaftsblatt.at) Die Banken in der Eurozone haben ihre Firmenkredite so stark zurückgefahren wie noch nie. Trotz der rekordniedrigen Zinsen sackten die Darlehen im November um 3,9 Prozent zum Vorjahresmonat ab, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag mitteilte. "Es geht immer weiter runter, das ist eine bedenkliche Entwicklung", sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Er geht zwar nicht davon aus, dass die EZB kommende Woche am Leitzins dreht. In den nächsten Monaten dürften die Währungshüter ihre Geldpolitik aber weiter lockern, um der Wirtschaft in der Eurozone auf die Sprünge zu helfen. Die EZB hatte im November den Leitzins überraschend auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Im Dezember kündigte EZB-Präsident Mario Draghi an, die Zentralbank sei zu weiterem Handeln bereit und verfüge über ein schlagkräftiges Arsenal an Möglichkeiten. Ähnlich dürften sich die Währungshüter am Donnerstag nach ihrer Zinssitzung äußern, schätzt Krüger: "Die EZB wird weiter auf ihre Artillerie verweisen." Denn die Euroländer kämpften sich nur mühsam aus der Rezession heraus. Die EZB hat zuletzt wiederholt betont, dass sie notfalls die Banken zur Kreditvergabe ermuntern könnte, indem sie eine Art Strafzins für das Parken von Geld erhebt. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Natürlich, es gibt keine Kreditklemme. So wird schon seit Monaten ein Teil der Krise kleingeredet und -geschrieben. Nur nicht bei uns. Wir setzen uns gegen jede Propagandalüge zur Wehr. Die auch in diesem Beitrag nicht fehlt: "Deutlich zuversichtlicher gibt sich Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. 'Die Daten sind ein Zeichen, dass die Firmen in der Eurozone insgesamt in einer hervorragenden finanziellen Lage sind und Investitionen nichts im Wege steht.' Denn die Unternehmen könnten - dank ausreichenden Cash und finanzieller Zuflüsse - gleichzeitig Kredite zurückzahlen und Barreserven hochfahren. 'Die Firmen haben Geld und ihr Vertrauen in die Zukunft wächst', sagte Schmieding. 'Das spricht dafür, dass sie ihr Geld auch wieder langfristig ausgeben.' Deutschland sei hier Vorreiter, andere Ländern dürften folgen." Wer's glaubt...

Es trifft nämlich nicht nur die Firmenkredite, wie das HANDELSBLATT in seinem Beitrag "Im Rekordtempo: Banken fahren Firmenkredite zurück" schreibt: "Im November sind die Darlehen für Unternehmen stark abgesackt. Auch die gesamte Kreditvergabe der Banken sinkt. Experten sprechen von einer bedenklichen Entwicklung – und hoffen auf die EZB." Mehr hier.

ZERO HEDGE nimmt zu dieser Entwicklung kein Blatt vor den Mund: "No Waking From Draghi's Monetary Nightmare: Eurozone Credit Creation Tumbles To New All Time Low" (hier) und liefert gleich anschauliche Bilder mit: 


(NFCs=non-financial corporations, nicht finanzielle Kapitalgesellschaften, hier)


George, der Drachentöter: Der Schatzkanzler als Held der Briten
(diepresse.com) Die Erholung der Wirtschaft stellt für George Osborne einen persönlichen Triumph dar. Jetzt muss er die Insel vor einem neuerlichen Crash bewahren. Mehr...

Kommentar: Eine propagandistische Meisterleistung. Statt vieler Worte von uns, bitte hier nachlesen: "Großbritannien: London boomt, das Land blutet". Den Beitrag haben wir hier kommentiert und mit weiteren Links und einer Grafik ergänzt. Es lohnt sich, dort noch einmal vorbeizuschauen. So lässt sich der heutige Beitrag besser bewerten.


Die Fed bleibt bei ihrer lockeren Geldpolitik
(format.at) In seiner voraussichtlich letzten Rede als Fed-Chef zeichnete Bernanke am Freitag ein optimistisches Bild über die Entwicklung der US-Wirtschaft in den kommenden Monaten. Die Erholung bleibe aber noch "eindeutig unvollständig". Mehr...

Kommentar: Was sonst? Nur wird das nicht reichen, um die vom Präsidenten versprochenen Jobs zu schaffen. Wem die Maßnahmen der US-Notenbank geholfen haben, zeigt die folgende Grafik: 

Quelle: fuw.ch


Stockende Verkäufe bei US-Autoriesen
(derstandard.at) Die vier größten Autohersteller auf dem US-Markt haben im Dezember weniger Fahrzeuge verkauft als von Experten erwartet. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Eine erstaunliche Entwicklung wenn man bedenkt, dass die Autoverkäufe im vergangenen Jahr kräftig gepusht worden sind: 

Quelle: zerohedge.com

"GM Misses Sales Expectations, Blames Weather; Ends Year With Most Ever December 'Channels Stuffed'" meldet ZERO HEDGE und legt die folgende Grafik nach: 


Die Markierungen der Dezember-Werte stammen von uns. Mehr dazu hier. In dem Beitrag "Domestic Vehicle Sales Lowest In 14 Months; Miss By Most In Over 5 Years" legt ZERO HEDGE noch mit zwei anschaulichen Charts nach:




Mehr dazu hier

Aus diesem Beitrag stammt auch die folgende Übersicht. Sie zeigt, dass es auch bei BMW und VW auf dem US-Markt kräftig bergab gegangen ist: 



Leider zeigt sich auch der deutsche Markt anfällig: "Deutschland: PKW-Neuzulassungen Dezember" meldet QUERSCHUESSE. Steffen Bogs schreibt einleitend: "Laut den heutigen Daten des Kraftfahrzeugbundesamtes (KBA) stiegen im Dezember 2013 die unbereinigten Neuzulassungen (Originaldaten) von Personenkraftwagen (PKW) in Deutschland um +5,4% zum Vorjahresmonat, auf 215’320 neu zugelassene PKW. Im Gesamtjahr 2013 sanken die PKW-Neuzulassungen um -4,2% zum Vorjahr, auf 2,952431 Millionen PKW. Das Jahr 2013 war das schwächste Jahr bei den PKW-Neuzulassungen seit 1989!" Und liefert gleich aussagekräftige Charts dazu, von denen wir zwei schon jetzt zeigen möchten: 

"Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen auf Jahresbasis seit 1955 bis 2013 im Chart. Im Jahr 2013 wurden insgesamt 2,952431 Personenkraftwagen neu zugelassenen (-4,2% zum Vorjahr). Dies dokumentiert die schwächsten PKW-Neuzulassungen seit 1989!"

"Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen zur Bevölkerungsentwicklung auf Jahresbasis seit 1955 bis 2013 im Chart. Im Jahr 2013 wurden zuletzt auf 10’000 Einwohner 365,4 PKW neu zugelassen, selbst Ende der 70er waren es deutlich mehr."

Mehr dazu hier. Die Hersteller wissen es längst: Deutschland ist ein sterbender Markt. Und sehen ihre Zukunft anderswo.