Mittwoch, 8. Januar 2014

Standpunkt 848 - Nachrichten-Ticker, 07.01.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Nachdem nun die Große Koalition unter Dach und Fach ist, werden wir in den kommenden Wochen, die Feiertage eingeschlossen, unser Arbeitspensum erhöhen, um unser neues Dossier im Januar 2014 zur Verfügung stellen zu können.  Sicher ist bereits, dass der Koalitionsvertrag die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich macht. Trotzdem gibt es eine Menge Indizien dafür, wo die politische Reise der neuen Berliner Regierung unter der alten Chefin, der Eisernen Lady Kanzlerin Angela Merkel, rund um die Krise in Deutschland und Europa hingeht. Schwerpunkte unseres neuen Dossiers bilden, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, die Vorschläge von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, die virtuelle Währung Bitcoin, das Zypern-Modell, die Pläne der EU zur Bankenrettung (Stichwort Bankenunion). Außerdem Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und die Folgen der angeblichen Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tagesthemen: In eigener Sache – Hans-Werner Sinn vs. Mindestlohn (viele Beiträge!)  Die "neue Ungleichheit" – Deutschland: Wahrheit Jobwunder Deflation in der Eurozone! (2 Beiträge)  – Irland (2 Beiträge)    China


In eigener Sache
Nicht erst seit dem neuerlichen Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle immer wieder daraufhin.

Zu unserem großen Erstaunen stellen wir in diesen Tagen aber fest, dass die Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken, bei den Betroffenen scheinbar zu Ende geht. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Wir haben bis in den Spätsommer 2013 hinein, über Monate hinweg, eine persönliche Beratung angeboten, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Depression und der Enteignung abzusichern. Kurz - seine Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. 

Dieses Angebot haben wir Anfang September 2013 ausgesetzt, weil die Nachfragen für unser kleines Team überhand genommen haben. 

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt und bieten deshalb ab sofort wieder eine persönliche Beratung an. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Die Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.   

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Interesse? E-mail genügt. 


Mindestlohn macht uns wieder zum "kranken Mann Europas"
(fuw.ch) Die Einführung des Mindestlohns bedeutet einen Paradigmenwechsel in der deutschen Wirtschaftsgeschichte: Der Staat mischt sich in die Lohnbildung ein. Das ist in einer Marktwirtschaft nicht seine Aufgabe, sondern die der Tarifpartner. Der Mindestlohn wird sich als Katastrophe für den Arbeitsmarkt erweisen. Er wird die Agenda 2010 rückgängig machen und uns in die Zeit vor der Kanzlerschaft Gerhard Schröders zurückwerfen – als Deutschland der "kranke Mann Europas" war. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Das neoliberale Geschwafel des Professors aus München geht uns mittlerweile gehörig auf den Sack. Dieser Mann, der Top-Ökonom des deutschen "BILD"-ungsbürgertums und Liebling der deutschsprachigen Leitmedien, betrügt einmal mehr seine Anhänger und die Öffentlichkeit. Seine Argumente sind "Schwach - Sinn".

Wir bleiben dabei: Sinn gehört zu den Totengräbern der deutschen sozialen Marktwirtschaft. Vor Jahren schon im Nirgendwo der akademischen Lehre steckengeblieben, streut er weiter unverdrossen seine neokonservativen Uralt-Lehren unters Volk. Bei Sinn entwickelt sich einfach nichts weiter, faktenresistent, will er die modernen Probleme mit vorsintflutlichen Mittelchen lösen. Um zu verdeutlichen was wir meinen, "leihen" wir uns ein treffendes Zitat bei Albert Einstein aus: "Die Probleme, die es in der Welt gibt, sind nicht mit der gleichen Denkweise zu lösen, die sie erzeugt hat." Der Mann war, nach unserer Kenntnis, lernfähig bis ins hohe Alter.

Wie überholt seine Thesen sind, möchten wir an Hand einer Reihe von Veröffentlichungen zeigen, die wir zu diesem Zweck recherchiert haben. 

"Warum Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn braucht" erläutert eine Analyse der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) aus 2009. In der Zusammenfassung heißt es dort: "Deutschland ist nach wie vor eines der wenigen Länder ohne gesetzlichen Mindestlohn. Dem Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung (gemeint ist schwarz-gelb, Anm. von uns)  zufolge soll dies auch in den nächsten Jahren so bleiben, obwohl die deutliche Zunahme des Niedriglohnsektors in Deutschland dafür spricht, dass hier politischer Handlungsbedarf besteht. Ein einheitlicher gesetzlicher Mindestlohn, der das Lohnspektrum nach unten hin begrenzt, wäre insbesondere wichtig für Bereiche, in denen die Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände nicht präsent oder zu schwach sind, um angemessene Löhne zu vereinbaren. Neue internationale Studien zeigen, dass selbst vergleichsweise hohe Mindestlöhne positive Effekte auf der betrieblichen Ebene und auf dem Arbeitsmarkt haben können." Weiter schreiben die Autoren: "Der Umfang der Niedriglohnbeschäftigung in Deutsch land ist seit Mitte der 1990er Jahre deutlich gewachsen und liegt inzwischen deutlich über dem europäischer Nachbarländer. Sogar das hohe Niveau der USA ist fast erreicht. Während die oberen Einkommensgruppen zwischen 1995 und 2006 zumindest leichte Reallohnzuwächse zu verzeichnen hatten, sind die durchschnittlichen Stundenlöhne im unteren Einkommensquartil in diesem Zeitraum inflationsbereinigt um fast 14% gesunken. Selbst im Wirtschaftsaufschwung seit 2004 ist der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten weiter angestiegen. Besonders bedenklich erscheint, dass der Anteil von Beschäftigten mit Niedrigstlöhnen von weniger als 50% oder sogar einem Drittel des Medians deutlich gestiegen ist. Immer mehr Menschen arbeiten in Deutschland also für Löhne, die selbst für vollzeitarbeitende Alleinstehende kaum zur Bestreitung des Lebensunterhaltes ausreichen." Mehr dazu hier. Die Analyse deckt auf: "Die Ausweitung des Niedriglohnsektors in Deutschland ist zum einen die Folge der Erosion der einst stabilen Tarifstrukturen. Zum anderen wurde diese Erosion von der Politik durch Veränderungen wichtiger Stützpfeiler der Tarifstrukturen noch beschleunigt."  Unter diesen Umständen macht es nur für Sinn keinen Sinn, dass der Staat ordnungspolitisch eingreift, um frühere Fehler zu korrigieren.  

Schon vor Jahren, 2007, hat eine Studie nachgewiesen, dass Mindestlöhne nicht zwangsläufig Arbeitsplätze vernichten, wie Sinn behauptet ("Mindestlohneffekte des Entsendegesetzes? - Eine Mikrodatenanalyse für die deutsche Bauwirtschaft", hier). Im gleichen Jahr kommt eine Studie sogar zu dem Ergebnis, dass Mindestlöhne Arbeitsplätze schaffen ("Gesamtwirtschaftliche Wirkungen der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes in Deutschland auf der Basis der Konzeption der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di", hier): "Als Ergebnis einer aktualisierten Simulationsstudie auf der Basis eines Mindestlohnszenarios, welches die Konzeption der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di abbildet, läßt sich festhalten, daß die Einführung eines Mindestlohnes in Deutschland kurz- bis mittelfristig die Binnennachfrage infolge der überdurchschnittlich hohen Konsumquote bei zugleich unterdurchschnittlicher Steuer- und Abgabenbelastung der Niedriglohnempfänger spürbar anregen dürfte. (...) Insgesamt läßt sich feststellen, daß sich nach der Prognose des Modells durch die Einführung eines Mindestlohnes die materiellen Lebensgrundlagen einiger Millionen zur Zeit prekär niedrig entlohnter Beschäftigter verbessern lassen, ohne daß, wie von den zahlreichen Vertretern des einfachen neoklassischen Arbeitsmarktmodells in Deutschland behauptet, Beschäftigungsverluste zu erwarten wären – im Gegenteil." Das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) und die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) behaupten "Mindestlöhne schaden nicht" (hier) und untermauern diese These mit zwei Untersuchungen: "Mindestlöhne in Deutschland" (hier) und die bereits zitierte "Warum Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn braucht" (hier). Zu den Gründen, sich für die Einführung eines Mindestlohnes einzusetzen, gehören auch die "Schwache Lohnentwicklung im letzten Jahrzehnt" in Deutschland, wie das DIW in Berlin in einer Untersuchung festgestellt hat (hier). Obwohl es dort um eine Gesamtbetrachtung geht, zeigen sich doch erhebliche Einschnitte im Niedriglohnsegment. Die Bertelsmann-Stiftung hat die Einkommensarmut untersuchen lassen. Und ist zu dem Ergebnis gekommen, die "Einkommensarmut hat deutlich zugenommen" und hat einen "Nachholbedarf in Sachen soziale Gerechtigkeit" festgestellt (hier). Die Studie dazu gibt es hier. Eine anschauliche Grafik gibt es dazu auch:  


Über "Deutsche Geringverdiener im europäischen Vergleich" berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit (hier). Eine sehenswerte Grafik dazu gibt es hier. Die "Mindestlöhne in Europa" vergleicht auch der DGB"Wir befinden uns im Jahre 2013 nach Christus. In ganz Europa gibt es Mindestlöhne... Ganz Europa? Nein! Ein nicht ganz unbedeutendes Land in der Mitte hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Und das ist nicht leicht. Sind doch fast alle Mächte des alten Europa dem Mindestlohn verfallen. Die Briten, die Franzosen, die Niederländer und die Belgier, die Spanier, die Portugiesen und die Luxemburger sowieso." Mehr dazu hier. Die Grafik dazu hier. Druck durch die Krise in Europa gibt es auch bei den Mindestlöhnen, wie der folgende Beitrag berichtet: "WSI-Mindestlohnbericht 2013 – Anhaltend schwache Mindestlohnentwicklung in Europa" von Thorsten Schulten. Dort heißt es einleitend: "Im Jahr 2012 hat sich die schwache Mindestlohnentwicklung der Vorjahre weiter fortgesetzt und in einigen europäischen Ländern sogar noch verschärft. Nach wie vor stehen die nationalen Mindestlohnpolitiken unter dem Eindruck der Krise und folgen der von der Europäischen Union (EU), der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) geforderten Austeritätspolitik. Im Ergebnis kommt es in vielen Ländern zu einer Senkung des realen Mindestlohnniveaus, die sich in die insgesamt schwache Lohnentwicklung einfügt und somit dazu beiträgt, die ökonomischen Stagnationstendenzen in Europa weiter zu verfestigen." Mehr hier

"Ein gesetzlicher Mindestlohn zur Regulierung des Niedriglohnsektors" fordert der Berliner Arbeitsrichter Thomas Lakies in einem GEGENBLENDE-Beitrag und widerlegt Hans-Werner Sinn. In seiner Einleitung schreibt er: "Stundenlöhne von weniger als acht Euro sind keine Seltenheit. Diese sichern nicht einmal das 'soziokulturelle' Existenzminimum der Verkäufer der Ware Arbeitskraft. Den Apologeten des 'freien' Marktes erscheint der Niedriglohn als 'Marktpreis', mehr gebe die „Arbeit“ nicht her. Die materielle Wahrheit ist: Der Arbeitsmarkt beruht auf struktureller Ungleichheit. Die Anbieter der Ware Arbeitskraft sind darauf angewiesen, dass die Unternehmen die Arbeitskraft nachfragen. Deswegen können die Unternehmen den Preis der Arbeitskraft, den Lohn, drücken – es gibt genügend Arbeitskraftanbieter, die ihre Ware für nahezu jeden Preis feilbieten. Gegen Preisverfall schützt kollektive Selbsthilfe: die schwachen Marktteilnehmer schließen sich zu Gewerkschaften zusammen, um den Preis in Tarifvertragsverhandlungen kollektiv aushandeln. Die „Kartellfunktion“ von Tarifverträgen schützt vor Unterbietungskonkurrenz. Diese Selbsthilfe versagt bei zurückgehender Tarifbindung. Der Preisverfall kann nur noch – so scheint es – durch Eingreifen des Staates gestoppt werden. Durch die Staatsintervention wird das Versprechen des Sozialstaats eingelöst, die schwachen Marktteilnehmer zu schützen. Über kurz oder lang wird es einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn geben – denn der Niedriglohnsektor nimmt zu und die Tarifbindung geht zurück." Mehr hier.

Erstaunlich das Ergebnis dieser Studie: "Gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro würde Staatskasse um sieben Milliarden Euro entlasten". Beim DGB heißt es dazu: "Im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung hat das Beratungs- und Forschungsunternehmen Prognos AG eine Studie zu den fiskalischen Effekten eines gesetzlichen Mindestlohns erstellt. Würde ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro bestehen, käme es zu erheblichen Mehreinnahmen sowohl bei den Steuern als auch den Sozialversicherungsbeiträgen. Parallel würden die bisher aufgewandten Staatsausgaben, etwa für die Leistungen an Aufstocker, sinken. Der deutsche Staat könnte seine Haushaltslage verbessern, da er dadurch um sieben Milliarden Euro entlastet würde. Die Wissenschaftler untersuchten zum ersten Mal, wie sich die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro auf die Haushalte von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen auswirkt. Die Erwerbseinkommen würden sich um 14,5 Milliarden Euro erhöhen mit der Folge höherer Zahlungen zur Einkommensteuer und Sozialbeiträge. Die Studie geht auch auf Zweitrundeneffekte ein. Durch den Einkommensanstieg würden die betroffenen Bevölkerungsgruppen mehr konsumieren und dadurch für den Staat die indirekten Steuern ansteigen. Ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro würde dem Staat knapp 700 Millionen an Mehreinnahmen bringen. Die Frage der möglichen Beschäftigungseffekte wurde im Rahmen der Studie nicht untersucht. Ausgehend von bereits vorliegenden theoretischen und empirischen Studien könne seitens der Wissenschaft jedoch keine eindeutige Aussage über mögliche positive und negative Beschäftigungseffekte durch einen gesetzlichen Mindestlohn getroffen werden" (hier). Die Studie "Fiskalische Effekte eines gesetzlichen Mindestlohns" (hier) wurde im April 2011 veröffentlicht. In die gleiche Richtung geht der  Bericht "Fiskalische Wirkungen eines Mindestlohns" des IAB: "Die zu erwartenden Mehreinnahmen bei der Einkommensteuer beziffern sich in der kurzen Frist auf gut 800 Mio. Euro. Die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge zu den Sozialversicherungen steigen zunächst einmal um knapp 1,7 Mrd. Euro. Die kurzfristig zu erwartenden Entlastungen bei den SGB-II-Ausgaben belaufen sich auf mindestens 0,4 Mrd. Euro und höchstens knapp 1 Mrd. Euro." Mehr hier

Ignorant stellt sich Hans-Werner Sinn mit seinen Thesen auch gegen eine Untersuchung der Berkeley University: "Studie widerlegt Mindestlohn-Gegner" titelt BÖCKLER IMPULS und schreibt in der Einleitung: "Kosten höhere Mindestlöhne Arbeitsplätze? Eine groß angelegte empirische Studie entdeckt für diesen Verdacht keine Indizien: Sämtliche Anhebungen der US-Mindestlöhne von 1990 bis 2006 blieben ohne Beschäftigungseffekte." Mehr hier. Eine aussagefähige Grafik liefert BÖCKLER gleich mit: 


Direkt zur Berkeley-Studie "Minimum Wage Effects Across State Borders: Estimates Using Contiguous Counties" geht es hier

Abschließend möchten wir noch auf den Beitrag "Neoliberales Zitierkartell – mit fragwürdigen Zahlen gegen Mindestlöhne" bei NACHDENKSEITEN hinweisen, der sich jüngst ausführlich mit den "schiefen" Argumenten gegen den Mindestlohn auseinander gesetzt hat: "In den letzten Wochen häufen sich Presseartikel und wissenschaftliche Arbeiten, in denen nachdrücklich gegen die Einführung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland Stellung bezogen wird. Man könnte den Eindruck bekommen, dass hier von einer großen Zahl an Akteuren regelrecht eine Kampagne losgetreten wurde. Eines der in vielen Artikeln und Arbeiten immer wiederkehrenden Argumente lautet, dass ein Mindestlohn von 8,50 Euro im internationalen Vergleich sehr hoch bzw. zu hoch sei. Als Beleg dafür wird in vielen dieser Texte, offen oder verdeckt, direkt oder indirekt, auf eine einzige, am Institut der deutschen Wirtschaft entstandene Studie Bezug genommen. Diese Quelle aber ist äußerst kritisch zu sehen." Mehr hier. Sehr aufschlussreich. 

Als allerletzten Link bieten wir noch eine Studie der International Labour Organization (ILO) zum Thema auf: "Social justice and growth: The role of the minimum wage" (hier).

Wer sich durch diesen Querschnitt von Beiträgen gearbeitet hat, den kann Hans-Werner Sinn nicht mehr beeindrucken. 


Die neue Ungleichheit
(project-syndicate.org) Die politischen Reaktionen auf die Finanzkrise von 2008 waren von Anfang an von Erinnerungen und Interpretationen in Bezug auf die Große Depression durchfärbt. Heute ist die allgemeine Lesungsart, dass die Welt vor allem deshalb eine Wiederholung der Katastrophe der Zwischenkriegszeit vermieden habe, weil die Politik diesmal bessere Entscheidungen gefällt habe. Doch obwohl es eine Menge Gründe gibt, uns selbst auf die Schulter zu klopfen, werfen zwei Aspekte des auf die Krise folgenden Aufschwungs einen Schatten auf den Jubel.
Erstens ist die Erholung trotz beispielloser Expansion der Geldmenge und massiver Steuerimpulse bisher bemerkenswert schwach und fragil ausgefallen. In der Eurozone hat die Schuldenkrise eine scharfe Hinwendung zur Haushaltskonsolidierung – und damit einen Rückfall in die Rezession – ausgelöst. Doch selbst in den USA, wo es zunächst eine Menge Konjunkturimpulse gab, dürfte die langfristige Wachstumsrate auf absehbare Zeit deutlich unter Vorkrisenniveau verharren.
Der stockende Aufschwung erinnert an die 1930er Jahre, als viele prominente Ökonomen, darunter John Maynard Keynes und sein führender amerikanischer Exponent Alvin Hansen, zu der Ansicht gelangten, dass die Welt in eine Phase langfristiger Stagnation eingetreten sei. Aus ihrer Sicht hatten sich die Vitalität und Dynamik der Industriellen Revolution erschöpft, ohne dass es etwas gab, das an ihre Stelle treten und das Wirtschaftswachstum aufrechterhalten könnte.
 
Das zweite Caveat bezüglich der Welt nach der Krise ist sogar noch alarmierender. Viele Länder reagierten auf die Große Depression, indem sie Strategien umsetzten, um die Unterschiede bei Vermögen und Einkünften zu verringern. Daher schien jene extreme soziale und wirtschaftliche Ungleichheit, die die Industrieländer zuvor gekennzeichnet hatte, in der Mitte des 20. Jahrhunderts zu verschwinden.

Doch seit 2008 hat die gemessene Ungleichheit, die schon vor der Finanzkrise im Steigen begriffen war, steil zugenommen, was großteils auf eben jene Maßnahmen zurückzuführen ist, die so häufig dafür gelobt werden, dass sie eine neuerliche Große Depression verhindert hätten. Die unkonventionelle Geldpolitik heizte einen Boom bei den Vermögenspreisen an, bei dem die Aktienkurse steil anstiegen und die Immobilienpreise in Wirtschaftszentren wie New York, London, Paris, Rio de Janeiro und Shanghai heimische Käufer vom Markt ausschlossen.
Während die Reichen reicher wurden, geriet die Mittelschicht durch in Nullnähe
liegende Nominalzinsen (d.h. negative reale Zinsen) unter Druck. Zugleich litten die Einkommen der Arbeiterschicht durch zunehmenden Wettbewerb um Arbeitsplätze aus Ländern mit niedrigeren Arbeitskosten. Mehr...


Kommentar: Der Autor, Harold James, ist Wirtschaftshistoriker. Seine Beiträge empfehlen wir immer gerne. Sie liefern regelmäßig reichlich Gedankenfutter. Bedenkenswert sein Fazit in diesem Beitrag: "Was heute die Ungleichheit anheizt, ist nicht zügelloser Kapitalismus, sondern ein problematisches öffentliches Bemühen, Volkswirtschaften im Gefolge der Finanzkrise zu stabilisieren. Kapitalistischer Wettbewerb erodiert Monopolgewinne, während die staatliche Politik die Gefahr birgt, Privilegien zu verfestigen. Heute, wo expansive Geldpolitik und höhere Staatsausgaben eine starke Gegenreaktion seitens der ausgeschlossenen und unterprivilegierten Bevölkerungsschichten auslösen, könnten Schritte, die im Namen der Vermeidung einer weiteren Großen Depression ergriffen werden, letztlich zu einer Verschärfung der gesellschaftlichen Polarisierung führen."


Die Wahrheit hinter dem deutschen Jobwunder
(welt.de) Bundesarbeitsministerin Nahles spricht von einem guten Start ins Jahr – obwohl die Arbeitslosigkeit in Deutschland seit langem erstmals wieder gestiegen ist. Experten erklären, wie das zusammenpasst. Mehr...

Kommentar: Eine vielversprechende Überschrift. Leider haben wir in dem Beitrag diese Wahrheit nicht gefunden, nur das übliche Blabla, ohne Bezug zur Wirklichkeit. 


In der Eurozone wächst Furcht vor Deflation
(derstandard.at) Die Angst vor einer Deflation in der Eurozone nimmt wieder zu. Die Verbraucherpreise stiegen laut Eurostat im Dezember im Jahresvergleich nur um 0,8 Prozent (in Österreich lag die Inflationsrate im November bei 1,4 Prozent, Anm.) Ökonomen hatten damit gerechnet, dass die Teuerungsrate auf dem November-Niveau von 0,9 Prozent verharrt. Sie liegt damit weit unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen spricht. Ökonomen halten es für möglich, dass die EZB ihre Geldpolitik nun erneut lockern wird. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Und die gefährlichen Folgen? Dazu steht nichts in diesem Beitrag. Das liest sich bei DEUTSCHE WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN schon anders: "Gefährlich: Europa steuert in Richtung Deflation". Dort heißt es dazu: "Europa droht eine gefährlich Deflation. Das bedeutet: Alle Preise und damit Werte sinken. Für Schuldner ist das ein Problem - vor allem Leute, die sich eine Wohnung auf Kredit gekauft haben, müssen nun besonders auf der Hut sein." Mehr hier. Sich davor schützen? Die Vorschläge, die im Beitrag gemacht werden, sind nach unserer Ansicht nicht besonders tauglich. Sie lassen unbeachtet, dass der größte Gegner der Sparer und Anleger nicht Deflation, Inflation oder eine Mischform ist, sondern die absehbare Enteignung durch den Staat. Da gilt es höllisch auf der Hut zu sein. Es drohen "All-inclusive"-Verbote und Zwangsabgaben auf alle Vermögensformen. Da helfen die bekannten Rezepte nicht mehr. So viel ist sicher.


Irlands erfolgreiche Rückkehr an den Kapitalmarkt
(fuw.ch) Irland hat den Euro-Rettungsschirm eben erst verlassen und ist heute mit Erfolg an den Kapitalmarkt zurückgekehrt. Das Interesse der Investoren überstieg das Anleihenangebot deutlich. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Das ist enttäuschend, was die Schweizer "Wirtschaftswelterklärer" da abliefern. So schlecht, das ist selten. Statt eines eigenen Kommentars zu dieser einfältigen Meldung zitieren wir an dieser Stelle die  DEUTSCHE WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN zum gleichen Thema: "Sichere Wette: Irische Staatsanleihen sind ein Renner". In der Einleitung steht auch gleich warum: "Die Nachfrage nach irischen Staatsanleihen ist enorm. Kein Wunder: Der Erfolg des Bailouts ist eine Prestige-Sache für die EU und die EZB, weshalb diese Bonds das sicherste Investment sind, das ein Anleger aktuell bekommen kann: Der klassische Insider-Deal, allerdings in diesem Fall sogar vor laufender Kamera." Mehr hier. Uns würde interessieren, wer gekauft hat und mit welchem Geld. 


Michael Pettis Warns China Bulls "It Is Almost Impossible For Growth To Remain This High"
(zerohedge.com) With manufacturing and non-manufacturing PMIs disappointing, and the nation's banking system still stuck in the thralls of a liquidity crisis (each time the PBOC removes the punchbowl), Michael Pettis' warnings are becoming increasingly likely (even though consensus remains that China will save the world somehow - as it transitions 'smoothly' to a consumer-based economy). Read more...

Kommentar: Neues über den von der  deutschen Industrie verklärten Zukunftsmarkt China. Irgendwann hilft weder schönrechnen noch schönreden. Auch China ist es nicht gelungen, den Kapitalismus neu zu erfinden. Deshalb bleibt auch dort eine Blase eine Blase. Garantiert.