Samstag, 11. Januar 2014

Standpunkt 851 - Nachrichten-Ticker, 10.01.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Nachdem nun die Große Koalition unter Dach und Fach ist, werden wir in den kommenden Wochen, die Feiertage eingeschlossen, unser Arbeitspensum erhöhen, um unser neues Dossier im Januar 2014 zur Verfügung stellen zu können.  Sicher ist bereits, dass der Koalitionsvertrag die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich macht. Trotzdem gibt es eine Menge Indizien dafür, wo die politische Reise der neuen Berliner Regierung unter der alten Chefin, der Eisernen Lady Kanzlerin Angela Merkel, rund um die Krise in Deutschland und Europa hingeht. Schwerpunkte unseres neuen Dossiers bilden, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, die Vorschläge von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, die virtuelle Währung Bitcoin, das Zypern-Modell, die Pläne der EU zur Bankenrettung (Stichwort Bankenunion). Außerdem Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und die Folgen der angeblichen Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tagesthemen: In eigener Sache – Auf ein Wort: Die US-Arbeitsmarktdaten (8 Beiträge)  US-Recovery – Fed und das Finanzcasino Welthandel  – Griechenland (3 Beiträge)    Krisenherd Europa


In eigener Sache
Nicht erst seit dem neuerlichen Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle immer wieder daraufhin.

Zu unserem großen Erstaunen stellen wir in diesen Tagen aber fest, dass die Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken, bei den Betroffenen scheinbar zu Ende geht. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Wir haben bis in den Spätsommer 2013 hinein, über Monate hinweg, eine persönliche Beratung angeboten, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Depression und der Enteignung abzusichern. Kurz - seine Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. 

Dieses Angebot mussten wir Anfang September 2013 leider aussetzen, weil die Nachfragen für unser kleines Team überhand genommen haben. 

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt und bieten deshalb ab sofort wieder eine persönliche Beratung an. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Die Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.   

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Interesse? E-mail genügt.


Auf ein Wort: Die US-Arbeitsmarktdaten
Manchmal ist es einfach nicht mehr auszuhalten - wenn man gerade wieder einmal entdeckt, dass man von den Leitmedien zu einem kompletten Idioten abgestempelt wird. So geht es uns gerade bei den neuesten Meldungen in den deutschsprachigen Führungsmedien. 

Den Vogel hat Österreichs FORMAT mit der Meldung abgeschossen "USA schafften 2013 so viele Jobs wie seit acht Jahren nicht". Die Zeitung schreibt im Vorspann dazu: "Die US-Arbeitgeber haben im vergangenen Dezember wohl erneut neue Stellen geschaffen. Damit wäre 2013 das stärkste Beschäftigungsjahr in den USA seit 2005." Der Beitrag stützt sich offensichtlich auf eine Umfrage der US-Nachrichtenagentur Bloomberg: "90 von Bloomberg befragte Analysten rechnen im Mittel für Dezember mit "197.000 neuen Jobs, nach plus 203.000 im Monat zuvor. Damit läge der Zuwachs im gesamten Jahr bei 2,27 Millionen, was zuletzt vor acht Jahren übertroffen wurde." Mehr hier. Als diese Meldung in den Nachrichten-Himmel geschossen worden ist, war längst klar, dass diese Prophezeiung völlig danebenliegt. Hält sich diese Zeitung eigentlich noch für seriös? Diese Fragen können wahrscheinlich nur unsere österreichischen LeserInnen richtig beantworten. Wir jedenfalls haben da so unsere Zweifel. Dieser Beitrag bestärkt uns darin. Es ist nämlich noch nicht alles. Zum Schluss steht da noch: "Bis einschließlich November wurden in den USA 7,4 Mio. der 8,7 Mio. Stellen wieder geschaffen, die in der 18 Monate andauernden Rezession bis Juni 2009 verlorengegangen waren." In Wahrheit haben in dieser Zeit mindestens 12 Millionen Amerikaner ihren Job verloren. Plus alle anderen, die seit dem die Not in Labor Force-Zahlen auf neue Höchststände drücken. Dazu später mehr.

Die Meldung hat uns neugierig gemacht und wir haben recherchiert. Unser Ergebnis: Die Wirklichkeit ist eine andere.

ZERO HEDGE  meldet: "It's Official: The US Created Less Jobs In 2013 Than 2012" und schreibt dazu nur einen Satz: "The Fed spent over $1 trillion in 2013 (to push the stock market to all time highs) and all we got was... less jobs created than in 2012?" (hier). Der Rest sind die beiden folgenden Grafiken:




Vorher meldete ZERO HEDGE bereits enttäuscht einen neuen Höchststand: "People Not In Labor Force Soar To Record 91.8 Million; Participation Rate Plunges To 1978 Levels". Dazu heißt es: "Curious why despite the huge miss in payrolls the unemployment rate tumbled from 7.0% to 6.7%? The reason is because in December the civilian labor force did what it usually does in the New Normal: it dropped from 155.3 million to 154.9 million, which means the labor participation rate just dropped to a fresh 35 year low, hitting levels not seen since 1978, at 62.8% down from 63.0%." Mehr hier. Die beiden Charts aus dem Beitrag belegen augenfällig diese Entwicklung: 




Sehr informativ auch der Beitrag "So, Who's Lying?" (wir sind immer noch bei ZERO HEDGE), den wir an dieser Stelle komplett wiedergeben: "As was reported to mass jubilation on Wednesday, the ADP private payrolls number soared to the highest monthly change since November 2012, a 238,000 increase driven by what the report said was a 48,000 increase in construction jobs. ADP's Mark Zandi went on the record to say that “The job market ended 2013 on a high note. Job gains are broad-based across industries, most notably in construction and manufacturing. It appears that businesses are growing more confident and increasing their hiring." It appears not. According to today's BLS report in December, on a seasonally adjusted basis, the construction industry lost 16K jobs. And where it gets really funny is when one looks at construction on a non-seasonally adjusted basis, construction jobs plummeted by a whopping 216,000! However you cut it someone is obviously lying. If we cared we would ask who. However, since both data series are completely fabricated, who even cares?" (hier). Dazu noch den Chart: 



ZERO HEDGE beschreibt in einem Beitrag auch die "Qualität" der neuen Jobs: "More Than Half Of December Jobs Added Were Temporary". Weiter heißt es dort: "Once again, in its sheer panic to tout the quantity, or lack thereof, in the case of the December jobs number, the frenzied media and pundits completely ignored the quality of the jobs gained in the last month of December. Or lack thereof. Because as the simple breakdown below shows, of the 74K jobs gained in December, 55%, or 40K were the worst of the lot when it comes to wages or benefits: temporary jobs." Mehr hier. Außerdem gibt in dem Beitrag noch eine leicht verständliche Grafik: 



Selbst bei der Arbeitslosenrate berichtet ZERO HEDGE im Vergleich zur offiziellen Zahl über ein anderes Ergebnis: "Real Unemployment Rate Of 11.5% Means Difference To Reported Rises To Record". Zur Erklärung heißt es: "The gross manipulation of the unemployment rate due to the plunging labor force participation rate and the soaring, record number of people that are not in the labor force is by now, we hope, clear to all. Yes, millions may be dropping out of the labor force because they can't find a job which somehow means the US economy is getting better, but sadly the US civilian, non-institutional population keeps rising, and hit a record 246.7 million in December. Which is why every month we show what the real unemployment rate would look like when normalized for the fudged participation rate by taking a 30 year average. Today, we find that the difference between the reported (6.7%) unemployment rate, and the implied using realistic assumptions for the US labor force, which remained at 11.5% where it has been ever since the start of the Second Great Depression, just hit a record high 4.8%. As did the spin, lies and obfuscation by the administration that 'all is well'." Mehr hier. Zum besseren Verständnis zeigen wir einen der beiden Charts aus dem Beitrag:


Wir verlassen uns bei diesen Angaben aber nicht so sehr auf ZERO HEDGE, sondern lieber auf die Berechnungen von John Williams' SHADOW GOVERNMENT STATISTICS (hier). Der hat seinen neuesten Chart zur Arbeitslosenquote ebenfalls gestern veröffentlicht (hier):

Die befindet sich auf 1930er Jahre Niveau.  

Abends meldet ZERO HEDGE noch: "The Good And The Bad News For The Future Of America's Jobs" (hier). Ebenfalls sehr informativ und mit übersichtlichen Grafiken dazu. Und zum gleichen Thema auch "All Yours Janet": JPM Warns Fed About Using "Arguably Flawed Statistics", mit folgender Einleitung: "The December jobs report was an ugly mix of slowing employment growth and disappointing labor supply. JPMorgan's Mike Feroli doesn't mix his words in his brief report on today's ugly jobs data. While other 'economists' proclaimed we should 'ignore it' or blamed it on the weather, Feroli notes for example, 'It's hard to see how the weather -- or anything else -- was to blame for the 25,000 decrease in employment of accountants.' But it his comments for the Fed that are most concerning as he worries, 'the forward guidance decision could be even more difficult than the tapering call... lowering the unemployment threshold further would be doubling down on predicating policy on an arguably flawed statistic'." Mehr hier

Wir haben diese Meldungen problemlos gefunden. Haben die beim FORMAT Tomaten auf den Augen? Wohl kaum. Eher sieht es nach viel Propaganda aus. Deshalb würde es uns nicht wundern, wenn sich auch andere Leitmedien zu propagandistischen Zwecken an der eingangs zitierten Meldung Appetit holen.  


ZERO HEDGE hat uns für diesen Nachrichten-Ticker weiteres Material geliefert:

The Case Of The Missing Recovery
(zerohedge.com) Have you seen the economic recovery? I haven’t either. But it is bound to be around here somewhere, because the National Bureau of Economic Research spotted it in June 2009, four and one-half years ago. It is a shy and reclusive recovery, like the "New Economy" and all those promised new economy jobs. I haven’t seen them either, but we know they are here, somewhere, because the economists said so. Congress must have seen all those jobs before they went home for Christmas, because our representatives let extended unemployment benefits expire for 1.3 million unemployed Americans, who have not yet met up with those new economy jobs, or even with an old economy job for that matter. By letting extended unemployment benefits expire, Congress figures that they saved 1.3 million Americans from becoming lifelong bums of the nanny state and living off the public purse. After all, who do those unemployed Americans think they are? A bank too big to fail? The military-security complex? Israel? What the unemployed need to do is to form a lobby organization and make campaign contributions. Read more...

Kommentar: Die nüchterne Wahrheit: Es gibt keinen Aufschwung in Amerika. So einfach ist das. Bernanke und seine Truppe haben versagt. Eine Erklärung dafür steht in diesem Beitrag:


The Fed Is Playing Global Pump-And-Dump
(zerohedge.com) People often criticize me for objecting to the Federal Reserve’s Quantitative Easing (QE) and Zero Interest-Rate Policy (ZIRP) on the grounds that they are setting the stage for hyperinflation and a dollar collapse. Since neither has arrived - yet - people mock me, often pretty badly: “Hey Lira! How's that 2% ‘hyperinflation’ working out for ya!” 
But even if you don’t buy that QE and ZIRP will lead to a dollar collapse, you do have to admit that these Fed policies have severely brainwashed investors.
Why ‘brainwashed’? Because today, due to the Fed’s policies, stock prices are booming—we’re about to crack 16,500 on the Dow Jones, NASDAQ is well on its way to 4,200, and the S&P is close to 1,850—all record highs.
What’s wrong with record highs? What’s wrong with booming stock prices? Absolutely nothing—unless you look at the two-year charts and realize that these three indices are not reflecting a robust, booming economy. Rather, they have had unrelenting climbs that have been openly—and exclusively—caused by QE and ZIRP. Read more...


Kommentar: Der Beitrag bietet eine anschauliche Grafik: 


Eine glasklare Sache: Die US-Notenbank ist ein wichtiger Teil des Finanzcasinos, um neue Jobs kümmert sie sich lieber nicht. Und alles auf Kosten der Steuerzahler, wie diese Karikatur trefflich zeigt:

Quelle: cagle.com


Baltic Dry Index Collapses 35% - Worst Start To Year In 30 Years
(zerohedge.com) When this indicator of global trade rises, everything is rosy and reams of asset-gatherers and talking-heads will quote it as indicative of how great the world is. When it drops - silence. There's always an excuse - over- or under-capacity, too many ships, too few ships, etc. However, the last 2 weeks have seen a 35% collapse in the cost to ship bulk. There is a relative seasonal pattern over the holiday period - with shipping costs rising into the holiday and falling after but... this is the biggest drop from a Christmas Eve since at least 1984, 30 years! Read more...

Kommentar: Der Baltic Dry Index (BDI) gilt als Frühindikator für den Welthandel. Was die beiden folgenden Grafiken aus dem Beitrag zeigen, sind keine tollen Aussichten: 





Armut in Griechenland: Nashörner verwandeln sich wieder in Menschen
(sueddeutsche.de) 2014 könnte es in Griechenland wieder bergauf gehen, behaupten Ökonomen. Davon ist im Land noch nichts zu spüren, sagt Georgios Baliakas, Mitglied der Bürgerbewegung O topos mou. Im Interview erklärt er die Stimmung im Land - und wie die Krise die Menschen verändert. Mehr...

Kommentar: Traurig. Die Folge einer falschen Krisenpolitik, nicht des Euros. Das ist sicher.


Drop in industrial production accelerated in November with 6.1 pct decline
(macropolis.gr) The drop in the Industrial Production Index (IPI) accelerated in November to 6.1 percent following a downwards revised 4.7 percent decline in October, according to the Hellenic Statistical Authority (ELSTAT). Read more...

Kommentar: Wie passt diese Entwicklung zu den Lobpreisungen der Regierung und der EU? Irgendwas muss die griechische Statistikbehörde verkehrt machen. Oder? 
Quelle: macropolis.gr


A third of Greek homeowners fear losing their properties in 2014
(macropolis.gr) Roughly one in three Greeks fears losing their home in 2014 despite the restrictions on foreclosures the government has kept in place for the New Year. Read more...

Kommentar: Noch eine Folge der verfehlten Krisenpolitik in Europa. 

Quelle: macropolis.gr
"Only 61.2 percent of those questioned said they were able to pay their mortgage instalments on time, whereas 22 percent said they often pay late and 16.8 percent said they have payments that are overdue. This ties in with figures for non-performing loans (NPLs), which show that well over 20 percent of mortgages are in arrears." 


If You're Waiting For An "Economic Collapse", Just Look At What Is Happening To Europe
(zerohedge.com) If you are anxiously awaiting the arrival of the "economic collapse", just open up your eyes and look at what is happening in Europe. The entire continent is a giant economic mess right now. Unemployment and poverty levels are setting record highs, car sales are setting record lows, and there is an ocean of bad loans and red ink everywhere you look. Over the past several years, most of the attention has been on the economic struggles of Greece, Spain and Portugal and without a doubt things continue to get even worse in those nations. But in 2014 and 2015, Italy and France will start to take center stage. France has the 5th largest economy on the planet, and Italy has the 9th largest economy on the planet, and at this point both of those economies are rapidly falling to pieces. Expect both France and Italy to make major headlines throughout the rest of 2014. I have always maintained that the next major wave of the economic collapse would begin in Europe, and that is exactly what is happening. The following are just a few of the statistics that show that an "economic collapse" is happening in Europe right now... Read more...

Kommentar: Eine sehr wahrscheinliche Einschätzung - wenn Europa nicht endlich seine Krisenpolitik ändert, womit absolut nicht zu rechnen ist.