Dienstag, 14. Januar 2014

Standpunkt 854 - Nachrichten-Ticker, 13.01.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Nachdem nun die Große Koalition unter Dach und Fach ist, werden wir in den kommenden Wochen, die Feiertage eingeschlossen, unser Arbeitspensum erhöhen, um unser neues Dossier im Januar 2014 zur Verfügung stellen zu können.  Sicher ist bereits, dass der Koalitionsvertrag die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich macht. Trotzdem gibt es eine Menge Indizien dafür, wo die politische Reise der neuen Berliner Regierung unter der alten Chefin, der Eisernen Lady Kanzlerin Angela Merkel, rund um die Krise in Deutschland und Europa hingeht. Schwerpunkte unseres neuen Dossiers bilden, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, die Vorschläge von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, die virtuelle Währung Bitcoin, das Zypern-Modell, die Pläne der EU zur Bankenrettung (Stichwort Bankenunion). Außerdem Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und die Folgen der angeblichen Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tagesthemen: US-Arbeitsmarkt unter Obama (3 Beiträge) – Unabhängige Zentralbanken  Vergessene Finanzreform (2 Beiträge) – Portugal Griechenland Welthandel  – Japan  


In eigener Sache
Nicht erst seit dem neuerlichen Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle immer wieder daraufhin.

Zu unserem großen Erstaunen stellen wir in diesen Tagen aber fest, dass die Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken, bei den Betroffenen scheinbar zu Ende geht. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Wir haben bis in den Spätsommer 2013 hinein, über Monate hinweg, eine persönliche Beratung angeboten, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - seine Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. 

Dieses Angebot mussten wir Anfang September 2013 leider aussetzen, weil die Nachfragen für unser kleines Team überhand genommen haben. 

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt und bieten deshalb ab sofort wieder eine persönliche Beratung an. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Die Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.   

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Interesse? E-mail genügt.


The Number Of Working Age Americans Without A Job Has Risen By Almost 10 Million Under Obama
(zerohedge.com) That headline is not a misprint.  The number of working age Americans that do not have a job has increased by nearly 10 million since Barack Obama first entered the White House. 
In January 2009, the number of "officially unemployed" workers plus the number of Americans "not in the labor force" was sitting at a grand total of 92.6 million. Today, that number has risen to 102.2 million. That means that the number of working age Americans that are not working has grown by close to 10 million since Barack Obama first took office. So why does the "official unemployment rate" keep going down? Well, it is because the federal government has been pretending that millions upon millions of unemployed workers have "left the labor force" over the past few years and do not want to work anymore. The government says that another 347,000 workers "left the labor force" in December. That is nearly five times larger than the 74,000 jobs that were "created" by the U.S. economy last month. And it is important to note that more than half of those jobs were temporary jobs, and it takes well over 100,000 new jobs just to keep up with population growth each month. So the unemployment rate should not have gone down. If anything, it should have gone up.
In fact, if the federal government was using an honest labor force participation rate, the official unemployment rate would be far higher than it is right now. Instead of 6.7 percent, it would be 11.5 percent, and it has stayed at about that level since the end of the last recession.
But "6.7 percent" makes Obama look so much better than "11.5 percent", don't you think?
The labor force participation rate is now at a 35 year low, and the only way that the federal government has been able to get the "unemployment rate" to go down is by removing hundreds of thousands of Americans out of the labor force every month. Read more...

Kommentar/Ergänzung: Der Autor, Michael Snyder von THE ECONOMIC COLLAPSE BLOG, legt im Beitrag noch nach: "If you want a much more accurate reading of the employment picture in America, just look at the employment-population ratio. The percentage of working age Americans that actually have a job continues to stagnate at an extremely low level. In fact, the percentage of working age Americans that are employed has stayed between 58.2 percent and 58.8 percent for 52 months in a row..." 



Snyder bezieht sich u. a. auf einen Beitrag, der vor wenigen Tagen bei ZERO HEDGE erschienen ist: "The Sheer Absurdity of the Recovery Story" (hier). Ein kurzes, lohnendes Statement über das völlige Versagen der US-Notenbank. Nicht gegenüber der Wall Street, sondern der Mainstreet.  

Einmal mehr zeigt sich: Die Beiträge in den deutschsprachigen Leitmedien zum US-Arbeitsmarkt sind nichts als Propaganda der übelsten Sorte. Es gilt, was Heinrich von Kleist schon zu seiner Zeit - Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts - sehr treffend so beschrieben hat: "Journalistik ist die Kunst, das Volk glauben zu machen, was die Regierung für gut findet." Der einzige für uns greifbare Unterschied zu damals: Wie alles andere, hat sich auch diese Regel globalisiert. Deshalb wird heute nicht mehr nur für die eigene Regierung gelogen und betrogen.

Dazu passt nach unserer Ansicht auch ein Beitrag, den die NACHDENKSEITEN gerade vorgestellt haben: "Die USA lernt, Europa leidet: Haben die USA die besseren ÖkonomInnen?". Ein Auszug aus der Einleitung genügt, um uns zu bestätigen: "In den USA herrscht Casino-Crash-Kapitalismus, in Europa dagegen Stabilität und Wohlfahrtsstaat – stimmt das noch? Spätestens seit der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 hat sich die Rolle der beiden Regionen gewandelt: Die USA verabschiedeten Konjunkturprogramme und unterstützen über ihre Notenbank Banken und Wirtschaft. Die amerikanische Wirtschaft wächst seit 2008 langsam aus der Krise, und die Arbeitslosigkeit fällt – langsam, aber doch. Sie ist von ihrem Höhepunkt im Jahr 2010 mit fast zehn Prozent der Erwerbspersonen auf etwa sieben Prozent zurückgegangen." Selbst wenn andere Teile des Artikels zutreffen, so bleibt doch ein fader Beigeschmack darüber, dass auch in diesem Fall auf der Grundlage objektiv falscher, weil nicht recherchierter Angaben, argumentiert wird. Den kompletten Beitrag gibt es hier.  


Sollten Zentralbanken unabhängig sein?
(neuewirtschaftswunder.de) Die Unabhängigkeit von Zentralbanken war nicht schon immer ein institutionelles Dogma – wie man heute meinen könnte. Der Status hat sich historisch entwickelt und die deutsche Bundesbank hat dabei eine Vorreiterrolle gespielt. Wie es dazu kam, welche Grundsätze zu beachten sind und warum das Dogma neuerdings in Zweifel gezogen wird, diskutiert Stefan Schäfer in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst.
Schon weit vor der Gründung der Bundesbank hatten sich die Protagonisten des Ordoliberalismus mit der Arbeitsweise von Zentralbanken auseinandergesetzt. Walter Eucken sprach sich gegen eine Unabhängigkeit und für eine Regelbindung aus, denn er war der Auffassung, dass unabhängige Zentralbanker zu diskretionären Entscheidungen neigen und von Interessengruppen beeinflusst werden. Als weiteres Argument gegen die Unabhängigkeit lieferte die Theorie rationaler Erwartungen in den 1970er Jahren die Zeitinkonsistenz politischen Handelns nach: Diskretionär handelnde Geldpolitiker seien nie glaubwürdig und deshalb auch nicht in der Lage, die Inflationserwartungen der Wirtschaftssubjekte in geordnete Bahnen zu lenken.

Mit der Unabhängigkeit wird die Zentralbank allerdings außerhalb des Demokratieprinzips gestellt. Warum die Bekämpfung möglicher Inflationsgefahren im Gegensatz zu anderen wirtschaftspolitischen Aufgaben in den vorpolitischen Bereich zu verbannen sei, wurde von den Ökonomen nicht diskutiert. Immerhin scheint sich aber bei der Gründung der Bundesbank 1957 die öffentliche und die veröffentlichte Meinung – gegen den Widerstand des damaligen Bundeskanzlers Adenauer – für eine Unabhängigkeit ausgesprochen und damit durchgesetzt zu haben. Inzwischen ist das Bundesbank-Modell weltweit zum Standard geworden.
Mittlerweile ist aber in der Wissenschaft ein Streit darüber entbrannt, ob unabhängige Zentralbanken erfolgreicher sind als abhängige. Noch in den 1990er Jahren herrschte Einigkeit darüber, dass Unabhängigkeit die Inflationsraten senkt. Empirische Untersuchungen haben neuerdings allerdings diesen Zusammenhang in Zweifel gezogen. Vor allem ist das Konzept der Unabhängigkeit vielschichtig und empirisch schwer erfassbar. Außerdem unterscheiden sich auch bei unabhängigen Zentralbanken die Politikstile: manche handeln eher diskretionär andere eher regelgebunden.
Die Zentralbanken spielen bei der Bekämpfung der internationalen Finanzkrise eine entscheidende Rolle. Stefan Schäfer hält es für wichtig, den Status der Notenbanken weiter zu diskutieren, da "die Finanzkrise und ihre Bewältigung die bislang etablierte Theorie und Praxis der Geldpolitik von Grund auf in Frage stellen." Mehr...


Kommentar: Vor dem Hintergrund der zahllosen Krisen weltweit und der Rolle der Zentralbanken - gleichermaßen Mittäter wie Bekämpfer - eine wichtige Frage. Zu der die zitierte Analyse "Sollten Zentralbanken unabhängig sein? Neue Diskussionen über ein altes Dogma" (hier) eine ganze Menge Gedankenfutter beisteuert - auch zur alten (D-Mark) und neuen (Euro) Rolle der Bundesbank.


Aufseher lockern Kapitalregeln für Banken
(faz.net) Die Banken haben erfolgreich für weniger Regulierung geworben: Eine wichtige neue Regel kommt nun wohl schwächer als zunächst gedacht. Vor allem großen Geldhäusern dürfte das helfen. Mehr...

Kommentar: Was das bedeutet: Die ultimative, finanzielle Massenvernichtungswaffe (O-Ton US-Investor Warren Buffett 2003, hier) Derivate bleibt scharf. 1.200 bis 1.400 Billionen $ beträgt das Volumen des Derivatehandels nach US-Schätzungen. Die Weltjahreswirtschaftsleistung schafft vergleichsweise bescheidene 70 Billionen $.


Banken-Aufsicht genehmigt Euro-Banken Teilnahme am Finanz-Kasino
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die EZB kommt den Banken erneut entgegen und beschließt eine weltweit einheitliche Definition für die maximale Verschuldungsquote. Die Begründung: Europäische Banken sollen nicht schlechter gestellt sein als US-Banken. Der Denkfehler: Die gewaltigen Risiken, die die Banken mit Wetten eingehen, sind mit 3 Prozent Eigenkapital nicht abzufangen. Die Entscheidung ist ein Bekenntnis zum globalen Schneeballsystem. Mehr...

Kommentar: Dieser Beitrag bringt die Risiken, anders als die F.A.Z., auf den Punkt.

Unsere Einschätzung dazu: Während die angestrebte Bankenunion dem heimlichen Zweck dient, die gigantischen Verluste der Banken früher oder später zu sozialisieren, wird den riskanten Geschäftsmodellen der Finanzindustrie der Marktzutritt weiter erleichtert. Wenn diese Falle zuschnappt, gibt es für 99% der Sparer/Steuerzahler weltweit kein Entrinnen. Eine Finanzreform? Niemals. Heute wird klar: Diese Idee war schon am Ende als die Regierungschefs der G20-Staaten, die diesen Beschluss gefaßt hatten (hier), in Pittsburgh ihre Flieger für die Heimreise bestiegen haben. 


Portugal will wieder frei sein
(faz.net) Für das ärmste westeuropäische Land soll 2014 ein entscheidendes Jahr werden: Im Mai will Portugal an die Finanzmärkte zurückkehren. Einiges deutet auf eine Wende zum Besseren. Mehr...

Kommentar: Das nächste Schelmenstück aus Berlin und Brüssel wird bereits medial bestens vorbereitet, wie dieser Beitrag dokumentiert.


Europa: Der Ratspräsident – kaputt gespart
(dgb.de) Bis zum Sommer hat Griechenland die EU-Ratspräsidentschaft inne. Für sechs Monate sitzt es einem Club von Regierungen vor, welche der griechi-
schen Bevölkerung immer wieder fatale Kürzungsorgien  und damit wirtschaftliche Depression verordneten. Mehr...


Kommentar: Die Missstände anprangern reicht nicht. Sie erfolgreich zu bekämpfen ist das Gebot schon seit Oktober 2010, dem Beginn der "Rettungsaktionen" für Griechenland. Immerhin lässt sich in diesem Beitrag konzentriert nachlesen, was die Krise weiter antreibt statt sie zu beenden.

Quelle: dgb.de


Baltic Dry Index Crashes 18% In 2 Days
(zerohedge.com) We noted Friday that the much-heralded Baltic Dry Index has seen the worst start to the year in over 30 years. Today it got worse. At 1,395, the the Baltic Dry index, which reflects the daily charter rate for vessels carrying cargoes such as iron ore, coal and grain, is now down 18% in the last 2 days alone (biggest drop in 6 years), back at 4-month lows. The shipping index has utterly collapsed over 40% in the last 2 weeks. We are sure this is just a storm in a teacup and that all the hopes and prayers of a global manufacturing renaissance will come true. Cue, "this is not a demand issue, it's an over-capacity issue" excuses in 3...2...1... Read more...

Kommentar: Wir haben gerade erst über den siechenden Baltic Dry Index (BDI) berichtet (hier). Mittlerweile hat sich sein "Zustand weiter verschlechtert", wie der Chart im Beitrag zeigt.


Japan Unveils Its Worst Current Account Deficit Ever
(zerohedge.com) Any day, month, quarter, year, decade now; Goldman Sachs' mythical J-Curve will arise from the cinder-strewn ashes of Japan's current account. Japanese bond markets are rallying and JPY is weakening modestly after Abe's increasingly disapproved-of government announced the worst balance of payments current account deficit on record. Read more...

Kommentar: Neuigkeiten aus dem Land, wo angeblich dank "Abenomics" wirtschaftlich Milch und Honig fließen. Wer's glaubt...


Dieser Chart stammt aus dem zitierten Beitrag. Der folgende aus einem früheren:



Wir bleiben gelassen: Der japanische Premier Shinzo Abe(nomics) und seine Berater haben das finanz- und wirtschaftspolitische Rad nicht neu erfunden. Alleine nur auf dicke Hose machen reicht nicht, damit ist der Krise in Japan nicht beizukommen.