Donnerstag, 16. Januar 2014

Standpunkt 856 - Nachrichten-Ticker, 15.01.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Nachdem nun die Große Koalition unter Dach und Fach ist, werden wir in den kommenden Wochen, die Feiertage eingeschlossen, unser Arbeitspensum erhöhen, um unser neues Dossier im Januar 2014 zur Verfügung stellen zu können.  Sicher ist bereits, dass der Koalitionsvertrag die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich macht. Trotzdem gibt es eine Menge Indizien dafür, wo die politische Reise der neuen Berliner Regierung unter der alten Chefin, der Eisernen Lady Kanzlerin Angela Merkel, rund um die Krise in Deutschland und Europa hingeht. Schwerpunkte unseres neuen Dossiers bilden, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, die Vorschläge von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, die virtuelle Währung Bitcoin, das Zypern-Modell, die Pläne der EU zur Bankenrettung (Stichwort Bankenunion). Außerdem Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und die Folgen der angeblichen Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tagesthemen: In eigener Sache – Deutschland boomt (6 Beiträge)  China entert Europa – US-Notenbank - Japan  Carney's Vermächtnis: Kanada in der Krise   


In eigener Sache
Nicht erst seit dem neuerlichen Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle immer wieder daraufhin.

Zu unserem großen Erstaunen stellen wir in diesen Tagen aber fest, dass die Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken, bei den Betroffenen scheinbar zu Ende geht. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Wir haben bis in den Spätsommer 2013 hinein, über Monate hinweg, eine persönliche Beratung angeboten, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - seine Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. 

Dieses Angebot mussten wir Anfang September 2013 leider aussetzen, weil die Nachfragen für unser kleines Team überhand genommen haben. 

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt und bieten deshalb ab sofort wieder eine persönliche Beratung an. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Die Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.   

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Interesse? E-mail genügt.


Deutschlands Boom ohne Wachstum
(fuw.ch)  "Deutschland schafft einen Präzedenzfall: Länder können offensichtlich auch Boomphasen durchlaufen, ohne wirtschaftlich wachsen zu müssen." 

Es ist erstaunlich, dass Deutschland als Europas starker Mann betrachtet wird. Die heute veröffentlichten Konjunkturzahlen legen das nicht nahe. Mehr...

Kommentar/Erklärung: Dieser Beitrag versucht sich an einer Erklärung - und greift dazu auch nur auf die schöngerechneten Zahlen von Ifo-Institut, Allensbach und der Bundesagentur für Arbeit zurück. Immerhin, sein Fazit bringt es auf den Punkt: "Damit diese ungewöhnliche Formel aufgeht, muss das Land 2014 aber endlich den Beweis erbringen, dass es auch in der Wertschöpfung, beim Konsum und bei den Investitionen deutlich dynamischer wird als bisher." Wetten, dass dafür die "passenden" Prognosen sorgen werden?

Der Ökonom Heiner Flassbeck hat kürzlich in einem Beitrag Wahrnehmung und Wirklichkeit gegenübergestellt: "Konsumkater in Deutschland – und das ganz ohne den von der Presse erfundenen Konsumrausch vorher" (hier). Sehr aufschlussreich und mit Hilfe der aussagekräftigen Grafiken gut verständlich.

Der Exportweltmeister Deutschland feiert - und generiert sich als starker Mann Europas. Wolfgang Münchau nennt es "Eine gut verkaufte Fahrt in die Hölle". Im Vorspann zu seiner jüngsten Kolumne schreibt er dazu: "Die Deutschen sind mal wieder Exportweltmeister. Sie sehen diesen Titel als Zeichen der Stärke. Doch in Wahrheit sind die gewaltigen Handelsüberschüsse ein Symptom der deutschen Investitionsschwäche - und ein Symbol der ökonomischen Dummheit." Mehr hier. Recht hat er. 

Beispiele ökonomischer Dummheit haben wir auch gefunden. ANNOTAZIONI beschreibt eins als "Märchen aus der Deutschen Bank: Deutsche Leistungsbilanz-Überschüsse sind unproblematisch". In der Einleitung heißt es: "Einer der wichtigsten Kritikpunkte an der gängigen neoliberalen Krisenerzählung betrifft die deutschen Leistungsbilanz-Überschüsse. Während Merkel, Barroso und Co. das Hohelied der Wettbewerbsfähigkeit singen und entsprechende 'Strukturreformen' in Südeuropa einfordern, blenden sie gerne aus, dass der 'mangelnden Wettbewerbsfähigkeit' dort spiegelbildlich notwendigerweise ein Zuviel an 'Wettbewerbsfähigkeit' anderswo entspricht. In einer Veröffentlichung hat sich auch Deutsche Bank Research Ende des vergangenen Jahres darangemacht, zu begründen, weshalb dieses Zuviel an 'Wettbewerbsfähigkeit', das in deutschen Leistungsbilanz-Exportüberschüssen zum Ausdruck kommt, entgegen der Kritik gar kein Zuviel sei." Mehr hier. Der Beitrag widerlegt nachvollziehbar die Thesen der DB Research und liefert zusätzlich weitere Links, um das Thema zu vertiefen. Alles Pflichtlektüren.

Das andere Beispiel liefert DIE WELT mit dem Beitrag "USA schätzen deutsche Wirtschaft völlig falsch ein". Kompletter Nonsens schon im Vorspann: "Abhängig vom Export? Blutarmes Binnenwachstum? Unsinn. Mit markigen Worten hatte Amerika den kraftstrotzenden deutschen Außenhandel kritisiert – und sich dabei gehörig verschätzt." Das ist noch nicht alles, es geht noch weiter:  "Ausgerechnet der private Konsum, einst tatsächlich die Schwachstelle der deutschen Wirtschaft, hat sich längst als Konjunkturstütze etabliert. Daran dürfte sich auch in diesem Jahr nichts ändern, zumal die Erwartungen für die Wirtschaft insgesamt deutlich besser sind als noch vor einem Jahr. Die Weltwirtschaft wächst solide, Europa hat sich – übrigens auch dank der Konjunkturlok Deutschland – aus der tiefen Rezession herausgekämpft, die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt bleiben hervorragend, während die Preisgefahren gering sind. Die Chancen stehen damit gut, dass die Deutschen in diesem Jahr erneut viel konsumieren werden und die Importe womöglich ein weiteres Mal deutlich stärker wachsen als die Exporte." Noch mehr von diesem Propaganda-Schwachsinn gibt es hier.

Wem das noch nicht reicht, um dem starken Mann Deutschland auf den Zahn zu fühlen, für den liefert Steffen Bogs bei QUERSCHÜSSE in dem Beitrag "Deutschland: Finanzierungssaldo 2013" die aktuellen Statistiken, Charts und Erläuterungen dazu:  "(...) die deutsche Volkswirtschaft als Ganzes spart wie verrückt, der Finanzierungssaldo der inländischen Volkswirtschaft betrug 2013 +190,84 Mrd. Euro, ein neues Rekordniveau. Nur wenn man diese Zahl kommuniziert, muss man auch kommunizieren, das Deutschland damit die Ungleichgewichte der Weltwirtschaft über die Gebühr befeuert, denn der Finanzierungssaldo der inländischen Volkswirtschaft ist exakt das Gegenstück zum Finanzierungssaldo der Übrigen Welt (Ausland), dessen Finanzierungssaldo -190,84 Mrd. Euro 2013 betrug, was nichts anderes bedeutet, als das sich das Ausland, um diese Summe verschuldete, um deutsche Waren und Dienstleistungen über das Maß der eigenen Leistungsfähigkeit hinaus zu erwerben/konsumieren."

"Der Finanzierungssaldo aller inländischen volkswirtschaftlichen Sektoren, also letztlich das volkswirtschaftliche Sparen (unter Berücksichtigung des Außenbeitrags) seit 1970 bis 2013 im Jahreschart. 2013 betrug der Finanzierungssaldo +190,84 Mrd. Euro, ein Rekordfinanzierungsüberschuss."

"Der Finanzierungssaldo aller inländischen volkswirtschaftlichen Sektoren (blau) und der Finanzierungssaldo der Übrigen Welt (Ausland) seit 1970 bis 2013 im Jahreschart."

Bogs' Fazit leuchtet ein: "Man muss kein Prophet sein, weitere Jahrzehnte exzessiver deutscher Exportüberschüsse werden diverse überschuldete Volkswirtschaften und die finanzierenden, intermediären Bankensysteme nicht überleben. Keine Volkswirtschaft der Welt, nicht mal die chinesische erzielt solch brachiale Überschüsse. Deshalb muss der Michel zwingend vorher aufwachen und seinen fairen Anteil an den Produktivitätsfortschritten und Exporterfolgen einfordern. Nur über steigende Löhne und damit Nachfrage in Deutschland werden auch die Investitionen der Unternehmen anspringen und nur so kann das schiefe deutsche Geschäftsmodell begradigt werden, eine Begradigung indessen Folge die Nettoexportüberschüsse und Nettokapitalexporte abschmelzen können und dies dann einen sinkenden Finanzierungsbedarf bei den Defizitländern auslösen wird." Mehr hier.


Die heimliche Macht Chinas
(wirtschaftsblatt.at)  China dürfte auch 2013 der größte Gläubiger des Euroraums gewesen sein.
Wo die Chinesen ihren riesigen Devisenschatz anlegen, daraus machen sie ein gut gehütetes Geheimnis. Nur einmal im Quartal berichtet die Volksrepublik, welche Summe sie hortet: Ende 2013 war es der unfassbare Rekordbetrag von 3,82 Billionen US-$. Bekannt ist allerdings, dass ein Großteil als Darlehen an die USA fließt. Doch ausgerechnet Europa weiß nicht Bescheid, wie viel die Chinesen im alten Kontinent investiert haben. Mehr...

Kommentar: Dem schließen wir uns vorbehaltlos an: "Als aufgeklärter Bürger des zweitgrößten Wirtschaftsraums der Welt wüsste man allerdings schon sehr gern, welche Hauptstadt wie abhängig von den Chinesen ist. Wie frei sind unsere Regierungen noch in ihren Entscheidungen - oder redet Peking bereits insgeheim mit, wenn die Staaten über ihre Ausgaben entscheiden? Wie wirkungsvoll kann die EU-Kommission eigentlich mit Sanktionen in Handelsstreitigkeiten drohen, wenn China jederzeit drohen könnte, den Kredithahn zuzudrehen?"


Kurze Kunstpause beim geldpolitischen Katastrophen-Walzer
(blogmarkusgaertner.com) Die US-Notenbank wird 2014 und in den Folgejahren ihren Katastrophen-Walzer fortsetzen: Die Welt wird mit Geld aufgebläht, bis Aktien, Bonds und Immobilien Furcht erregende Höhen erreichen und die Konjunktur (so wie von der Fed gemessen) anzieht. Dann wird unter viel Pom-Pom und Gedöns der Trommelwirbel an den Geldmärkten etwas gedrosselt. Die schlauen Analysten und Fondsmanager sprechen – wie derzeit – von Normalisierung. Was sie meinen, sind reduzierte Fed-Manipulation und eine scheinbar bessere Konjunktur. Doch die Konjunktur in den USA und anderswo wird 2014 nicht so rund laufen, wie uns die Investmentbanken das zu Jahresbeginn vorhersagen. Die Fed wird irgendwann in den kommenden Monaten, wenn sich die rosa Prognosen der Banker wieder in Luft auflösen, die Bereitschaft signalisieren, dass sie in beide Richtungen furchtbar flexibel ist. Dann geht das ganze von vorne los. Mehr...

Kommentar: Eine treffende Prognose - über die Entwicklung einer gigantischen Show, die irgendwann in einem dramatischen Trauerspiel endet. Weltweit werden viele Hundert Millionen Menschen an der Nase herumgeführt. Wir sind gespannt wie die reagieren, wenn ihnen dieser Beschiss auffällt. 


Der Chart des Tages: Warum der Yen der japanischen Handelsbilanz noch nicht hilft
(fuw.ch) Wie gestern bekannt geworden ist, verzeichnete Japan im November ein überraschend grosses Leistungsbilanzdefizit. Mit fast 600 Mrd. Yen ist es das grösste jemals gemessene Monatsdefizit. Schuld an der Verschlechterung der Zahlungsbilanz ist die Handelsbilanz: Sie weist neu ein Defizit von 1250 Mrd. Yen aus, 400 Mrd. mehr als im Vorjahresmonat. Der schwache Yen verteuert die Importe – Japan muss besonders viel Energie importieren, seit die Atomkraftwerke dort abgeschaltet wurden. Auf der anderen Seite konnte die schwache Währung die Exporte noch nicht stark genug ankurbeln: 

Mehr... 

Kommentar: Schön, die Analysten der Société Générale glauben fest an ein Wunder:  "Das Handelsdefizit erholt sich, die japanische Währung wird sich daher kaum weiter so stark wie bisher abschwächen. Und die japanischen Unternehmen – und damit ihre Aktien – werden positiv überraschen, da sie Marktanteile von Konkurrenten aus Südkorea und Deutschland gewinnen werden." Wir glauben das nicht.


Carney’s Legacy: Canada’s Credit and Housing Bubble - How Long Before it Bursts?
(acting-man.com) Current BoE chairman Mark Carney is widely hailed as some sort of central banking superhero due to the fact that Canada did not sink beneath the waves during his tenure. We say he was nothing but an unmitigated inflationist, whose legacy is one of the biggest housing and consumer credit bubbles in history (global history that is, not just Canada's). The result of this will be a bust of similarly historic proportions, the only question that is open is the timing, which cannot be foreseen with any degree of certainty. What is certain is that this house of cards will eventually implode.
This is not just some wild assertion that cannot be backed up. The proof, as they say, is in the pudding. Of course, Carney was no different from other Canadian central bank governors in that respect, but as can be seen below, money supply growth was significant during his reign (and credit growth along with it). What is not obvious to us is in what respect he was deemed to be 'better' than his predecessors. He simply continued to aid and abet more monetary inflation. Read more...


Kommentar: Ein bisschen Stolz sind wir schon darauf: Wir haben in unserem Blog schon immer vor dem angeblichen kanadischen Wirtschaftswunder gewarnt - und vor der Politik der kanadischen Notenbank unter Mark Carney, dem neuen Boss in der Bank of England. Dieser Beitrag liefert dazu die neuesten Fakten. Wir zeigen zum Beweis nur einen Chart aus dem Beitrag:



Wir sind uns sicher: Der neue Aufschwung in Großbritannien? Ein riesiger Sack voll heißer Luft.