Montag, 20. Januar 2014

Standpunkt 860 - Nachrichten-Ticker, 19.01.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Nachdem nun die Große Koalition unter Dach und Fach ist, werden wir in den kommenden Wochen, die Feiertage eingeschlossen, unser Arbeitspensum erhöhen, um unser neues Dossier im Januar 2014 zur Verfügung stellen zu können.  Sicher ist bereits, dass der Koalitionsvertrag die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich macht. Trotzdem gibt es eine Menge Indizien dafür, wo die politische Reise der neuen Berliner Regierung unter der alten Chefin, der Eisernen Lady Kanzlerin Angela Merkel, rund um die Krise in Deutschland und Europa hingeht. Schwerpunkte unseres neuen Dossiers bilden, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, die Vorschläge von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, die virtuelle Währung Bitcoin, das Zypern-Modell, die Pläne der EU zur Bankenrettung (Stichwort Bankenunion). Außerdem Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und die Folgen der angeblichen Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tagesthemen: In eigener Sache – Jobwunder in Deutschland?  Freihandelsabkommen USA-Europa – Goldman Sachs-Chefvolkswirt zur Krise - US-Notenbank dirigistisch


In eigener Sache
Nicht erst seit dem neuerlichen Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle immer wieder daraufhin.

Zu unserem großen Erstaunen stellen wir in diesen Tagen aber fest, dass die Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken, bei den Betroffenen scheinbar zu Ende geht. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Wir haben bis in den Spätsommer 2013 hinein, über Monate hinweg, eine persönliche Beratung angeboten, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - seine Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. 

Dieses Angebot mussten wir Anfang September 2013 leider aussetzen, weil die Nachfragen für unser kleines Team überhand genommen haben. 

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt und bieten deshalb ab sofort wieder eine persönliche Beratung an. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Die Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.   

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Interesse? E-mail genügt. 


So funktioniert das deutsche Jobwunder
(welt.de) Flexible Beschäftigungsmodelle wie Leiharbeit und Minijobs haben einen bedeutenden Anteil am Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt. Nach einer Studie werden reguläre Jobs dadurch aber nicht verdrängt. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Endlich, die WELT erklärt uns das heimische Jobwunder und eine Studie gibt es auch gleich dazu. Hoffentlich wird die auch gleich nach Paris geschickt. Monsieur Hollande sucht ganz dringend nach Ideen für seine Reformanstrengungen. 

Hört, hört: "Im Großen und Ganzen habe in den 2000er-Jahren eine 'Ergänzung der stabilen Beschäftigungsverhältnisse stattgefunden, weniger eine Verdrängung', schreiben die Studienautoren." Oder das: "Die Autoren sprechen von einer 'erstaunlichen Stabilität der sogenannten Normalarbeitsverhältnisse, für die vor allem 'der starke industrielle Kernbereich' sorge." 

Das ist doch alles Kokolores. Mittlerweile bevölkern immer mehr Multi-Jobber den deutschen Arbeitsmarkt. Nachzulesen in "Leben mit mehreren Jobs - "Wenn ich's nicht mache, macht es keiner" (hier). 

Diese Entwicklung führt dazu, dass zunehmend der Staat dafür aufkommen muss, den Betroffenen - als Arbeitnehmer und als Rentner - ein für den Lebensunterhalt ausreichendes Einkommen zur Verfügung zu stellen. Diese Rechnung kann auf Dauer nicht aufgehen. Was ist das für eine Logik: Der Staat soll sich aus der Marktwirtschaft heraushalten, aber immer da Lohnersatzleistungen zur Verfügung stellen, wo die Wirtschaft Löhne und Gehälter erbarmungslos in den Keller prügelt. Nicht mitsprechen - aber mitzahlen. Soweit wir uns erinnern, war das so nicht gedacht im deutschen Modell der sozialen Marktwirtschaft.

Schon 2009 hat die Hans-Böckler-Stiftung zur deutschen Rentenpolitik den Beitrag "Ein Arbeitsleben mit Niedriglohn reicht nicht für die Rente" geschrieben und festgestellt: "Ein durchschnittlicher Niedriglohnbeschäftigter hat keine Chance, mit seinen Beiträgen eine Rente über der Grundsicherung zu erzielen – auch nicht mit 45 Beitragsjahren." Mehr hier. Dazu gibt es auch eine aussagekräftige Grafik im Beitrag:
 
 
Wir finden, da hilft auch der vorgesehene Mindestlohn von 8,50 Euro nicht wirklich weiter. 

Das vermeintliche deutsche Jobwunder findet deshalb auch keine Entsprechung im Konsum, wie die folgende Grafik zeigt: 


Wo ist der von den einheimischen Leitmedien versprochene Konsumrausch der Deutschen? Wer beschäftigt sich bei denen eigentlich mit den einschlägigen Statistiken? Niemand!

Dazu das Ergebnis einer Untersuchung des DIW aus 2011: "Schwache Lohnentwicklung im letzten Jahrzehnt". Die Autoren schreiben u. a.: "Mit Blick auf die Stunden- und Monatslöhne waren in der ersten Hälfte des letzten Jahrzehnts noch die Bezieher geringer Entgelte die eindeutigen Verlierer. In den letzten fünf Jahren blieben auch die Empfänger mittlerer und höherer Entgelte mit ihren Gehaltssteigerungen hinter der Teuerung zurück." Mehr hier. Anderswo lief das offensichtlich sehr viel besser, wie der Blick auf die Entwicklung der Reallöhne bis 2009 in dieser Grafik zeigt: 


In diesem Zusammenhang lohnt sich noch einmal ein Blick in den Beitrag von Steffen Bogs bei QUERSCHÜSSE: "Deutschland: Arbeitsmarktbericht Dezember". Sein Fazit: "Die Daten aus der VGR (= Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Anm. von uns, Erklärung hier) zeigen, mehr Erwerbstätigen stehen deutlich weniger geleistete Arbeitsstunden je Erwerbstätigen gegenüber, was klar eine kritische Sicht auf die Qualität des deutschen Arbeitsmarktes stärkt. Primär zeichnet der Erfolg am Arbeitsmarkt prekäre und atypische Beschäftigung, Millionen von Unterbeschäftigten, Teilzeit, Befristung, Leiharbeit oder geringfügiger Beschäftigung. Selbst in der Metallindustrie, primär Exportsektor, malochen bereits ein Drittel aller Arbeitnehmer via Leiharbeiterbuden oder Werksverträgen, im erfolgreichsten Segment der deutschen Industrie, dem Fahrzeugbau sogar jeder Zweite! Es gibt wenig Grund in Deutschland auf das Erreichte selbstgefällig stolz zu sein, denn hinter den Headlines zum Arbeitsmarktbericht, die in die breite Öffentlichkeit gelangen, verbirgt sich viel Beschämendes." Mehr hier

Die Studie "Arbeits- und Lebensperspektiven in Deutschland" der Bertelsmann Stiftung, aus dem der WELT-Beitrag abgeschrieben hat, gibt es hier


TTIP-Wachstumsstudien: neoliberale Holographie
(heise-telepolis) Eine kritische Analyse der Prognosen in Bezug auf Wirtschaftswachstum und Beschäftigungszunahme, die angeblich durch die zunehmende transatlantische Konkurrenz aufgrund des Freihandelsabkommens (TTIP) entstehen sollen. Mehr...

Kommentar: Ein wichtiger Beitrag und ein idealer Einstieg in dieses Thema. Bestens geeignet, um sich eine Meinung zu bilden. Wir schließen uns dem treffenden Fazit jedenfalls an: "Sollte TTIP tatsächlich durchkommen, wird man sich später wohl nicht mehr an die damaligen Versprechungen rund um Wachstum und Beschäftigung erinnern. Groß ist die Amnesie in Bezug auf Politisches und weit offen sind die Fluchttüren für die Glaskugelprognostiker. Weisen wir Beschäftigungsversprechen aufgrund hanebüchener Modelle also einfach als das zurück, was sie sind: Neoliberale Holographie im Dienste des Big Business."  Die Amerikaner werden ihre Trümpfe ausspielen, ansonsten wird fintenreich geblufft. Die Europäer werden am Ende dumm aus der Wäsche kucken. Wie immer in solchen Fällen. 


"Das größte Risiko für Europa geht von Italien aus"
(faz.net)  Jan Hatzius, Chefvolkswirt von Goldman Sachs, fürchtet die politische Unzuverlässigkeit der Südeuropäer und empfiehlt den Deutschen mehr Inflation. Mehr...

Kommentar: Noch so ein Dünnbrettbohrer bei dem Versuch, die Krise und ihre Folgen zu erklären. Die Botschaft ist einfach: Die USA machen (fast) alles richtig, die Europäer (eigentlich) alles falsch. Es ist nicht so, dass Jan Hatzius Tomaten auf den Augen hätte, oder ökonomisch schlecht ausgebildet sei. Nein, es ist etwas anderes, er arbeitet für Goldman Sachs, den wichtigsten Strippenzieher im weltweiten Finanzsystem. Das genügt. Den Mann darf man nie nach dem Weg fragen... Es führt unweigerlich in die Irre.


What 1,592 Days Of Central Planning Looks Like
(zerohedge.com) Back on November 25, 2008, in response to the complete wipe out in the capital markets, the Fed quietly announced its foray into Quantiative Easing, which was expanded in March of the following year, and the de facto start of the New Normal Centrally Planned regime. Read more...

Kommentar: Ein haushoher Sieg für die Wall Street. Unabsehbare Verluste für die Mainstreet. Leicht nachzuvollziehen an Hand dieser Grafik aus dem Beitrag:

 
Und dieser, aus einem anderen Beitrag von ZERO HEDGE