Donnerstag, 23. Januar 2014

Standpunkt 862 - Nachrichten-Ticker, 21.01.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Nachdem nun die Große Koalition unter Dach und Fach ist, werden wir in den kommenden Wochen, die Feiertage eingeschlossen, unser Arbeitspensum erhöhen, um unser neues Dossier im Januar 2014 zur Verfügung stellen zu können.  Sicher ist bereits, dass der Koalitionsvertrag die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich macht. Trotzdem gibt es eine Menge Indizien dafür, wo die politische Reise der neuen Berliner Regierung unter der alten Chefin, der Eisernen Lady Kanzlerin Angela Merkel, rund um die Krise in Deutschland und Europa hingeht. Schwerpunkte unseres neuen Dossiers bilden, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, die Vorschläge von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, die virtuelle Währung Bitcoin, das Zypern-Modell, die Pläne der EU zur Bankenrettung (Stichwort Bankenunion). Außerdem Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und die Folgen der angeblichen Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tagesthemen: In eigener Sache – Reichtum einseitig verteilt (5 Beiträge)  Separation: Großbritannien kämpft um Schottland – Automarkt China: Analyse - Finanz-Casino (3 Beiträge) 


In eigener Sache
Nicht erst seit dem neuerlichen Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle immer wieder daraufhin.

Zu unserem großen Erstaunen stellen wir in diesen Tagen aber fest, dass die Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken, bei den Betroffenen scheinbar zu Ende geht. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Wir haben bis in den Spätsommer 2013 hinein, über Monate hinweg, eine persönliche Beratung angeboten, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - seine Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. 

Dieses Angebot mussten wir Anfang September 2013 leider aussetzen, weil die Nachfragen für unser kleines Team überhand genommen haben. 

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt und bieten deshalb ab sofort wieder eine persönliche Beratung an. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Die Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.   

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Interesse? E-mail genügt. 


Ein Prozent der Menschheit besitzt Hälfte des weltweiten Reichtums
(spiegel.de) Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer - diese Aussage wird nun mit neuen Zahlen untermauert. Demnach verfügt ein Prozent der weltweiten Bevölkerung über die Hälfte des gesamten Reichtums. Und die 85 reichsten Menschen haben genauso viel, wie die ärmere Hälfte der Welt besitzt. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Man muss kein Sozialist oder Kommunist sein, um eine Entwicklung scharf zu verurteilen, die von der Oxfam-Geschäftsführerin Winnie Byanyima gegenüber dem britischen GUARDIAN so beschrieben wird: "Es ist niederschmetternd, dass im 21. Jahrhundert die Hälfte der Bevölkerung - das sind dreieinhalb Milliarden Menschen - nicht mehr hat als diese Mini-Elite, die gemeinsam locker in einen Doppeldeckerbus passen würde". Passend zu dem gerade stattfindenden Eliten-Treffen in der Schweiz titelt ZERO HEDGE zu der Oxfam-Studie (hier): "A 'Davos' World In Which The 85 Richest People Have The Same Wealth As Half The World's Population" (hier). Die sind es auch, die an der Finanzkrise und dem endgültigen Kollaps profitieren: Bei dieser Gelegenheit holen sie sich auch noch den Rest. Sie sind es, die nach einer umfassenden Enteignung, gemeinsam mit dem anderen 1% etwas weniger Reiche, über das verbliebene weltweite Vermögen verfügen. 99% gehen leer aus.

In einer Aufsatzreihe beschäftigt sich SLE aktuell mit der "Vermögensentwicklung in der Krise", von der mittlerweile 3 Teile erschienen sind (hier, hier und hier). Lesenswert.

Im vergangenen Sommer hat sich ZERO HEDGE ausführlich in dem Beitrag "It's A '0.6%' World: Who Owns What Of The $223 Trillion In Global Wealth" sehr ausführlich mit diesem Thema beschäftigt. Ebenfalls an Hand des "Global Wealth Databook" der Schweizer Credit Suisse. Im Vorspann schreibt der Autor: "Back in 2010 we started an annual series looking at the (re)distribution in the wealth of nations and social classes. What we found then (and what the media keeps rediscovering year after year to its great surprise) is that as a result of global central bank policy, the rich got richer, and the poor kept on getting poorer, even though as we predicted the global political powers would, at least superficially, seek to enforce policies that aimed to reverse this wealth redistribution from the poor to the rich (a doomed policy as the world's legislative powers are largely in the lobby pocket of the world's wealthiest who needless to say are less then willing to enact laws that reduce their wealth and leverage). Now that the topic of wealth distribution (or rather concentration) is once again in vogue, below we present the latest such update looking at a global portrait of household wealth. The bottom line: 29 million, or 0.6% of those with any actual assets under their name, own $87.4 trillion, or 39.3% of all global assets." Read here. Angereichert mit vielen anschaulichen Grafiken beschreibt der Beitrag eine unglaubliche Entwicklung der weltweiten Vermögenspyramide: 


Der Beitrag zieht ein knappes Fazit: "Hail Bernanke (and Kuroda, and Draghi, and Carney, and Jordan, and so on), the ultra high net worth individuals on the chart below salute you."

Vor dem Hintergrund des Gipfeltreffens in Davos, nimmt sich auch der (gerade wieder einmal viel gescholtene) US-Ökonom Paul Krugman am Beispiel der USA dieser Sache an: "The Undeserving Rich - Unverdienter Reichtum" nennt er, was da passiert (ist): "Die wachsende Ungleichheit in Amerika ist krasse Realität. Seit Ende der 1970er Jahre sind die Realeinkommen der unteren Hälfte der Beschäftigten gleich geblieben oder sogar gesunken, während die Einkünfte des obersten Prozents sich vervierfacht haben (und die des obersten 0,1 Prozents noch bedeutend mehr gestiegen sind). Während wir eine ernsthafte Diskussion darüber führen können und sollten, was angesichts dieser Situation zu tun ist, sollte eine schlichte Tatsache nicht zur Debatte stehen - nämlich, dass der amerikanische Kapitalismus in seiner derzeitigen Form die Grundlagen der Mittelklassengesellschaft zerstört." Mehr hier. Krugman wird schon wieder Unmut ernten, trotz der langen Liste seiner Fakten.

Ganz vorne dabei sind mittlerweile auch eine kleine Gruppe Privilegierter aus China: "Chinas Elite hortet Geld in Steueroasen" titelt gerade die SZ. Und schreibt im Vorspann: "Offshore-Leaks-Daten belegen: Enge Verwandte hochrangiger chinesischer Politiker schaffen Vermögen in die Karibik. Auch mithilfe der Deutschen Bank verbergen reiche Familien ihren Wohlstand vor der Öffentlichkeit." Mehr hier. Ein Selbstbedienungsladen der besonderen Art. Ist das noch eine Oligarchie oder schon ein Plutokratie?


Briten wollen Schotten mit EU-Milliarden ködern
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Unabhängigkeit von Großbritannien kostet Schottland jährlich 4,5 Milliarden Euro, drohen die Briten. Eine weitere Folge der Unabhängigkeit wäre der sofortige Austritt Schottlands aus der EU – und damit auch das Ende der Agrar-Subventionen. Mehr...

Kommentar: Die Regierung in London bringt ihre Argumente in Stellung - da wird geklotzt, nicht gekleckert. Die Wahrheit ist: Schottland hat das Öl, England nur noch Wales und Nord-Irland. Wir bleiben zuversichtlich - für die Trennung. 


Automarkt China: Mit Vollgas ins Risiko
(manager-magazin.de) Nirgendwo verkaufen und verdienen die Autokonzerne mehr Geld als in China. Doch die Abhängigkeit wird zur Gefahr. Eine Risikoanalyse des heißesten Marktes der Welt. Mehr...

Kommentar: Lesenswert. Uns bestärkt dieser Beitrag in unseren Bedenken gegen die ständigen Hochrufe hierzulande auf den chinesischen Markt. 


Over-Financialization - The Casino Metaphor
(zerohedge.com) The casino metaphor has been widely used as a part-description of the phenomenon of over-financialisation. It’s a handy pejorative tag but can it give us any real insights? This article pursues the metaphor to extremes so that we can file & forget/get back to the football or possibly graduate to next level thinking. Read more...

Kommentar/Ergänzung: Ein hervorragender Beitrag. Diese (Pflicht-)Lektüre öffnet Horizonte. Nichts von dem ist wahrgeworden, was vom HANDELSBLATT vor mehr als drei Jahren schon überschwenglich als "Bankenregulierung - Die Zähmung eines Monsters" gefeiert worden ist. Das war schon damals die reine Propaganda, wenn es heißt: "Die Politik hält Wort: Überall im Westen ist die Neuordnung der Finanzindustrie in Gang gekommen. Die Rechte der Aufsichtsbehörden werden gestärkt, die Eigenkapitalvorschriften verschärft, in Europa müssen die Banker-Boni schrumpfen." Mehr hier. Eine Schönschreibung, mit der sich die Zeitung nicht erst im Rückblick lächerlich macht: schon damals hätte sie es besser wissen müssen. Ernsthafte Reformbemühungen waren damals wie heute nicht in Sicht. Neuestes Beispiel: "Finanztransaktionssteuer: Wie sie zerstückelt wird" titelt brandaktuell der österreichische STANDARD und schreibt in der Einleitung knapp: "Lobby der Pensionsfonds, City of London, Südeuropas Krisenländer: Die Finanztransaktionssteuer hat längst mehr Feinde als Freunde in Europa". Und weiter: "Als der Beamte zum Treffen in der Kantine des Kommissionssitzes in Brüssel erscheint, dämmert es draußen bereits. Der Bürokrat, ein schlanker Mittvierziger, bestellt Kaffee, er möchte gleich loslegen. "Der Lobbydruck der Finanzindustrie ist schon gewaltig", sagt er zur Einleitung. Der Bürokrat, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, weiß, wovon er spricht: Er ist einer der Architekten der Finanztransaktionssteuer (FTT). Eine Stunde wird er den Kampf um die Einführung der Steuer schildern. Am Ende steht fest: Die Kommission steckt mitten in einem verzweifelten Rückzugsgefecht fest." Mehr hier. Unsere bittere Vorahnung zur Finanztransaktionssteuer scheint sich zu bewahrheiten. 

Warum es so schlecht um die Finanzreform bestellt ist, zeigt diese Karikatur leicht verständlich: