Donnerstag, 23. Januar 2014

Standpunkt 863 - Nachrichten-Ticker, 22.01.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Nachdem nun die Große Koalition unter Dach und Fach ist, werden wir in den kommenden Wochen, die Feiertage eingeschlossen, unser Arbeitspensum erhöhen, um unser neues Dossier im Januar 2014 zur Verfügung stellen zu können.  Sicher ist bereits, dass der Koalitionsvertrag die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich macht. Trotzdem gibt es eine Menge Indizien dafür, wo die politische Reise der neuen Berliner Regierung unter der alten Chefin, der Eisernen Lady Kanzlerin Angela Merkel, rund um die Krise in Deutschland und Europa hingeht. Schwerpunkte unseres neuen Dossiers bilden, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, die Vorschläge von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, die virtuelle Währung Bitcoin, das Zypern-Modell, die Pläne der EU zur Bankenrettung (Stichwort Bankenunion). Außerdem Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und die Folgen der angeblichen Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tagesthemen: In eigener Sache – Nachtrag: Reichtum einseitig verteilt Larry Summers fordert Bargeldverbot – Finanzkrise: Chance vertan - Finanz-Casino China (3 Beiträge) US-Banken: Wells Fargo Anlegers Liebling? (9 Beiträge)


In eigener Sache
Nicht erst seit dem neuerlichen Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle immer wieder daraufhin.

Zu unserem großen Erstaunen stellen wir in diesen Tagen aber fest, dass die Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken, bei den Betroffenen scheinbar zu Ende geht. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Wir haben bis in den Spätsommer 2013 hinein, über Monate hinweg, eine persönliche Beratung angeboten, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - seine Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. 

Dieses Angebot mussten wir Anfang September 2013 leider aussetzen, weil die Nachfragen für unser kleines Team überhand genommen haben. 

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt und bieten deshalb ab sofort wieder eine persönliche Beratung an. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Die Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.   

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Interesse? E-mail genügt. 


Top 1% Has 65 Times More Wealth Than The Bottom Half And The Global Elite Like It That Way
(zerohedge.com) As we previously noted, the 85 richest people in the world have about as much wealth as the poorest 50% of the entire global population does. In other words, 85 extremely wealthy individuals have about as much wealth as the poorest 3,500,000,000 do. This shocking statistic comes from a new report on global poverty by Oxfam. And actually Oxfam's report probably significantly underestimates the true scope of the problem, because Oxfam relies on publicly reported numbers. As Michael Snyder examines, the rot goes deeper... Read more...

Kommentar/Ergänzung: Wer wissen will, wie Kapitalismus funktioniert, wem er nützt und wer an den Folgen (eine davon: die Krise in Europa) der andauernden Finanzkrise profitiert (deshalb gibt es auch keinen Grund, sie zu beenden!), der sollte sich in diesen Beitrag einlesen und außerdem den vielen Links folgen, die Michael Snyder anbietet, um die Ergebnisse seiner Analyse zu untermauern. Nicht unbedingt unterhaltsam, aber sehr informativ bis zum Schluss. 

Für unsere deutschen LeserInnen bieten wir ergänzend eine Studie des DIW zu den Folgen dieser Verschiebung an, die 2010 veröffentlicht worden ist: "Staatsverschuldung und gesamtwirtschaftliche Vermögensbilanz: Öffentliche Armut, privater Reichtum". Der Autor, Stefan Bach, schreibt in der Einleitung: "Im Verlauf der Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Staatsverschuldung auch in Deutschland stark zugenommen. In Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird sie von 65 Prozent Ende 2007 auf voraussichtlich 75,5 Prozent Ende 2010 steigen. Das staatliche Nettovermögen (Vermögenswerte minus Schulden) ist in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich gesunken, von 52 Prozent des BIP im Jahr 1991 auf sechs Prozent des BIP 2009. Da gleichzeitig die privaten Vermögen stark gestiegen sind, stellt die Belastung künftiger Generationen durch die Staatsschulden in Deutschland eigentlich kein Problem dar. Probleme entstehen aber, wenn zur Refinanzierung der Staatschulden die Steuern erhöht oder öffentliche Leistungen gekürzt werden müssen." Stefan Bach hat auch maßgeblich  den Vorschlag des DIW erarbeitet, die Staatsschulden durch eine Vermögensabgabe von 10% wieder unter die imaginäre Maastrichtgrenze von 60% der Wirtschaftsleistung zu drücken: "Vermögensabgaben - ein Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen in Europa" (hier). Vor diesem Hintergrund ist sein Fazit auf Seite 7 der neuen Studie nicht verwunderlich. Das Ergebnis seiner Untersuchung fasst er so zusammen: "'Öffentliche Armut, privater Reichtum' war eine bekannte These in den 50er und 60er Jahren. Diese Beschreibung passt auch auf die Entwicklungstrends von Staatsverschuldung und Staatsvermögen einerseits sowie Privatvermögen andererseits über die letzten Jahrzehnte in Deutschland. Während die privaten Vermögen beträchtlich gestiegen sind, wurde die staatliche Vermögenssubstanz zunehmend ausgezehrt. Den hohen Staatsschulden stehen zwar noch staatliche Vermögenswerte in gleicher Größenordnung gegenüber. Vor 20 Jahren hatte die 'Deutscher Staat AG' aber noch ein beträchtliches Nettovermögen in Höhe von 52 Prozent des BIP. Das wären heute 1 300 Milliarden Euro. Durch die erheblich gestiegene Staatsverschuldung und die nur geringen Zuwächse beim staatlichen Vermögen ist dieses 'Eigenkapital' seitdem nahezu aufgebraucht worden. Berücksichtigt man noch die implizite Staatsverschuldung aus den sozialen Sicherungssystemen, ist die 'Deutscher Staat AG' überschuldet." Mehr hier.

Damit muss den Sparern und Steuerzahlern hierzulande klar sein: Der Staat kann weder für die Schulden seiner Banken aufkommen, noch die Spareinlagen garantieren, wie es von der Eisernen Lady Kanzlerin versprochen worden ist. Eine Lüge war es deshalb noch nicht, sondern der Beweis von Tatkraft in der Stunde der Not, als das Finanzsystem zusammenzubrechen drohte. Der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel. (Es ist auch DER Grund, warum von den europäischen Krisenmanagern unter Führung von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble der zigfache Tod durch Selbstmord oder fehlende medizinische Versorgung infolge der erzwungenen Austeritätspolitik in den südeuropäischen Krisenländern billigend in Kauf genommen wird). 


Larry Summers will Bargeld abschaffen, damit Staat und Banken besseren Zugriff haben
(tagesspiegel.de) Der Harvard-Ökonom Larry Summers fordert, dass nur noch mit Karte bezahlt werden kann. Damit könnten Staat und Banken Kontoinhabern zusätzliche Belastungen aufzwingen, ohne dass die Verbraucher auf Bargeld ausweichen könnten. Mehr...

Kommentar: Zahm war Summers nie. Jetzt lässt er mal wieder "die Sau raus". Und nimmt mittlerweile kein Blatt mehr vor den Mund. Offen sagt er, was Sache ist. Dafür sind wir ihm sogar dankbar: Regelmäßig müssen wir uns in Gesprächen dafür rechtfertigen, dass wir ein Bargeldverbot erwarten. Weil nur so der Staat den besten Zugriff auf die Ersparnisse und Vermögen seiner Bürger hat. Nur Devisen- und Kapitalverkehrskontrollen reichen dafür nicht aus. 

Summers gibt vor, auf diese Weise soll Wachstum erzeugt werden:  "Da Wachstum aber notwendig sei, damit kleiner werdende Generationen die Renten größerer Generationen finanzieren können, damit Staatsschulden abbezahlt werden und weiter in Bildung und Infrastruktur investiert wird, ist ein Mechanismus notwendig, der die riesigen Ersparnisse der Bürger von ihren Konten weg in private und staatliche Investitionen lenkt. Summers und seine Mitstreiter setzen auf eine Ankurbelung der Nachfrage mit drastischen Mitteln, wozu auch massive Investitionen des Staates zählen, die von den Bürgern bezahlt werden müssen." In Deutschland will man davon offiziell nichts wissen. Das ist aber völlig bedeutungslos, selbst wenn der für den Zahlungsverkehr zuständige Vorstand der Bundesbank in dem Beitrag beruhigend zitiert wird: "Verbraucher und Händler entscheiden letztlich selbst, welche Zahlungsinstrumente sie nutzen und anbieten wollen." Das ist kompletter Nonsens, wie die vielen Beispiele in Europa schon zeigen (Schweden, Norwegen schaffen das Bargeld ganz ab; Griechenland, Italien, Spanien haben die Bezahlung mit Bargeld zum Teil drastisch eingeschränkt).


"Die Finanzkrise war eine verpasste Chance"
(tagesanzeiger.ch) US-Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller über Palliativmedizin für Banken und Märkte und die unerhörte Idee, gleichzeitig Steuern und Ausgaben zu erhöhen. Mehr...

Kommentar: Ein Stimmungsbild aus dem Kreis der "hochkarätigen" Ökonomen. Die haben die Finanzkrise längst wegargumentiert und warten auf eine neue. Shiller versucht es bis dahin mit ein bisschen Optimismus. Wahrscheinlich liegt das an der besonders "gesunden" Luft dieser Tage in Davos. Leider eiert er um Antworten auf die interessanten Fragen in diesem Interview herum. Schade, da hätte man mehr erwarten können. Scheinbar herrscht während des Weltwirtschaftsforums (WEF) "Waffenstillstand" zwischen den Experten.


The $23 Trillion Credit Bubble In China Is Starting To Collapse – What Next?
(zerohedge.com) Did you know that financial institutions all over the world are warning that we could see a "mega default" on a very prominent high-yield investment product in China on January 31st? We are being told that this could lead to a cascading collapse of the shadow banking system in China which could potentially result in "sky-high interest rates" and "a precipitous plunge in credit". In other words, it could be a "Lehman Brothers moment" for Asia. And since the global financial system is more interconnected today than ever before, that would be very bad news for the United States as well. Since Lehman Brothers collapsed in 2008, the level of private domestic credit in China has risen from $9 trillion to an astounding $23 trillion. That is an increase of $14 trillion in just a little bit more than 5 years. Much of that "hot money" has flowed into stocks, bonds and real estate in the United States. So what do you think is going to happen when that bubble collapses?
The bubble of private debt that we have seen inflate in China since the Lehman crisis is unlike anything that the world has ever seen. Never before has so much private debt been accumulated in such a short period of time. All of this debt has helped fuel tremendous economic growth in China, but now a whole bunch of Chinese companies are realizing that they have gotten in way, way over their heads. In fact, it is being projected that Chinese companies will pay out the equivalent of approximately a trillion dollars in interest payments this year alone. That is more than twice the amount that the U.S. government will pay in interest in 2014.
Over the past several years, the U.S. Federal Reserve, the European Central Bank, the Bank of Japan and the Bank of England have all been criticized for creating too much money. But the truth is that what has been happening in China surpasses all of their efforts combined. You can see an incredible chart which graphically illustrates this point right here. As the Telegraph pointed out a while back, the Chinese have essentially "replicated the entire U.S. commercial banking system" in just five years... Read more...

Kommentar/Ergänzung: Der Beitrag stammt von Michael Snyder's THE ECONOMIC COLLAPSE BLOG. Der Mann "überdeutet" die Zeichen gelegentlich. Auf keinen Fall ein Vorwurf, nur eine Feststellung (Wir kämpfen gelegentlich mit dem gleichen Problem!). Das ist gut zu wissen, wenn man seine engagierten Beiträge liest. Auf der anderen Seite trägt er geradezu akribisch die Belege für seine Ansichten zusammen und liefert dazu unzählige Links gleich mit. Wer sich darauf einlässt, der muss sich Zeit nehmen. Belohnt werden die LeserInnen aber mit einer fast einmaligen Informationsfülle und überreichlich Gedankenfutter. 

"Tyler Durden" von ZERO HEDGE nimmt sich aber ebenfalls der Sache an. Er hat via Goldman Sachs Global Investment Research recherchiert und ist sich sicher: "China's First Default Is Coming: Here's What To Expect". T. D. schreibt in seiner Einleitung: "As we first reported one week ago, the first shadow default in Chinese history, the "Credit Equals Gold #1 Collective Trust Product" issued by China Credit Trust Co. Ltd. (CCT) due to mature Jan 31st with $492 million outstanding, appears ready to go down in the record books. Of course, in a world awash and supported by moral hazard, where tens of trillions in financial asset values are artificial and only exist due to the benevolence of a central banker, it would be all too easy to say that China - fearing an all too likely bank run on comparable shadow products (of where there a many) as a result - would just step in and bail it out. However, at least until today, China has maintained a hard line on the issue, indicating that as part of its deleveraging program it would risk a controlled default detonation, in order to realign China's credit conduits even though such default would symbolically coincide with the first day of the Chinese New Year. In turn, virtually every sellside desk has issued notes and papers advising what this event would mean ("don't panic, here's a towel", and "all shall be well"), and is holding conference calls with clients to put their mind at ease in the increasingly likely scenario that there is indeed a historic "first" default for a country in which such events have previously been prohibited. So with under 10 days to go, for anyone who is still confused about the role of trusts in China's financial system, a default's significance, the underlying causes, the implications for the broad economy, and what the possible outcomes of the CCT product default are, here is Goldman's Q&A on a potential Chinese trust default." Read here.

Einen schon etwas älteren, lohnenden Beitrag zum Thema, aus dem Mai 2013, liefert das Peterson Institute for International Economics (PIIE): "The Role of Trust Companies in China’s Recent Credit Growth" (hier). Daraus stammt die folgende Grafik:


Die chinesische Zentralbank wird die Sache schon wieder richten. Deshalb erwarten wir (noch) keinen Lehman-Effekt. Die beiden Beiträge zeigen jedoch, wie brisant/explosiv der Finanzsektor in China, dem Land, wo nach Meinung der deutschen Wirtschaft "Milch und Honig fließen", mittlerweile ist.


Es geht auch ohne Gier: Wells Fargo ist Anlegers Liebling
(n-tv.de) 2013 macht Wells Fargo knapp 22 Milliarden Dollar Nettogewinn. Die US-Bank löst JP Morgan als größte Profitmaschine der Branche ab. Das Erfolgsrezept von Wells Fargo ist einfach - und deshalb so genial.
In der Finanzbranche gelten spätestens seit der Lehman-Pleite Universalbanken mit ihrer breiten Angebotspalette als die besseren Geldhäuser. Eine Bank soll von Krediten über die Beratung bei Börsengängen bis hin zu komplexen Derivaten alles bieten - doch zahlt sich das wirklich aus? Offenbar nicht: Im vergangenen Jahr war die profitabelste aller US-Banken Wells Fargo. Deren Geschäftsmodell basiert ganz klassisch auf Einlagen und der Kreditvergabe und eben nicht auf dem Investmentbanking.
Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Zugegeben, die Meldung ist schon ein paar Tage alt, sie stammt vom vergangenen Montag. Wir haben sie nur aus einem Grund zurückgehalten: wegen einer ausgiebigen Recherche. Dieser Beitrag aus einem der deutschsprachigen Leitmedien hat uns verwundert und stutzig gemacht. Wells Fargo war uns als eine der 5 großen US-Banken in Erinnerung, die gemeinsam im Derivatehandel ein riesiges Rad drehen. Wir wollten es wissen und haben deshalb nachgeforscht. Das Ergebnis in Kurzfassung: Wells Fargo steht nur noch auf dem 6. Rang der mit dem Derivatehandel beschäftigten US-Banken. Auf Platz 5 steht mittlerweile der US-Zweig der britischen HSBC. Im Geschäft mit dieser "Massenvernichtungswaffe" ist Wells Fargo heute noch.

Der Derivatehandel, an dem Wells Fargo bei weitem nicht so stark engagiert ist wie die Erstplazierten JPMorgan Chase (1.), Citibank (2.), Bank of America (3.) und Goldman Sachs (4.), ist jedoch nicht das Hauptproblem von Wells Fargo. Durch die Übernahme der größten US-Sparkasse Wachovia Ende 2008, übernahm Wells Fargo neue Risiken. Dazu später mehr. Zuerst betrachten wir die Risiken aus dem Derivatehandel.

Das US-Wirtschaftsmagazin FORBES schreibt im August "Big Banks and Derivatives: Why Another Financial Crisis Is Inevitable" und stellt ausdrücklich einen Bezug zu Wells Fargo her: "Wells Fargo: is this good bank 'extremely safe'?" (hier). Der Autor kommt zu folgendem Schluss: "Thus it turns out that Wells Fargo isn’t so much an “extremely safe” bank in absolute terms but rather a bank that isn’t doing as much risky stuff as the other big banks. “One reason Wells Fargo is trusted more than other big banks is that its notional amount of derivatives is comparatively small… It’s just somewhat less involved in derivatives than other banks.” The amount of its ‘notional involvement’ in proprietary trading in derivatives amounts to “only” about half the size of the entire US economy. By contrast, at the end of the third quarter of 2012, JPMorgan had $72 trillion in notional amount on its books—almost five times the size of the U.S. economy, or about the size of the entire world economy. But even at the lower levels of trading by Wells Fargo, the numbers are so large that they put Wells Fargo’s seemingly immense capital reserves—$148 billion—as a mere drop in an ocean of potential losses."

Zu den grundsätzlichen Risiken des Derivatehandels der TBTF-US-Banken bitte diesen Beitrag und die weiterführenden Links lesen: "The Derivatives Time Bomb" (hier). Oder den deutschsprachigen Beitrag "Wir werden wieder aus allen Wolken fallen" aus der Schweiz, der die wichtigsten europäischen Mitspieler benennt (hier). Das Fazit dort:  "Wir befinden uns bei den Derivaten auf dem Weg in ein Desaster, von hier droht ein Kollaps des globalen Finanzsystems mit verheerenden Auswirkungen. Die Schweiz ist dabei insofern ein Sonderfall, als sie als Kleinstaat gleich mit zwei Grossbanken involviert ist. Statt zu handeln und das Investmentbanking abzutrennen sowie den entsprechenden Sitz ins Ausland zu verlagern, zieht man es vor, den Schlaf der Gerechten fortzusetzen." Wells Fargo ist auf jeden Fall dabei.

Schon im Januar 2012 hat sich FORBES mit der Frage beschäftigt "Does Wells Fargo Practice Radical Management?" und beschreibt u. a. "The dark side of Wells Fargo" (hier). Das Fazit: "There are many positive elements in the Wells Fargo story. Based on what we know today, they appear have avoided some of the very worst of the missteps of their competitor banks. Despite some dark spots, the executives are at least talking about the principles of radical management, whereas most of their competitors are still talking about the making money as the banks’ bottom line. Time will tell whether Wells Fargo implements and sticks to the principles. If they do, they will deserve to be considered a practitioner of radical management."

Noch etwas älter ist der folgende Beitrag, aber nach wie vor aktuell. THE BANK IMPLODE titelt: "Exclusive – Wells Fargo’s Commercial Portfolio is a ticking time bomb" (hier). Beschrieben werden die Risiken, die sich Wells Fargo mit der (erzwungenen) Übernahme von Wachovia eingehandelt hat. Aktuelle Neuigkeiten zu diesem Thema bietet ZERO HEDGE: "The First Domino to Fall: Retail-CRE (Commercial Real Estate)" (hier).

Abschließen möchten wir unsere Beiträge zu "Anlegers Liebling" Wells Fargo mit zwei Beiträgen, die das Bild abrunden: 1. "Too Big To Fail?: 10 Banks Own 77 Percent Of All U.S. Banking Assets" von THE ECONOMIC COLLAPSE BLOG (hier) und 2. mit unserer besonderen Empfehlung "What’s Inside America’s Banks?" von THE ATLANTIC (hier). Ein mächtiger Beitrag, aber den Aufwand wert. Dazu noch eine Karikatur, die uns besonders gut gefallen hat: 

Quelle: eyeonmiami.com

Der Beitrag von N-TV lässt erhebliche Risiken unter den Tisch fallen, die sogar das Überleben von Wells Fargo gefährden können. Dazu fällt uns ein treffendes Zitat von Kurt Tucholsky ein: "Der geschickte Journalist hat eine Waffe: das Totschweigen - und von dieser Waffe macht er oft genug Gebrauch."