Freitag, 24. Januar 2014

Standpunkt 864 - Nachrichten-Ticker, 23.01.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Nachdem nun die Große Koalition unter Dach und Fach ist, werden wir in den kommenden Wochen, die Feiertage eingeschlossen, unser Arbeitspensum erhöhen, um unser neues Dossier im Januar 2014 zur Verfügung stellen zu können.  Sicher ist bereits, dass der Koalitionsvertrag die schlimmsten Vorhaben nicht öffentlich macht. Trotzdem gibt es eine Menge Indizien dafür, wo die politische Reise der neuen Berliner Regierung unter der alten Chefin, der Eisernen Lady Kanzlerin Angela Merkel, rund um die Krise in Deutschland und Europa hingeht. Schwerpunkte unseres neuen Dossiers bilden, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, die Vorschläge von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, die virtuelle Währung Bitcoin, das Zypern-Modell, die Pläne der EU zur Bankenrettung (Stichwort Bankenunion). Außerdem Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und die Folgen der angeblichen Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tagesthemen: In eigener Sache – Kapitalverkehrskontrollen Deutschland: Manipulierte Zahlen – Deflation (2 Beiträge) - Finanz-Casino China (2 Beiträge) 


In eigener Sache
Nicht erst seit dem neuerlichen Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle immer wieder daraufhin.

Zu unserem großen Erstaunen stellen wir in diesen Tagen aber fest, dass die Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken, bei den Betroffenen scheinbar zu Ende geht. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Wir haben bis in den Spätsommer 2013 hinein, über Monate hinweg, eine persönliche Beratung angeboten, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - seine Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen. 

Dieses Angebot mussten wir Anfang September 2013 leider aussetzen, weil die Nachfragen für unser kleines Team überhand genommen haben. 

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt und bieten deshalb ab sofort wieder eine persönliche Beratung an. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Die Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.   

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Interesse? E-mail genügt.


Here It Comes - More Leading Economists Call For Capital Controls
(zerohedge.com) As the saying goes, ‘desperate times call for desperate measures.’The phrase is bandied about so frequently, it’s generally accepted truth. But I have to tell you that I fundamentally disagree with the premise. Desperate times, in fact, call for a complete reset in the way people think. Desperate times call for the most intelligent, effective, least destructive measures. But these sayings aren’t as catchy. Read more... 

Kommentar: "It's Time to say Goodbye". Es wird dringend Zeit, seine Vermögensverhältnisse so in Ordnung zu bringen, dass solche Kontrollen keine Gefahr für die eigenen Finanzen darstellen. (Bank-)Schließfächer, Matratzen, im Garten vergraben, u. ä., sind jedenfalls keine Lösungen.

Diese Pläne gibt es schon lange, jetzt wird ihre Umsetzung immer konkreter.


Manipulieren mit Zahlen – wie das Statistische Bundesamt die wirkliche Lage entstellt und die deutschen Medien die Propagandamaschine auf höchste Touren jagen
(flassbeck-economics.de) Die Veröffentlichung der Daten über die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukt des vergangenen Jahres sollte eigentlich eine nüchterne Angelegenheit sein. Nicht so in Deutschland in diesen Tagen. In der ideologisch aufgeheizten Atmosphäre der "gemeinsamen Verteidigung deutscher Werte gegenüber dem Ausland" verliert selbst das Bundesamt, das eigentlich Statistik machen sollte, die Contenance, und die Medien überschlagen sich in Rechtfertigungsarien über die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse oder in der Verharmlosung des Vorwurfs, in Deutschland steige die Binnennachfrage zu wenig. Mehr...

Kommentar: Ein aus unserer Sicht phantastischer Beitrag. Der unsere These stützt, dass sich Deutschland mit seiner Wirtschaftspolitik und die bejubelten deutschen Top-Ökonomen, allen voran Hans-Werner Sinn, mit ihren Ansichten auf dem Holzweg befinden. Daran ändern auch die regelmäßigen Road-Shows der willfährigen deutschen Medien wenig. Und das Beste daran: Nichts haben sich die beiden Autoren, Friedericke Spiecker und Heiner Flassbeck, für ihre treffende Analyse aus den Fingern gesaugt. Sie "bedienen" sich bei den offiziellen Zahlen, die das Statistische Bundesamt höchstselbst veröffentlicht hat. Anders als der vom "BILD"-ungsbürgertum schon seit Jahren zur Nr. 1 unter den deutschen Ökonomen verklärte Hans-Werner Sinn stellen Spiecker und Flassbeck keine unbewiesenen Behauptungen auf, sondern liefern durchweg belastbare Fakten. Die allen zur Verfügung stehen, die sich die Mühe machen hinzusehen. 

Das Fazit am Ende des Beitrages bitten wir unsere LeserInnen, ganz besonders die deutschen (die muss es außerdem noch nachdenklich stimmen), sich in aller Ruhe auf der Zunge zergehen lassen: 

"Doch zurück zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und ihrem Ergebnis für 2013: Diese Art der Auseinandersetzung mit den statistischen Fakten findet in Deutschland nicht statt. Deutschland ist kein normales Land mit einer normalen Diskussion wirtschaftlicher Fragen. Stattdessen wird von den angeblich so unabhängigen Medien die Propagandamaschinerie angeworfen (wie einer unserer Leser es ausdrückt) wie in den besten Zeiten zentral gelenkter und zentral kontrollierter Wirtschaften. Die WELT überschlägt sich förmlich mit „Beweisen“ dafür, wie gut es Deutschland doch geht und wie richtig Deutschland doch alles macht. Thorsten Hild hat jede Menge solcher „Beweise“ gesammelt. Und die Wirtschaftsredaktion der FAZ hat seit Wochen (wie viele andere Medien) kein anderes Ziel, als ihre Leserschaft davon zu überzeugen, dass diese Ausländer mit ihrer Kritik an Deutschland fundamental falsch liegen.

Das ist sehr bedenklich. Einem Land, das nicht mehr in der Lage ist, unvoreingenommen so einfache Fakten zu diskutieren, kann man kaum zutrauen angemessen zu reagieren, wenn die anderen Länder die Geduld verlieren und beginnen sollten, drastische Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Wirtschaft vor der deutschen Exportmaschine zu schützen. Was will Deutschland dann tun? Den Freihandel mit Hilfe der Bundeswehr verteidigen? Oder will Deutschland den Gürtel dann noch mal enger schnallen, wenn auch die anderen einmal Exporterfolge haben sollten? Was macht Deutschland, wenn es einmal ein Defizit in der Leistungsbilanz hat, weil die anderen, um ihre Schulden zurückzuzahlen, Überschüsse machen müssen? Wird dann der Notstand ausgerufen? Einem Land, das so aufgeregt und unsachlich mit der Kritik des Auslands umgeht, die sich auf Fakten stützt, stellt in den Augen des Auslands eine Bedrohung dar. Ist es das, was sich manche Kreise in Deutschland wünschen? Ein Volk der guten Nachbarn wolle Deutschland werden, erklärte Willy Brandt 1969. Ist das alles vergessen und vorbei?" 


Wenn es jetzt auch noch den Weg ins Hirn findet - noch viel besser. 

Der zweite Absatz lässt nach unserer Ansicht einen bedenkenswerten Rückschluss zu: Die von Deutschland iniziierte Austeritätspolitik in Europa und das angestrebte Freihandelsabkommen TTIP mit den USA dienen vor allen Dingen dem Schutz des deutschen Exportmodells. Die Interessen seiner europäischen Nachbarn sind Berlin sehr wahrscheinlich schnurzpiepegal. Auf diese Weise wird das Scheitern der deutschen Wirtschaftspolitik so weit wie möglich in die Zukunft verschoben. Nach diesem System funktioniert auch die unlösbare Finanzkrise. 

Noch ein Wort zum Wesen der Propaganda. Deren Grundlage stammt bis heute aus dem dunkelsten Kapital  deutscher Geschichte. Formuliert hat ihn der "Größte Feldherr aller Zeiten" (GröFaZ): "Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergeßlichkeit groß. Aus diesen Tatsachen heraus hat sich jede wirkungsvolle Propaganda auf nur sehr wenige Punkte zu beschränken und diese schlagwortartig so lange zu verwerten, bis auch bestimmt der Letzte unter einem solchen Wort das Gewollte sich vorzustellen vermag." 


Wie man erfolgreich eine Deflation auslöst
(diepresse.com) Der Versuch, das Budget im Vorfeld einer drohenden Deflation zu sanieren, indem man per Steuern Kaufkraft abschöpft und eine Kreditklemme verursacht, ist wohl die dümmste Wirtschaftspolitik. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Die Deflation ist in Europa still und heimlich auf dem Vormarsch - trotz vieler öffentlicher Bekundungen, diese Gefahr klein zu reden, bzw. -zu schreiben. Da ist ein wenig Aufklärung nützlich. Wir werden für unsere LeserInnen in den kommenden Tagen und Wochen geeignete Beiträge zum Thema auftreiben und im Blog vorstellen. Wahrscheinlich müssen wir auch auf englischsprachige Texte zurückgreifen, um umfassend zu informieren, denn deutschsprachige Leitmedien werden sich erst einmal weitestgehend heraushalten. Das passt nicht zur politisch gewollten Großwetterlage "Alles ist gut". Heute haben wir zwei Beiträge aus Österreich, die sich fundiert mit der Deflationsgefahr auseinandersetzen. Zuerst Josef Urschitz. Sein Fazit: "Die Deflationsgefahr ist also tatsächlich real. Und zwar deshalb, weil politische Eliten – in Österreich wie in Europa – den einfachten Weg des Populismus gehen. Ob das aus Unwissenheit oder Kalkül geschieht, ist eigentlich nebensächlich. Was zählt, ist der reichlich negative Effekt." 

Von der Zeitschrift ARBEIT UND WIRTSCHAFT kommt der lesenswerte Beitrag "Das gefährliche Ungeheuer heißt Deflation – nicht Inflation" (hier). Die Autorin, Silvia Angelo, räumt darin u. a. mit einigen deutschen Vorurteilen auf. Die sind leider wie in Beton gegossen und seit Gründung der Bundesbank so von Generation zu Generation weitergegeben worden. Das könnte fatale Folgen haben in Europa. Dazu eine Grafik:
Quelle: mytherapy.com
 


Chinese CDS Worsens As Post-Year-End Liquidity Needs Spike 
(zerohedge.com) The PBOC has injected around CNY 400 billion into China's banking system in the last week focused in the 7-day reverse-repo maturity. While this has been greeted with moderation of the spiking trend in ultra-short-dated funding costs, there is a problem still. With the CEG#1 Trust maturing on 12/31 coinciding with the farce that is the 'confess all mismatched sins' debacle that occurs every Chinese Lunar New Year, the need for liquidity through that maturity is becoming extreme (while shorter-dated not so much). 14-day repo is now at 7.2% - almost 300bps above 7-day repo (which matures before year-end). In fact, it seems those concerned about possible Chinese contagion effects are buying protection aggressively as 5Y CDS jumped over 5bps to 102bps - the widest in 7 months (since the credit crunch in the Summer). This is far from over... Read more... 

Kommentar: Wie wir schon gestern geschrieben haben, die chinesische Zentralbank (PBoC) wird's richten. Muss sie auch, sonst knallt's gewaltig. Ein äußerst fragiles Finanzsystem steht unter massivem Druck. Die Folgen sind in den Charts des Beitrags zu besichtigen. 


In China; 1 + 1 = 7.7% GDP Growth (And Don't Argue) 
(zerohedge.com) With China's shadow-banking system turmoiling and data not at all supportive of the same kind of growth investors are hoping for, some were surprised when China's GDP magically turned out at the 7.7% expectations deemed acceptable by the government. As Xinhua reports, not all is as it seems.
China's GDP amounted to 56.9 trillion yuan (9.3 trillion U.S. dollars) in 2013. However, the aggregate of the provincial GDP figures, which were independently calculated and released, was about 2 trillion yuan more than the 56.9-trillion-yuan figure arrived at by the NBS, even though three of the 31 localities that were yet to release the figures were not included.
This has aroused suspicion (just as we saw with the PMI data in the past) that some growth-obsessed local officials have cooked the books. Read more...


Kommentar: Die Chinesen - wahre Verschleierungskünstler.