Samstag, 1. Februar 2014

Standpunkt 871 - Nachrichten-Ticker, 30.01.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir haben in den vergangenen Wochen jede freie Minute dafür verwendet, um unser neues Dossier im Januar 2014 zur Verfügung stellen zu können. Wir haben es nicht geschafft. Das Update ist uns aus den Fugen geraten und der aktuelle Vorstoß der Bundesbank zu einer Zwangsabgabe hält uns zusätzlich auf. Wir werden einige Tage länger brauchen. Dafür bitten wir um Verständnis. Andererseits sind wir davon überzeugt, dass sich die Warterei lohnt. 

Schwerpunkte unseres neuen Dossiers bilden, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, die Vorschläge von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, die virtuelle Währung Bitcoin, das Zypern-Modell, die Pläne der EU zur Bankenrettung (Stichwort Bankenunion). Außerdem Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und die Folgen der angeblichen Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tagesthemen: In eigener Sache – Kapitalkontrolle Mindestlohn (4 Beiträge) – Manipulation des Monats - Ratingagenturen Abenomics Fail


In eigener Sache
Nicht erst seit dem neuerlichen Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle immer wieder daraufhin. Heute hat offensichtlich auch die Bundesbank, in der Heimat fälschlicherweise als Hüter deutscher Sparer-Interessen wahrgenommen, dem IWF-Vorschlag zugestimmt (hier).

Wer jetzt immer noch nicht aufwacht, dem ist nicht zu helfen. Die Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken ist definitiv vorüber. Jetzt gilt es, dem Feind in die Augen zu schauen. Die Betroffenen scheinen das langsam zu begreifen. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Wir haben bis in den Spätsommer 2013 hinein, über Monate hinweg, eine persönliche Beratung angeboten, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - seine Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen.

Dieses Angebot mussten wir Anfang September 2013 leider aussetzen, weil die Nachfragen für unser kleines Team überhand genommen haben.

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt und bieten deshalb ab sofort wieder eine persönliche Beratung an. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Die Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Interesse? E-mail genügt.


"Kapitalkontrollen sind Teil der Lösung"
(fuw.ch) Die Türkei und Südafrika stemmen sich mit Leitzinserhöhungen gegen die Abwertungsspirale. Im Gespräch mit FuW zweifelt der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz an der Wirkung solcher Massnahmen. Mehr...

Kommentar: Kapitalkontrollen sind auch in Europa "Teil der Lösung". Ohne diese sind keine Enteignungen möglich. Darauf hat selbst die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht, im Zusammenhang mit der empfohlenen Zwangsabgabe, schon hingewiesen (hier).


Wird der deutsche Mindestlohn zum "Schweizer Käse"?
(diepresse.com) Studie: Treten die disktutierten Ausnahmen in Kraft, erhalten zwei von fünf Millionen Niedriglohnbeziehern keinen gesetzlichen Mindestlohn. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Der Beitrag bezieht sich auf eine WSI-Studie: "Ausnahmen vom Mindestlohn: Zwei Millionen Niedriglohnbeschäftigte würden leer ausgehen" (hier). In der Pressemitteilung steht dazu einleitend: "Gut 5 Millionen Beschäftigte in Deutschland verdienen weniger als 8,50 Euro pro Stunde. Würde die Bundesregierung Forderungen nach Ausnahmen vom Mindestlohn nachgeben, erhielten 2 Millionen dieser Niedriglohnbeschäftigten keinen Mindestlohn – und es könnte zu problematischen Verdrängungseffekten auf dem Arbeitsmarkt kommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung." Dort findet sich auch die Studie. 

Andere Qualitätsmedien greifen das Thema ebenfalls auf. Das MANAGER MAGAZIN titelt "Zwei Millionen Menschen droht Ausschluss vom Mindestlohn". Weiter heißt es: "Minijobber, Rentner, Schüler, Studenten und hinzuverdienende Arbeitslose: Geht es nach der Union, könnten sie alle vom Mindestlohn ausgenommen werden. Es droht die Entstehung eines neuen Niedriglohnsektors, der sich auf bestimmte Branchen konzentriert." Es folgt ein klitzekleiner Beitrag. Mehr hier

Die F.A.Z. liefert die vermeintlichen Fakten dazu: "Warum der Mindestlohn doch Jobs kostet": "Deutschlands oberster Wirtschaftsweiser warnt davor, dass der Mindestlohn viele Stellen kostet. Amerikanische Forscher geben ihm recht. Die Quintessenz ihrer Studie: Keiner sieht, wie viele Arbeitsplätze ohne einen Mindestlohn entstanden wären." Mehr hier. Schon wieder eine Studie (hier). Das Fazit des Beitrags ist vielsagend: "Gerade Deutschland könnte jetzt zum Musterbeispiel für diese Studie werden. Nach einigen Jahren mit guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt reichen den Deutschen ihre Löhne nicht mehr, und sie führen einen Mindestlohn ein. Offenbar muss Deutschland damit rechnen: Selbst wenn in den nächsten Jahren nur wenige Leute wegen des Mindestlohns entlassen werden, wird der Mindestlohn doch den Aufbau neuer Arbeitsplätze behindern. Und das ist besonders tückisch. Denn wo ein Arbeitsplatz erst gar nicht entsteht, da beschwert sich auch niemand über den Mindestlohn – und die schädliche Wirkung fällt vielleicht gar nicht auf." Die Meinung des Wirtschaftsweisen erklärt die F.A.Z. hier: "Der Mindestlohn kostet Hunderttausende Arbeitsplätze". Der lädt richtig drauf:  "Die Kritik reißt nicht ab: Schon wieder wettert ein prominenter Ökonom gegen den geplanten flächendeckenden Mindestlohn. Er werde mehrere 100.000 Arbeitsplätze kosten, glaubt der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt." So die F.A.Z. im Vorspann. Mehr hier. Nur Kritik, keine Lösung. Vielleicht würde es diesem Ökonomen helfen, der Wirklichkeit mehr Raum zu geben, die hier beschrieben wird: "Europa auf dem Weg zur Massen-Armut". Für so einen Wirtschaftsweisen wird Deutschland bestimmt von der halben Welt beneidet. Die Diskussion um die Ausnahmen vom Mindestlohn ist eine billige Posse. Will die Politik ernsthaft gegen die Altersarmut vorgehen, muss sie endlich ein Zeichen setzen. Der Mindestlohn wäre schon mal eins (gewesen). 


Die Manipulation des Monats: Atypische Beschäftigung drängt normale Arbeitsverhältnisse nicht zurück?
(nachdenkseiten.de) Wie die Bertelsmann Stiftung mit Hilfe des "Instituts zur Zukunft der Arbeit" (IZA) die Öffentlichkeit mal wieder über die Auswirkungen der Agenda-"Reformen" an der Nase herumführen und die Leitmedien willige Erfüllungsgehilfen sind. Selbst die traurigen Befunde eines neoliberalen Think-Tanks werden in Jubelmeldungen umgedeutet. Statt "Atypische Beschäftigung drängt normale Arbeitsverhältnisse nicht zurück" müsste es nämlich heißen: Atypische Beschäftigung steigt erheblich schneller als Normalarbeitsverhältnisse. Oder: Jede/r Vierte ist inzwischen atypisch beschäftigt und jede/r Fünfte Vollbeschäftigte arbeitet für einen Lohn an der Armutsgrenze. Berichte über solche Tatsachen finden sich in unseren Medien so gut wie gar nicht. Mehr...

Kommentar: Der Beitrag zerlegt die mediale Propaganda. Lohnende Links. Schämt sich die Journaille irgendwann auch mal für den Mist, der ständig von ihr verzapft wird? Wir haben die Hoffnung aufgegeben.


Ratingagenturen: Das Monopol der Schwarzseher 
(zeit.de) Standard & Poor's, Moody's und Fitch bewerten die USA und andere Staaten viel zu gut, zeigt eine Studie. Besonders unfair waren die Ratings in der Finanzkrise. Mehr...

Kommentar: Noch ein Beitrag zum Thema Manipulation. Die Ratingagenturen haben es in dieser Disziplin zu wahren Meistern gebracht. Die Gründung einer europäischen Agentur, von uns einer Finanzreform zugeordnet, ist leider kläglich gescheitert. An 300 Millionen Euro Gründungskosten, soweit wir uns erinnern. Eine lächerliche Summe. Jedenfalls gemessen an dem Schaden, den die von der Wall Street dominierten drei Marktführer anrichten. Ernsthaft will die Politik deren Treiben gar nicht unterbinden. Für die Öffentlichkeit wird ein bisschen rumgemeckert, das muss genügen. In Wahrheit können alle Betroffenen ganz gut mit den "Großen 3" leben. 


Abenomics Fail: Japanese Auto Demand Drops Most In 3 Years
(zerohedge.com) Over a year after Shinzo Abe unveiled his devalue-the-currency three arrows plan to save his demographically-challenged and debt-riddled nation from a third lost decade... and aside from a stock market that soared as the currency collapsed - the Japanese people have little (or worse less) to show for it. As MarketWatch reports, Japan Automobile Manufacturers Association said Thursday that auto demand in Japan is expected to drop 9.8% in 2014 as the sales tax increase in April will dent consumer sentiment. The decline will be the first and sharpest drop in three years after auto demand remained nearly flat last year. It seems that 'recovery' will have to wait. Mehr...

Kommentar: Es will nicht so recht klappen, mit Japans Morgenröte (hier). Anspruch und Wirklichkeit finden nicht zusammen. So einfach ist das: "Japanese wage growth remains as stagnant as it was before Abe - despite the costs of most things rising in the nation thanks to a tumbling JPY... 

and the balance sheet recession has left a nation minimizing debt as opposed to maximizing profit (or for people living standards via credit)." 

"Politische Macht vermag das ökonomische Gesetz niemals außer Kraft zu setzen." (Eugen Böhm Ritter von Bawerk, österreichischer Ökonom, 1851 - 1914)