Sonntag, 2. Februar 2014

Standpunkt 872 - Nachrichten-Ticker, 31.01.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir haben in den vergangenen Wochen jede freie Minute dafür verwendet, um unser neues Dossier im Januar 2014 zur Verfügung stellen zu können. Wir haben es nicht geschafft. Das Update ist uns aus den Fugen geraten und der aktuelle Vorstoß der Bundesbank zu einer Zwangsabgabe hält uns zusätzlich auf. Wir werden einige Tage länger brauchen. Dafür bitten wir um Verständnis. Andererseits sind wir davon überzeugt, dass sich die Warterei lohnt. 

Schwerpunkte unseres neuen Dossiers bilden, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, die Vorschläge von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, die virtuelle Währung Bitcoin, das Zypern-Modell, die Pläne der EU zur Bankenrettung (Stichwort Bankenunion). Außerdem Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und die Folgen der angeblichen Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tagesthemen: In eigener Sache – FOCUS und die Zwangsabgabe Kaufrausch in Deutschland? – Chinesen kaufen Deutschland auf - Deflationsgefahr in Europa Spanien-Propaganda (2 Beiträge) Camerons Blasenschmerzen


In eigener Sache
Nicht erst seit dem neuerlichen Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle immer wieder daraufhin. Heute hat offensichtlich auch die Bundesbank, in der Heimat fälschlicherweise als Hüter deutscher Sparer-Interessen wahrgenommen, dem IWF-Vorschlag zugestimmt (hier).

Wer jetzt immer noch nicht aufwacht, dem ist nicht zu helfen. Die Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken ist definitiv vorüber. Jetzt gilt es, dem Feind in die Augen zu schauen. Die Betroffenen scheinen das langsam zu begreifen. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Wir haben bis in den Spätsommer 2013 hinein, über Monate hinweg, eine persönliche Beratung angeboten, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - seine Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen.

Dieses Angebot mussten wir Anfang September 2013 leider aussetzen, weil die Nachfragen für unser kleines Team überhand genommen haben.

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt und bieten deshalb ab sofort wieder eine persönliche Beratung an. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Die Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Interesse? E-mail genügt.


Reiche Deutsche sollen zahlen: Der miese Enteignungstrick mit den Zwangsanleihen
(focus.de) Die Deutsche Bundesbank unterstützt einen Vorschlag des IWF, bei Bankenrettungen eine einmalige Vermögensabgabe von zehn Prozent vorzunehmen. Diese könnte nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung einmalig 230 Milliarden Euro in die Staatskasse spülen. Mehr...

Kommentar: Ein beschämender Beitrag aus der - nach eigener Aussage - "Fakten, Fakten, Fakten"-Redaktion. Wer unter Hinweis auf den jüngsten Bundesbank-Monatsbericht und die DIW-Studie aus 2012 behauptet, es handele sich um die "groesste-enteignung-aller-zeiten" und eine "sonderabgabe-auf-großvermoegen" (vgl. URL) berichtet einseitig und falsch auf niedrigstem journalistischem Niveau. 

Die deutsche Geschichte liefert längst Beispiele für die "groesste-enteignung-aller-zeiten", zuletzt die Währungsreform von 1948. Ebenfalls Nonsens ist es, "Vermögen ab 250.00 Euro (Singles) oder ab 500.000 Euro (Verheiratete)" als "Großvermögen" zu bezeichnen. Damit hält man die davon Betroffenen zum Narren. Die wirklichen "Großvermögen" werden von einer solchen Zwangsabgabe nicht betroffen sein. Soviel ist sicher. Jüngstes Beispiel: Zypern. Dort hat man den Reichen über die Auslandstöchter der betroffenen Banken die Türen offengehalten, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen, als in Zypern selbst die Banken schon geschlossen waren. 

Übrigens, die angeblich "einmalig 230 Milliarden Euro" sind lächerlich, völlig unzureichend, um den Staat wirklich nachhaltig zu entschulden. Das ist die günstigste aller Annahmen und bleibt eine Illusion. 

Nicht ein Wort verliert der Beitrag über den Vorschlag der Boston Consulting Group (BCG), mit Hilfe einer rund 30%ige einmalige Abgabe auf die Vermögen die Staatsschulden in Europa unter das Maastricht-Kriterium von 60% zurückzuführen. 20% mehr als DIW und IWF vorschlagen, aber noch immer nicht die behauptete "groesste-enteignung-aller-zeiten".

Die wird es geben, nur findet sich darüber in dem Beitrag ebenfalls kein Sterbenswörtchen. Wir können in diesem Zusammenhang unseren deutschen LeserInnen nur dringend einen Blick in das Grundgesetz empfehlen. In Deutschland hat eine Enteignung nämlich Verfassungsrang (Art. 14). Aus gutem Grund, wie die deutsche Geschichte beweist. Alle anderen Europäer dürfen aber nicht an eine trügerische Sicherheit vor einer weitreichenden Enteignung glauben. Gerne setzt sich die Politik in der Krise über "Gesetz und Verfassung" hinweg. Ohne jeden Skrupel, wie das Beispiel Zypern, oder die "über Nacht"-Enteignung der Sparer und Aktionäre durch die niederländische Regierung bei der "Not-Verstaatlichung" der SNS-Reaal-Gruppe vor einem Jahr, zeigt. Verantwortlich dafür: Der niederländische Finanzminister und Chef der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem.

In den Bilanzen der europäischen Banken schlummern Verluste in Billionenhöhe, da geht es nicht nur um Milliarden Euro. Die genaue Höhe weiß niemand. Bekannt sind bisher nur die 18,2 Billionen Euro aus einem Papier der EU-Kommission aus 2009, das der Öffentlichkeit bis heute nicht zugänglich gemacht worden ist: "Die europäischen Banken sitzen derzeit auf 16,3 Billionen Pfund (18,2 Billionen Euro) giftiger Wertpapiere. Demnach seien derzeit rund 44 Prozent aller Vermögenswerte der europäischen Banken 'faul' oder unverkäuflich und könnten für das EU-weite Bankensystem ein 'systemisches' Risiko bedeuteten. Das geht aus einem Papier der EU-Kommission hervor, auf das sich die britische Tageszeitung 'Daily Telegraph' beruft." (hier). Daran hat sich bis heute nichts geändert. Neue Risiken sind dazu gekommen oder werden erst gar nicht bewertet: Schattenbanken, Derivatehandel. 

Unser Fazit: Solche Beiträge sind verantwortlich für den unzureichenden Informationsstand des heimischen "BILD"-ungsbürgertums über die finanziellen Folgen einer verfehlten Krisenpolitik. 


Deutschland: reale Einzelhandelsumsätze mit -2,4%
(querschuesse.de) Das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtete heute die Einzelhandelsumsätze für den Monat Dezember 2013. Die Einzelhandelsumsätze bei den unbereinigten nominalen Originaldaten sanken um -1,4% zum Vorjahresmonat und die unbereinigten realen (preisbereinigten) Umsätze sanken um -2,4% zum Vorjahresmonat. Der Dezember 2013 hatte wie der Vorjahresmonat 24 offene Verkaufstage. Unter der Berücksichtigung der Saison- und Kalendereffekte sanken die nominalen Einzelhandelsumsätze um -2,3%, im Vergleich zum Vormonat und real ging es um -2,5% zum Vormonat abwärts! Statt der erbärmlichen Lügen zum deutschen Konsum-Boom dokumentiert sich eine langanhaltende Schwäche der Nachfrage, denn die saisonbereinigten und realen Einzelhandelsumsätze liegen auch im Dezember 2013 noch deutlich unter dem Niveau von 1994, dem Beginn der bei Destatis verfügbaren monatlichen Datenreihe! Mehr...

Kommentar: Steffen Bogs räumt wieder gründlich auf mit der Mär vom "Land im Kaufrausch" (O-Ton F.A.Z.). Das ist gut so. Eine kleine Auswahl der Charts aus dem Beitrag:      

"Die Entwicklung der Saison- und kalenderbereinigten realen Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) seit Januar 1994 bis Dezember 2013 im Chart. Die bereinigten realen Einzelhandelsumsätze sanken im Dezember 2013 um -2,5% zum Vormonat, auf 99,0 Indexpunkte, nach abwärtsrevidierten 101,5 Indexpunkten im Vormonat. Der Chart mit den monatlichen Daten seit Januar 1994 zeigt, auch im Dezember 2013, lange 19 Jahre nach dem Beginn der Datenreihe, liegen die realen saisonbereinigten Umsätze noch um -4,6% unter dem durchschnittlichen monatlichen Niveau von 1994!"

"Die Entwicklung der saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätze seit Januar 1955 bis Dezember 2013 (Index 2010=100) im Chart. Bis Dezember 1990 für die alten Bundesländer, ab Januar 1991 für ganz Deutschland. Seit über zwei Jahrzehnten geht es nicht mehr aufwärts, während in der alten Bundesrepublik die realen Einzelhandelsumsätze über Jahrzehnte dynamisch anstiegen, ist im wiedervereinigten Deutschland und als Mitglied der Eurozone bestenfalls pure Stagnation angesagt." 

"Die Entwicklung der realen Einzelhandelsumsätze seit 1950 bis 2013 (Index 2010=100) im Chart. Im Jahr 2013 stieg der reale Einzelhandelsumsatz um +0,1% zum Vorjahr auf 101,3 Indexpunkte. Auch der Jahreschart zeigt wie mau die Entwicklung seit über 2 Jahrzehnten ist, abseits der Propaganda."

Gleich auch noch sein treffendes Fazit: "Weiter leistet Deutschland mit diesem schwachen Konsum keinen Beitrag zum Abbau wirtschaftlicher Ungleichgewichte. Die Binnennachfrage (Konsum und Investition) sind viel zu schwach, einseitig hängt Wohl und Wehe des deutschen Geschäftsmodells am Export und den erzielten Überschüssen. Noch fragwürdiger als das einseitige deutsche Geschäftsmodell selbst, ist nur noch die Propaganda zum deutschen Konsumboom, immer noch klingeln einem die Ohren, vom ach so toll erwarteten Weihnachtsgeschäft, der tollen Stimmung und dem ungebändigten Shoppingwahn der Deutschen, alles Lügen einer plumpen Propagandamaschine und selbst anhand offizieller Wirtschaftsdaten eindeutig zu widerlegen!" 

Mit schönen Grüßen in Richtung F.A.Z. und Konsorten im deutschsprachigen Raum, den Spitzen der Qualitätsmedien. Was die heimischen Medien betrifft, so erinnert uns deren Propaganda sehr an die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte. Bei allen anderen an die Schreibereien rund um den Kriegsbeginn gegen den Irak. Wer denen vertraut, der wird demnächst sein "blaues Wunder erleben".


Chinesen kaufen in großem Stil deutsche Firmen auf
(welt.de) Eine Analyse zeigt, dass chinesische Unternehmen immer häufiger deutsche Firmen übernehmen. Meist sind wenig bekannte Mittelständler betroffen. Doch gerade ihre Technologien sind enorm wichtig. Mehr...

Kommentar: Nach der Auflösung der Deutschland AG durch die Banken nun den Ausverkauf teilweise international führender deutscher Technologie. Am Ende steht die heimische Wirtschaft mit den kümmerlichen Resten dessen da, was keiner mehr gebrauchen kann. Und die Beschäftigten sind ein Volk von Niedriglöhnern und Altersarmen. Bedauerlich, dass sogar die Gewerkschaften diesem Treiben tatenlos zusehen. 


"Deflation ist eine grosse Gefahr für Europa"
(fuw.ch) Die Eurokrise ist vorbei. Das zumindest scheint die Meinung an den Finanzmärkten zu sein: Die Anleihenrenditen europäischer Peripheriestaaten wie Italien und Spanien sind auf das Vorkrisenniveau von 2010 gefallen. Barry Eichengreen hält die Ruhe jedoch für trügerisch. "Die Investoren sind zu sorglos", mahnt der an der University of California, Berkeley, lehrende Ökonom und Wirtschaftshistoriker. Er warnt eindringlich vor einer Deflation in der Eurozone und befürchtet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) zu zögerlich agiert. Mehr...

Kommentar: Ein Thema, dass die ungeteilte Aufmerksamkeit unserer LeserInnen verdient. Wir tragen deshalb in unserem Blog zusammen, was uns an nützlichen Beiträgen unter die Augen kommt. Heute lassen wir Barry Eichengreen zu Wort kommen. Es lohnt sich.  


Spanien: Belastung durch faule Kredite sinkt
(diepresse.com) Die Banken konnten durchwegs die Gewinne verdoppeln. Lange hatten viele geplatzte Kredite im Immobilienbereich nach dem jähen Ende des Baubooms die Geldhäuser des Landes schwer unter Druck gesetzt. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Das Ergebnis mieser Bilanztricks und der mittlerweile üblichen medialen Propaganda in Vorbereitung auf den anstehenden Stresstest der europäischen Banken. Die Wirklichkeit sieht so aus: "Spain's Banco Popular Bad Loans Surge 20% QoQ (Most Ever) To Record High" meldet ZERO HEDGE: "As we draw ever closer to Europe's date with disaster and the inevitable lifting of the kimono that Draghi's supervision-driven stress tests appear to be, European banks are being forced to finally 'fess up to the real state of their balance sheets. Confused at how bad macro data can be in Spain and yet banks have been 'surviving' or 'thriving' - simply put, they lied (and are now being forced to un-lie) Spain's Banco Popular just released earnings showing a 19.6% rise in non-performing loans at EUR21.2 billion driven by a surge in "doubtful loans for subjective reasons" that almost tripled QoQ. This is the highest bad loan ratio on record at 14.27% - but have no fear, their CEO says "loan defaults are nearing their peak," because he would know..." Mehr hier. Wir zeigen auch gleich einen der beiden sehr aussagekräftigen Charts aus dem Beitrag: 



 
David Camerons Blasenschmerzen 
(manager-magazin.de) Der Immobilienmarkt Großbritanniens gibt bereits seit einiger Zeit Anlass zur Sorge. Experten befürchten erneute Übertreibungen, so wie kurz vor der Finanzkrise. Zahlen der Bank of England von heute deuten ebenfalls in diese Richtung. Mehr...

Kommentar: Das ist die Show, die sich hinter dem britischen Wirtschaftswachstum verbirgt: Eine neue Blase, erzeugt nach dem alten Muster. Cameron reißt die Klappe auf, feiert sich, seinen Finanzminister (der sich natürlich auch selbst feiert), stellt unerfüllbare Forderungen an die EU, versucht die Schotten mit Blick auf ihr Referendum zu erpressen und ist eigentlich doch nur ein politischer Laienspieler - wie alle anderen Politik-Darstellern in Europa.