Montag, 3. Februar 2014

Standpunkt 873 - Nachrichten-Ticker, 01.02.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir haben in den vergangenen Wochen jede freie Minute dafür verwendet, um unser neues Dossier im Januar 2014 zur Verfügung stellen zu können. Wir haben es nicht geschafft. Das Update ist uns aus den Fugen geraten und der aktuelle Vorstoß der Bundesbank zu einer Zwangsabgabe hält uns zusätzlich auf. Wir werden einige Tage länger brauchen. Dafür bitten wir um Verständnis. Andererseits sind wir davon überzeugt, dass sich die Warterei lohnt. 

Schwerpunkte unseres neuen Dossiers bilden, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, die Vorschläge von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, die virtuelle Währung Bitcoin, das Zypern-Modell, die Pläne der EU zur Bankenrettung (Stichwort Bankenunion). Außerdem Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und die Folgen der angeblichen Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tagesthemen: In eigener Sache – Hans-Werner Sinn und die Zwangsabgabe EU-Bankenstress-Test – Deutschland und die Schwellenländerkrise (2 Beiträge) - Vermögensentwicklung in der Krise – Teil 4 Spanien-Propaganda entlarvt USA Europas Krise: Titel, Thesen, Lösungen (Folge 41): Wer kontrolliert die Weltwirtschaft?



In eigener Sache
Nicht erst seit dem neuerlichen Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle immer wieder daraufhin. Heute hat offensichtlich auch die Bundesbank, in der Heimat fälschlicherweise als Hüter deutscher Sparer-Interessen wahrgenommen, dem IWF-Vorschlag zugestimmt (hier).

Wer jetzt immer noch nicht aufwacht, dem ist nicht zu helfen. Die Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken ist definitiv vorüber. Jetzt gilt es, dem Feind in die Augen zu schauen. Die Betroffenen scheinen das langsam zu begreifen. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Wir haben bis in den Spätsommer 2013 hinein, über Monate hinweg, eine persönliche Beratung angeboten, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - seine Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen.

Dieses Angebot mussten wir Anfang September 2013 leider aussetzen, weil die Nachfragen für unser kleines Team überhand genommen haben.

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt und bieten deshalb ab sofort wieder eine persönliche Beratung an. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Die Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Interesse? E-mail genügt. 


Ifo-Chef Sinn begrüßt Zwangsabgabe auf Sparguthaben
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Zwangsabgabe für Sparer wird konkreter: Nun lässt die Bild-Zeitung den Ökonom Hans-Werner Sinn die Zwangsabgabe begrüßen. Es soll der Eindruck erweckt werden, dass es hier nur gegen die "Reichen" geht. Tatsächlich werden die Billionen-Schulden nur mit dem Zugriff auf alle Vermögen zu begleichen sein. Die Irreführung der Bürger soll verhindern, dass es zu einem Bank-Run kommt. Mehr...

Kommentar: Nachdem die Bundesbank alle Hemmungen fallen lässt, darf auch der deutsche "Top-Ökonom des Establishments" nicht auf dem neuen Kurs fehlen. Wahrscheinlich muss er jetzt wieder reihum die Talk-Shows bereisen und der Öffentlichkeit seine wissenschaftlich verbrämten Thesen zum Thema erläutern. Bedauerlich, dass belastbare Fakten NIE seine Stärke sind. Andererseits dürfte Hans-Werner Sinn das Wesen dieser Gesprächsrunden verstanden haben: Es geht nur um die Show (der Selbstdarstellung). Das macht er nahezu perfekt. Skrupellos nutzt er dabei seinen Ruf aus, der ihm als dazu verklärter "Nr. 1 Ökonom Deutschlands" (O-Ton WIRTSCHAFTSWOCHE) immer noch vorauseilt. Den Platz, um seinen Schwenk auf die Linie von Politik und (Finanz-)Wirtschaft zu verkünden, hat Sinn gut gewählt. So sorgt er gleichzeitig für ein falsch informiertes "BILD"-ungsbürgertum. 


Wie viel Kapital fehlt den europäischen Banken? 
(heise-telepolis) Während eine OECD-Studie den EU-Banken einen Kapitalbedarf von insgesamt 84 Milliarden Euro zuschreibt, kommen Analysten allein für die HSBC auf bis zu 111 Milliarden Dollar.
Die Vorabmeldung der WirtschaftsWoche über eine OECD-Studie, die den Kapitalmangel der europäischen Banken mit 84 Mrd. Euro beziffert, sorgt gerade für erhebliches Aufsehen. Immerhin ist mittlerweile klar, dass die Weltfinanzkrise von 2008 und ebenso die Eurozonenkrise von übergroßen, unterkapitalisierten und völlig außer Kontrolle geratenen Banken verursacht wurde, und noch immer ist weitgehend offen, was die "Assets" in den Bilanzen dieser Banken tatsächlich wert sind. Mehr...


Kommentar: Diese Analyse tritt nach unserer Einschätzung an Hand der OECD-Studie den Beweis an: Es ist ein Stochern im dichten Nebel, für alle Beteiligten. 

Zu den in diesem Beitrag beschriebenen Unwägbarkeiten bei der Beurteilung kommen noch die Verluste der Schattenbanken und die unabsehbaren Risiken aus dem Derivatehandel. Letzteres ist sehr schön am Beispiel der britischen HSBC zu beobachten. Eine aktuelle Studie behauptet, dass die Bank "zwischen 63,6 Milliarden und 92,3 Mrd. Dollar an zweifelhaften Assets auf den Büchern habe und sich das aktuelle Kapitaldefizit auf 45 Mrd. Dollar belaufe. Demnach würde die HSBC - je nach Marktentwicklung - bis 2019 'mindestens' 60 Milliarden, vielleicht aber sogar bis zu 111 Milliarden Dollar an frischem Eigenkapital benötigen - allerdings auch dies auf Basis eines Stress-Szenarios, das nicht ausreichend definiert wird, um die Qualität dieser Schätzungen beurteilen zu können." Nach der OECD-Studie besteht bei der HSBC aber angeblich kein Kapitalbedarf. Nicht erwähnt wird in beiden Studien, dass die HSBC mit ihrer US-Tochter weltweit einer der größten Derivatehändler ist. 

"Stresstest" (Quelle: toonpool.com)


Schwellenländerkrise: Nur ein Land kann Deutschland in den Abgrund stürzen 
(welt.de) Noch bekommt Deutschland die Krise der Schwellenländer kaum zu spüren – trotz der Abhängigkeit vom Export. Doch das kann sich ganz schnell ändern, wenn der entscheidende Dominostein kippt. Mehr...

Kommentar: Gemeint ist China. Der Beitrag stellt dazu fest "Eine Krise in China ist nicht in Sicht" und zitiert Holger Schmieding von der Berenberg Bank. Der glaubt "weil es dort aber keine akuten Krisenfaktoren gibt, dürfte die deutsche Wirtschaft die Unruhe in anderen Ländern ganz gut wegstecken". Und weiter: "'Für Deutschland ist die stärkere Binnennachfrage in den USA und Großbritannien sowie die robuste Nachfrage aus China mindestens dreimal so wichtig wie die Schwäche in einem Teil der Schwellenländer', sagt der Ökonom." Schlecht nur, dass China haufenweise in Problemen steckt und Lösungen nicht in Sicht sind. Oder dass die Binnennachfrage in den USA und Großbritannien nur auf dem Papier stärker wird.  

Einen bemerkenswerten Beitrag steuert Markus Gärtner bei, der die Aufmerksamkeit in eine andere Richtung lenkt: "Vergesst die Schwellenmärkte – In den USA und Europa lauern größere Beben" (hier).


Vermögensentwicklung in der Krise – Teil 4: Transatlantische „Partnerschaft“ – oder die länderspezifischen Folgen der Euro-Krise für das finanzielle Privatvermögen
(querschuesse.de) In Teil 3 standen die Vermögenszusammensetzung und die Frage nach den Krisengewinnern und –verlierern auf der Ebene der Weltregionen im Mittelpunkt. Weil am Ende festgestellt worden war, dass der Anteil der privaten Schulden am Brutto-Privatvermögen in Nordamerika nach 2008 kontinuierlich und signifikant gesunken ist, bleibt erstens noch zu klären, ob dies eine Folge des Schuldenabbaus oder des Anstiegs des Brutto-Privatvermögens gewesen ist und zweitens, welchen Anteil die USA und Kanada an dieser Entwicklung hatten. Das erfordert einen näheren Blick auf die Verschiebungen bei den Anteilen des finanziellen und nicht-finanziellen Privatvermögens sowie bei den privaten Schulden am Bruttovermögen auf Länderebene im Zuge der Krise und welche Folgen dies für die Entwicklung der Privatvermögen in den verschiedenen Ländern hatte, die im Zuge dieser Aufsatzreihe in den Fokus genommen worden sind. Mehr...

Kommentar: Wir haben Teil 3 hier vorgestellt. Seit dem ist einige Zeit vergangen. Wer die Reihe noch einmal auffrischen möchte, der findet Teil 2 hier und Teil 1 hier. Nach wie vor verdient die Arbeit von SLE ungeteilte Aufmerksamkeit. 

In Teil 5 wird es um die bereits angekündigte Analyse der Zusammensetzung des finanziellen Privatvermögens auf Länderebene gehen, um zu überprüfen, ob sich daraus ein weitergehender Aufschluss gewinnen lässt. Unterschieden wird dabei zwischen liquiden Mitteln, Aktien und anderen Beteiligungen sowie sonstigen Finanzanlagen


Spanien: Doubtful Loans auf Allzeithoch
(queerschuesse.de) Heute veröffentlichte die spanische Zentralbank (Banco de España) die monatlichen Daten der spanischen Kreditinstitute zu den “Data on Doubtful Loans” für den Monat November 2013. Im November 2013 stieg das Volumen der Doubtful Loans (zweifelhafte Kredite) auf 192,504 Mrd. Euro, nach 192,971 Mrd. Euro im Vormonat und damit auf ein neues Allzeithoch. Trotz umfangreicher Bankenrettungen (Rekapitalisierungen) und der geschaffenen Bad Bank (SAREB), welche den spanische Banken bereits 50,5 Mrd. Euro an faulen Krediten abnahm, wächst das Volumen zweifelhafter Kredite munter weiter, erschwerend kommt dazu, das auch die Immobilienpreise weiter zur Schwäche neigen, denn vor allem aus dem Immobiliensektor und den vielen faulen Hypotheken speisen sich die Kreditausfälle im spanischen Bankensystem. Mehr...

Kommentar: Gestern haben wir in unserem Ticker mit dem Beitrag "Spanien: Belastung durch faule Kredite sinkt" von Österreichs DIE PRESSE beschäftigt (hier). Am Beispiel der spanischen Großbank Banco Popular haben wir das Gegenteil bewiesen. Dieser Beitrag, den wir bereits am 17.01. vorgestellt und kommentiert haben (hier), verstärkt zusätzlich unsere Argumente. Dort zeigen wir außerdem aussagekräftige Charts von Steffen Bogs. 


"The 'Recovery' Is A Mirage" Mark Spitznagel Warns, "With As Much Monetary Distortion As In 1929"
(zerohedge.com) "Today there is a tremendous amount of monetary distortion, on par with the 1929 stock market and certainly the peak of 2007, and many others," warns Universa's Mark Spitznagel. 

At these levels, he suggests (...) "subsequent large stock market losses and even crashes become perfectly expected events".

Post-Bernanke it will be more of the same, he adds, and investors need to know how to navigate such a world full of "monetary distortions in the economy and the creation of malinvestments." The reality is, Spitznagel concludes that the 'recovery is a Fed distortion-driven mirage' and the only way out is to let the natural homeostasis take over - "the purge that occurs after massive distortion is painful, but ultimately, it’s far better and healthier for the system". Read more...

Kommentar: Die Erklärung von Q Ratio, besser bekannt wahrscheinlich als Tobin's Q, gibt es hier und hier. Behält Mark Spitznagel recht, dann sind die jüngsten Äußerungen von Barack Obama und Ben Bernanke endgültig als wertlose Propaganda-Show enttarnt. 


Europas Krise: Titel, Thesen, Lösungen (Folge 41): Who Controls The Global Economy? Do Not Underestimate The Power OfThe Big Banks
(theeconomiccollapseblog.com) Are the big banks really as powerful as some people say that they are? Do they really control the global economy? If y0u asked most people, they would tell you that governments control the global economy. But the campaigns of our politicians are funded by the ultra-wealthy, the big banks and the large corporations that they control. Others would tell you that the Federal Reserve and the rest of the central banks around the world control the global economy. But the truth is that the Federal Reserve was established by the bankers and for the benefit of the bankers. As you will see below, at the very core of the global economy there exists a "super-entity" of financial institutions that control an almost unimaginable amount of wealth and power. These financial institutions and the ultra-wealthy individuals behind them are really the ones that are pulling all the strings.  In this world money equals power, and the borrower is the servant of the lender. When you follow the pyramid all the way to the top, it begins to become very clear who really is in control. Read more...

Kommentar: Dieser Beitrag, auf den wir gerade erst im Rahmen einer Recherche gestoßen sind, passt perfekt in unsere Reihe von Archivfunden. Nur oberflächlich betrachtet, hat er nichts mit Europas Krise zu tun. Michael Snyder liefert eine Menge Hintergrundmaterial; genug jedenfalls, um sich tiefgründig mit dem Thema zu beschäftigen und den Wirkungen auf die europäische Krise nachzuspüren. Es gibt sehr viel schlechtere Möglichkeiten, Zeit zu investieren. Wie gut Snyder's Beitrag auch die Zustände in Europa erklärt, macht folgende Karikatur am Beispiel Großbritanniens verständlich: 

Quelle: guim.co.uk