Donnerstag, 6. Februar 2014

Standpunkt 876 - Nachrichten-Ticker, 04.02.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier wichtige Blog-Beiträge aus der Vergangenheit zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir haben in den vergangenen Wochen jede freie Minute dafür verwendet, um unser neues Dossier im Januar 2014 zur Verfügung stellen zu können. Wir haben es nicht geschafft. Das Update ist uns aus den Fugen geraten und der aktuelle Vorstoß der Bundesbank zu einer Zwangsabgabe hält uns zusätzlich auf. Wir werden einige Tage länger brauchen. Dafür bitten wir um Verständnis. Andererseits sind wir davon überzeugt, dass sich die Warterei lohnt. 

Schwerpunkte unseres neuen Dossiers bilden, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, die Vorschläge von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, die virtuelle Währung Bitcoin, das Zypern-Modell, die Pläne der EU zur Bankenrettung (Stichwort Bankenunion). Außerdem Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und die Folgen der angeblichen Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tagesthemen: In eigener Sache – Harvard-Professor vs. Bank of America 3 Billionen Außenstände in den Schwellenländer – Lockere Geldpolitik zu Ende? - Immobilienblase in der Schweiz – Griechenland Amerika (4 Beiträge) – Fed – Abenomics 


In eigener Sache
Nicht erst seit dem neuerlichen Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle immer wieder daraufhin. Heute hat offensichtlich auch die Bundesbank, in der Heimat fälschlicherweise als Hüter deutscher Sparer-Interessen wahrgenommen, dem IWF-Vorschlag zugestimmt (hier).

Wer jetzt immer noch nicht aufwacht, dem ist nicht zu helfen. Die Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken ist definitiv vorüber. Jetzt gilt es, dem Feind in die Augen zu schauen. Die Betroffenen scheinen das langsam zu begreifen. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Wir haben bis in den Spätsommer 2013 hinein, über Monate hinweg, eine persönliche Beratung angeboten, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - seine Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen.

Dieses Angebot mussten wir Anfang September 2013 leider aussetzen, weil die Nachfragen für unser kleines Team überhand genommen haben.

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt und bieten deshalb ab sofort wieder eine persönliche Beratung an. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Die Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Interesse? Dann genügt eine E-mail!


Harvard-Professor hebt gesamtes Vermögen von Bank ab
(diepresse.com) Für null Zinsen sehe er sein Risiko nicht abgedeckt, sagt der ehemalige Havard-Ökonom Burnham. Die Hauptschuld liege bei der US-Notenbank Fed. Mehr...

Kommentar: Wir haben den Original-Beitrag "Why This Harvard Economist Is Pulling All His Money From Bank Of America" in unserem vorletzten Nachrichten-Ticker innerhalb des Kommentars zu dem Schweizer Beitrag "Das strittige Vermächtnis des Ben Bernanke" vorgestellt (hier). Es ist ein ausführlicher Aufsatz, den Terry Burnham abgeliefert hat. Was Österreichs DIE PRESSE daraus macht ist, gelinde ausgedrückt, eine Zumutung. Der Informationsgehalt ist gleich Null. Wertlos. 


The $3 Trillion Hole - Why EM Matters To European Banks
(zerohedge.com) How many times in the last few days have we been told that Turkey - or Ukraine or Venezuela or Argentina - are too small to matter? How many comparisons of Emerging Market GDP to world GDP to instill confidence that a little crisis there can't possible mean problems here. Putting aside this entirely disingenuous perspective, historical examples such as LTCM, and ignoring the massive leverage in the system, there is a simple reason why Emerging Markets matter. As Reuters reports, European banks have loaned in excess of $3 trillion to emerging markets, more than four times US lenders - especially when average NPLs for historical EM shocks is over 40%.

The risk is most acute for six European banks - BBVA, Erste Bank, HSBC, Santander, Standard Chartered, and UniCredit.



Kommentar: Das haben wir uns regelrecht auf der Zunge zergehen lassen - 3 Billionen $ aus Europa stehen im Feuer. Vorne mit dabei: Österreichs Erste Bank und Italiens UniCredit. Bravo. Erstaunlich und kaum zu glauben: Eine deutsche Bank ist erst mal nicht dabei. Die Schwellenländer - erklärte Lokomotiven der Weltwirtschaft - zu einem wesentlichen Teil finanziert von europäischen Banken. Wer trägt diese Risiken, wenn daraus am Ende Verluste geworden sind? Die österreichischen, italienischen, spanischen und britischen Steuerzahler? Oder letztlich alle Europäer - und die Amerikaner noch dazu? In Kombination mit Sparauflagen für die betroffenen Schwellenländer, nach dem Vorbild Europas? Nicht zu vergessen die Rettungsmethode "Zypern". Dumm nur, dass sich die Menschen in diesen Ländern wahrscheinlich nicht so einfach in die Schuldenknechtschaft nehmen lassen. Selbst dann nicht, wenn Militär und Polizei aufgeboten werden, um die Unruhen niederzuschlagen. Brasilien war kürzlich ein anschauliches Beispiel dafür.

Wer sich für weitere Einzelheiten zu den betroffenen europäischen Banken interessiert, der findet hier den zitierten Beitrag der Nachrichtenagentur REUTERS.


Der Anfang vom Ende der lockeren Geldpolitik
(project-syndicate.org) Das Ausscheiden des US-Notenbankchefs Ben Bernanke hat Spekulationen angeheizt, wann und wie die Fed und andere Zentralbanken ihre gigantischen Ankäufe langfristiger Anleihen, auch als quantitative Lockerung (QE) bekannt, zurückschrauben werden.
Beobachter greifen begierig alle neuen Wirtschaftsdaten auf, um Prognosen über die Fortsetzung der quantitativen Lockerung oder aber ihr rascheres Auslaufen zu treffen. Den Folgen, die jedes der beiden Ergebnisse für verschiedene Wirtschaftsakteure hätte, muss allerdings verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet werden.
An der Größenordnung der QE-Programme besteht kein Zweifel. Seit Beginn der Finanzkrise haben die US-Notenbank, die Europäische Zentralbank, die Bank von England und die japanische Zentralbank quantitative Lockerung genutzt, um ihre Volkswirtschaften mit zusätzlicher Liquidität in Höhe von vier Billionen US-Dollar zu versorgen. Wenn diese Programme auslaufen, könnten Regierungen, einige Schwellenmärkte und einige Unternehmen in eine prekäre Lage geraten. Sie müssen sich vorbereiten. Mehr...

Kommentar: Man könnte meinen, die beiden Autoren leben hinter dem Mond. Der englische Original-Beitrag "When Easy Money Ends" ist am 28.01.2014 erschienen (hier). Da war die Krise in den Schwellenländer bereits in vollem Gange und die Idee, sich darauf vorzubereiten reichlich veraltet. Einfältig auch das Fazit: "Gleichwohl müssen alle Akteure verstehen, welche Folgen das Ende der quantitativen Lockerung für sie haben wird. Nach über fünf Jahren der quantitativen Lockerung haben sich die Erwartungen anhaltend niedriger oder sogar negativer Realzinsen womöglich gefestigt - eher wie ein süchtig machendes Schmerzmittel als ein starkes Antibiotikum wie es ein Kommentator formuliert hat. Regierungen, Unternehmen, Investoren und Einzelne müssen allesamt ihre Selbstzufriedenheit abschütteln und disziplinierter an die Kreditvergabe und Kreditaufnahme herangehen, um sich auf das Ende - oder die Fortsetzung - der quantitativen Lockerung vorzubereiten." Da zerschellt die Theorie krachend an der Wirklichkeit. 

Gerade die Folgen des von Ben Bernanke verkündeten "Taperns" waren zeitig abzusehen, was auch die folgende Karikatur wunderbar anschaulich darstellt: 

Quelle: cagle.com

Vergaberegeln für Hypotheken sollen drastisch verschärft werden 
(tagesanzeiger.ch) Laut der Schweizer Finanzmarktaufsicht vergeben die Banken "flächendeckend" zu leichtfertig Hypotheken. Sie will die Zügel anziehen. Mehr...

Kommentar: Seit Monaten warnt und mahnt die Schweizer Nationalbank (SNB) vor den Gefahren. Sie schätzt, dass 40% der neu vergebenen Hypothekendarlehen "leichtfertig" vergeben worden sind. Eine Gefahr auch in anderen europäischen Ländern, Deutschland inklusive. Offensichtlich haben die Appelle nichts genutzt. 


Greece Tops Europe's Shadow Economies
(zerohedge.com) While Greece may be the most corrupt nation in Europe, there appears another problematic issue for finance minister Yannis Stournaras when he discusses the way forward with his Swiss counterpart this week. As Bloomberg's Niraj Shah reports, Greece's difficulties with tax evasion are the worst in Europe. Accprding to a study from Johannes Kepler University, the size of the Greek shadow economy is a stunning 24% of GDP. Mehr...

Kommentar: Verständlich, oder? Wir finden es im Gegensatz dazu erstaunlich, dass in einem reichen und selbstzufriedenen Land wie Deutschland die Quote bei beachtlich hohen 15% liegt.  

   


Amerika kommt dem drohenden Klassenkampf einen großen Schritt näher
(blogmarkusgaertner.com) Er macht es wirklich wahr. New Yorks neuer Bürgermeister Bill DeBlasio will ihren Beschäftigten deutlich höhere Löhne zu zahlen. "Living Wages", wie man in den USA sagt. Das sind Löhne, die im Gegensatz zu Mindestlöhnen für einen halbwegs würdigen Lebensunterhalt reichen.
Jetzt wirft DeBlasio den Konzernen den Fehdehandschuh hin. Er habe genug davon, dass Manager sich die Löhne ihrer Angestellten von den Steuerzahlern finanzieren ließen und dabei Millionen-Salärs einstreichen. Deswegen will er sie einfach verdonnern. Das will der Bürgermeister kommende Woche in seiner Ansprache zur Lage der Stadt sagen. Ihm reicht es, dass Firmen ihre Arbeiter so mies entlohnen, dass die Steuerzahler mit allen möglichen staatlichen Subventionen und sozialen Leistungen einspringen müssen.
“Wenn wir die Firmen subventionieren, dann haben wir absolut das Recht, angemessene Löhne zu verlangen”, sagte DeBlasio am Montag im Sender WNYC. Boff! Das war der Fehde-Handschuh. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Bill DeBlasio wird wissen, auf was er sich da einläßt. Einen Versuch ist es wert. In den USA gilt, mehr noch als anderswo, "ohne Moos nichts los". Ein landesweites Problem, wie die folgenden Beiträge zeigen: "The US Consumer Is Not Thriving" meldet ZERO HEDGE und schreibt dazu: "With the world's focus on emerging markets and anxiously trying to bring the narrative back domestically as a reason to buy US stocks, we thought this simple chart would help clarify just how 'great' the US economy (70% of GDP is consumption we are constantly reminded) is doing..." Read here.

Augenfällig auch dieser Chart:


Außerdem meldet ZERO HEDGE: "Radioshack Celebrates One Year Anniversary Of Closing 500 Stores By Closing 500 More". Einleitend heißt es da: "If it seems like it was exactly a year ago that turmoiling retailer Radioshack shut down 500 stores due to lack of consumer interest in its wares (and or consumer disposable cash), it is because it was. So how does Radioshack demonstrate its morbid sense of humor on the one year anniversary of said announcement? Well, by closing another 500, or about 12% of the retailer's total 4500 outlets currently in existence. The WSJ reports that the company which once was the butt of all LBO-rumor jokes (and still is, only this time in the context of an M&A-rumor with JCPenney and/or the Joseph A. Wearhouse joint venture), is "planning to close around 500 stores in the coming months as the electronics retailer continues working with advisers to restructure the company." Read more here. Ergänzend dazu noch einen Beitrag von US TODAY aus dem Februar 2013: "Retailers that will close the most stores" (hier). Bis zu seiner alten Stärke hat der US-Konsum noch einen weiten Weg vor sich. Daran können auch die regelmäßigen Schönschreibungen in den Führungsmedien nichts ändern. Zweifel? Dagegen hilft dieser Beitrag von - natürlich - ZERO HEDGE: "Factory Orders Drop Most In 5 Months, Inventories Rise Fastest Since June". Weiter heißt es: "Factory Orders dropped 1.5% in December - their biggest fall since July - but modestly beat weak expectations. This drop despite the fact that inventories of manufactured durable goods in December, up eight of the last nine months, increased $3.2 billion or 0.8 percent to $387.9 billion to the highest level since the series was first published. This is the fastest year-over-year inventory build in 6 months - and fastest month-over-month build in 15 months." Read more here. Amerika produziert "auf Halde". Die beiden folgenden Charts stammen aus dem Beitrag: 







Fed's Lacker Slams Permabulls, Pours Cold Water On The US "Growth Story"
(zerohedge.com) Unlike the other Fed presidents who are all too happy to lie in order to instill some confidence in a centrally-planned economy and market, not realizing that by doing so they hurt their own credibility, non-voting member Jeffrey Lacker and president of the Richmond Fed has a different approach - telling the truth. Which is why we read his just released speech this morning with interest since once again, it contains far more truth and honesty than anything else the FOMC releases. Sure enough, it has enough fire and brimstone to put even fringe bloggers to shame. Read more...

Kommentar:  Es gibt sie hier und da noch, die Realisten. Scheinbar ist Jeffrey Lacker einer von ihnen. Hier nachzulesen. 


The Stock Market In Japan Is COLLAPSING
(theeconomiccollapse.com) Did you see what just happened in Japan?  The stock market of the 3rd largest economy on the planet is imploding. On Tuesday, the Nikkei fell by more than 610 points. If that sounds like a lot, that is because it is. The largest one day stock market decline in U.S. history is only  777 points. So far, the Dow is only down about 1000 points during this "correction", but the Nikkei is down  more than 2,300 points. The Nikkei has dropped more than 14 percent since the peak of the market, and many analysts believe that this is only just the beginning. Those that have been waiting for a full-blown stock market collapse may be about to get their wish. Japan is absolutely drowning in debt, their central bank is printing money like crazy and the Japanese population is aging rapidly. As far as economic fundamentals go, there is very little good news as far as Japan is concerned. So will an Asian financial collapse precede the next great financial crisis in the United States? That is what some have been predicting, and it starting to look increasingly likely. Read more...

Kommentar: Wie immer bei Michael Snyder ist der Beitrag randvoll mit weiterführenden Links, die sich zur Vertiefung der Zusammenhänge allesamt lohnen. Abe(nomics) könnte scheitern. 

Quelle: cagle.com