Montag, 10. Februar 2014

Standpunkt 878 - Nachrichten-Ticker, 06.02.


Regelmäßig stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.  

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier wichtige Blog-Beiträge aus der Vergangenheit zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Unser Dauer-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist mittlerweile schon mehr als ein Jahr her, dass wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir haben in den vergangenen Wochen jede freie Minute dafür verwendet, um unser neues Dossier im Januar 2014 zur Verfügung stellen zu können. Wir haben es nicht geschafft. Das Update ist uns aus den Fugen geraten und der aktuelle Vorstoß der Bundesbank zu einer Zwangsabgabe hält uns zusätzlich auf. Wir werden einige Tage länger brauchen. Dafür bitten wir um Verständnis. Andererseits sind wir davon überzeugt, dass sich die Warterei lohnt. 

Schwerpunkte unseres neuen Dossiers bilden, neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte, die Vorschläge von IWF, DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, die virtuelle Währung Bitcoin, das Zypern-Modell, die Pläne der EU zur Bankenrettung (Stichwort Bankenunion). Außerdem Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und die Folgen der angeblichen Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Tagesthemen: In eigener Sache – Deutsche Exportüberschüsse (2 Beiträge) Die NExit-Bombe des Geert Wilders (3 Beiträge) - EZB – $29,000,000,000,000-Fed-Bailout (4 Beiträge) 


In eigener Sache
Nicht erst seit dem neuerlichen Vorstoß des IWF (hier) ist klar, dass Politik, Finanzindustrie und Leitmedien ein falsches Spiel treiben. Seit 2011 weisen wir an dieser Stelle immer wieder daraufhin. Heute hat offensichtlich auch die Bundesbank, in der Heimat fälschlicherweise als Hüter deutscher Sparer-Interessen wahrgenommen, dem IWF-Vorschlag zugestimmt (hier).

Wer jetzt immer noch nicht aufwacht, dem ist nicht zu helfen. Die Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken ist definitiv vorüber. Jetzt gilt es, dem Feind in die Augen zu schauen. Die Betroffenen scheinen das langsam zu begreifen. Jedenfalls deuten die Wortmeldungen auf unseren Beitrag zur Enteignung (hier), zum Derivate-Desaster (hier) und zu unserem jüngsten Kommentar (hier) zu dem Working Paper von Rogoff und Reinhart für den IWF (hier) darauf hin. 

Wir haben bis in den Spätsommer 2013 hinein, über Monate hinweg, eine persönliche Beratung angeboten, um sich durch geeignete Maßnahmen gegen die vielen Formen der Financial Repression und der Enteignung abzusichern. Kurz - seine Ersparnisse/Zukunftsvorsorge krisenfest zu machen.

Dieses Angebot mussten wir Anfang September 2013 leider aussetzen, weil die Nachfragen für unser kleines Team überhand genommen haben.

Rechtzeitig zur nächsten "Entwicklungsstufe" der Diskussion rund um die Lösung der (Bank-)Schuldenkrise mittels der Sparer/Steuerzahler/Bürger haben wir uns verstärkt und bieten deshalb ab sofort wieder eine persönliche Beratung an. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich: Die Beratung ist kostenpflichtig - wir berechnen eine einmalige, pauschale Aufwandsentschädigung.  Aus diesem Grund erwarten wir nur ernsthafte Anfragen von Interessenten die auch bereit sind, für diese Leistung zu bezahlen.

Eingehendes Briefing vorausgesetzt, erstellen wir in jedem Fall eine individuelle Analyse und detaillierte Vorschläge zur Krisensicherung. Zur optimalen Absicherung verfolgen wir ein eigenes Konzept, das wir bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen. Für Einzelheiten schicken Sie uns eine E-mail


Deutsche Exportstärke: "Löhne rauf" löst das Problem nicht
(diepresse.com) Deutschland wird oft wegen des Außenhandelsüberschusses gerügt. Doch die Berechnung verliert an Aussagekraft, sagt ein Ökonom. Mehr...

Kommentar: Wer hat diese Arbeit bei Prof. Dr. Döhrn und dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Auftrag gegeben? Das würde uns interessieren. Vielleicht sind es ja genau die gleichen Leute, für die zwei Mal im Jahr die Gemeinschaftsdiagnose produziert wird, an der das RWI seit Jahren beteiligt ist. Auftraggeber dafür ist die Bundesregierung. 

Döhrns Behauptungen sind auf den ersten Blick nur schwer angreifbar, sie erscheinen schlüssig und die von ihm verwendeten Zahlen stützen seine Thesen. Natürlich ist es in diesem Zusammenhang wenig verwunderlich, dass er für sein RWI-Positionspapier "Exporte ohne Sühne?" (hier) auf zwei dieser Exemplare Gemeinschaftsdiagnose zurückgreift, an denen er maßgeblich mitwirkt.
Wir haben uns diese Konjunkturanalysen und -prognosen rückwirkend bis 2006 angesehen, d. h. wir haben uns einen Überblick über die Treffsicherheit dieser Gutachten verschafft. Am Schluss haben wir unseren Kommentar in einem einzigen Wort zusammengefasst: Pappnasen. 

Akademischer und sehr viel seriöser hat der Ökonom Heiner Flassbeck, früher Chef-Volkswirt der UNCTAD, die beiden letzten Gemeinschaftsdiagnosen kommentiert. Deshalb weisen wir viel lieber auf diese beiden Beiträge hin, statt unsere eigenen Gedanken an dieser Stelle zu vertiefen, bzw. öffentlich zu machen. 

Zur Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2013 (hier) überschreibt Flassbeck seine Kritik mit "Die Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute – oder wie man mit Sinn über die Zukunft reden müsste". In seiner Einleitung heißt es: "Jeder weiß, Prognosen sind schwer, weil sie die Zukunft betreffen. Prognosen sind noch viel schwerer, wenn diejenigen, die sich mit der Zukunft beschäftigen sollen, schon einen stark getrübten Blick auf die Gegenwart haben. Prognosen sind aber unmöglich, wenn die Prognostiker mit einem Weltbild durch die Gegend laufen, das ihren ideologischen Vorlieben entspricht, aber nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Letzteres ist der traurige Zustand, in dem sich die Gemeinschaftsdiagnose einer Reihe von Wirtschaftsforschungsinstituten befindet, die von der Bundesregierung in Auftrag gegeben wird." Mehr hier. Wirklich lesenswert, was Flassbeck zu diesem Gutachten schreibt. Sehr passend auf den heutigen Beitrag in der österreichischen DIE PRESSE ist aber folgende Bemerkung zu den Ergebnissen der Wirtschaftsinstitute: "Das ist klassische zirkuläre Logik: Man nimmt an, was man braucht, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen, und, oh Wunder, schon kommt es raus." Das genau ist nämlich unser Eindruck von den Zahlenspielereien und Schlussfolgerungen daraus, die Döhrn seinem Papier zugrunde legt.

Die Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2013 (hier) kritisiert Flassbeck unumwunden deutlich: "Gemeinschaftsdiagnose der Institute - außer Spesen nichts gewesen" (hier). Wir greifen nur einen Satz heraus, der unsere eigene Kritik an Döhrn zur Hilfe kommt: "Mit welcher Nonchalance und Ignoranz die Institute über die gesamte europäische Problematik hinweggehen und Deutschland vollkommen aus der Schusslinie nehmen, ist immer wieder neu beeindruckend." In der Sache ist Flassbeck's Beitrag ebenfalls hilfreich: "(...) man erwähnt bei einer Analyse, die sich der veränderten Wettbewerbsfähigkeit widmet, die durch Lohndumping erreichte und eindeutig im Widerspruch zum vereinbarten Inflationsziel stehende deflationäre deutsche Sonderposition nicht, lobt aber die Länder, die durch „Strukturreformen“ die Löhne schon gesenkt haben. Das diese Lohnsenkung mit einer massiven Erhöhung der Arbeitslosigkeit einherging, weil der Binnenmarkt eingebrochen ist, wer will schon solche Kleinigkeiten erwähnen. Dass dieser Abschnitt aber mit einer impliziten Mahnung an Frankreich und Italien endet, in der es heißt: „Italien und Frankreich haben hingegen in den vergangenen Jahren keine ähnlich tief greifenden Strukturreformen durchgeführt. Entsprechend haben sie seit Ausbruch der globalen Finanzkrise weiterhin, wenn auch nur geringfügig, an preislicher Wettbewerbsfähigkeit verloren. Die beiden Länder dürften weiter Weltmarktanteile verlieren“, ist wirklich zu viel des Bösen. Wer heute empfiehlt oder suggeriert, die beiden großen Länder sollten die Politik kopieren, die in Südeuropa (selbst nach Ansicht des Troika-Mitgliedes IWF) solche Schäden angerichtet hat, ist einfach verantwortungslos. Wer nicht bereit ist, die Folgen der eigenen Empfehlungen zu „Strukturreformen“ auch nur zur Kenntnis zu nehmen, darf in der Diskussion um diese Fragen einfach nicht mehr ernst genommen werden. Nicht einmal ignorieren, ist die beste Art, wie man in Zukunft mit solchen ideologiebasierten Pamphleten umgehen sollte." 
 
Es ist auffällig, dass sich Roland Döhrn nur sehr einseitig mit den von den Kritikern der deutschen Leistungsbilanzüberschüsse vorgeschlagenen Lösungen auseinandersetzt. Er behauptet in der Zusammenfassung zu seinem Papier einfach, "Deutschland sieht sich derzeit mit Forderungen konfrontiert, seine Außenhandelsüberschüsse durch eine Stimulierung der Binnennachfrage zu verringern." Das kann nur eine Maßnahme aus einem Gesamtpaket sein. Zugegeben, es ist eine wichtige. Es dann aber nur, wie von Döhrn, zu dem Slogan "Löhne rauf" zu verdichten ist "unprofessoral" gewöhnlich - Stammtischniveau eben. Besonders vor dem Hintergrund der folgenden Übersicht:


Unbestreitbar muss das Lohndumping in Deutschland aufhören; genauso dringend muss die Investitionssumme rauf, die öffentliche und die private, auf diese Weise werden wahrscheinlich mehr als 200 Milliarden Euro den Binnenmarkt auf Vordermann bringen. Zum Teil bewerkstelligt mit den diversen deutschen Spargroschen, die bisher die Exportüberschüsse der heimischen Wirtschaft finanzieren und auf diese Weise regelmäßig für neue Rekorde bei den Unternehmensgewinnen sorgen. Natürlich muss es letztlich auch darum gehen die Deutschen konsumfreudiger zu machen (tatsächlich, nicht nur auf dem Papier!). Diese Aufzählung ist nicht vollständig, sie dient nur als beispielhafte Übersicht nützlicher Möglichkeiten, denen sich scheinbar die Wirtschaftsforschungsinstitute der regierungsfreundlichen Gemeinschaftsdiagnose einfach verweigern. Weil es nicht in die Politik der deutschen Bundesregierung passt. Der sind die Exportüberschüsse heilig.


Deutschlands Exporterfolge und seine problematischen Importdefizite: Ein Verteilungsproblem
(gegenblende.de) Deutschland ist nicht mehr "Exportweltmeister" und liegt inzwischen hinter China und mittlerweile auch hinter den USA. Dafür hält Deutschland jetzt den Weltmeistertitel bei den Exportüberschüssen. Im September 2013 belief sich die Differenz auf den Rekordwert von 20,4 Milliarden Euro. Was die Leistungsbilanz insgesamt betrifft, dürfte die Bundesrepublik im Jahr 2013 den jüngsten Berechnungen des ifo-Instituts zufolge mit insgesamt etwa 200 Milliarden Euro bzw. 7,3 Prozent des BIP nicht nur den Weltmeistertitel, sondern auch den höchsten Überschuss ihrer Geschichte erzielen. Wie zu zeigen sein wird, ist das keinesfalls ein Grund zum Jubeln, sondern ein ernstes Problem. Mehr...

Kommentar: Ganz anders als das Papier von Prof. Dr. Döhrn nimmt sich dieser Beitrag dem Problem Exportüberschüsse an. Uns gefällt diese Herangehensweise besser. Das Fazit des Autors nehmen wir schon vorweg: "Die Darstellung hat gezeigt, dass Deutschlands hohe Exportüberschüsse nicht nur problematisch sind, sondern auch angemessener als Importdefizite zu bezeichnen wären. Sie wurzeln in Verteilungsdefiziten, die dazu führten, dass niedrigere und mittlere Einkommen ihre Nachfrage einschränken mussten, während höhere und insbesondere die höchsten Einkommen stark zunahmen und für ihre zunehmenden Ersparnisse keine produktive Verwendung mehr fanden – weder im Inland, noch, wie sich mit der Finanzmarktkrise letztlich zeigte, im Ausland. Bis heute scheint sich an diesem "Modell" wenig geändert zu haben, womit die nächste Krise vorprogrammiert ist. Wie gezeigt, sind jedoch Lösungen einer gesamtwirtschaftlichen Stabilisierung möglich. Effektiv wäre ein Dreiklang aus höheren öffentlichen Investitionen im Inland, die durch eine gerechtere Besteuerung insbesondere hoher Vermögen und Einkommen finanziert werden, einer gerechteren Einkommensverteilung mit Verbesserungen insbesondere bei niedrigeren Löhnen und mit höheren Sozialleistungen für Einkommensschwächere, sowie höheren privaten Investitionen, die nicht zuletzt durch die zu erwartende höhere Nachfrage aufgrund einer besseren Verteilung angeregt werden." Der Entwicklung des deutschen BIP würden diese Maßnahmen sicherlich guttun, wie die folgende Grafik zeigt: 

    
Da gibt es einiges Potential.


Die NExit-Bombe: Studie verspricht Niederlanden bei Ausstieg aus EU kräftigen Konjunkturschub bei beherrschbaren Risiken
(blogmarkusgaertner.com) Auweia, das musste kommen. Die britische Beratungsgesellschaft Capital Economics hat im Auftrag der Freiheitspartei der Niederlande ausgerechnet, welche ein Ausstieg des Landes aus der Europäischen Union und damit aus dem Euro hätte.
Das Ergebnis ist politisch brisant. Trotz der nötigen Währungsumstellung, deren Kosten bei einem Ausstieg für "moderat und machbar" gehalten werden, gebe es wenig Beweise dafür, dass der neue Guilder nach anfänglicher Volatilität stark auf- oder abwerten würde.
Es bestehe auch keine Gefahr für das Bankensystem, die Pensionskassen oder die staatliche Verschuldung. Im Gegenteil: Steigen die Niederlande aus (NExit) und entwickeln zur EU ein Verhältnis wie die Schweiz – so die zugrunde liegende Annahme für die Zahlen – dann könne die gesamtwirtschaftliche Leistung des Landes bis zum Jahr 2035 um bis zu 13% höher ausfallen, als ohne den NExit. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Erstaunlich, wie unreflektiert Markus Gärtner "nachplappert", was in dieser Studie als Ergebnis präsentiert wird. Die DEUTSCHE WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN (DWN) zitieren in ihrem Beitrag "Studie: Niederlande wäre ohne EU besser dran" aus dem Blog von Daniel Stelter, der für dieses Ergebnis unverhohlen Sympathie bekundet. Zur Erinnerung: Stelter ist der Mitautor einer Studie von Boston Consulting Group (BCG) für eine 30%ige Vermögensabgabe zur Reduzierung der Staatsschulden in Europa unter die Maastricht-Grenze von 60%. Mittlerweile ist Stelter dort ausgeschieden.Die DWN schreiben: "Der Ökonom Daniel Stelter sieht die Studie als wichtige Untersuchung an, die auch für Deutschland von Bedeutung ist. Stelter urteilt auf seinem Blog: 'Obwohl der Auftraggeber als Eurokritiker bekannt ist, muss man die Studie sehr ernst nehmen, stammt sie doch von Capital Economics einem höchst renommierten Wirtschaftsforschungsinstitut. Gefälligkeitsgutachten erstellt man dort nicht. Das Ergebnis muss alle Alarmglocken in Brüssel und Berlin läuten lassen: Der durchschnittliche holländische Haushalt hätte rund 9.800 Euro mehr, wenn Holland nicht mehr im Euro und der EU mitmacht. Für die Volkswirtschaft als ganzes berechnet Capital Economics einen Wohlstandsgewinn von mehr als 1,5 Billion Euro!!'" Mehr hier

N-TV kommentiert dazu "Wilders' Legende vom leichten Ausstieg". In diesem Beitrag kommt der Hinweis auf die Schwachstelle "seiner" Studie von dem politischen Rechtsaußen selbst: "Sollte sein Land zum 1. Januar 2015 austreten und zur EU ein ähnliches Verhältnis pflegen wie die Schweiz, würden die Staatsausgaben sinken und die Wirtschaft im Jahr 2035 um mindestens zehn Prozent wachsen." Die Autoren und ihr Auftraggeber Wilders setzen auf bilaterale Abkommen, allen voran ein Freihandelsabkommen, mit dem das Land weiterhin große Freiheiten und Vorteile gegenüber der EU genießen würde. Warum? Welche Gründe sollte die EU haben, nach einem Austritt solche Abkommen mit den Niederlande abzuschließen? Wir kennen keinen einzigen. Leckeren Käse, Obst und Gemüse gibt es auch anderswo. Die Produkte der niederländischen Industrie sowieso. Denkbar wäre es sogar, dass dann weitsichtige niederländische Konzerne ihrer Heimat endgültig den Rücken kehren. Das Fazit von N-TV: "Und so leicht der Austritt auf dem Papier auch sein mag: Bisher fehlt das Beispiel, an dem man sich orientieren könnte. Auch aus Sorge vor den Auswirkungen hat bisher noch kein Land den Weg zurück eingeschlagen. Auf die Prognosen des als konservativ und euroskeptisch geltenden Instituts Capital Economics ist ohnehin nicht zwangsläufig Verlass. Vorhersagen für einen Austritt Griechenlands im Jahr 2012 und von mindestens einem weiteren Land 2013 erwiesen sich im Nachhinein als falsch." Mehr hier. Wer sich dafür interessiert: Informationen zu den bilateralen Verträgen zwischen der Schweiz und der EU gibt es hier.

Unser Fazit fällt kurz aus: Capital Economics und Geert Wilders spielen mit gezinkten Karten. 


Die EZB am Rande ihrer Möglichkeiten
(wirtschaftsblatt.at) Man kann die Pferde zwar zur Tränke führen, saufen müssen sie bekanntlich selbst. Dieses Problem dürfte den Damen und Herren in der Chefetage der EZB in abgewandelter Form nur allzu bekannt sein. Wiederholt haben sie den Banken in der Eurozone mit geldpolitischen Mitteln unter die Arme gegriffen, ohne dass es gelungen wäre, die seit der Finanzkrise stockende Kreditvergabe wieder anzufachen. Dabei ist genau in diesem Umstand der Schlüssel zu der keineswegs unbegründeten Gefahr einer einsetzenden Deflationsspirale zu suchen. (...) Bisher sind jedoch alle Vorstöße der EZB zur Belebung der Kreditvergabe wie rekordtiefe Leitzinsen oder Sonderfinanzierungsrunden für Banken ins Leere gelaufen, obwohl die Nachfrage durchaus gegeben wäre. Daran würden wohl auch unkonventionelle Maßnahmen wie großflächige Anleihenkäufe nach US-Strickmuster nicht viel ändern. Während der EZB in diesem Punkt anscheinend weitgehend die Hände gebunden sind, könnte die Politik den Gordischen Knoten mit Leichtigkeit durchschlagen - sofern sie sich dazu durchringen würde. Nämlich durch die Einführung eines konsequenten Trennbankensystems. Investmentbanken erzielen ihre Profite an den Finanzmärkten und für Geschäftsbanken bleibt dann nur ein Weg, um mit den Spareinlagen der Kunden Gewinne zu erzielen - durch die Vergabe von Krediten. Mehr...

Kommentar: Das will doch keiner in der Finanzindustrie und der Politik. Im Zuge dieser Trennung müssen die Leichen aus dem Keller. Das Versteckspielen hätte ein Ende. Mit bösen Folgen: Auf einen Schlag wären die Banken pleite. Und die Politik als ihr jahrelanger williger Helfershelfer entlarvt. Was anschließend passiert ist nicht absehbar. Ein Risiko, das möglicherweise auch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe zu seinem jüngsten Urteil bewogen haben könnte.


$29,000,000,000,000: A Detailed Look at the Fed’s Bailout of the Financial System
(levyinstitute.org) There have been a number of estimates of the total amount of funding provided by the Federal Reserve to bail out the financial system, ranging from the Fed’s own claim of only $1.2 trillion to Bloomberg’s estimate of $7.7 trillion (just for the biggest banks) and the Government Accountability Office’s tally of $16 trillion. As part of the Ford Foundation project that I am directing, "A Research and Policy Dialogue Project on Improving Governance of the Government Safety Net in Financial Crisis,” Nicola Matthews and James Felkerson have undertaken a detailed examination of the raw data pried from the Fed by lawsuit and congressional order. Felkerson’s new working paper, issued by the Levy Institute, is the first in a series that will report their results. The headline summary is that the Fed committed more than $29 trillion in the form of loans and asset purchases to prop up the global financial system. Beneficiaries included member banks, investment banks and the rest of the shadow banking system, industrial firms, foreign banks and central banks, and even individuals such as the "Real Housewives of Wall Street" identified by Rolling Stone’s Matt Taibbi. Read more...

Kommentar/Ergänzung: Schon ein etwas älterer Beitrag, er stammt aus Dezember 2011. Trotzdem höchst informativ und wertvoll. Es geht um Summen, die einem die Sprache verschlagen. Und zeigt den Lug und Trug hinter einer glänzenden Fassade, aus Finanzindustrie und Notenbank(en). 

Levy Institute liefert auch ein ausführliches Working Paper zum Thema: "$29,000,000,000,000: A Detailed Look at the Fed’s Bailout by Funding Facility and Recipient". In der Einleitung dazu heißt es: "There have been a number of estimates of the total amount of funding provided by the Federal Reserve to bail out the financial system. For example, Bloomberg recently claimed that the cumulative commitment by the Fed (this includes asset purchases plus lending) was $7.77 trillion. As part of the Ford Foundation project "A Research and Policy Dialogue Project on Improving Governance of the Government Safety Net in Financial Crisis," Nicola Matthews and James Felkerson have undertaken an examination of the data on the Fed’s bailout of the financial system — the most comprehensive investigation of the raw data to date. This working paper is the first in a series that will report the results of this investigation. The purpose of this paper is to provide a descriptive account of the Fed’s extraordinary response to the recent financial crisis. It begins with a brief summary of the methodology, then outlines the unconventional facilities and programs aimed at stabilizing the existing financial structure. The paper concludes with a summary of the scope and magnitude of the Fed’s crisis response. The bottom line: a Federal Reserve bailout commitment in excess of $29 trillion." Mehr hier

Den Beitrag von Matt Taibbi, "The Real Housewives of Wall Street", erschienen in der US-Ausgabe des ROLLING STONE, gibt es hier. Immer noch eine absolute Pflichtlektüre! Die Karikatur von Victor Juhasz dazu spricht Bände: 


Ebenfalls unbedingt lesenswert ist ein weiteres Working Paper des Levy Institute: "Global Financial Crisis: A Minskyan Interpretation of the Causes, the Fed’s Bailout, and the Future": "This paper provides a quick review of the causes of the Global Financial Crisis that began in 2007. There were many contributing factors, but among the most important were rising inequality and stagnant incomes for most American workers, growing private sector debt in the United States and many other countries, financialization of the global economy (itself a very complex process), deregulation and desupervision of financial institutions, and overly tight fiscal policy in many nations. The analysis adopts the “stages” approach developed by Hyman P. Minsky, according to which a gradual transformation of the economy over the postwar period has in many ways reproduced the conditions that led to the Great Depression. The paper then moves on to an examination of the US government’s bailout of the global financial system. While other governments played a role, the US Treasury and the Federal Reserve assumed much of the responsibility for the bailout. A detailed examination of the Fed’s response shows how unprecedented—and possibly illegal—was its extension of the government’s “safety net” to the biggest financial institutions. The paper closes with an assessment of the problems the bailout itself poses for the future." Mehr hier.